21 Oktober 2016

21. Oktober, 2016


Nach Media Days, Trainingscamps und ersten Testläufen ist klar: das neue NBA-Jahr 2016/17 ist inoffiziell underways. Wir haben wie gewohnt alle 30 Mannschaften durchgecheckt und prognostizieren euch bis zum echten Start am 25. Oktober die kommende Saison. Heute: die Oklahoma City Thunder

von ONUR ALAGÖZ @LakersParadigm

Flashback
55-27, Western Conference Finals (3-4 vs. Golden State)

Plus
Victor Oladipo

Ersan Ilyasova

Ronnie Price

Domantas Sabonis

Alex Abrines
Joffrey Lauvergne

Minus
Kevin Durant

Dion Waiters

Serge Ibaka

Was ist Neu?
Offensichtlicher kann es ja nicht sein: Der Star, die Franchise, der vielleicht beste Offensivspieler der Liga fand das Gras auf der anderen Seite erheblich grüner und ist abgezogen, in Richtung Golden Gate Bridge. Ein komplett neues Szenario, war KD doch das Gesicht dieses Klubs seit den regnerischen Tagen in Seattle. Serge Ibaka spielt nun in Südflorida. Dafür haben nun Victor Oladipo, Ersan Ilyasova, Domantas Sabonis, Alex Abrines und Joffrey Lauvergne in den Kader gefunden. Wem das alles ein bisschen nach Rebuild á la Thunder riecht, der hat damit nicht ganz Unrecht. Dieses Team steht für Umbruch.


Beste Addition
Victor Oladipo ... Das Sprungwunder aus Orlando ähnelt Russell Westbrook in vielerlei Hinsicht. Unterhaltsam, explosiv, ohne Angst - und Skrupel. Zwar trifft er seinen Dreier noch nicht zuverlässig genug, um von außen respektiert zu werden (33,9%), konnte ihn aber von Jahr zu Jahr minimal steigern.
 Was ich besonders interessant finde ist die Kombination Westbrook-Oladipo in der Defensive. Hier ist Potenzial für ein absolutes Lockdown-Kettenhund-Tandem vorhanden. Interessant wird sein, wen Donovan den Spielaufbau übernehmen lässt. Oladipo wurde streckenweise als Point Guard eingesetzt, ist naturell aber eher ein Shooting Guard, der sich abseits des Balles freilaufen muss. Westbrook zu entlasten, wird so oder so zu Oladipos Aufgabe werden.

The Planet
Russell Westbrook ... Oh, wie freue ich mich auf Westbrook in dieser Saison! Losgelöst von allen Fesseln, als absoluter Alpha im Team und jetzt auch noch mit einer Menge Wut im Bauch... RW0 explodiert in der Offensive schneller als ein Samsung Note 7 und ist die Hälfte der Zeit komplett außer Kontrolle. Dennoch: jetzt hat er endgültig alle Freiheiten und kann sich nach Belieben austoben. Das muss er irgendwie auch, um OKC im Playoff-Rennen zu halten. Um aber als echter MVP-Kandidat zu gelten, muss Russ in der Defense öfters hellwach sein. Er coastet zu viel, verliert seinen Mann oder geht zu risikoreiche Wagnisse ein, was dem Gegner unnötig leichte Punkte beschert.
 Trotz allem: der Handlungsstrang „Kevin Durant ist ein Verräter und ich muss der Welt beweisen, dass ich der Bessere bin“ wird definitiv höchste Unterhaltung liefern.


Rising Star
Enes Kanter ... Der Türke mit dem Pornoschnurr hat sich die letzten Jahre schleichend in Richtung 20/10 Center entwickelt. 
Der 24-Jährige ist offensiv wesentlich versierter als Adams und trifft auch mal außerhalb der Zone, von der Baseline oder von außen einen Jumper. Auch am Brett ist Kanter wesentlich stärker und greift mehr Rebounds ab, da er nicht nur Athletik und Kraft, sondern Technik nutzt. 
Einziges Manko: Er könnte keinen Wurf blocken, wenn sein Leben davon abhinge. Hier muss er nachbessern, ganz dringend.

