08 Oktober 2016

8. Oktober, 2016


Nach Media Days, Trainingscamps und ersten Testläufen ist klar: das neue NBA-Jahr 2016/17 ist inoffiziell underways. Wir haben wie gewohnt alle 30 Mannschaften durchgecheckt und prognostizieren euch bis zum echten Start am 25. Oktober die kommende Saison. Heute: die Boston Celtics.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick

Flashback
48-34, Playoffs Runde eins (2-4 gegen Atlanta)

Plus
Al Horford
Jaylen Brown
Gerald Green

Minus
Evan Turner
Jared Sullinger

Was ist Neu?
Die Celtics haben endlich ein All-Star-Kaliber an Land gezogen. Zwar nicht wie erwartet via Trade, dafür einen echten Wunschspieler: Al Horford, nach dem sich Bostons Führungsriege um GM Danny Ainge schon länger verzehrte, trägt fortan Grün. Mit dem dritten Pick des Drafts (hämischer Dank nach Brooklyn), den die Celtics lieber für weiteres gestandenes Personal getradet hätten, kommt in Jaylen Brown ein physisch starker Flügelspieler mit der mittelfristigen Aufgabe, den Abgang von Evan Turner zu kompensieren. Ebenso wie der aus Miami geholte und 2005 von den Celtics selbst gedraftete Gerald Green.

Beste Addition
Al Horford ...  Der Dominikaner bringt bisher nicht vorhandene Qualität auf den großen Positionen nach Beantown. Seine offensiven Fähigkeiten öffnen Coach Brad Stevens ganze Welten, die aufgrund der Limitierungen des vorhandenen Personals bisher geschlossen blieben. Mit seinen 30 Jahren ist der Ex-Hawk im besten Alter, um die Kelten sofort auf die Erfolgsschiene zu leiten. Zusätzlich zu seiner Mobilität, dem Arsenal an Post-Moves, dem sicheren Mitteldistanzwurf und seinen Qualität als Passgeber bringt Horford Erfahrung und Führungsstärke in den sonst sehr jungen Kader der Bostoner.


The Planet
Isaiah Thomas ... Von den Sacramento Kings und Phoenix Suns verschmäht, ist der nur 1,75 Meter große Aufbauspieler an der Ostküste zum echten Leistungsträger gereift. Mit durchschnittlichen 22,2 Punkten in der Regular Season und gar 24,2 Punkten in den Playoffs legte der 27-Jährige vergangenes Jahr jeweils Karrierebestwerte auf. Auch die Advanced Stats mögen den pfeilschnellen Guard: Net Rating +3,7, Assist-Turnover-Ration 2,31, True-Shooting-Percentage 56,2 bei einer Usage von 29,3%. Die Addition Horfords öffnet "IT" weitere Möglichkeiten, nicht nur die genannten Zahlen weiter nach oben zu schrauben, sondern vermehrt auch als Vorlagengeber zu glänzen.

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Rising Star
Avery Bradley ... Nach und nach hat sich der Combo Guard zu einem beachtlichen Two-Way-Player entwickelt. Bradleys Verteidigung ist längst elitär (All-Defensive First Team), seine Offensive verbessert sich stetig und damit auch die Verantwortung im Team. Im November wird der ehemalige Texas Longhorn gerade erst 26 Jahre alt – seine beste Zeit liegt also noch vor ihm. Sollten die Celtics doch noch den lange kolportierten Blockbuster-Trade vollziehen, an dem sie seit Jahren arbeiten, wird die Gegenseite auf Bradleys Namen in der Waagschale pochen.

Falling Fast
Marcus Smart ... Der bullige Aufbauspieler ist auch in seinem zweiten Jahr nicht richtig in der NBA angekommen. Seine nackten Zahlen verbesserten sich nur minimal, die Dreierquote sank auf indiskutable 25%. Aufgrund der ausbleibenden Entwicklung war der sechste Pick des 2014er Drafts bereits letzte Saison Stammgast in der Gerüchteküche um einen Trade. Das wird sich dieses Jahr nicht ändern, zumal der ein Jahr nach Smart gedraftete Terry Rozier auf mehr Spielminuten aus ist und sich auch Avery Bradley bereits auf der Eins bewiesen hat.

Don’t Sleep! 
Kelly Olynyk ... Das inoffizielle Gebrauchshandbuch für Bigs in der NBA besagt, dass sie häufig erst im dritten oder vierten Karrierejahr ihr wirkliches Potential entfalten. Der Center mit dem Mädchennamen geht in sein viertes und wird folgerichtig nächsten Sommer Restricted Free Agent: Höchste Zeit also für den 25-jährigen Kanadier, in Fahrt zu kommen, erst recht weil die Prämissen nie besser waren und er sich so einiges von Al Horford abschauen kann. Olynyk hat immerhin bereits einen zuverlässigen Dreier (40,5%) entwickelt, nun gilt es auch in die klassischen Aufgaben eines Centers zu wachsen.
Beste Fünf
Thomas – Bradley – Crowder – Horford – Johnson

Good News
+ Die Celtics waren schon in den vergangenen Jahren eines der am tiefsten besetzten Teams und profitieren auch dieses Jahr davon
+ Die Abgänge von Turner und Sullinger reißen keinerlei Lücken auf
+ Noch immer haben die Kelten massenhaft Draft Picks und wählen gefühlt bis 2030 an Stelle der Nets
+ Die Addition von Horford macht empfänglich für die Akquirierung weiterer Qualität

Bad News
- Horford verbessert zwar die Qualität auf den großen Positionen, der dringend benötigte Ringbeschützer ist er aber auch nicht
- Gleiches gilt fürs Rebounding: Boston war an den Brettern in den letzten Jahren nicht einmal Durchschnitt... Besserung nicht in Sicht
- Ein (zu?) tiefer Kader geht auf Kosten der individuellen Entwicklung, Boston hat viel Talent und doch nur 240 zu vergebene Spielminuten pro Abend
- Tommy Heinsohn kommentiert und analysiert auch dieses Jahr weiter

Was fehlt?
Die Celtics haben viele gute Spieler, dafür kaum sehr gute. Das genügt zwar, um in der Regular Season Akzente zu setzen, in den Playoffs jedoch nicht. Die Konkurrenz fährt mehr Ausnahmetalente auf, auf die es in den entscheidenden Spielen ankommt. Ein elitärer, defensiv- und reboundstarker Center würde die Kobolde auf einen Schlag zum legitimen Anwärter im Osten machen. Alle Augen auf DeMarcus Cousins.


Eine Frage noch...
Wer übernimmt die Verantwortung? Isaiah Thomas und Al Horford sind offensiv hochbegabt, aber keine sogenannten "Closer". Besonders in den engen Spielen oder aber in den Playoffs in ein legitimer Scorer unentbehrlich – doch beide sind nicht die Spieler, denen ein Trainer in Not und/oder den letzten Sekunden guten Gewissens den Spalding in die Hand gibt.

Check 1,2
Die Celtics sind endgültig zurück auf der Landkarte. Um dem Champion aus Cleveland wirklich zu imponieren fehlt der seit langem erwartete Blockbuster-Trade, doch bis Februar kann sich bekanntlich einiges tun. Seit der Lockout-Saison 2011/12 haben die Kelten nicht mehr die erste Playoff-Runde überstanden. Alles spricht dafür, dass dies ihr Jahr wird und der Weg womöglich bis in die Conference Finals führt.

Chef-Orakel
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