17 Oktober 2016

17. Oktober, 2016


Nach Media Days, Trainingscamps und ersten Testläufen ist klar: das neue NBA-Jahr 2016/17 ist inoffiziell underways. Wir haben wie gewohnt alle 30 Mannschaften durchgecheckt und prognostizieren euch bis zum echten Start am 25. Oktober die kommende Saison. Heute: die Dallas Mavericks.

von TORBEN SIEMER @lifeoftorben

Flashback
42-40, Playoffs Runde eins (1-4 vs. Oklahoma City)

Plus
Quincy Acy
Harrison Barnes
Andrew Bogut
Nicolas Brussino
Kyle Collinsworth
Seth Curry
Dorian Finney-Smith
Jonathan Gibson
AJ Hammons

Minus
Jeremy Evans
Raymond Felton
John Jenkins
David Lee
JaVale McGee
Zaza Pachulia
Chandler Parsons

Was ist Neu?
40 Prozent der Starting Five sind neu, mit Harrison Barnes und Andrew Bogut wurden zwei Fünftel der 73-Siege-Warriors nach Dallas geholt. Auf Barnes werden die Hoffnungen projiziert, die der abgewanderte Chandler Parsons seiner Verletzungen wegen nicht erfüllen konnte: die Mavericks mit konstant guten Leistungen auf die Zeit nach Dirk Nowitzki vorzubereiten. Justin Anderson und Dwight Powell sollen gemeinsam mit den Neuzugängen Seth Curry und Quincy Acy die Rotation merklich verjüngen, während Wes Matthews nach seiner unerwartet frühen Rückkehr zu Beginn der Vorsaison jetzt beschwerdefrei in sein zweites Jahr in weiß und blau startet.


Beste Addition
Harrison Barnes ...  Sicher, weder in der letzten Saison noch bei den Olympischen Spielen konnte der Small Forward die in ihn und seine Entwicklung gesetzten Erwartungen erfüllen. Barnes ist aber noch immer erst 24 Jahre alt und hat nach vier Jahren in Oakland jetzt den Anspruch und die Aufgabe, bei den Mavericks in eine tragende Rolle zu wachsen. Neben soliden Wurfquoten (46.6% 2P; 38.3% 3P; 76.1% FT in 15/16) bringt der siebte Pick des 2012er Drafts ein gutes Spielverständnis an beiden Enden des Feldes mit. Aber: Barnes muss in Dallas den nächsten Schritt - und zwar einen großen - machen, um seinen Vierjahresvertrag über 94 Mio. $ zu rechtfertigen.

The Planet
Dirk Nowitzki ... Auch in seiner 19. Saison ist und bleibt der "Tall Baller from the G" der wichtigste Mann in Dallas. Im Sommer verlängerte Dirk noch einmal für zwei Jahre und darf sich dank des Cap-Anstiegs über ein paar Extra-Dollar freuen, da der Gehaltsverzicht nach dem Titelgewinn 2011 während der letzten Free Agency-Perioden nicht zu den gewünschten Verstärkungen führte. Auch im stolzen Alter von 38 Jahren verbiegt Dirks Gravity noch immer NBA-Defensiven und der gebürtige Würzburger wird an die gute Vorsaison (20.9 Punkte per 36min) anknüpfen wollen. Die Dallas Mavericks sind sein Team, Dirk ist die Dallas Mavericks. Auch in der Saison 2016/2017.


Rising Star
Justin Anderson ... Anderson kommt mit dem Selbstvertrauen einer starken Rookie-Saison aus dem Sommer: Nach schwankenden Einsatzzeiten zu Beginn spielte er sich – auch, aber nicht nur - wegen des Ausfalls von Chandler Parsons in die erste Fünf und war die positive Überraschung der Saison. Der 1.98m große Flügelspieler muss zwar seinen Distanzwurf noch stabilisieren, deutete aber bereits sein Potenzial an: In der Verteidigung ist Anderson dank seiner überdurchschnittlichen Athletik gepaart mit einer lobenswerten Arbeitseinstellung schon jetzt einer der besten Mavericks. Hinter Matthews und Barnes wird er von der Bank kommen und seine Entwicklung fortsetzen können.

