11 Oktober 2016

11. Oktober, 2016


Nach Media Days, Trainingscamps und ersten Testläufen ist klar: das neue NBA-Jahr 2016/17 ist inoffiziell underways. Wir haben wie gewohnt alle 30 Mannschaften durchgecheckt und prognostizieren euch bis zum echten Start am 25. Oktober die kommende Saison. Heute: die Atlanta Hawks.

von ANNO HAAK @kemperboyd

Flashback
48-34, Eastern Conference Semi-Finals (0-4 vs. Cleveland)

Plus
Dwight Howard
Jarrett Jack
Malcolm Delaney
Taurean Prince
DeAndre Bembry
Isaia Cordinier

Minus
Al Horford
Jeff Teague
Kirk Hinrich
Lamar Patterson

Was ist Neu?
Der Deutschland-Achter. Atlanta hat ein neues Flaggschiff. Das eine neue Nummer am Bug hängen hat. ‘Schland hat einen neuen NBA-Starter, auch wenn der dem Dream Team alle Goldmedaillen klaute, einschmolz, über seine Autos zog und die EM-Nation (RÜHRN, MÄNNER!) gegen die Basketballzwerge aus der Nachbarschaft schmählich im Stich ließ. Dann natürlich Dwight, the dream, mit dem Doppelkreis. Mit Teague und Horford sind weitere zwei von fünf Stützen der 60-Siege-Extravaganza 2015 gegangen (worden). Oder kurz: Atlanta hat teilweise nolens, teilweise volens umgebaut.

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Beste Addition
Dwight Howard ...  Ich gebe zu, ich musste meine Finger an der Tastatur fesseln, um den Namen einzugeben. Er hat Rücken, er hat Ego, er hat Freiwurf. Aus einem Ex-All-Star den bestbezahlten Spieler der Franchisegeschichte zu machen, ist irgendwie Lakers 2012. Aber: in den Playoffs lieferte er wieder ab. Er ist der größte Name, den die Hawks – normaler Weise eine no-go-Area für Vertragsfreie – im Sommer je bekamen. Und er kommt nach Hause. Bei allen bekannten Schwächen: der Problembär der NBA ist unzweifelhaft der beste Spieler, den A-Town diesen Sommer geholt hat.

The Planet
Paul Millsap ... Schon letztes Jahr zog er in dieser Kategorie nur knapp den Kürzeren gegen den unaussprechlichen Kobold. Der Dreifach-All Star ist ein Kraftmeier am Zonenrand, trotzdem mobil, sein Wurf fällt an guten Tagen auch vom Parkplatz, er ist *hands down* der beste Verteidiger im Team und der emotionale Anführer dieser Mannschaft, die ansonsten den Lifestyle der Stillen und Schüchternen lebt. Horford war das Gipfelkreuz, Teague der Architekt, der Fels dieser Mannschaft ist Nummer 4.

Rising Star
Taurean Prince ... Schröder wäre zu einfach, also grüßt jährlich das Murmeltier, das meine Hoffnung auf einen Draft-Steal der Atlanta Hawks ist. Auch wenn die Draftposition höher als in den meisten Projektionen war, gilt Prince als NBA-ready af. Die kleine Backuprolle hinter dem kostspielig gehaltenen Bazemore wird ihm ebenso zugute kommen wie die Tatsache, dass er das Ballhandling auch in der zweiten Einheit anderen überlassen kann. Budenholzer kann ohnehin mit jungen Spielern und am wichtigsten: der Mann mit dem grandezzaesquen Namen ist der Gegenwert für Jeff T. Wenn der nicht funktioniert, verbrenne ich mein Horford-Trikot.

Falling Fast
Will Bynum ... Eigentlich keiner, aber die Kategorie ist die Kategorie ist die Kategorie. Bevor der nicht garantierte Vertrag auf dem Kompost landet, entscheide ich mich schnell für den GGSTEMIROAT (gut, dass Ihr fragt: den Greatest Guangdong Southern Tigers Emanuel Mudiay injury replacement of all time). Schon in seiner letzten NBA-Saison bei den Wizards war seine Produktivität nur knapp über der Messbarkeitsschwelle und das liegt fast zwei Jahre zurück. Einer dieser Rotationsspieler, die aus der NBA-Tauglichkeit rotiert sind.

