11 Oktober 2016

11. Oktober, 2016


Nach Media Days, Trainingscamps und ersten Testläufen ist klar: das neue NBA-Jahr 2016/17 ist inoffiziell underways. Wir haben wie gewohnt alle 30 Mannschaften durchgecheckt und prognostizieren euch bis zum echten Start am 25. Oktober die kommende Saison. Heute: die Miami Heat.

von TORBEN SIEMER @lifeoftorben

Flashback
48-34, Eastern Conference Semi-Finals (3-4 vs. Toronto)

Plus
Luke Babbitt
Wayne Ellington
James Johnson
Willie Reed
Dion Waiters
Derrick Williams

Minus
Dwyane Wade
Chris Bosh
Luol Deng
Joe Johnson
Gerald Green
Amar’e Stoudemire

Was ist Neu?
Sehr vieles, zumindest was den Kader betrifft. Die Ära der großen Drei ist zuende: Dwyane Wade ist in seine Heimat Chicago gewechselt, Chris Bosh hat die sportärztliche Untersuchung nicht bestanden und Pat Riley erklärt, dass "Boshs Karriere bei den Heat vorbei" sei. Auch Luol Deng, Joe Johnson und Gerald Green haben neue Teams. Von den elf Spielern mit den meisten Minuten in der letzten Spielzeit laufen nur noch Goran Dragic, Justise Winslow, Josh Richardson und Tyler Johnson weiter unter der Sonne Südfloridas auf. Umbruch ist also milde ausgedrückt, allein der Abgang der von Dwyane Wade läutet eine Zeitrechnung ein. In Jahr eins p.F. (post Flash) wird Miami eine neue Identität suchen und finden müssen.


Beste Addition
Dion Waiters ...  Neee, echt jetzt. Nach anderthalb Jahren in Oklahoma City wechselt der Shooting Guard zurück in den Osten. In Miami will er an seine ordentlichen Leistungen in den Playoffs der Vorsaison anschließen und sich für kleines Geld (2,9 Mio $) für eine Gehaltserhöhung im kommenden Sommer empfehlen, auch wenn die Heat eine Teamoption für die nächste Saison besitzen. Waiters wird wohl auch bei den Heat von der Bank kommen und seine Art Basketball zocken, ohne eine exponierte Rolle in der Spoelstra-Offense einzunehmen. Kleines Geld, große Ambitionen.

The Planet
Hassan Whiteside ... Zahlen, bitte! Whiteside hat es geschafft: Nach seiner Odyssee durch die Basketball-Welt ist er nicht nur Starter in der NBA, sondern jetzt auch der bestbezahlte Spieler seines Teams. 98 Mio. $ sind Pat Riley die vier Vertragsjahre wert. 18 Punkte, 15 Rebounds und mehr als vier Blocks legt der Center auf 36 Minuten umgerechnet auf – und annähernd diese muss er jetzt auch auf dem Feld stehen können. Bekommt er seine Foulprobleme weiter in den Griff, werden nach 24 und 29 dort bald 33+ Einsatzminuten pro Spiel in die Statistik eingehen. Sein Repertoire an Postmoves braucht sicherlich noch Feinschliff, die Heat haben ihn und sein Potenzial aber ja nicht grundlos langfristig an sich gebunden.


Rising Star
Justise Winslow ... Winslow galt schon letztes Jahr als Top-Talent und Steal an Draftposition zehn. Seine Rookie-Saison bestätigte diesen Eindruck: Zwar legte der Small Forward keine außergewöhnlichen Boxscore-Statistiken auf, erarbeitete sich jedoch schnell den Ruf des Defensiv-Allrounders. In der Verteidigung fand sich Winslow sowohl im Eins-gegen-Eins als auch im Teamverbund schnell in der neuen Liga zurecht und gehört zudem zu den besseren Reboundern auf seiner Position. Nach den Abgängen von Wade, Deng und Johnson sind jetzt offensiv viele Touches neu zu vergeben und der wacklige Jumpshot des Rookies Winslow soll bei Sophomore Winslow dank über den Sommer eingelegter Extraschichten ein stabilerer sein. Dass er zudem mittelfristig eine Führungsrolle einnehmen möchte, spricht für sein gewachsenes Selbstvertrauen.

