18 Oktober 2016

18. Oktober, 2016


Alle Infos zur neuen NBA-Saison auf #NBACHEF. Im Preview-Panel diskutieren fünf Redakteure die jeweiligen fünf Teams der Divisions. Wie ist der status quo, wer landet wo? Heute: Die Southwest Division.

von NBACHEFSQUAD @nbachefkoch



NEW ORLEANS PELICANS

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Christoph Lenz @NBAKenner: Kann das Team mit dem besten Spieler in der Division den letzten Platz belegen? Die traurige Antwort darauf haben die Pelicans im Vorjahr gegeben. Leider gibt es auch mit viel Bewegung im Kader wenig Anlass das derzeit optimistischer zu sehen. Ein durchweg fitter Anthony Davis könnte die einzige klitzekleine Hoffnung der Ruderfüßer sein, Platz fünf abzugeben. Da der Medizin-Nobelpreis dieses Jahr für Dinge, die in keinerlei Zusammenhang mit Muskel- oder Knochenverletzung stehen, vergeben wurde wird sich diese Hoffnung eher nicht erfüllen.

Stefan Dupick @hoopsgamede: Anthony Davis kann ein Superstar in dieser Liga sein, er ist erst 23 und hat zudem noch sehr viel Potential, aber was kann der Rest des Teams? Wofür stehen die Pelicans? In New Orleans gibt es mehr Fragen als Antworten. Kann Tyreke Evans fit bleiben? Kommt Jrue Holiday mit der schweren Erkrankung seiner Frau klar? Kann Solomon Hill die gute Leistung aus Indiana nach NO überführen? Ist Buddy Hield so gut wie viele erwarten? Kann Terrence Jones noch einmal zeigen, was er in Houston gezeigt hat? Wer ist dieser Lance Stephenson? Selbst wenn diese Fragen beantwortet werden, gibt es in New Orleans noch weitere. Über den Trainer haben wir noch gar nicht gesprochen. Playoffs gibt es keine und die Pelicans landen auf Platz fünf der Division.

Jan Wiesinger @WiesiG: Die Pellies sind einfach das personifizierte Pech. Guard Jrue Holiday fällt aufgrund einer Tumorerkrankung seiner Frau aus, Tyreke Evans aufgrund einer Verletzung. Anthony Davis ist ein absoluter Superstar, hatte aber in seinen vier NBA-Jahren auch immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen und bestritt nie 70 Spiele oder mehr. Dem Kader fehlt es auch sonst schlichtweg an Qualität, weswegen der fünfte Platz unausweichlich ist.

Onur Alagöz @LakersParadigm: Manchmal hast einfach Pech im Leben. Manchmal liegt es nicht an dir, sondern an deiner Umwelt. So auch in Nawlins. Dieses Team würde in einer schwächeren Division im Osten durchaus was reißen. Aber hier, im Südwesten? Nada. So können wir noch zusehen wie sich Davis immer weiter entwickelt und früher oder später in einen besseren Markt wechselt. Fünfter Platz.

Gerrit Lagenstein @GAL_Sports: Die vergangene Spielzeit verlief enttäuschend für das Team aus Louisiana. Erstmals seit der Ankunft von Anthony Davis verbesserte sich die Franchise nicht, sondern musste einen Rückschritt von 15 Siegen hinnehmen. Die heilbringende Monobraue konnte dafür recht wenig, fiel sie doch für über 20 Spiele aus. Ein fitter Davis agiert auf MVP-Niveau und wird sein Team zu Platz vier führen. Für höhere Ansprüche ist der Südwesten zu stark.



HOUSTON ROCKETS

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Lenz: Da es so schwierig ist, Schwächen auszumerzen macht Houston einfach seine Stärken stärker. Kinderleicht! Und während ich dabei bin, die Rekorde für meiste Punkte, Würfe, Dreier sowie gegnerische Punkte und schnellste Pace der NBA-Historie aufzulisten, haben irgendwo in Texas fünf rot gekleidete Männer schon wieder zahlreiche Bälle in Körben versenkt. So wird das jetzt monatelang weitergehen. Fun, Fun, Fun! Gepaart mit der Tatsache, dass man nicht wie in der NFL einfach ein paar Andere verteidigen lassen kann, landen die Rockets nur auf Platz drei.

Dupick: Für den Basketball Fan, der Tempo, Körbe und Action liebt, sind die Rockets der kommenden Saison das richtige Team. Der Stil von Mike D'Antoni gepaart mit einem Scorer wie James Harden alleine ist schon spannend. Wenn diese beiden dann noch mit Scharfschützen ergänzt werden, von denen nahezu keiner verteidigen kann, dann ist das Spektakel perfekt. Die Rockets müssen sich finden, werden zahlreiche High-Scores liefern und könnten den eigenen Dreier Rekord aus der Saison 2014/15 knacken. Playoffs gibt es in Osttexas keine und das Team landet am Ende auf Platz vier der Division.