Falling Fast
Nick Collison ... Nick Collison wurde noch nie als Star gehandelt. Witziger Typ, Arbeiter, solider Spieler ohne echte Ambitionen nach oben. Mit seinen mittlerweile 36 Jahren hat Collison gänzlich abgebaut und ist mehr zur Belastung als Bereicherung geworden. Er trifft selbst am Korb nur 52,3% seiner Würfe – für einen Center keine Ruhmesleistung. Seine Reboundrate ist unterdurchschnittlich, seine Verteidigung quasi non-existent. Er ist ein smarter Spieler, aber im hier und jetzt höchstens noch für 6 Fouls und als Handtuchwedler an der Bank gut.

Don’t Sleep! 
Steven Adams ... Der Neuseeländer hat sich im Eiltempo als einer der wichtigsten Bausteine dieses Teams entpuppt. Das war schon vor dem Abgang von Serge Ibaka der Fall, dem Adams dank seiner Defensivstärke und Härte unter den Brettern so ein bisschen den Rang als wichtigster Verteidiger abgelaufen hatte. Ohne Ibaka und Durant wird es künftig umso mehr an Adams hängen, Westbrook zu beschützen, ihm den Weg zum Korb freizuräumen und in den Zonen seine berüchtigten Ellbogen fliegen zu lassen.

Beste Fünf
Westbrook - Oladipo - Roberson - Kanter - Adams

Good News
+ Westbrook wird befreit aufspielen, mit „chip on the shoulder“ auf der Jagd nach Rekorden und der MVP-Trophäe sein

+ Oladipo wird Westbrook entlasten, kann scoren, vorbereiten und verteidigen

+ Oklahoma City ist an den Brettern elitär

+ Billy Donovan hat gezeigt, dass er ein sehr guter Coach sein kann

Bad News

- mieser Supporting Cast, die Bank ist alles andere als berauschend
- Kanter ist kein go-to Center

- kann Oladipo eine konstante zweite Scoring-Option sein?

- eine klare Rollenverteilung hinter Westbrook als klarer Nummer eins fehlt gänzlich

Was fehlt?
Teams werden sich relativ schnell auf Westbrook einschießen und versuchen ihn aus dem Spiel zu nehmen. Bei einem Spieler seines Kalibers ist das kaum möglich, aber die NBA ist keine Ein-Mann-Show. Es mangelt an Anspielstationen links und rechts. Oladipo ist der einzige, der möglicherweise für sich selber kreieren kann, der Rest ist absolut abhängig vom System und Westbrooks Passlaune. 
Es herrscht nun keinerlei Spielkultur mehr, das College-Flair und die Unschuld, die dieses Team immer umgeben hat, ist mit Durants und Ibakas Abgang komplett flöten gegangen.


Eine Frage noch...
Wird OKC Westbrook bei Laune halten können? Kommt nicht Verstärkung in Form eines zweiten Stars auf All-Star Niveau, ist die Gefahr hoch, dass auch Russ sich eines Tages aufmacht/aufmachen muss, um einen Ring woanders zu holen. Sein neuer Vertrag geht bis 2019, wobei das letzte Jahr eine Spieler-Option ist. Die Lakers möchten bis dahin ihren Umbau fertig haben und wieder oben mitspielen – Westbrook ist übrigens aus Los Angeles. Hier gilt es keine Zeit zu verlieren für die Verantwortlichen in OKC. Verpasst das Team diese und/oder nächste Saison gar die Playoffs, sieht es schlecht aus im Dust Bowl.

Check 1,2
Die Zeichen stehen nicht gut in OKC. Der Abgang von Ibaka und Durant ist ein ausgeprägte Katastrophe. Oladipo ist solide, aber kein All-NBA Spieler. Ilyasova, Kanter, Roberson & co. sind solide Rollenspieler, mehr nicht. Die 55 Siege aus dem Vorjahr werden sich unmöglich halten oder gar verbessern lassen, ein Playoff-Spot ist in der jetzigen Konstellation mehr als unwahrscheinlich. Die ersten paar Monate werden Aufschluss bringen darüber, wie es weitergehen soll in OKC. Definitiv schade für jeden Fan, der sich gewünscht hätte, Durant und Westbrook gemeinsam die Larry O’Brien Trophäe in die Luft strecken zu sehen. 

Chef-Orakel
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