12 Oktober 2016

12. Oktober, 2016


Nach Media Days, Trainingscamps und ersten Testläufen ist klar: das neue NBA-Jahr 2016/17 ist inoffiziell underways. Wir haben wie gewohnt alle 30 Mannschaften durchgecheckt und prognostizieren euch bis zum echten Start am 25. Oktober die kommende Saison. Heute: die Charlotte Hornets.

von CHRISTOPH LENZ @NBAKenner

Flashback
48-34, Playoffs Runde eins (3-4 gegen Miami)

Plus
Marco Belinelli
Roy Hibbert
Ramon Sessions
Christian Wood
Brian Roberts

Minus
Al Jefferson
Courtney Lee
Jeremy Lin
Troy Daniels
Jorge Gutierrez
Tyler Hansbrough

Was ist Neu?
In erster Linie die Verträge von zwei der wichtigsten Spieler in Batum und Williams. Die vertrackte Situation zu Beginn der Offseason mit auslaufenden Verträgen bei fünf der besten sechs Scorer hat das Front Office mit einer klaren Priorisierung, schnellen Entscheidungen und kurzfristigen Ergänzungen in Belinelli, Hibbert und Sessions gelöst. Die zweite Garde kommt deshalb runderneuert daher, während die Hornets in der Starting Five weitestgehend auf Konstanz setzen und sich vor allem auf den internen Neuling Michael Kidd-Gilchrist freuen, der nach einem (fast) komplett verpassten Jahr wieder an Bord ist.

A photo posted by Charlotte Hornets (@hornets) on

Beste Addition
Christian Wood ... während Belinelli, Sessions und Hibbert nur andere (so Mancher sagt “schlechtere”) Versionen ihrer Vorgänger sind, lohnt es sich einen Blick in die Tiefen des Roster zu werfen. Der heute 21-jährige Wood wurde 2014 ungedraftet von den Philadelphia 76ers verpflichtet wo er zwar in einem schlechten, aber mit hochtalentierten Big Men gespickten Team wenig Spielzeit sah. Er bringt allerdings jede Menge Athletik und Upside in den Hornets Frontcourt und damit Elemente, die in dieser Ausprägung dort bisher eher rar sind. Die Bandbreite der möglichen Entwicklungen zwischen D-League und 20 Minuten pro Spiel ist groß, aber die Verpflichtung zum Minimum mit Teamoption birgt enorm wenig Risiko mit umso mehr Potenzial. 

The Planet
Nicolas Batum … in den Kategorien Punkte, Rebounds, Assists, Steals und Blocks zählt Batum (entweder per Game, Total oder beides) zu den stärksten drei Sammlern des Teams. Um bei den Hornets zu bleiben, die ihn nach der Saison 14/15 per Trade aus Portland verpflichtet hatten, verzichtete der 27-jährige Franzose sogar auf 32,5 Millionen über die nächsten fünf Jahre. Dieser frisch unterschriebene Vertrag wird ihn während seiner besten Basketball-Jahre in Charlotte halten, wo er offensiv und defensiv mit seiner ungewöhnlichen Vielseitigkeit dazu beitragen will die erste Playoff-Serie seit 2002 zu gewinnen.


Rising Star
Kemba Walker … ist derzeit einer der unterschätzteren Spieler der NBA. Ein kleines Indiz dafür: Er ist einer von nur neun Spieler, die in der vergangenen Saison 20 Punkte und 5 Assists mit einer Wurfquote von mehr als 42% kombinieren konnten. Keiner der anderen acht Spieler hat dabei so wenig Turnover wie der 1,85m kleine Point Guard. Mit seinen erst 26 Jahren hat er noch einige gute Jahre vor sich und immer noch Spielraum für eine merkliche Weiterentwicklung. Wer ihn nicht zu den besten zehn Point Guards der Liga zählt sollte nochmal genauer hinsehen und allein durch die Altersstruktur dieser Position könnte er mit einer guten Saison sogar bei den “großen Fünf” anklopfen.