Falling Fast
Josh McRoberts ... Im Juli 2014 für vier Jahre und 23 Mio. $ verpflichtet, absolvierte der Forward seitdem gerade einmal 69 von 174 möglichen Spielen. Auch die letzten Meldungen von Ende September machen kaum Hoffnung auf Besserung: Ein Ermüdungsbruch im linken Fuß aus den Conference Semifinals macht eine Teilnahme an der Saisonvorbereitung weitgehend unmöglich und es ist daher unwahrscheinlich, dass er zum Saisonstart Ende Oktober auf dem Feld steht. Gekommen als passfreudiger und spielintelligenter Stretch Forward, konnte McRoberts die Erwartungen der Heat bisher nicht erfüllen und findet sich nicht zuletzt deshalb regelmäßig in Trade-Gerüchten wieder.

Don’t Sleep! 
Tyler Johnson ... Pat Riley schluckte die Poison Pill aus Brooklyn und matchte das Vertragsangebot der Nets: Johnson verlängerte für vier Jahre und 50 Mio. $, knapp 39 davon müssen in den Jahren drei und vier gezahlt werden. Vom ungedrafteten Free Agent 2014 entwickelte sich der Shooting Guard über eine Einladung ins Trainingslager hin zum wichtigen Rotationsspieler und jetzt potenziellen Starter im Backcourt. Seine Trainingseifer wird von der Franchise immer wieder hervorgehoben und Johnson war nach seiner Schulteroperation im Februar komplett gesund zum Start der Vorbereitung erschienen. Der Linkshänder wird eine prominentere Rolle in der Heat-Offense einnehmen und die guten Wurfquoten (48.6% FG; 38% 3P) wie schon im letzten Jahr verbessern wollen.
Beste Fünf
Dragic – Johnson – Winslow – McRoberts – Whiteside

Good News
+ Coach Erik Spoelstra ist einer der besten Coaches der Liga
+ Winslow und Johnson bekommen mehr Raum, ihre positive Entwicklung fortzusetzen
+ Whiteside hat langfristig verlängert
+ Franchise-Kultur: Spielerentwicklung kann Miami, eben diese braucht es dieses Jahr

Bad News
- Dreierquote? Meh. Letztes Jahr nur Platz 27 in der Liga, mit Josh Richardson fällt der beste Schütze in den ersten Saisonwochen aus
- viele solide Profis im Kader, ein Spieler von All-Star-Format aber fehlt
- Big Men-Rotation aktuell recht dünn
- Bye bye Big Three, die Zeit der tiefen Playoff-Runs ist fürs Erste vorbei


Was fehlt?
Die Identität. Logisch, wenn der beste Spieler der Franchise-Historie nach 13 Jahren seinen Abschied verkündet, weil er und der General Manager sich – auf welche Art und Weise auch immer – nicht einig wurden. Deshalb: Noch fehlt sie, eine neue zu entwickeln wird aber oberstes Ziel der Verantwortlichen sein. Wer wird der neue Anführer auf dem Feld? Eine der vielen offenen Fragen in Miami.

Eine Frage noch...
Quo vadis, Miami? Mit Dwayne Wade ist DER Franchise-Player weg, mit dem im Raum stehenden (Heat-)Karriereende von Chris Bosh hat sich Miami radikal verändert. Pat Riley fing sich für beide Entscheidungen massive Kritik ein – Boshs Gesundheit zu schützen ist aber die richtige Entscheidung. Jetzt: Was für ein Team werden die Miami Heat nach dem Ende ihrer Big Three?

Check 1,2
Für Coach Spoelstra heißt es in dieser Saison: Die Unruhen des Sommers abschütteln, neu starten und gucken, was sich aus der neuen Situation basteln lässt. Die Rotation ist eine komplett andere, der Kader umfänglich erneuert - die Heat, wie die Millenials unter den NBA-Fans sie kennen gelernt haben, gibt es nicht mehr. An die 48 Siege aus dem Vorjahr wird Miami nicht anknüpfen können.

Chef-Orakel
35-47