07 Oktober 2016

7. Oktober, 2016


Nach Media Days, Trainingscamps und ersten Testläufen ist klar: das neue NBA-Jahr 2016/17 ist inoffiziell underways. Wir haben wie gewohnt alle 30 Mannschaften durchgecheckt und prognostizieren euch bis zum echten Start am 25. Oktober die kommende Saison. Heute: die Brooklyn Nets.

von JAN WIESINGER @WiesiG

Flashback
21-61, keine Playoffs

Plus
Beau Beech
Anthony Bennett
Trevor Booker
Yogi Ferrell
Randy Foye
Justin Hamilton
Joe Harris
Caris LeVert
Jeremy Lin
Egidijus Mockevicius
Luis Scola
Greivis Vasquez
Isaiah Whitehead

Minus
Markel Brown
Wayne Ellington
Jarrett Jack
Sergey Karasev
Shane Larkin
Willie Reed
Thomas Robinson
Henry Sims
Donald Sloan
Thaddeus Young

Was ist Neu?
Ein neues Selbstverständnis zieht ins Barclays Center ein: Man ist gescheitert. Dazu die Erkenntnis, dass sich Schnellschüsse in der Liga nicht amortisieren. Mit GM Marks und Coach Atkinson kommt ein ganzer Tross von erfahrenen, aber allenfalls durchschnittlichen NBA-Veteranen mit vornehmlich kurzfristigen Deals nach Brooklyn. Dadurch gibt man der Jugend zwangsläufig eine Chance. Thad Young wurde für Erstrundenpick Caris LeVert verschifft, was diese Marschroute unterstreicht.


Beste Addition
Jeremy Lin ...  Lins Karriere verläuft so volatil wie das Chartbild eines klassischen Hot Stocks. Hype-Boom-Bust-Ernüchterung. Mit seinen Leistungen von der Charlotte'schen Bank hat sich Lin dabei zuletzt wieder für eine Starterrolle empfohlen. Auch wenn er diese in einem der vermeintlich schwächsten Teams der gesamten Liga ausfüllen wird, ist er einer der besten und erfahrensten Spieler in diesem Kader. Ausgestattet mit einem vergleichsweise fairen Vertrag über 36 Mio. $ dürfte der vielseitige Guard für eine solide Führungsrolle in den nächsten drei Jahren vorgesehen sein.

The Planet
Brook Lopez ... Der Center, der sich lieber in der Offensive mit der feinen Klinge duelliert, als unterm eigenen Brett Rebounds wegzuwischen, ist der unbestritten beste Spieler der Nets. Offensiv produziert der 28-Jährige und gehört hier definitiv zu den begehrtesten großen Jungs der Liga. Positiv ist ebenfalls hervorzuheben, dass Lopez in den nächsten beiden Jahren "nur" 22 Mio. $ pro Jahr kassiert – und so in finanzieller Hinsicht mit seinem Vertrag aus der "alten NBA" einen vergleichsweise guten Deal für die Nets darstellt, die sich weit unter dem Cap befinden.


Rising Star
Rondae Hollis-Jefferson ... Die Hoffnungen in dieser Kategorie in einen Sophomore zu legen, der in seiner Rookie-Saison keine 6 Punkte pro Spiel aufgelegt hat und dabei keine 30% seiner Dreier getroffen hat, mag auf den ersten Blick nicht sonderlich plausibel erscheinen. Der erst 21-jährige Defensiv-Spezialist bestritt aufgrund einer Fußverletzung in seiner ersten NBA-Spielzeit nur 29 Partien und zeigte dabei durchaus vielversprechende Ansätze. Für einen Spieler in seiner Lage ist die derzeitige Situation im Nets-Kader zudem eher Segen als Fluch: Als einer der wenigen mit Upside-Potenzial wird der 23. Pick des 2015er Draft seine Spielzeiten jedoch sinnvoll nutzen müssen.

