23 Oktober 2016

23. Oktober, 2016


Nach Media Days, Trainingscamps und ersten Testläufen ist klar: das neue NBA-Jahr 2016/17 ist inoffiziell underways. Wir haben wie gewohnt alle 30 Mannschaften durchgecheckt und prognostizieren euch bis zum echten Start am 25. Oktober die kommende Saison. Heute: die Los Angeles Clippers.

von MARC LANGE @godzfave

Flashback
53-29, Playoffs Runde eins (2-4 gegen Portland)

Plus
Marreese Speights
Brandon Bass
Diamond Stone
Alan Anderson
Raymond Felton
Brice Johnson
Xavier Munford

Minus
Cole Aldrich
Jeff Ayres
Branden Dawson
Jeff Green
Pablo Prigioni
Josh Smith
Lance Stephenson
Alex Stepheson
C.J. Wilcox

Was ist Neu?
Wie gewohnt: Bei den Clippers ging in der Off-Season nicht viel. Doc Rivers hat größtenteils versucht, die Bande zusammenzuhalten. Sohnemann Austin und Jamal Crawford können sich über neue, gut dotierte Verträge freuen. Auch Johnson und Mbah a Moute bleiben mit an Bord. Ansonsten gab es eher Abgänge als Zugänge. Ohne an soliden Rollenspielern wie Mr. Speights und Mr. Bass zu mäkeln: Los Angeles glaubt, trotz des erneut frühem Playoff-Ausscheidens, an seinen eingespielten Kern. Dieser hat jetzt noch genau eine Saison, um das Vertrauen zu rechtfertigen. Doch dazu später mehr.

Beste Addition
Marreese Speights ... Der Neuzugang von den Golden State Warriors bringt einige nützliche Fähigkeiten in die Rotation der Clippers. Speights kann sowohl als Power Forward sowie Center agieren und hat für seine Größe und körperliche Wucht ein ziemlich weiches Handgelenk. Aber das scheint bei den Dubs ja sowieso Voraussetzung zu sein. Mit knapp 39 Prozent hat der Big Man letzte Saison seinen Karrierebestwert von der Dreierlinie um ganze elf Prozent verbessert. Er trifft also ungefähr so gut Dreier, wie Jordan Freiw... ach lassen wir das. Wie dem auch sei: Speights ist keine Blockbuster-Addition aber hat – zumindest offensiv – ganz klar seine Vorzüge.

The Planet
Blake Griffin … Trotz einiger Wehwehchen, die ihn oft nicht sein komplettes Potenzial abrufen ließen, ist Blake Griffin der aktuell wichtigste Spieler in den Reihen der Clippers. Der einst eindimensionale Slamdunk-Champion hat sein Spiel jede Saison weiter verfeinert. Der Midrange-Jumper gehört mittlerweile zum festen Arsenal. In 20 Versuchen hat es letzte Saison auch von Downtown immerhin siebenmal geklingelt. Auch wenn man beim Modell-Athleten wohl immer zuerst an seine gewaltige Sprungkraft denkt: Griffin ist einer der vielseitigsten Power Forwards, die in der NBA ihr Geld verdienen. Vor seiner Verletzung kam er in der vergangenen Spielzeit durchschnittlich auf 23,2 Punkte, 8,7 Rebounds und stolze 5 Assists. Gepaart mit seinem guten Ballhandling und immer besser werdenden Basketball-IQ ist der nebenberufliche Comedian der Real Deal auf der Vier – ligaweit!

A photo posted by LA Clippers (@laclippers) on

Rising Star
Austin Rivers … Wen soll man hier sonst nennen? Austin Rivers ist mit seinen 24 Jahren in Los Angeles praktisch noch ein Küken. Schaut man sich den Rest des Kaders an, ist der Sohn von Coach Doc wirklich der einzige Spieler, der vielleicht noch einmal eine Leistungsexplosion in seiner Karriere erleben könnte. Paul, Griffin, Jordan und Redick befinden sich allesamt in ihrer Prime-Phase. Crawford ist bereits drüber und der Rest des Teams wird wohl nicht mehr über die Rolle eines 10-18 Minuten Spielers in der NBA hinauskommen. In den Playoffs hat Rivers Junior sein Potenzial immerhin schon einmal aufblitzen lassen. An einem guten Tag kann er die Offensive kurzzeitig übernehmen. Nur hat er diese guten Tage leider noch nicht konstant.

