15 Oktober 2016

15. Oktober, 2016


Nach Media Days, Trainingscamps und ersten Testläufen ist klar: das neue NBA-Jahr 2016/17 ist inoffiziell underways. Wir haben wie gewohnt alle 30 Mannschaften durchgecheckt und prognostizieren euch bis zum echten Start am 25. Oktober die kommende Saison. Heute: die Cleveland Cavaliers.

von ANDRÉ NÜCKEL @AndreNueckel

Flashback
57-25, NBA Champions

Plus
Mike Dunleavy
Kay Felder
Chris Andersen
DeAndre Liggins
Toney Douglas

Minus
Matthew Dellavedova
Timofey Mozgov
Sasha Kaun

Was ist Neu?
Ein paar neue Gesichter in der Rotation – und weil es sich fast wie ein Neuzugang anfühlt – auch J.R. Smith. Die Einigung zwischen dem Scharfschützen und dem Front Office kam spät, zwei Wochen vor Saisonstart stößt J.R. endlich zum Team. Cleveland musste als Champion keine größeren Transaktionen vollziehen, nachdem der Verbleib von Kevin Love bereits früh geklärt wurde. Der Verlust von 'Mad Dog' Matthew Dellavedova schmerzt zwar irgendwo, aber Veteran Mike Dunleavy und Rookie Kay Felder werden diese Lücke (problemlos) schließen.

Ein von Cleveland Cavaliers (@cavs) gepostetes Foto am

Beste Addition
Mike Dunleavy ...  Die Bulls jagten ihr werfendes Uhrwerk vom Hof und gaben es ausgerechnet an den Erzrivalen ab. Ein Spieler, der perfekt zu LeBron James passt. Mike Dunleavy ist ein erfahrener Veteran und hat sich über Jahre hinweg für seine Konstanz einen Namen gemacht. Der Small Forward traf seinen Dreier zuletzt zu 40 Prozent und weiß in der Defensive seinen Mann zu stehen, obgleich die Schnelligkeit mit 36 Jahren fehlt. "The Natural" gibt Cleveland zudem die Möglichkeit, mit ihm auf der Zwei oder Drei klein und groß zu spielen.

The Planet
LeBron James ... Über den König muss an dieser Stelle kein weiteres Wort geschrieben werden, denn sein Vermächtnis steht spätestens seit dem Titel außer Frage. Er ist weiterhin der beste Spieler der Welt, jedoch wird Coach Tyronn Lue darauf achten, James mehr Pausen zu geben, denn im Dezember wird der Local Hero 32 Jahre jung. Seine statistischen Werte haben aufgrund des Career-lows an Spielzeit (35,6 Minuten) teilweise eingebüßt, doch kündigte der vierfache MVP zuletzt an, den "Geist aus Chicago" zu jagen. Was nach einem Widerspruch klingt, wird in den ersten Wochen der Saison gelüftet werden.


Rising Star
Kyrie Irving ... Mit "The Shot" und seiner irrwitzigen Finals-Performance ist Uncle Drew im gegenwärtigen NBA-Olymp angekommen, doch muss nun der nächste Schritt folgen. Mit 19,6 Punkten, 4,7 Assists und 3,0 Rebounds sowie 32,1 Prozent von Draußen legte Irving in der regulären Saison schlechtere Zahlen auf als in den Spielzeiten zuvor. Klar, er war lange verletzt und seine Rekonvaleszenz nach der gebrochenen Kniescheibe dauerte länger als geplant, aber er muss seine Elite-Leistungen konsolidieren. Das Potenzial, auf kurz oder lang MVP zu werden, hat der ballstarke Point Guard allemal.


Falling Fast
Iman Shumpert ... Nach seiner ersten Saison bei den Cavs bekam Shump im Sommer 2015 einen Vertrag über vier Jahre und 40 Millionen Dollar, der damals als leicht überdotiert galt. Ein Jahr und gestiegenes Cap später lässt sich festhalten: Cleveland hat sich blenden lassen. Außer Swag, Frise und einer leicht bekleideten Ehefrau hat der Wannabe-3-and-D-Specialist nicht wirklich viel zu bieten. 29,5 Prozent von Downtown und einen nicht belegbaren Effekt auf die Defensive machen aus dem Shooting Guard einen unterdurchschnittlichen Rotationsspieler, der bei fehlendem Upgrade auf dem Trade-Block landet.

