10 Oktober 2016

10. Oktober, 2016


Nach Media Days, Trainingscamps und ersten Testläufen ist klar: das neue NBA-Jahr 2016/17 ist inoffiziell underways. Wir haben wie gewohnt alle 30 Mannschaften durchgecheckt und prognostizieren euch bis zum echten Start am 25. Oktober die kommende Saison. Heute: die Orlando Magic.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick

Flashback
35-47, keine Playoffs

Plus
Serge Ibaka
Bismack Biyombo
Jeff Green
D.J. Augustin
Jodie Meeks
Stephen Zimmerman
C.J. Wilcox

Minus
Victor Oladipo
Ersan Ilyasova
Brandon Jennings
Andrew Nicholson
Dewayne Dedmon
Jason Smith
Shabazz Napier

Was ist Neu?
Großer Umbruch und viele neue Gesichter im Amway Center. Der langjährige Pacers-Coach Frank Vogel übernimmt an der Seitenlinie für den glücklosen Scott Skiles und soll den Magic eine defensive Identität einbläuen. Das richtige Personal dafür hat GM Rob Hennigan vor allem in Person von Serge Ibaka und Bismack Biyombo akquiriert. In Jeff Green und Rookie-Center Stephen Zimmerman verstärken sich die Magic noch weiter auf den großen Positionen, als Unterstützung auf den kleinen Positionen kommen D.J. Augustin und Jodie Meeks.

Beste Addition
Serge Ibaka ...  Gestandene Spieler von All-Star-Format sind nicht häufig auf dem Trade Block und wenn doch, dann meistens mit schwerem Gepäck, beispielsweise einer Verletzungshistorie oder einem auslaufenden Vertrag. In Ibakas Fall trifft letzteres zu: Orlando setzt darauf, der spanisch-kongolesischen Blockmaschine in dem einen Jahr bis zur Free Agency Stadt und Franchise schmackhaft zu machen und ließ sich dieses Risiko Victor Oladipo, Ersan Ilyasova und den 11. Pick des Drafts kosten. Dafür bringt der ehemalige Thunder bis dato nicht vorhandene Qualitäten zu den Magic.


The Planet
Serge Ibaka ... Dreimal ins All Defensive First Team gewählt, zwei Mal NBA Block leader, Spitzname "Iblocka". Unumstritten gehört der wuchtige 27-Jährige zu den besseren Verteidigern der Liga und passt damit bestens ins Konzept des neuen Coaches Frank Vogel, der mit den Pacers in den letzten vier Jahren zwei Mal die beste Defense der NBA stellte. Wenngleich Ibakas Punktausbeute zuletzt rückläufig war, wird er in Orlando auch offensiv eine signifikantere Rolle spielen als während seiner bisherigen Karriere hinter Russell Westbrook und Kevin Durant. Der spanische Nationalspieler ist mit seiner Wucht in der Zone gefährlich, hat sich aber auch einen soliden Distanzwurf angeeignet.

Rising Star
Evan Fournier ... Im Sommer verlängerten die Magic mit "Do-Not-Google" über fünf Jahre und stolze 85 Mio. $. Ein Vorschuss, den Fournier nun zurückbezahlen soll und will. Infolge Victor Oladipos Abgang ist der Franzose endgültig auf dem Flügel gesetzt und zur offensiven Schaltstelle befördert. Mit 15,4 PPG im Vorjahr deutete der erst 23-Jährige bereits seine Vorzüge als Punktesammler an, die nun mehr denn je gebraucht werden. Nur an 21. Stelle waren die Magic vergangene Saison in der offensiven Effizienz: Feuer Frei für Fournier, um das zu verbessern.


Falling Fast
Nikola Vučević ... Vor nicht allzu langer Zeit noch der beste Spieler in Orlandos Aufgebot und Kandidat für den Most Improved Player, stagnierte der Montenegriner vergangene Saison gehörig. Bismack Biyombos Verpflichtung kann als Misstrauensvotum gegen 2,13 Meter Center gewertet werden. Die defensiven Mängel des 25-Jährigen sind mit Frank Vogels System unvereinbar, während in der Offensive Ibaka mehr eingebunden zu werden gedenkt als seine Vorgänger. Das macht Vučević angesichts der Fülle auf seiner Position einigermaßen entbehrlich und womöglich sogar zum Trade-Kandidaten.