Falling Fast
Paul Pierce … Von „The Truth“ ist nicht mehr viel übrig. Der zukünftige Hall of Famer schnürt in der Stadt der Engel nun zum letzten Mal seine Sneaker und beendet danach seine großartige Karriere. Es wird allerdings auch Zeit: Zum ersten Mal in seiner NBA-Laufbahn scorte Pierce durchschnittlich nur einstellig in einer Spielzeit (6,1 PPS). 36,3 Prozent aus dem Feld sowie 31 Prozent von der Dreipunktelinie lesen sich zudem auch nicht sonderlich schön. Vielleicht zaubert die Pierce diese Saison noch einmal ein Clutch-Play aus dem Ärmel – mehr sollte von Oldie jedoch nicht mehr erwartet werden. 

Don’t Sleep! 
J.J. Redick … Bei dem konstant elitären Rumgeballere in Oakland verschwindet J.J. Redick oft unter dem Radar. Der Scharfschütze der Clippers sauste dabei zuletzt nur knapp an einer magischen 90-50-50 Saison vorbei. Bärenstarke 47,5 Prozent von Downtown, 48,4 Prozent aus dem Feld und 88,8 Prozent von der Freiwurflinie beweisen, wie wichtig Redick für dieses Team ist. Sein Catch-&-Shoot ist ein Traum und hebt jede Offensive auf ein neues Level. Wenn der Fokus der gegnerischen Defensiven 2016/2017 wieder vermehrt auf Griffin gerichtet ist, wird ein gut geölter Redick noch Gold wert sein.

Beste Fünf
Paul – Redick – Johnson – Griffin – Jordan

Good News
+ Der eingespielte Kern der Mannschaft konnte zusammengehalten werden
+ Die Big Three (Griffin, Paul, Jordan) starten allesamt gesund in die neue Saison
+ Gute Bank mit viel Scoring-Power
+ In den letzten vier Spielzeiten konnten nur die Warriors und Spurs mehr Siege in der regulären Saison einfahren

Bad News
- Es wurde noch keine Lösung für die oft grausamen Clutch-Performances gefunden (-35.7 Net Rating in den Playoffs 2016!)
- Nur Redick sorgt für konstante Gefahr von der Dreipunktelinie
- Sehr dünn auf Small Forward besetzt
- Offensive ist zu abhängig von CP3! Offensiv-Rating mit Paul: 113,7 – ohne Paul: 99,5

Was fehlt?
Das Quäntchen Glück … Ja, die Clippers haben in den Playoffs bisher immer enttäuscht. Sie haben ihre erste Finals-Teilnahme in der Geschichte der Franchise sowohl gegen die Thunder als auch gegen die Rockets einfach weggeworfen. Mal war es Verletzungspech, mal waren es die Nerven. Trotzdem: Haben die Clippers in der entscheidenden Situation einfach mal ein bisschen Glück, Dusel oder wie immer man es auch nennen will, dann ist definitiv mehr als die zweite Runde in der Post-Season drin. 


Eine Frage noch...
Was passiert, wenn die Clippers wieder in der zweiten Runde rausfliegen?
Dann ist Schicht im Schacht. Die Big Three-Ära in Los Angeles wird bei erneutem, vorzeitigen Versagen zu Ende gehen. Sowohl Griffin als auch Paul haben für die Saison 2017/2018 eine Early Termination Option. Speziell für Paul wird das Titel-Fenster mit mittlerweile 31 Jahren immer kleiner. Sollte es jetzt also wieder nicht reichen, wird es auch in Zukunft nicht reichen – diesen Fakt werden sowohl die Spieler, als auch der Trainer und der Teambesitzer akzeptieren müssen. Ein Rebuild wäre bei einem frühzeitigen Ausscheiden daher die einzig logische Maßnahme. 

Check 1,2
Die Clippers sind All-In. Es ist wirklich die ALLERLETZTE Chance für Paul, Griffin & Co., um zu beweisen, dass sie auch eine Gewinner-DNA in sich tragen. Vom Talent her, hätten die Jungs von Doc Rivers in den letzten vier Jahren eigentlich mindestens zweimal in den Conference Finals stehen müssen. Taten sie aber bekanntermaßen nicht. Deswegen muss jetzt mehr her, als nur eine starke Regular Season, um die gesamte Franchise von ihrer Verlierer-Mentalität zu erlösen.

Chef-Orakel
59-23