Don’t Sleep! 
Kevin Love ... Auch nach dem jetzt schon legendären Triumph in den Finals über die Warriors wurde wild über einen Trade von Love zu den Celtics spekuliert. Die Franchise um GM David Griffin hat sich jedoch für einen Verbleib der Double-Double-Masche entschieden, denn Love hat seine Rolle gefunden. Mit Amtsantritt hatte Lue zudem angekündigt, den Power Forward prominenter einzusetzen. Im Trainingscamp hat die Truppe nun erstmals intensiv die Möglichkeit, unter dem "neuen" Coach Sets für den Wurf- und Post-starken Vierer einzustudieren. Die Nummer Zero ist zwar auf äußere Umstände angewiesen, aber er wirkt auf den ersten Bildern und Videos deutlich fitter und dynamischer als zuletzt. Mit mehr Athletik und einem Distanzwurf um die 40 Prozent kann es endlich der Durchbruch werden.
Beste Fünf
Irving – Smith – James – Love – Thompson

Good News
+ Die erste Meisterschaft wurde gewonnen, weshalb der ganz große Druck von den Schultern gefallen ist
+ Cleveland hat mit McRae und Felder nun Mikrowellen, um das schwache Bench-Scoring aufzuwerten
+ Perfekte Situation: Die Cavaliers haben den Trainer, den die Mannschaft wollte und können erstmals richtig arbeiten
+ Mit zahlreichen Veteranen, Glue Guys und hoffnungsvollen Talenten wie Kay "Hype" Felder stimmt die Mischung

Bad News
- Es fehlt ein adäquater Backup für Kyrie Irving, angeblich sind die Cavs an Mario Chalmers dran
- Die Abhängigkeit von LeBron ist weiterhin zu groß
- Hohe Payroll, d. h. große Deals sind ohne Zugabe eines Eckpfeilers nicht möglich
 - Größe: Love und Birdman sind mit 2,08 Meter die größten Spieler. Ein echter Hightower fehlt im Roster


Was fehlt?
Wenn eine Franchise erstmals Champion geworden ist, fehlt nicht wirklich viel. Natürlich trug LeBron die Cavaliers mit seinem Willen durch die Finals und sorgte nach 1-3-Rückstand für die historische Kehrtwende und Kleidungsresistenz bei J.R., aber selbst bei einer Niederlage gegen ebenso historische Dubs hätte wahrscheinlich nur die Love-Diskussion im Mittelpunkt gestanden. Sollte der Power Forward entgegen der getätigten Aussagen doch nicht das perfekte Puzzlestück sein, macht ein Deal gegen Größe, Scoring und Defense durchaus Sinn.

Eine Frage noch...
Fehlt durch den Ring nun die letzte Gier? Jeder kennt das Gefühl von abfallendem Ballast nach einer Klausur, Projektarbeit oder heiklen Aufgabe im Job. Mit dem sagenumworbenen ersten Titel und einem surrealen Comeback hat Cleveland alle Kritiker zum Schweigen gebracht. Während bei Kevin Love, Kyrie Irving und selbstverständlich auch LeBron James die Flamme weiter lodert, bleibt abzuwarten, ob elementare Rotationshilfen wie Richard Jefferson oder Channing Frye im Herbst ihrer Karrieren noch mit der letzten Galligkeit agieren, da der große Traum realisiert wurde.

Check 1,2
Trotz der erstarkten Konkurrenz im Osten führt kein Weg an den Cleveland Cavaliers vorbei. Die ersten Wochen werden dabei entscheidend sein und zeigen, wie dominant der Meister auftreten wird. Lässt James auf den Wunsch, besser zu werden als Michael Jordan, auch die entsprechenden Taten folgen, endet die Saison mit dem fünften MVP-Titel des Kings und der Möglichkeit, in den Dunstkreis der Rekordsaison (2008/2009: 66 Siege) zu kommen. Andernfalls könnte es in den letzten Zügen eng werden, aber der Top Seed ist der Quicken Loans Arena nicht zu nehmen.

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