Don’t Sleep! 
Aaron Gordon ... Das bisherige Karrierehighlight Gordons war der Dunk Contest im Februar, als er sich mit Minnesotas Zach LaVine einen denkwürdigen Showdown lieferte und nur knapp – manche sagen zu Unrecht – unterlag. Nun soll es auch im regulären Spiel vorangehen. Der vierte Pick des 2014 Drafts ließ gegen Ende der letzten Spielzeit die Legitimation dieser frühen Wahl aufblitzen. Seine Athletik und Ballhandling könnte ihn zu Orlandos Paul George machen – nur eben ohne Shooting. Sollte Coach Vogel entgegen des Zeitgeists groß spielen, bringt Gordon sogar die Anlagen mit, auch als Small Forward zu agieren. Orlandos Doppelnull ist gerade erst 21 Jahre alt geworden und wird von der gestiegenen Qualität an der Seitenlinie und im Locker Room gehörig profitieren.

Beste Fünf
Payton – Fournier – Gordon – Ibaka – Vučević

Good News
+ Orlando war zuletzt an beiden Enden des Courts nicht einmal Durchschnitt, mit dem neuen Personal haben sie das Potential für eine der besten Verteidigungen der Liga
+ Fournier, Gordon, Hezonja, Biyombo und Payton sind allesamt unter 25 und stehen langfristig unter Vertrag
+ Der Preis für Ibaka war nicht zu hoch und lässt sich sportlich verkraften
+ Seit Lance Stephenson, Roy Hibbert und David West von Coach Vogel weg sind, ging's für sie steil bergab. Zufall? Wohl kaum...

Bad News
- Das Überangebot auf den großen Positionen kann für Unruhe sorgen und die individuelle Entwicklung hemmen
- Elfrid Payton ist noch nicht in die Rolle des Starting Point Guards hineingewachsen. Beim Friseur war er auch nicht...
- Die kleinen Positionen sind dünn oder unterdurchschnittlich besetzt
- "Dwightmare 2.0" feat. Serge Ibaka würde die Magic um Jahre zurückwerfen

Was fehlt?
Offensive. Bei allem Lob für den neuen Coach: Vogels Pacers waren selbst in den besten Jahren in puncto offensiver Effizienz im unteren Drittel der Liga angesiedelt. Seinem Personal auf dem Parkett fehlt ein 'Natural Scorer', der gegen jeden beliebigen Gegner 20 Punkte und mehr einzustreuen in der Lage ist und das Team während einer Flaute trägt. Ohnehin hat kein Spieler im Aufgebot jemals im Schnitt besagte 20 Punkte oder mehr in einer Saison aufgelegt.


Eine Frage noch...
Hat Ibaka das Zeug zum Franchise Player? Die Hoffnungen der ganzen Stadt liegen auf dem Neuzugang, der bisher immer im Schatten Kevin Durants und Russell Westbrooks stand und folglich nie den Ton angeben musste. Der spanische Nationalspieler kann nur begrenzt für sich selbst oder andere Würfe kreieren, zudem bringt er immer wieder auftretende Knieprobleme mit aus Oklahoma City.

Check 1,2
Die Magic tasten sich langsam wieder an die seit Dwight Howards Abgang verlorene Relevanz heran. Näher waren sie seit dem "Dwightmare" nicht. Zwar sind alle Voraussetzungen gegeben, die 35 Siege des Vorjahres zu überbieten – doch die Konkurrenz schläft bekanntlich nicht. Der Osten ist nicht mehr so mies aufgestellt wie noch vor ein paar Jahren, zum ersten Mal seit einer gefühlten Ewigkeit musste vergangene Saison für Postseason Basketball eine positive Bilanz her. Für die wird es in Orlando 2017 (noch) nicht reichen.

Chef-Orakel
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