24 Oktober 2016

24. Oktober, 2016


Alle Infos zur neuen NBA-Saison auf #NBACHEF. Im Preview-Panel diskutieren fünf Redakteure die jeweiligen fünf Teams der Divisions. Wie ist der status quo, wer landet wo? Heute: Die Pacific Division.

von NBACHEFSQUAD @nbachefkoch



LOS ANGELES LAKERS

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Anno Haak @kemperboyd: Die erste Saison seit Ice Age (und ich meine nicht den Film) ohne Kobe. Es gibt dennoch gute Gründe, sich gold-purpur genauer anzugucken. Clarkson zum Spartarif verlängert, mit Ingram den nächsten Durant –googlet Greg Oden, Ihr Narren! – gedraftet, ein talentiertes junges Team und zwei Rollenshipper der letzten zwei Jahre abgegriffen. Es sind Babyschritte, aber sie führen in die richtige Richtung. Platz drei.

Pascal Gietler
 @SwappyCTB: Die Pacific Division ist in der Spitze so stark wie wohl keine andere NBA-Division. Ab dem dritten Rang beginnt dann das große Schneckenrennen, bei dem die Los Angeles Lakers definitiv nicht als Sieger hervorgehen werden. Alleine schon für das Signing von Timofey Mozgov ist der fünfte Rang in der Pacific mehr als nur gerecht.

Torben Siemer @lifeoftorbenZum ersten Mal seit 1996 nicht dabei: Kobe Bryant. Die Post-Kobe-Lakers haben mit Luke Walton einen Coach, der schon früh die Fans nach den bitteren Jahren mit Mike D’Antoni und Byron Scott beinahe in Ekstase versetzt. D‘ Angelo Russell will das Team prägen, Jordan Clarkson hat seine NBA-Reife längst bewiesen und Brandon Ingram ist Kandidat für den Titel des besten Rookies. Das Star-Kaliber aber fehlt, die Lakers landen auf Platz fünf.

Christoph Lenz @NBAKenner: Ohne Kobe-Show sind die Lakers weniger im Zentrum des öffentlichen Interesses und damit wohl so langweilig wie nie zuvor in der Geschichte der Franchise. Genau das könnte den jungen Talenten extrem gut tun, alte Haudegen wie Mozgov und Deng halten sie zusätzlich auf dem Boden. Weniger Glanz, aber dafür mehr Weitblick wäre der Franchise zu wünschen. Um in vier oder fünf Jahren endlich konkurrenzfähig zu sein reicht in der Pacific Divsion im Übergangsjahr 2016-17 auch Platz vier um sich wie geplant weiterentwickeln zu können.

Jan Wiesinger @WiesiG: Historisch gesehen ist die erste Saison ohne Kobe Bryant eine starke Zäsur innerhalb der Franchise-History. Die Lakers befinden sich am Anfang ihres Rebuild-Prozesses, haben einen jungen Kern und ein paar alte Veteranen. Damit gewinnen sie in dieser Saison keinen Blumentopf und landen abgeschlagen auf dem fünften Platz.



PHOENIX SUNS

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Haak: Mal im Ernst: Was soll das werden, wenn das fertig ist? Oder soll das schon fertig sein? Bender mag ja ein Steal sein, Barbosa mag ja den Romantikern gefallen. Das Lustigste an der Truppe sind die 777.777 $ (sic!), die sie dem gestretchten Michael Beasley dieses Jahr zahlen. Der Rest ist die Frage, ob sie es schaffen, den Kings Tyson Chandler aufzuhalsen und hard tanking ab Mitte Januar. Platz fünf.

Gietler: Tyler Ulis, Devin Booker, Eric Bledsoe, Brandon Knight - ich werde das Gefühl nicht los, dass die Phoenix Suns so viele ehemalige Kentucky Wildcats wie nur möglich für rosigere Zeiten in der Wüste ansammeln wollen. Vom Niveau der Wildcats in der NCAA sind die Suns trotz vielversprechendem Kern noch weit entfernt. Die Suns kommen in der Saison 2016-17 nicht über den vierten Rang in der Pacific Division hinaus.

