17 Oktober 2016

17. Oktober, 2016


Nach Media Days, Trainingscamps und ersten Testläufen ist klar: das neue NBA-Jahr 2016/17 ist inoffiziell underways. Wir haben wie gewohnt alle 30 Mannschaften durchgecheckt und prognostizieren euch bis zum echten Start am 25. Oktober die kommende Saison. Heute: die Memphis Grizzlies.

von TOBIAS MANNHART

Flashback
42-40, Playoffs Runde eins (0-4 vs. San Antonio)

Plus
Chandler Parsons
Andrew Harrison
Troy Daniels
D.J Stephens
Wayne Selden
Troy Williams
Chris Crawford
Wade Baldwin
Deyonta Davis

Minus
Lance Stephenson
P.J. Hairston
Jordan Farmar
Xavier Munford
Bryce Cotton

Was ist Neu?
Der schönste Flügel der NBA. Mit Chandler Parsons hat man etwas Boyband-Flair nach Tennessee gebracht. Der Small Forward wurde in der Offseason ähnlich wie der ehemalige Discount-Einser Mike Conley mit einem fetten Vertrag ausgestattet und kann, wenn fit, das fehlende Puzzleteil sein. Dazu kommt der neue Coach. 13 Jahre als Assistant, unter anderem bei den Meisterschaften der Big 3 in Miami, hat David Fizdale auf dem Buckel. Seinen ersten Head Coaching Job trat er gleich mit einem Paukenschlag an: Fanliebling Z-Bo wird zum Sixth Man und soll ab jetzt die teilweise so harmlose zweite Garde der Bären anführen.


Beste Addition
Chandler Parsons ...  Der Neuzugang aus Dallas kann eine großartige Verstärkung sein, WENN, und das ist ein capslockwürdiges "wenn", er es schafft, fit zu bleiben. Ist dies der Fall, so kann man sich endlich mit einem Flügel brüsten, der diesen Namen auch verdient. Ein gesunder Parsons bringt das nach Memphis, was man schon jahrelang sucht: Konsistentes Scoring jenseits der von den Grizzlies so verhassten Linie. Man muss sich aber unter all den Illusionen klar machen, dass Parsons nicht die kleinste Krankenakte der NBA mit sich rumträgt und er, gesetzt den Fall, er bleibt nicht gesund, zum Millionengrab mutiert. Aber mal ganz ehrlich: Neuer TV-Vertrag... who cares? Oder, Herr Mozgov?

The Planet
Mike Conley ... "Wie kann man sich nur so hart gönnen?" Mike Conley wurde mit dem dicksten Vertrag der NBA ausgestattet und ist daher in der Bringschuld. Die Tage des 'unterbezahlten' und 'unterbewerteten' Conley sind vorbei: Er muss jetzt liefern. Bei aller Angst um den Verbleib und die Gesundheit des Point Guards ist die Investition zwar vielleicht etwas hoch, allerdings ist er ein Spieler, der den Unterschied machen kann. Er beherrscht alles, was ein Weltklasse-Einser beherrschen muss. Nun heißt es aber: Fit bleiben und die Dollar zurückzahlen. Solange er aber die Leistung abruft, die man schon fast seine ganze Karriere in Memphis gewohnt ist, kann man diesen Vertrag aber rechtfertigen.


Rising Star
JaMychal Green ... Z-Bo als Starter zu verdrängen grenzt in Tennessee ja schon fast an Majestätsbeleidigung! Der Power Forward mit dem Vornamen, den man für jeden Text wieder neu googeln muss, bekommt aber auf der Vier das Vertrauen von Coach Fizdale und wird sich hoffentlich beweisen. Bisher durfte er im Schnitt noch keine 20 Minuten ran, seine Stats per 36 min lassen sich aber sehen: So erzielt der 26-Jährige Big hier annähernd ein Double-Double. Bringt er das auch aufs Parkett, wenn er gegen erste Garden auf dem Feld steht, so wird man zukünftig viel Spaß mit ihm haben.

