22 Oktober 2016

22. Oktober, 2016


Nach Media Days, Trainingscamps und ersten Testläufen ist klar: das neue NBA-Jahr 2016/17 ist inoffiziell underways. Wir haben wie gewohnt alle 30 Mannschaften durchgecheckt und prognostizieren euch bis zum echten Start am 25. Oktober die kommende Saison. Heute: die Los Angeles Lakers.

von ONUR ALAGÖZ @LakersParadigm

Flashback
23-59, keine Playoffs

Plus
Luol Deng
Timofey Mozgov
Yi Jianlian
Brandon Ingram
Ivica Zubac
Jose Calderon

Minus
Kobe Bryant :(
Brandon Bass
Roy Hibbert
Robert Sacre

Was ist Neu?
Anno eins Post Kobe. Der jüngst in die Rente eingetretene Ex-Franchise-Spieler überschattet auch den Start dieser Saison mit seiner Präsenz. Wer wird das neue Gesicht, wer tritt in die Fußstapfen? Wer – wenn überhaupt – wird der nächste Kobe? Neu auch der Coach Luke Walton. Nicht nur hat er das hässlichste Basketball-Tattoo aller Zeiten auf seinem Oberarm, sondern auch eine durchaus ansehnliche Coaching-Bilanz aus der letzten Saison bei den Golden State Warriors. Walton war mitverantwortlich für den immensen Erfolg der Dubs und soll Teile der Triangle Offense, die er unter Phil Jackson lernte, auch hier anwenden.

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Beste Addition
Luol Deng … Der Veteran kommt aus Miami, wo er sich als Stretch Vierer neu erfunden hat und seine Karriere damit ein bisschen revitalisieren konnte. Obwohl die Lakers für seine Dienste überbezahlen mussten, bringt Deng viel Klebstoff mit um die Einzelteile in diesem Kader zusammenzufügen. Jugend und Erfahrung, Small Forward und Power Forward, Offense und Defense. Ähnlich wie auf Andre Iguodala in Golden State wird Coach Walton auf Dengs Vielseitigkeit setzen (müssen). 

The Planet
Brandon Ingram … Brandon Ingram ist lang, schlaksig und erinnert mit seinem leicht bekifften Blick an Tayshaun Prince. Unterschied: Er hat so viel mehr Luft nach oben. Er ist kein Ausnahmeathlet wie es Kevin Durant ist, mit dem er oft verglichen wird, hat aber eine gewisse Eleganz und Smoothness an sich, die einfach Spaß macht. In Duke hat er nochmal an seinen Fundamentals gefeilt und ist bereit für die NBA. Wie viel besser er werden kann, hängt einerseits davon ab, wie sehr er sich körperlich steigert. Ein leichter Windhauch würde ihn jetzt aufs Parkett legen. Andererseits, wie viel „motor“ er hat. Er ist sehr ruhig und besonnen. Gut, weil coachbar, schlecht, weil dieser „mean streak“ noch fehlt, der den ganz Großen anhaftet.

Rising Star
D'Angelo Russell … D’Angelo Russell. Nach einer durchaus gelungenen Rookie-Saison will DLo diese Saison noch eine Schippe draufpacken und die Leadership-Skills, die ihm angeboren sind, aufs Hardwood bringen.  Seine Defense ist bereits jetzt gut, er führte letzte Saison alle Rookies bei den Steals und gemachten Dreiern an. Mit Ingram hat er eine Anspielstation am Flügel, die ihn befreiter aufspielen lassen kann, mit Randle und Deng zwei Spieler, die ebenfalls wissen, wie man punkten kann.

Falling Fast
Nick Young … Nick Young war immer für einen Lacher gut. Der explosive Guard war als Überraschungsoption für den Gegner lange Zeit ein Rätsel. Nie besonders effizient, aber für einen Heat check immer zu haben. Die letzten Saisons hat sich das aber geändert. Seine Wurfquoten fielen ins Unterirdische und er ist stellenweise alleine für Byron Scotts Glatze verantwortlich gewesen. Zwar ist er erst 31, aber seine Zeiten sind vorbei. Als 10. Oder 11. Mann bei einem guten Team hat er noch eine Chance, ansonsten aber nicht.

Don’t Sleep! 
Julius Randle … Der 21-Jährige geht in seine dritte NBA-Saison, ist aber eigentlich ein Sophomore, der erst 82 Partien absolviert hat, nachdem ihn eine schwere Verletzung im ersten Spiel seiner Rookie-Saison außer Gefecht setzte. Randle ist ein exzellenter Rebounder mit gutem Spielgefühl, der aus dem Low Post agiert. Schon vergangenes Jahr legte er ein bärenstarkes Double-Double auf. Walton will aus ihm eine Art Draymond Green formen: ein vielseitiger Angreifer, der Spielmacher-Elemente übernehmen kann.

Beste Fünf
Russell – Clarkson – Deng – Randle – Mozgov

Good News
+ Der Kader ist voller junger Spieler, die ihr Potential enthalten möchten
+ Byron Scott ist weg, Walton ist da
+ Kupchak hat einen Arsch voll Kohle zur Verfügung
+ Der Kern der Mannschaft passt auch von den Rollen gut zusammen

Bad News
- Defense? Hahahaha.
- Es ist kein guter Center im Kader
- Kann Walton eine Mannschaft von A bis Z führen?
- Medieninteresse ist ohne Kobe erstmal nicht vorhanden


Was fehlt?
Zeit. Die Lakers sind jung und im Rebuild. Walton hat bereits jetzt eine Stange von talentierten Youngstern, mit denen er arbeiten kann. Vielleicht kommen künftig via Trade und Draft noch ein paar hinzu. Wenn L.A. nicht mit der Brechstange an alte Glanzzeiten anknüpfen will, kann hier in den nächsten Jahren etwas sehr Wertvolles heran wachsen.

Eine Frage noch...
Wie gut ist Walton als alleiniger Head Coach? Die Warriors waren schon vor ihm das beste Team der Liga. War er ein Produkt seines Teams oder andersrum? Er hat die Teile, um eine starke Mannschaft zu Formen, ist aber selber jung und möglicherweise nicht erfahren oder respektiert genug. Auch wenn Kobe weg ist und die Mediale Aufmerksamkeit woanders liegt, Los Angeles ist und bleibt einer der größten Märkte in der NBA. Hier werden Stimmen laut, die langsam aber sicher wieder in die Spur wollen. Make the Lakers great again!

Check 1,2
Erwartet mal noch keine Wunder. Das Beet ist gepflanzt, jetzt muss das Gemüse noch wachsen. Hier hilft aber kein Dünger in Form von Scheiße, hier fehlt Erfahrung Zeit und professioneller Rat. Rookies schön und gut, aber ob Ingram oder Russell absolute Superstars werden können, ist mehr als ungewiss. Vielleicht würde das Management gut daran tun, auf einen bereits etablierten Star zu zielen, á la Russell Westbrook. Ansonsten wird das große Warten beginnen. Diese Saison ist nichts zu holen. Es wird wohl der letzte Platz im Westen, die Lottery wird es also ziemlich sicher.

Chef-Orakel
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