Wiesinger: James Harden auf der Eins – das war's dann aber auch schon. Für die Houston Rockets reicht es in einer starken Konkurrenz nur zum vierten Platz. Harden dürfte dennoch performen und mit neuem Trainer D'Antoni auch im neuen Spielstil offensiv den Ton angeben. Weg ist Center Dwight Howard, der sich auch in Houston mal wieder mit dem Superstar angelegt hat. Schade eigentlich, dabei hätte ihm Rookie Chinanu Onuaku sicher gerne Nachhilfe in puncto Freiwürfe gegeben. Mit Ryan Anderson kommt ein Scharfschütze, der gut in Houstons dreierlastiges System passt.

Alagöz: Frohlocket in Houston, Dwight Howard ist weg. Ansonsten ist da nicht viel los in Houston. Viel junges Talent, All-Star und MVP-Kandidat James Harden und eine bockstarke Division wird ihnen das Leben schwer machen. Ein ausgebildeter Big Man fehlt, was gerade in dieser Division bedeutet, dass die Defense offen wie einen Scheunentor sein wird. Platz vier.

Lagenstein: Clutch City is on fire. In den ersten vier Preseason-Partien hat die Verpflichtungen von Mike D'Antoni zu genau dem geführt, was jeder erwartet hatte: jeder Menge Offense. Mit 125 Punkten pro Spiel legten die Raketen einen zu ihrem Namen passenden Start hin. 15 Dreier bei einer Quote von 40 % netzten der Bart und Co. bisher pro Spiel ein. Wenn Houston diese Stärke in die reguläre Saison mitnehmen kann, winkt Platz zwei.



MEMPHIS GRIZZLIES

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Lenz: Die neue Big Three um Parsons, Conley und Gasol verpasste 77 Spiele im Vorjahr. Wenn diese Zahl auch nur auf die Hälfte schrumpfen würde, hat man eine durchaus ausgewogene Truppe mit neuem Coach in Memphis. Die Fragezeichen werden die Grizzlies und ich noch nicht wegwischen können, aber ich glaube an eine gesündere Saison mit einem gesunden Platz zwei als Ausgang.

Dupick: Die Grizzlies fliegen wie immer unter dem Radar, zu Unrecht, denn das Team ist stark besetzt, wenn auch die Protagonisten immer älter und anfälliger werden (Gasol, Randolph, Conley, Allen). Die Verpflichtung von Chandler Parsons bringt einen vielseitigen Small Forward nach Memphis, zudem helfen vielversprechende Jungs wie Ennis, Green, Davis oder Baldwin in der Breite. Wenn das Team vom Verletzungspech verschont bleibt, dann sollte Platz zwei in der Divison möglich sein.

Wiesinger: Ebenfalls einen neuen Trainer, den bestbezahlten Profi der Liga und die in meinen Augen fragwürdigste Line der Saison findet man in Memphis. Grade mal 43,5 Siege prophezeien die Vegas-Gurus für die Franchise aus Tennessee. Mit Conley, Parsons, dem wiedergenesenen Gasol, Low-Post-Monster Randolph und dem größtenteils bewährten Rest dürften problemlos an die 50 Siege und ein guter Platz zwei drin sein. Auch wenn sich Parsons noch in der Reha befindet, dürfte seine Vielseitigkeit im Laufe der Saison vor allem für die Grizzlies-Offensive Gold wert sein.

Alagöz: Diese Saision wird mega interessant für die Grizzlies. Nachdem der Roster vergangene Saison einem Lazarett ähnelte, gibt es diese Saison möglicherweise wieder ordentlich auf die Backen. Mike Conley ist längst unter "Point Guards > Elite" zu finden. Der "kleine" Gasol ist auch schon seit geraumer Zeit der größere von beiden. Der Division Titel ist drin, die Grizzlies werden den Spurs alles geben, was sie haben. Platz eins.

Lagenstein: Mit Mike Conley, Chandler Parsons und Marc Gasol besitzt Memphis drei der fünfzehn am besten bezhalten NBA-Profis. Das Trio nimmt drei Viertel des gesamten Salary Caps ein. Viel Geld für weitere hochwertige Spieler blieb in Memphis also nicht. Doch eine Mannschaft, die letztes Jahr arg dezimiert und ohne ihren besten Spieler recht mühelos die Playoffs erreichte, sollte nie unterschätzt werden. Platz drei!


DALLAS MAVERICKS

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Lenz: Der 4. Juli wird in den USA überall gefeiert, 2016 aber nirgends so sehr wie in der Bay Area und in Dallas. Zwar konnten die Mavs nicht Kevin Durant unter Vertrag nehmen (was ohne eine gewisse "Geiselnahme" anno 2015 laut ESPNs Tim MacMahon ein realistisch Szenario hätte sein können), aber man hat sich als Golden States Exklusivpartner für Salary Dumps angeboten und dadurch zwei Starter aus dem 73-Win Team addiert. Leider waren es nicht zwingend die beiden besten Starter und selbst mit der Verpflichtung eines Curry kommt man wohl 37 Siegen näher als 73, das reicht nur für Platz vier.