Falling Fast
Grit'n'Grind ... Ich bin mal so frei und nominiere hier keinen Spieler, sondern die guten alten Zeiten. Post Hollins und Joerger sollen diese nun, zumindest in Teilen, vorbei sein. Mit dem Bankplatz für Z-Bo wird eine neue Ära eingeleitet, die Joerger zwar schon versprach, aber nicht lange anhielt. Mit Fizdale, einem der Architekten des Small Balls in Miami, kann man die vorhandenen Jungs zwar nicht zu einem komplett anderen Team formen, jedoch sollte man annehmen, dass zumindest einige neue Impulse in Richtung Basketball 2016 geschaffen werden. So mag Grit'n'Grind zwar weiterhin das Memphis'sche Lebensgefühl bleiben - auf dem Court wird man davon aber etwas weniger sehen.

Don’t Sleep! 
Tony Allen ... TA war schon so oft abgeschrieben, dass es schon keinen Spaß mehr macht, darüber zu schreiben. Doch mit der Ankunft von Chandler Parsons wird er wieder wichtiger denn je. Parsons ist nicht als Lockdown-Verteidiger bekannt, kann aber werfen. Und genau das macht Allen zu seinem perfekten Partner. Solange Tony sich in der Defense um den gefährlicheren Wing der Gegner kümmert, kann Parsons sich darum kümmern, dem Scoreboard der Grizzlies öfter mal wieder eine dritte Ziffer zu verpassen. Tony Allen mag in der Offense zwar seine Limits haben, jedoch wird er in diesem Team weiterhin seine prominente Rolle einnehmen, auch wenn diese vielleicht sogar erst wieder in der Postseason zum Tragen kommt.

Beste Fünf
Conley – Allen – Parsons – Randolph – Gasol

Good News
+ Man darf begründete Hoffnung haben, dass sich das Spiel der Grizzlies weiterentwickelt
+ Gasol und Conley sind wieder fit
+ Parsons kann theoretisch Dreier werfen
+ Man muss in diesem Small Market nicht unbedingt den größtmöglichen Wurf machen, um die Fans zufrieden zu stellen...

Bad News
- ... Der größtmögliche Wurf ist realistisch gesehen auch nicht drin. Die zweite Playoffrunde ist immer möglich, aber wahrscheinlich auch nicht viel mehr oder weniger
- Die liebe Geusndheit: Gasol, Parsons und Conley sind die Stützen des Teams und mussten sich in jüngerer Vergangenheit mit schwierigen Verletzungen rumplagen. Bleibt das so, dann könnte man im schlechtesten Fall nach Jahren wieder die Playoffs verpassen
- Das Team ist alt. Fizdale mag ein Genie sein, wenn es um Spielerentwicklung geht, allerdings sehe ich bei keiner der Stützen im Team ein Alter auf dem Zettel, in dem noch viel Luft nach oben ist
 - Die Dollars: Gasols, Conleys und Parsons Verträge kommen einem All-In gleich und ein Rebuild, sollte etwas schief gehen, wäre in näherer Zukunft kaum zu bewerkstelligen

Was fehlt?
Offense. In einer Liga, in der schon seit jeher mindestens ein großartiger Scorer im Team benötigt wird, sieht man in Memphis kaum einen Spieler, der auch nur in die Nähe der 25 PPG kommen sollte. Selbst wenn Fizdale eine neue, offensivere Spielkultur etablieren kann, wird es am Ende trotzdem an der Scoringpower fehlen.

Eine Frage noch...
Sind die Zeiten des Zach Randolph vorbei? Noch nicht ganz! Der Power Forward kämpft sich im Lowpost zwar immer näher ans Karriereende und man merkt, dass die unzähligen Duelle unterm Korb ihre Spuren hinterlassen haben. Jedoch darf man davon ausgehen, dass er noch einiges im Tank hat und vielleicht bringt ihm seine neue Bankrolle, die er ohne Murren akzeptiert, auch so etwas wie den dritten Frühling.


Check 1,2
Normalerweise ist Vegas immer sehr zurückhaltend, was Memphis betrifft und auch in diesem Jahr sind sie mit 43,5 Siegen nur auf Platz sechs der Western Conference angesiedelt. Betrachtet man aber alle Variablen, so scheint es, als wäre dies auch die Region, in der sich die Bären einordnen werden. Doch so unbefriedigend das klingt - Playoff Ball hat man, wenn gesund, eigentlich drauf. Daher ist eine gesunde Truppe auf einem etwas schlechteren RS Platz auf jeden Fall eine Gefahr für jeden Gegner. Bleiben sie also alle gesund, dann kann man getrost ohne Heimrecht in die Playoffs starten, denn erst dort wird sich zeigen, was in diesem Team noch steckt.

Chef-Orakel
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