14 Oktober 2016

14. Oktober, 2016


Nach Media Days, Trainingscamps und ersten Testläufen ist klar: das neue NBA-Jahr 2016/17 ist inoffiziell underways. Wir haben wie gewohnt alle 30 Mannschaften durchgecheckt und prognostizieren euch bis zum echten Start am 25. Oktober die kommende Saison. Heute: die Indiana Pacers.

von HARALD MAINKA

Flashback
44-38, Playoffs Runde eins (0-4 gegen Cleveland)

Plus
Jeff Teague
Thaddeus Young
Al Jefferson
Aaron Brooks

Minus
George Hill
Solomon Hill
Ian Mahinmi
Chase Budinger

Was ist Neu?
„Hurra, hurra, die Pacers rennen“ - mit Nate McMillan steht der erstbeste Trainer am DJ-Pult des Bankers Life Fieldhouse und legt Platten aus der Neuen Indiana Welle auf. Nach einem spielerischen Übergangsjahr sollen Paul George und Co. zeitgenössischen Basketball spielen, für den Team President Larry Bird Indianas gesamte spielerische Identität aufgab. Mit George und Solomon Hill sowie Ian Mahinmi gingen drei Gesichter der elitären Defensivarbeit und Frank Vogel gleich mit. McMillans Ruf als Offensivcoach beruht auf statistischen Anomalien aus seiner Zeit bei den Blazers und Sonics, dafür stoßen mit Jeff Teague und Thad Young zwei Spieler zum Team, die für Geschwindigkeit und flüssigeren Halbfeldbasktball sorgen sollen.


Beste Addition
Jeff Teague ... Es ist nicht lange her, da stand Jeff Teague als Kopf der Atlanta Hawks im Eastern Conference All-Star Team. Verletzungspech bremste ihn aus, die Entwicklung von Dennis Schröder bei den Falken machten ihn in Georgia entbehrlich. Eine Rückkehr in seine Heimat Indianapolis könnte genau das Heilmittel sein, dass den werdenden Free Agent zurück in den Dunstkreis der östlichen Point Guard Elite katapultiert. Er wird das Tempo pushen, kann sich im Gegensatz zu Vorgänger George Hill den eigenen Wurf erarbeiten und Paul George als zweite Offensivoption entlasten. Indianas offensivere Ausrichtung - sie steht und fällt mit dem neuen Motor auf der Eins.

The Planet
Paul George ... Es wird PG-13 nicht mal im Ansatz gerecht, ihn lediglich als Indianas Planeten zu beschreiben. Mit Ausnahme von LeBron James gibt es keinen anderen Superstar im NBA-Kosmos, der mit Abstand der beste offensive und defensive Akteur seines Teams ist. Georges Krux ist die Rolle als einzig verbliebener Defensivspezialist im gesamten Kader, das Schöne: ihn selber stört das am allerwenigsten. Seine Einstellung, auch nur daran zu denken, sich auf dem Parkett eine Verschnaufspause zu nehmen, macht ihn zu einem der bewundernswertesten Spielern der Liga. Trotz verbessertem Supporting Cast bestimmt George allein den Ausgang der Pacers-Saison.


Rising Star
Myles Turner ... Turners Skill-Set erinnert an Typen wie LaMarcus Aldridge und Rashard Lewis - Spieler, die der neue Trainer bereits erfolgreich trainiert und entwickelt hat. Turners Vorstellungen in den letztjährigen Playoffs zeigten bereits in die richtige Richtung. Als Blocksteller samt respektablem Mitteldistanzwurf ist er eine eine gern gewählte Option. Offensiv ist er seiner Entwicklung voraus, hinten muss er weiter körperlich reifen, um seine Fähigkeiten als Ringbeschützer effizient einzusetzen. Eine Rolle, für die er als Sophomore noch nicht ganz geeignet ist.