Falling Fast
Dallas' Hoffnungen auf eine zweite Meisterschaft in der Ära Nowitzki ... Eigentlich soll hier ja ein Spieler stehen, dessen Stern sinkt oder der maßlos überbezahlt ist. Harrison Barnes bekommt den "benefit of the doubt" und darf sich erstmal in die neue Umgebung einfinden. Wes Matthews geht erstmals in Dallas gesund in die Saison, während Deron Williams‘ günstiger Vertrag seine Nennung hier verhindert. Dirk Nowitzkis Leistungen waren trotz der unplanmäßig hohen Belastung auch im Vorjahr wieder überzeugend und Andrew Bogut hat zwar vielleicht nicht die Erwartungen an einen No. 1-Pick erfüllen können, ist aber trotz wiederkehrender Verletzungsprobleme einer der vielseitigsten Big Men der Liga. So sinkt zwar niemandes Stern hier rapide – der der Mavericks aber irgendwie doch kontinuierlich.


Don’t Sleep! 
Dwight Powell ... Vier Jahre, 37 Mio. $ - die Mavericks haben den Restricted Free Agent Powell im Sommer langfristig an sich gebunden. Der Power Forward ist in der Rückschau das Beste, was Dallas aus dem gescheiterten Experiment Rajon Rondo ziehen konnte. Nach dem Abgang von David Lee nimmt der 2,11 Meter lange Rechtshänder die Backup-Rolle hinter Dirk Nowitzki ein und kann in kleinen Aufstellungen auch kurzzeitig auf die Center-Position ausweichen. Ähnlich wie Justin Anderson bringt Powell von der Bank aus Athletik ins Spiel, zeigte bereits gute Ansätze als Verteidiger und Rebounder und schließt offensiv vorrangig in Ringnähe ab. Auch den langen Zweier traf er im Vorjahr ordentlich und es besteht die Hoffnung, dass Powell sich mittelfristig einen akzeptablen Dreier erarbeiten kann.

Beste Fünf
Williams – Matthews – Barnes – Nowitzki – Bogut

Good News
+ Dallas übertrifft seit Jahren die Erwartungen – dank Headcoach Rick Carlisle
+ Defensiv könnten die Mavericks erstmals seit Jahren besser als NBA-Durchschnitt sein
+ Anderson, Barnes, Curry und Powell bringen dringend benötigtes junges Blut in die Rotation
+ Dirk ist auch mit 38 immer noch Dirk

Bad News
- Dirk ist zwar immer noch Dirk, braucht aber auch immer mehr Pausen
- Die Guard-Rotation ist dünn besetzt, Williams und Harris dazu verletzungsanfällig
- Wenig überdurchschnittliche Athleten
- (Zu) viel hängt an der individuellen Entwicklung und der Gesundheit des Kaders

Was fehlt?
Der zweite (potenzielle) All-Star an der Seite von Dirk Nowitzki. Immer noch. 2010 durfte Jason Kidd den verletzten Kobe Bryant vertreten, 2007 war Josh Howard Nachrücker. Da wir als nächstes zu Steve Nash im Jahr 2003 kämen... nun. Nachdem Chandler Parsons die Erwartungen enttäuschte und ziehen gelassen wurde, soll jetzt also Harrison Barnes in diese Rolle wachsen. Allein, es fehlt der Glaube...


Eine Frage noch...
Viele Träume, aber werden die auch Wirklichkeit? Die Mavericks setzen in dieser Spielzeit einmal mehr auf zwei Pferde: Eines trägt die Hoffnung, dass der Kader von Verletzungen und Ausfällen verschont bleibt – das andere die, dass möglichst viele Spieler ihr Potenzial ausreizen. Dass Dallas zudem auch 2016 noch immer von Dirk Nowitzki abhängig ist, ist in einer immer athletischer werdenden Liga kein erfolgsversprechendes Zeichen. Nur wenn beide Pferde die Last über 82 Spiele tragen können, ist eine Playoff-Teilnahme realistisch.

Check 1,2
Alles wie immer in Dallas – ein Sommer, nachdem keiner so genau weiß, ob die Mavericks einen Schritt nach vorne gemacht haben. Wieder einmal ist die Franchise von der Gesundheit ihrer Rotation abhängig und davon, was Rick Carlisle aus den begrenzten Möglichkeiten zu zaubern imstande ist. Wie schon im Vorjahr wird Mark Cubans Team schwer um Platz acht und eine positive Bilanz kämpfen müssen.

Chef-Orakel
41-41