14 Oktober 2016

14. Oktober, 2016


Nach Media Days, Trainingscamps und ersten Testläufen ist klar: das neue NBA-Jahr 2016/17 ist inoffiziell underways. Wir haben wie gewohnt alle 30 Mannschaften durchgecheckt und prognostizieren euch bis zum echten Start am 25. Oktober die kommende Saison. Heute: die Detroit Pistons.

von CHRISTOPH LENZ @NBAKenner

Flashback
44-38, Playoffs Runde eins (0-4 gegen Cleveland)

Plus
Ish Smith
Jon Leuer
Boban Marjanović
Henry Ellenson

Minus
Steve Blake
Spencer Dinwiddie
Jodie Meeks
Joel Anthony
Anthony Tolliver

Was ist Neu?
Die Bank! Bis auf Sophomore Stanley Johnson und Aron Baynes ist kein Nicht-Starter, der letzte Saison in den Top 13 Minuten pro Spiel rangierte, zurück in Detroit. Die Neuen sind zwar positionstechnisch ein wenig anders verteilt, wodurch die ebenfalls verbliebenen aber 15/16 eher irrelevanten Reggie Bullock und Darrun Hillard etwas größere Rollen einnehmen dürften, aber im Grunde genommen ist jeder einzelne Neuzugang ein signifikantes Upgrade gegenüber einem abgewanderten Spieler. Diese neu formierte zweite Garde sollte definitiv fähig sein sich von der Vorjahres-Bank (a.k.a. Bank mit den wenigsten erzielten Punkten der Liga) abzuheben.


Beste Addition
Ish Smith ... Speziell nach dem Ausfall von Reggie Jackson ist seine Verpflichtung unglaublich wichtig, da man letztes Jahr über weite Strecken mit Steve Blake als Backup agieren musste. Mit Ish Smith kommt ein Spielmacher, der zwar defensiv keine bedeutende Verbesserung darstellt - was gegen viele Gegner nicht so dramatisch sein sollte, da er vier "Plus-Verteidiger" neben sich hat -, aber offensiv sofort eine tragende Rolle beim Kreieren von Punkten einnehmen kann. Das gilt vor allem als gestaltender Regisseur der Bench-Unit, doch kann auch als Starter, als der er nun erstmal sein muss, funktionieren.

The Planet
Andre Drummond ... Die abgelaufene Saison mit 20 Double-Doubles in den ersten 21 Spielen zu starten und dabei im Schnitt 18,5 Punkte und 17,0 Rebounds aufzulegen kann durchaus als dominant bezeichnet werden. Auch wenn er die Saison letztlich nicht auf diese Art und Weise fortsetzen konnte, ist Drummond spätestens seit diesen Auftaktwochen auf Jedermanns Radar, wenn es um Ehrentitel wie All-Star, All-NBA und Defensive Player of the Year geht. Fraglich bleibt, ob er diese individuelle Dominanz auch in Teamerfolg umsetzen und damit mittel- bis langfristig das Vertrauen der Pistons, ihn als klaren Franchise Player zu behandeln, zurückzahlen kann. Stand heute ist er aber zurecht als genau das zu sehen.

Ein von Detroit Pistons (@detroitpistons) gepostetes Foto am

Rising Star
Kentavious Caldwell-Pope … Wenn im Vorjahr über Spieler geredet wurden, die Steph Curry das Punkten schwer gemacht haben, dann handelte es sich meist um außerordentlich kurze Gespräche. Oft begannen diese mit Avery Bradley, endeten dann aber schon mit KCP. In den Duellen gegen die Pistons traf Curry seine Würfe mit fünf Prozentpunkten weniger als im Saisonschnitt. Ähnliche Leistungen zeigte der Nummer acht Pick des 2013 Drafts gegen Damian Lillard und Russell Westbrook. Wenn der 23-Jährige in seiner dritten Saison den Wurf besser trifft, könnte er tatsächlich zu einem sehr zentralen Baustein für die Pistons-Zukunft werden. Doch selbst wenn das nicht der Fall sein sollte, ist er einer der zukünftigen Defensivstars der NBA und könnte schon im kommenden Jahr ein Kandidat auf das All-Defensive Team sein.