Dupick: Auch die Mavericks sind eine Wundertüte. Die Mischung stimmt, Harrison Barnes, Dwight Powell und Justin Anderson dürften die Zukunft des Teams sein. Hinzu kommen mit Dirk, Matthews, Deron Williams, Barea, Harris oder Bogut sehr erfahrene Spieler. Coach Carlisle muss die Spielzeit geschickt verteilen, denn speziell die kurz vor der Rente stehenden Veteranen können keine ganze Saison Vollgas geben. Wenn die Mavs eine gute Mischung finden und Barnes, Powell und Anderson sich entwickeln, dann sind die Playoffs drin. Bis dahin bleibt Platz drei in der Division realistisch.

Wiesinger: Da hat Dallas ja erfolgreich in Golden State gewildert! Curry, Barnes und Bogut? Nicht ganz, wechselt doch nur der Bruder des zweimaligen MVPs zu den Mavericks. Dennoch ein guter Fang, ist der australische Center Bogut doch ein spielstarker Big Man, dessen Verletzungsanfälligkeit die letztjährigen Finals nachhaltig beeinflusst hatte. Barnes bekommt das Tag des neuen Franchise Spielers und stellt ein klares Upgrade gegenüber Parsons dar. Das reicht zusammen mit starker Veteranenpower zum dritten Platz.

Alagöz: Verdammte Mavs. Bringen mich in Bedrängnis. Weiß nicht genau, ob dieses Team 55 Siege oder 42 einfahren wird. Dirk weigert sich zu altern, tritt mit immer mehr Südstaaten Swagger aufs Parkett und hat jetzt mit Harrison Barnes und Andrew Bogut zwei fabelhafte Additionen an seiner Seite. Gerade Bogut, der ein erstaunlicher guter Passgeber ist, kann Dirk immer wieder aus dem Post bedienen, wenn er am Korb zu Werke geht. Barnes ist der Slasher/Shooter, den die Mavs brauchen, wenn Dirk Räume schafft. Wundertüte hier, Leute, aber diese Saison könnte geil werden. Platz drei.

Lagenstein: Die Southwest Division ist und bleibt die bestbesetzte Division der NBA. 2014/15 qualifizierten sich erstmals in der Geschichte der Liga alle fünf Teams des Südwestens für die Playoffs. Auch zwei Jahre später sind die Teams aus Texas und Co. noch gut besetzt. So kommt es, dass für die Mavs trotz soliden Moves wie den Verpflichtungen von Bogut und Barnes nur Platz fünf drin ist. Dallas ist zu alt und verletzungsanfällig.



SAN ANTONIO SPURS

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Lenz: Ich habe das Zweifeln mittlerweile aufgegeben, Jahr für Jahr denkt man "soooo gut sieht das doch auf dem Papier gar nicht aus" oder "irgendwann muss das ja mal ein Ende haben" und immer und immer und immer, immer wieder wird jeder einzelne Zweifler eines Besseren belehrt. Daher ist die Einschätzung ein No-Brainer: Platz eins, wie "immer" (das bedeutet tatsächlich "nur" acht von zwölf Mal seit Existenz der Division).

Dupick: Auch ohne Tim Duncan bleiben die Spurs ein Contender mit Außenseiterchancen. Das Team ist gut aufgestellt, Pop ist und bleibt der beste Coach der Liga und einige talentierte Jungs (Kyle Anderson, Dejounte Murray) versuchen sich an der Seite der Etablierten zu beweisen. Die Spurs beenden die Division ganz klar auf Platz eins.

Wiesinger: No surprise – Platz eins für die Spurs. Trotz des Abtritts DES Franchise-Players der letzten 20 Jahre werden die Spurs auch in diesem Jahr problemlos den Top-Spot in dieser Division einnehmen. Auch wenn Pau Gasol gut ist, ist er natürlich insbesondere in der Defensive kein gleichwertiger Duncan-Ersatz – doch in Coach Pops System dürfte selbst diese Substitution erfolgreich gelingen. Der Trainer hatte seinen Backup Center Boban jüngst vom Hof gejagt: Damit jener in Detroit mehr Kohle verdienen kann – wohlwissend, dass fast jeder Spieler durch Cleverness ersetzt werden kann.

Alagöz: Man muss sich mal vorstellen. Tim Duncan hat fast zwei Jahrzehnte in San Antonio Langeweile salonfähig gemacht. Die Spurs und Duncan, das waren Synonyme und jetzt ist er weg. Aber keine Sorge, liebe Freunde des puristischen Teambasketball: Kawhi Leonard ist das nächste große Ding und bereit, dieses Jahr das Team zu tragen. Apropos groß: Pau Gasol und LaMarcus Aldridge sind locker eines der besten Big Man Duos der Liga und bereit, diese Lücke in unserem Herzen zu füllen, die Timmy hinterlassen hat. Platz zwei.

Lagenstein: Alamo City fuhr 2015/16 25 Siege mehr ein als jedes andere Team im Südwesten. Auch wenn die Spurs ohne Tim Duncan nicht an ihre beste reguläre Saison aller Zeiten anknüpfen werden können, ist der Vorsprung definitiv noch groß genug, um wieder Platz eins zu holen. Daran wird auch Pops berüchtigtes "DNP - old" für Parker, Ginobili und Gasol nichts ändern.