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Don’t Sleep! 
Dennis Schröder ... Tut ja eh keiner, also schlafen meine ich. Im Gegenteil: im Land der Besserwisser hat jeder eine Meinung zum Instagram MVP. Was aber nichts daran ändert, dass der 13er Pick vor dem wichtigsten Jahr seiner Karriere steht. Budenholzer und Co. haben Vertrauensvorschuss investiert, Zeit zurückzuzahlen. Kann Schröder ein Team in der besten Liga der Welt über 30+ Minuten anleiten, seine Entscheidungsfindung optimieren und konstant produzieren? Für Schröder sind es 80-Mio.-$-Fragen, für die Hawks eine Frage der (sportlichen) Existenz.
Beste Fünf
Schröder – Korver – Bazemore – Millsap – Howard

Good News
+ Den besten Spieler ohne Gegenwert abgeben und trotzdem Playoffmaterial sein, kann auch nicht jeder, Teil 1 des großen Umbruchs ist gelungen
+ Die schon statistisch zweitbeste Defensive der Liga ist mit Howard nicht schlechter geworden
+ System und Kultur sind gefestigt genug, um auch ein Riesenego wie Howard zu integrieren
+ Dank flexibler bzw. kurzer Verträge (2017 sind nur knapp 50 Mio. $ garantierte Verträge auf der Uhr) bleibt Spielraum, bei Misslingen nachzurüsten

Bad News
- ... was erforderlich werden könnte; bei aller Kontinuität auf hohem Niveau, der große Sprung nach vorn und die Verkleinerung der Lücke auf den Champ gelang auch in dieser Offseason nicht
- Altah! Sie nennen sie nicht ohne Grund Baby Spurs; Howard, Millsap, Korver, Bynum, Humphries, Jack und Sefolosha sehen die 30 alle mehr oder weniger klein im Rückspiegel
- Am fremden Ende des Feldes glich schon die letzte Saison einem Zusammenbruch; dass Budenholzer den Turnaround herbeicoacht und zwei von fünf Startern neu integriert, darf man bezweifeln
- Fans; Atlanta hat ein Top-15-Team, aber keine 700.000 Leute in die Halle gelockt, das verstehe ein anderer

Was fehlt?
Clutch. Es ist ein Klischee, aber der Falke, der übernimmt, wenn das Geld auf dem Tisch liegt, ist nach wie vor weder geboren noch in Sicht. Millsaps Crunchtime-Statistiken verdienen einen Pelzmantel des Schweigens, Howard ist wegen Freiwurfphobie keine Option, der Rest ist abhängig von anderen (Korver, Bazemore) oder zu jung (Schröder).


Eine Frage noch...
Is Bazemore for real? Der Flügel, der im letzten Jahr den Abgang des Rasta-Mannes überraschend gut auffing und die beste Saison seiner Karriere spielte, wurde dafür mit Evan-Turner-Money belohnt. War er ein Vertragsjahrspieler oder ist die Entwicklung an beiden Seiten des Courts nachhaltig? Ist Letzteres der Fall, ist der Hinterladerdeal vielleicht in ein paar Jahren ein Schnapper.

Check 1,2
Atlanta ist mindestens das viertbeste Team im Osten und wird den längsten aktiven Playoffteilnahmelauf diesseits des Alamo verlängern. Das ist schon deshalb anerkennenswert, weil mit Carroll, Horford und Teague drei der fünf 60-Siege-Starter weg sind. Je nach Matchup ist die Vorschlussrunde drin. Mehr geht nur, wenn die Sixers den Verletzungsteufel per S&T für J. R. Smith nach Cleveland verschiffen.

Chef-Orakel
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