Falling Fast
Aron Baynes ... Bis zum 9. Dezember ist kein Pistons-Spieler 30 oder älter, keiner ihrer Spieler ist ein gescheiterter hoher Draft-Pick, dessen Karriere schlechter läuft als geplant, fast alle ihrer Spieler hatten das beste Jahr ihrer Karriere und keinen Grund schwächer zu werden. Letztlich ist es Baynes, der zwar kaum, aber immer noch am ehesten in diese Kategorie passen dürfte. Er wird nun immerhin schon 30, hat nach einem Titel und einem Jahr mit 17 Starts für die San Antonio Spurs schon letztes Jahr ganze 0,3 Punkte weniger erzielt und satte 5% schlechter aus dem Feld getroffen. Ganz im Ernst wird ihm die Verpflichtung von Boban Marjanović nicht wirklich helfen, dennoch ist er hier ein eher schwacher Pick.


Don’t Sleep! 
Stanley Johnson ... Auch wenn seine Rookie-Saison in der Offensive durchaus als historisch schlecht bezeichnet werden kann, sollte man den 20-Jährigen nicht abschreiben. Seinen Ruf als harter Arbeiter konnte er defensiv und in Sachen Einsatz durchaus bestätigen. Ob er nun, wie er von sich selbst sagt, "in LeBrons Kopf" ist oder nicht: Bleibt er defensiv so hartnäckig wie in seiner Debüt-Saison und lässt sich gleichzeitig offensiv nicht entmutigen es zu versuchen, während er sich an diesem Ende des Felds kontinuierlich verbessert, dann kann aus ihm schnell genau das werden, was Stan Van Gundy in ihm gesehen haben könnte, als er ihn an Nummer acht im Draft 2015 auswählte: Some kind of Kawhi.

Beste Fünf
Jackson – Caldwell-Pope – Morris – Harris – Drummond

Good News
+ Kontinuität: Kein Spieler mit mehr als 20 Minuten Einsatzzeit pro Spiel hat Detroit verlassen
+ Kontrakte: Bis auf Caldwell-Pope und Baynes sind alle Rotationsspieler bis 2019 unter Vertrag
+ Kadertiefe: Die 15/16 vielleicht schwächste Bank der Liga wurde signifikant und sinnvoll verstärkt
+ Kraken: Nach drei Jahren in Folge Top drei in Sachen Rebounding holt man 2,21 Meter Boban ins Team, der letzte Saison per 36 Minuten ein Top Ten Rebounder war

Bad News
- Assistenz: Außer den Point Guards keine überdurchschnittlichen Passer im Team
- Anführer: Aaron Baynes ist der einzige Spieler, der im Saisonverlauf 30 Jahre alt werden wird
- Angstszenario: Wenig Chance auf Verlust des Titels "Team mit schlechtester Freiwurfquote"
- Ausgegeben: Durch die Offseason-Moves können die Pistons bis 2019 quasi keine Free Agents, die auch nur annähernd Durchschnittsgehalt verlangen, unter Vertrag nehmen

Was fehlt?
Shot-Creation. Feldwurfquote Platz 25, Assists pro Spiel Platz 27, kein "Nicht Point Guard" mit mehr als 2,6 Assists. Diese Werte sind für ein Playoff-Team inakzeptabel. Der Ball muss besser bewegt werden um mehr freie Würfe zu finden. Dadurch können Assists und Wurfquote gesteigert werden. Mit Ish Smith hat man immerhin einen zusätzlichen Ballverteiler, der Ausfall von Jackson zum Saisonstart schmälert das Problem aber nicht gerade.


Eine Frage noch...
Wie gut gelingt der Start diesmal? Der Jump Start mit fünf Siegen aus den ersten sechs Spielen und ein Andre Drummond, der mit vier 20/20 Spielen startete und in einem Atemzug mit Kareem Abdul-Jabbar und Wilt Chamberlain genannt wurde, legten den Grundstein für Detroits Playoff-Run. Ohne Reggie Jackson scheint so ein Start höchst unwahrscheinlich und die Auswirkungen auf die Saison sind schwer abzuschätzen.

Check 1,2
Die Pistons stecken mitten im Pulk von zehn Teams, die im Osten um die offenen Plätze vier bis 13 kämpfen. Die Kaderveränderungen ergeben jede Menge Sinn. Einem Team, das von Stan Van Gundy gecoacht wird, sollte man immer alles zutrauen, aber trotzdem ist es möglich, dass bei Detroit entscheidende Faktoren fehlen und ohne Blitzstart wie im Vorjahr, als man ein 5-1 vorlegte, könnte die Anzahl der Siege dieses Jahr leicht fallen.

Chef-Orakel
44-38