16 Oktober 2016

16. Oktober, 2016


Nach Media Days, Trainingscamps und ersten Testläufen ist klar: das neue NBA-Jahr 2016/17 ist inoffiziell underways. Wir haben wie gewohnt alle 30 Mannschaften durchgecheckt und prognostizieren euch bis zum echten Start am 25. Oktober die kommende Saison. Heute: die New Orleans Pelicans.

von SEB DUMITRU @nbachefkoch

Flashback
30-52, keine Playoffs

Plus
Buddy Hield
Cheick Diallo
Solomon Hill
E’Twaun Moore
Lance Stephenson
Chris Copeland
Robert Sacre
Shawn Dawson

Minus
Ryan Anderson
Eric Gordon
Luke Babbitt
Norris Cole
Toney Douglas
Kendrick Perkins
Jordan Hamilton
Brye Dejean-Jones

Was ist Neu?
Die Rotation von Alvin Gentry. New Orleans’ Management tat gut daran, die eigenen Free Agents Ryan Anderson und Eric Gordon ziehen zu lassen (letzterer vier Jahre zu spät, aber Hey!). Das so freigeschaufelte Geld unter dem Salary Cap wurde in wichtige Additionen wie Solomon Hill, E’Twaun Moore, Langston Galloway, Terrence Jones, Lance Stephenson und Chris Copeland investiert. Die Rookies Buddy Hield und Cheick Diallo flogen ebenfalls in den Pelicans-Kader, der ein paar Wochen vor Start aber schon wieder wie ein zerfleddertes Federkleid daher kommt. Oh boy!


Beste Addition
Buddy Hield ... Spieler wie Moore und Hill bringen dringend benötigte Defensivqualitäten in einen Kader, der gegnerische Punkte rasseln ließ wie Konfetti während Mardi Gras. Sie werden helfen, die Pellies zu stabilisieren. Hield aber ist eine völlig andere Kategorie: College Spieler des Jahres, hoher Lotto-Pick, Franchise-Player Material, Hoffnungsträger und potentielles One-Two-Punch-, Brow-Buddy-Superstar-Duo-Mitglied. Anpassungsprobleme inbegriffen, wird der Elite-Shooter in Gentrys System vom ersten Tag an aufblühen und im Idealfall eine ähnliche Entwicklung nehmen wie Damian Lillard bei den Portland Trail Blazers. Den hatten Klugscheisser einst als marginalen Rotationsspieler eingeschätzt. Cool.

The Planet
Anthony Davis ... Okay, er hatte nichts mit der MVP-Vergabe zu tun, sein Team stürzte ab, und er versäumte erneut mindestens 13 Partien in einer Saison. Dass die Monobraue nach 24.3 Punkten, 10.3 Rebounds und 2.0 Blocks im Schnitt als herbe Enttäuschung gedisst wurde, zeigt, wie hoch der Youngster seine eigene Maßlatte gehängt hat. Kein anderer Spieler ligaweit kam auf diese Werte; Davis fügte seinem fast kompletten Skills-Paket einen zunehmend verlässlichen Dreipunktewurf hinzu; und er zeigte, wann immer er wollte, dass er auch am hinteren Ende jederzeit in Biest-Modus schalten kann. Bessere Mitspieler und ein neuer Anlauf sollten den besten Anthony Davis aller Zeiten entfesseln.


Rising Star
Jrue Holiday ... Er ist in Vergessenheit geraten, der einstige Top-Playmaker der Philadelphia 76ers. Als Pelican konnte Holiday bisher kaum in Erscheinung treten. Ein hartes Minutenlimit nach schwerer Verletzung hielt die Leine auch im Vorjahr lange kurz. Nach der All-Star Pause kam der Point Guard mit 21.2 Punkten und 7.3 Assists pro Abend aber eindrucksvoll zurück. Seine Skills als Pick & Roll Initiator, Driver und Verteidiger machen ihn für Gentry und die Pelicans zum zweitwichtigsten Mann hinter Davis. Sobald er wieder aufs Parkett kann – Holiday kümmert sich um seine kranke Frau und ein Neugeborenes – wird Holiday durchstarten.

