16 Oktober 2016

16. Oktober, 2016


Nach Media Days, Trainingscamps und ersten Testläufen ist klar: das neue NBA-Jahr 2016/17 ist inoffiziell underways. Wir haben wie gewohnt alle 30 Mannschaften durchgecheckt und prognostizieren euch bis zum echten Start am 25. Oktober die kommende Saison. Heute: die Houston Rockets.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick

Flashback
41-41, Playoffs Runde eins (1-4 vs. Golden State)

Plus
Ryan Anderson
Eric Gordon
Nenê Hilário
Pablo Prigioni
Tyler Ennis
Chinanu Onuaku
Gary Payton II

Minus
Dwight Howard
Michael Beasley
Jason Terry
Josh Smith
Terrence Jones
Andrew Goudelock
Donatas Motiejunas (?)

Was ist Neu?
Infolge der debakulösen Vorsaison war die Trennung von Dwight Howard unausweichlich, dem ehemaligen Elite-Center zeigten die Rockets kurz und schmerzlos die Tür. Die Idee, James Harden mehr off-ball agieren zu lassen wurde verworfen. Der Bart ist wieder unumstrittener Taktgeber und bekommt vor allem in Ryan Anderson und Eric Gordon feuerkräftige Unterstützung. Mit Mike D'Antoni an der Seitenlinie verschärfen die Rockets ihre kompromisslose Hochgeschwindigkeitsoffensive und geben ihr die zuletzt fehlende Struktur. D'Antoni bringt einen komplett neuen Trainerstab mit nach Osttexas.


Beste Addition
Ryan Anderson ...  Der Strech Power Forward ist für das Spiel der Rockets wie gemacht. Anderson trifft den Dreier zu 37,7% (Karrierewert) und gilt als äußerst teamdienlicher und umgänglicher Spieler. Bei den wenig kompetitiven New Orleans Pelicans lagen die Talente des Most Improved Players 2012 weitgehend brach. Harden als Kreator wird dem legitimen Scharfschützen reihenweise freie Würfe ermöglichen. Weil sich die gegnerische Verteidigung nun vornehmlicher auf den 28-jährigen Anderson fokussieren muss, schafft dies zusätzliche Räume für Trevor Ariza und Patrick Beverley.

The Planet
James Harden ... Der Bart hat den internen Machtkampf mit Dwight Howard erwartungsgemäß gewonnen und zu seiner Spielweise passendes Personal an die Seite gestellt bekommen. Nun liegt es an ihm, nicht nur die bemerkenswerten Zahlen des Vorjahres (29,0 PPG, 7,5 APG, 6,1 RPG) zu bestätigen, sondern auch die defensive Intensität der vorletzten Spielzeit zurück aufs Parkett zu bringen. 2015/16 kam die Rockets-Offensive ohne Harden zum Erliegen. Das sollte zwar dank der Typveränderung im Sommer etwas besser werden, doch noch immer steht und fällt das Toyota Center mit der Nummer 13.

Rising Star
Clint Capela ... Der 22-jährige Schweizer geht als kolportierter Starter in sein drittes NBA-Jahr. Mit 7,0 PPG, 6,4 RPG und einem Net Rating von +3,1 im Vorjahr hat Capela von der Bank kommend sein Potential angedeutet. Nun muss er sich mit deutlich erhöhter Verantwortung auf der großen Bühne beweisen und seine häufigen Foulprobleme in den Griff kriegen. Der 25. Pick des stark besetzten 2014 Drafts läuft die Pick and Rolls exzellent und hat Vollstreckerqualitäten, vor allem aus dem Alley-Op. Als einziger defensivorientierter Center des Kaders liegen Capelas Aufgaben aber vornehmlich im Ringbeschützen. Über den Sommer hat er nach eigenen Angaben zwölf Pfund Muskelkraft zugelegt, um den gegnerischen Schlachtrössern in der Zone Paroli zu bieten.


Falling Fast
Corey Brewer ... Bei Houstons tiefem Playoff-Run 2015 – inklusive des legendären 34-Punkte-Turnarounds gegen die Clippers – war Brewer eine tragende Säule. In der letzten Spielzeit gelang dem energetisch Flügelspieler jedoch wenig bis gar nichts. Seine Dreierquote von 27,2% und ein Net Rating von -2,2, gepaart mit den nicht abstellbaren offensiven wie defensiven Aussetzern, ließ die Zuschauer im Toyota Center regelmäßig am 30-Jährigen verzweifeln. Hoffnung auf Besserung ist wegen Brewers fortgeschrittenen Alters kaum in Aussicht, zumal junge Spieler wie K.J. McDaniels und Sam Dekker an der Spielzeit des "Greyhound" kratzen.