Falling Fast
Roy Hibbert … in Indiana war Hibbert sieben Jahre lang das Prunkstück einer der besten Defensiv-Abteilungen der NBA. In Los Angeles blieb er letzte Saison weit hinter vergangenen Leistungen zurück. Nicht auszuschließen, dass er zumindest eine kleine Renaissance unter Steve Clifford erlebt und mit mehr Motivation als in der Kobe-Show bei der Sache ist, der Abstieg vom zweitplatzierten im Defensive Player of the year Voting bei einem 56 Siege Team zum marginalen Bank-Bestandteil innerhalb von 2 Jahren wird sich aber nicht so einfach stoppen lassen. Hibbert fällt den Hornets im freien Fall in den Schoß, ob er den Fallschirm öffnen kann muss sich erst noch zeigen.

Don’t Sleep! 
Michael Kidd-Gilchrist … Nach 75 Regular Season und sieben Playoff-Spielen ohne MKG fällt es leicht ihn zu vergessen oder seinen Einfluss zu unterschätzen. Von den sieben Partien in denen er 2015/16 auf dem Court stand konnten die Hornissen fünf gewinnen, davon drei mit mehr als 15 Punkten Vorsprung und einen viertes gegen den späteren Champion aus Cleveland. In diesem Matchup konnte Kidd-Gilchrist LeBron James in Schacht halten und gleichzeitig selbst ein Double-Double verbuchen. Kann er Leistungen dieser Art auch in der kommenden Saison wieder regelmäßig zeigen ist Kidd-Gilchrist vielleicht das entscheidende Teil im Erfolgspuzzle der MJ-Franchise. 
Beste Fünf
Walker – Batum – Kidd-Gilchrist – Williams – Zeller

Good News
+ Kidd-Gilchrist ist endlich wieder fit und könnte der X-Faktor sein
+ trotz vieler Fragezeichen zu Beginn der Offseason schnelle und gute Lösungen gefunden
+ zuletzt 3 Jahre in Folge (komplette Clifford-Amtszeit) ligaweit am wenigsten Turnover
+ Erwartungen (zumindest du von außerhalb der Franchise) sind trotz guter Entwicklung überraschend gering

Bad News
- viele Spieler mit frischen mittel- bis langfristigen Verträgen könnten die Motivation hemmen
- Wichtige Rollenspieler verloren und beim Ersatz Abstriche machen müssen
- Altersstruktur erlaubt nicht mehr viel Zeit, Talente sind jetzt im besten Alter, es kommt wenig Nachschub
- 2015/16 war für einige Spieler im Roster das beste Jahr der Karriere, was wenig Spielraum nach oben lassen könnte

Was fehlt?
Klare Schwächen … letzte Saison waren die Hornets in zahlreichen Statistiken unter den Top Ten der Liga und es ist nicht ersichtlich weshalb sich das ändern sollte. Schwächen wie Offensiv-Rebounding oder Wurfquote bei langen Zweiern konnten mit den Offseason-Moves nicht adressiert werden, sind aber ohnehin zu verschmerzen und/oder “by Design”. Das Hauptrisiko liegt bei den Nachfolgern der starken Bankspieler.


Eine Frage noch...
Können die Zugänge die Abgänge kompensieren? Auf den ersten Blick sieht diese Frage vielleicht wie relativ leicht mit “Nein” zu beantworten aus, aber nimmt man Kidd-Gilchrist mit in die Rechnung wird es spannender. Effektiv stehen dann nämlich Wechsel von Lin zu Sessions, Lee zu Kidd-Gilchrist, Hairston zu Belinelli, Hansbrough zu Wood und Jefferson zu Hibbert auf dem Papier.

Check 1,2
Gemessen an Siegen war 2015/16 für die Charlotte-Franchise das beste Jahr im “neuen” Jahrtausend. Am Ende verhinderten nur Tiebreaker das Heimrecht in den Playoffs und damit möglicherweise weitere Superlative. Spielt das Team aus North Carolina eine Saison, die genauso stark ist wie die abgelaufene, was durch die Kaderveränderungen nicht garantiert aber auch nicht unwahrscheinlich ist, dann winkt spätestens nach den Entwicklungen um Chris Bosh der erste Division-Titel der Franchise-Historie.

Chef-Orakel
45-37