Falling Fast
Ömer Asik ... Es war eine der größte Aberrationen, jene Offseason vor gefühlten zehn Jahren, als Houston Chicago eine vergiftete Pille an der Disco-Bar anbot, um den damals so hoch gehandelten türkischen Center mit nach H-Town nehmen zu können. Auch in Houston hielt es Asik nicht lange, die Pelicans fischten ihn mit Monstersalär als ihr Fünfer der Zukunft und Davis’ Frontcourt-Partner. Seither ist Asik nicht nur gefallen, sondern abgebrannt. Heute funktioniert er nicht einmal mehr defensiv; vorne unbeweglicher als ein Döner-Spieß, steht er seinen Nebenleuten meistens im Weg und zieht den Angriff in tiefste Abgründe. Das NBA-Spiel hat Asik längst überholt.

Don’t Sleep! 
Tim Frazier ... Frazier ergriff die Chance, die sich bei massiv verletzungsgebeutelten Pelicans bot, und rannte damit davon. Knapp 13 Punkte und 7.5 Assists bei 42 Prozent aus dem Land des Mehrwerts bescherten ihm einen neuen, garantierten Vertrag. Nicht schlecht für den ehemaligen D-Leaguer, der heuer sogar als nomineller Starting Point Guard in die kommende Spielzeit geht. „Ich halte nur den Platz für Jrue frei“, sagt Frazier, wohlwissend, wo künftig seine NBA-Nische sein wird. Sollte es für New Orleans aber hart auf hart kommen, hat dieses Team zumindest eine respektablen Einser als Platzhalter.
Beste Fünf
Holiday – Hield – Pondexter – S. Hill – Davis

Good News
+ Anthony Davis
+ Mehr Balance und besser aufeinander abgestimmte Mannschaftsteile als zuletzt
+ Jrue Holiday ist vollständig genesen und wieder ganz der Alte
+ Die Offense kann dank Gentry zur Elite der NBA zählen

Bad News
- Horrende Team-Defense
- Holiday wird den Saisonstart erneut verpassen. Sein Playmaking ist unersetzlich
- Kumulative 350+ Ausfälle alleine in 2015/16... irgend etwas läuft in der medizinischen Abteilung schief
- Asik, Ajinca und Sacre... keine Center-Rotation ligaweit ist mieser

Was fehlt?
Scorer ... Die Abgänge von Anderson, Gordon und Babbitt haben New Orleans seiner drei besten Shooter beraubt. Wer von den Neuzugängen unterstützt Top-Ten-Scorer Davis beim Punktesammeln. Ein gesunder Holiday hilft, auch Hield wird früh grünes Licht erhalten. Danach wird’s schon dünn. So genial Gentry seine Systeme auch hinskizziert: ohne Typen, die das Runde ins Runde tun können, bleibt alles trockene Theorie.

Eine Frage noch...
Vergrault das schwache Management seinen Superstar?
Davis’ Free Agency ist zwar noch ein paar Jährchen hin. Die Uhr tickt aber. Lauter und lauter. Bisher hat es New Orleans nicht ansatzweise geschafft, seinen Grenzen-verschiebenden Alien-Big mit einen adäquaten Kader zu umgeben. Ist die neueste Pelicans-Edition der Aufgabe besser gewachsen? Davis geht mittlerweile in seine fünfte Profisaison. Höchste Zeit also für mindestens einen Playoff-Sieg, um das angespannte Gemüt wenigstens kurzfristig zu beruhigen.

Check 1,2
New Orleans wird sicherlich nicht noch einmal so viel Pech in Punkto Spielausfälle haben wie zuletzt. Kann es ja eigentlich gar nicht. In der besten Division der NBA ist das Leben aber knallhart. Nur ein Davis in MVP-Form, mindestens zwei überdurchschnittlich produktive Starter (harter Fade auf Holiday und Hield) und ein perfekte funktionierender Unterbau von Rollenspielern hält die schwachen Pelicans lange genug im Rennen um die Postseason-Plätze. Die Wahrscheinlichkeit, dass alles so zusammenkommt, geht gegen Null.

Chef-Orakel
36-46