Falling Fast
Monta Ellis ... Ellis wurde letztes Jahr geholt, um die rostige Pacers-Offensive zu beschleunigen - trotz der statistisch schlechtesten Saison seit seinem Rookiejahr ist ihm zumindest das auf Anhieb gelungen. In Transition ist Ellis die Blaupause für Indianas Spielstil. Wenn McNillan dagegen mal ein Set laufen lässt, geht nichts ohne Montas Hände. Dumm nur: Ellis funktioniert nur als primärer Ballhandler. Die veränderte Dynamik, Balance und Hierarchie machen die 'Mississippi Bullet' ohne verlässlichen Distanzwurf zum Auslaufmodell.

Don’t Sleep! 
C.J. Miles ... Veteranen wie ihn braucht jedes Team - uneigennützig, mit klar definierter Rolle und zur Stelle, wenn sie gefordert werden. In der letzten Spielzeit mauserte sich der Forward zeitweise zum zweitgefährlichsten Offensivspieler. Nach dem Abgang von George Hill hält Miles in der Kabine weiterhin die Spirits hoch, um dann auf dem Parkett aus den hinteren Rängen der Downtown durchzustarten. Er kann im Handumdrehen heiß laufen und gibt den Pacers schnelle 15 Punkte. Ein Kandidat für den Sixth Man of the Year-Award.

Beste Fünf
Teague – Ellis – George – Young – Turner

Good News
+ Paul George ist von Beginn an in Topform, strotzt vor Selbstbewusstsein und gehört zu den fünf besten Basketballern des Planeten
+ Indiana gehörte bereits 2015/16 trotz offensichtlicher Schwächen zu den schnellsten Teams der Liga und hat Personal dazu geholt, das für Vollgas-Basketball steht
+ Myles Turner durfte bereits in seiner ersten Saison wichtige Playoff-Minuten sehen. Für Rookies ist diese Erfahrung Gold wert
+ die Neuen werden liefern: Teague spielt für einen neuen Vertrag, Young spielt endlich in einem guten Team, Jefferson trägt nicht mehr die offensive Hauptlast

Bad News
- die Abgänge von Mahinmi und besonders George Hill sind verheerend, beide gehören zu den besten Verteidigern auf ihren Positionen und waren identitätsstiftend - zumindest unter Vogel
- mit George und Miles befinden sich nur zwei Spieler im Kader, die den Dreier überdurchschnittlich treffen. Kreieren die anderen Spieler genug Spacing?
- die Bank muss auf den hinteren Plätzen deutlich nachgebessert werden
- der neue Stil macht Indiana nicht zwangsläufig unberechenbarer

Was fehlt?
Realismus. Die Pacers glauben sich im Cluster aus Teams zu befinden, die es mit den Cavaliers aufnehmen können. Indiana ist nicht mehr als ein Potpourri offensiv beschlagener Spieler, denen ein, zwei Dreierschützen und ganz besonders Verteidiger auf Guard und Big fehlen. Stand heute ist die Mannschaft nur Mittelmaß.

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Eine Frage noch...
Was läuft da zwischen Larry Bird und Nate McMillan? Gemäß dem Teampräsidenten war der vakante Posten auf der Bank von namhaften Interessenten begehrt - wieso entschied sich Bird vorschnell für den langjährigen Assistant Coach, der zuletzt 2012 bei den Trail Blazers Verantwortung trug? Der 52-Jährige steht für Offensivbasketball, bei der Pace schnitten seine bisherigen Stationen jedoch regelmäßig auf den hinteren Rängen ein.

Check 1,2
Es lohnt sich wieder, nachts für Pacers-Spiele wach zu bleiben. Dennoch laufen die Pacers im NBA-Wettrennen nur mit, nicht vorneweg. Beim Blick auf den Kader entstehen Vorbehalte, summa summarum ist das Team nicht besser geworden. Die Playoffs sind ein Muss, die Semi-Finals wahrscheinlich - nicht weniger, aber eben auch nicht mehr als in den letzten Jahren.

Chef-Orakel
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