Don’t Sleep! 
Nenê ... In der Hauptstadt schien die Karriere des Brasilianers einzuschlafen, doch war er bei weitem nicht der einzige von Ex-Wizards-Coach Randy Wittman schlecht oder falsch eingesetzte Spieler. In Houston erwartet den Olympioniken ein zu seinen variablen Offensivfähigkeiten besser passendes System, in dem er nicht auf sein Low-Post-Spiel limitiert wird. Nenê geht mit selbstbewussten Kampfansagen in die neue Spielzeit und will sich und der Basketball-Welt beweisen, dass die schwierigen Zeiten in D.C. nur bedingt an ihm selbst lagen und er mit seinen 33 Jahren noch nicht zum alten Eisen gehört.

Beste Fünf
Harden – Beverley – Ariza – Anderson – Capela

Good News
+ James Harden hat seinen Vertrag verlängert und bleibt mindestens bis 2019 der unumstrittene Fixpunkt der Raketen
+ Houston hat sich von Altlasten getrennt, aus den Querelen des Vorjahres gelernt und setzt jetzt auf intensives Teambuilding
+ Selbst im dürftigen letzten Jahr landeten die Raketen auf Rang acht in offensiver Effizienz, ein Sprung in die Top fünf ist in Aussicht
+ Dank Anderson und Gordon werden die Rockets das zuletzt schlechte Preis-Leistungsverhältnis der Dreipunktewürfe (die zweitmeisten Versuche, 19. in der Trefferquote) ankurbeln

Bad News
- Die Verpflichtung Mike D'Antonis sorgte bei Fans und Experten für tiefe Sorgenfalten, es bleiben Zweifel ob der Italoamerikaner nach seinem Scheitern bei den Knicks und Lakers wieder in die Erfolgsspur findet
- Das Thema Verletzungen lässt die Rockets nicht los: Die chronisch gefährdeten Anderson, Gordon und Nenê gesellen sich zu dem schon wieder angeschlagenen Pat Beverley
- Als nominelle Point Guards stehen neben Beverley im beinahe 40-jährigen Pablo Prigioni und dem noch sehr rohen Tyler Ennis drei dicke Fragezeichen im Kader
- Die Rockets waren mit Dwight Howard schlecht im Rebounding (22. in Rebound Rate), ohne ihn wird’s auch nicht besser

Ein von Houston Rockets (@houstonrockets) gepostetes Foto am

Was fehlt?
2015/16 hatten die Rockets zusammen mit den Portland TrailBlazers die schlechteste Defensiv-Effizienz aller Playoff-Teams. Für eine signifikante Verbesserung ist diese Kaderzusammenstellung nicht prädestiniert. So wird der von den Memphis Grizzlies geholte neue Verteidigungsminister Jeff Bzdelik der heimliche wichtigste Mann im Staat. Auf Bzdelik wartet die undankbare Aufgabe, dem System Morey-Harden-D'Antoni so etwas wie defensive Balance zu verschaffen.


Eine Frage noch...
Wieviel Prozent der desaströsen letzten Saison ist auf die on-court Spannungen zwischen Dwight Howard und James Harden zurückzuführen? Wieviel auf den offensichtlich überforderten Ex-Interimscoach J.B. Bickerstaff? Welches Gesicht der Rockets ist das wahre? Das sind zwar drei Fragen, die Antwort wird aber jeweils ähnlich ausfallen. Ein Reboot der 2015 Rockets kann im Westen brandgefährlich werden, die 2016er Version nicht so sehr.

Check 1,2
Der ereignisreiche Sommer hat im Westen viel Staub aufgewirbelt. Die Spurs ohne Tim Duncan, die Thunder ohne Kevin Durant – die Clippers bleiben die Clippers. Hinter dem Primus aus Golden State tobt ein offener, unvorhersehbarer Kampf, in dem die Rockets mittendrin mitzumischen gedenken. D'Antonis Kamikaze-Offensive wird an manchen Abenden Gegner versenken, an anderen gründlich nach hinten losgehen. Heimvorteil ist der ehrgeizige Anspruch, doch dazu muss vieles am neuen Schlachtplan aufgehen.

Chef-Orakel
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