Falling Fast
Anthony Bennett ... Another season on the brink. Bennett befindet sich sinnbildlich auf einem ähnlichen Tiefpunkt wie die gesamte Nets-Franchise. Ins Rollen kam der erste Pick des 2013er-Jahrgangs bisher nie, warum sollte sich das also in Brooklyn ändern? Für die Nets ist das eine Milliönchen, welches sie Bennett für seine Dienste überweisen, auf jeden Fall zu verkraften und nicht mehr als eine Zockerwette auf ein Dark Horse. Für Bennett steht seine weitere Laufbahn in der stärksten Basketballliga der Welt auf dem Spiel.

Don’t Sleep! 
Sean Marks & Kenny Atkinson ... Bist du ganz am Boden, geht’s nur noch nach Oben! Beide stehen erstmals in der Verantwortung eine Franchise zu führen und ihr wieder eine Identität einzuhauchen. Dabei geht es auch darum, Perspektiven aufzuzeigen. Haben die Herren einen 3-, 5- oder eher einen 10-Jahresplan? Sportliche Ambitionen in Richtung Playoffs mit dem aktuellen Kader sind schlichtweg nicht möglich. Vielmehr muss es darum gehen, begehrte Spieler ins Schaufenster zu stellen, sinnvolle und zukunftsweisende Trades einzufädeln und jungen Spielern ihre Potenziale zu entlocken. Das alles erfordert primär Zeit, aber die wird man Marks und Atkinson hoffentlich zugestehen.
Beste Fünf
Lin – Bogdanovic – Hollis-Jefferson – Booker – Lopez

Good News
+ Cap Space!!!
+ Die Qualität des Spielermaterials gegenüber der letzten Saison ist gestiegen, das war aber, insbesondere im Backcourt, kaum zu unterbieten
+ Geringe Erwartungshaltung: Nach der letzten Katastrophen-Saison mit nur 21 Siegen dürfte es kaum noch schlimmer kommen
+ Sie wollen sich eine namhafte Sport-Franchise in einem zunehmend gentrifizierten Stadtteil von New York City zulegen? Dann sprechen sie die Eigentümer der Nets an! Deren Verhandlungsposition war selten schlechter...

Bad News
- Das schlechteste Team der Liga? Die Nets sind dabei!
- Niemand will nach Brooklyn: Selbst der zweifelhafte Versuch von GM Marks, Tyler Johnson und Allen Crabbe durch Überbezahlung her zu lotsen misslang, weil Miami und Portland die Verträge matchten
- Eco-Runden gibt's in der NBA keine – durch das geringe Gesamtgehalt wird die Differenz zum Minimalgehalt auf alle Spieler des Kaders verteilt. Ein schönes Weihnachtsgeld...
- Die Knicks fahren auf, die Nets bauen weiter ab, so bekommt man das Barclays Center sicher nicht voll


Was fehlt?
Ein Franchiseplayer für die Zukunft – Brook Lopez ist es nicht. Und woher bekommt man dann einen solchen Spieler? Genau, per Draft! Dumm nur, dass man auch im Jahr 2017 wieder keinen vielversprechenden Lottery Pick in Brooklyn haben wird. Die Celtics dürfen und werden nämlich tauschen.

Eine Frage noch...
Spannend dürfte die Entwicklung des Teams aber in der neuen Saison allemal sein: Wie gelingt es, diese fast komplett neu formierte Mannschaft überhaupt halbwegs schlagkräftig aufzustellen? Wer wird starten und wie genau sehen die Rotationen aus?

Check 1,2
Die Nets sind an der Talsohle des Umbruchs und stehen vor einer klassischen Übergangssaison. Interessant wird vor allem sein, wie viel Zeit man sich für den Neuaufbau gibt. Nach der nächsten Saison haben die Nets eine Menge Capspace – und Geduld war in Brooklyn bisher nicht unbedingt eine Tugend.

Chef-Orakel
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