Siemer: Spannend. Das sind die Phoenix Suns definitiv, gut werden sie leider auch in diesem Jahr nicht sein. Devin Booker wird sein Breakout-Jahr feiern und sich als Scorer profilieren, Brandon Knight dagegen wohl auf dem Tradingblock landen. Earl Watson geht in sein erstes ganzes Jahr als Headcoach, mit Jared Dudley und Leandro Barbosa hat Tyson Chandler zwei weitere Veteranen an seiner Seite. Die Suns sind in einer Übergangsphase, da ist mehr als Platz vier nicht drin.

Lenz: Eine spannende Mischung aus jung und alt, wie man sie in der NBA selten findet. Die fehlende Mitte (ergo “nicht extrem verletzungsanfällige Spieler in ihrer Prime”) verhindert wohl größeren Conference-Erfolg, dass in der Division Platz drei, das höchste der Gefühle wäre ist ohnehin klar. Das kann man aber erreichen und unter der Bauleitung von Barbosa und Dudley das Fundament einer besseren Zukunft rund um Devin Booker, Dragan Bender, Tyler Ulis und Marquese Chriss legen.

Wiesinger: Mit Devin Booker, Archie Goodwin, Tyler Ullis, Brandon Knight und Eric Bledsoe beheimatet der Roster der Suns fünf Guards, die allesamt am College in Kentucky die Hantel- und sporadisch auch mal die Schulbank drückten. So erfolgsverwöhnt wird es in diesem Jahr für ihre Truppe nicht laufen. Die Suns sind jung, werden viel ausprobieren und auf dem dritten Platz einlaufen.



SACRAMENTO KINGS

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Haak: Sie haben weder den besten verfügbaren noch den bedarfsdeckenden Spieler vom Draftabend mitgenommen. Sie haben Dummbatzverträge an Rollatorballer wie Afflalo und Barnes rausgehauen. Der zweitbeste Spieler fuchtelt mit dem „I want out“-Säbel. Und natürlich wird mit dem neuen Trainer, dem neunten seit Ende der Ära Adelman vor zehn Jahren, alles besser. Alles wie immer in Sactown. Platz vier.

Gietler: Sacramento, Hauptstadt des Bundesstaates Kalifornien und verifizierte „Basketball Hölle“ - zumindest wenn man den Worten von Kings-Forward Rudy Gay Glauben schenken möchte. Die Kings sind nach wie vor ein einziger Witz und trotz spielerischem Potenzial wird das Team nicht die Playoffs erreichen. Immerhin dürfen die Kings auf das Siegerpodest stellen, denn der dritte Rang in der Pacific Division ist drin - ein kleiner Trost für die Chaos-Franchise.

Siemer: Mein Highlight des Sommers in Sacramento: Vivek Ranadives Interview, in dem er all die Absurditäten wie die 4-gegen-5-Verteidigung als Märchen abtun wollte. Nichts da, die Kings sind und bleiben beste Unterhaltung und haben wieder einmal einen Big Man gedraftet. So langsam muss Erfolg her, die Verschwendung von DeMarcus Cousins‘ Talent dauert schon viel zu lange an. Die Playoffs finden aber auch 2017 ohne die Kings statt, da hilft auch die tollste neue Halle nichts. In der eigenen Division reicht es immerhin für Rang drei.

Lenz“It’s about love, it’s about peace and it’s about craziness!” sagte einst ein bekannter deutscher Discjockey. Vorbehaltlich eines unwahrscheinlichen Trade mit Cleveland und/oder den Lakers geht es bei den Kings nur um Letzteres...Solange DeMarcus Cousins, Vlade Divac, Vivek Ranadive und Ty Lawson “unter einem Dach” arbeiten wir sich daran vermutlich nichts ändern und diesmal implodiert es komplett:  Platz fünf.

Wiesinger: Die Hoffnungen in Sacramento liegen in erster Linie auf Neu-Trainer Dave Joerger. Kann er diese Franchise vom sportlichen Image der Witz- und Zirkustruppe befreien und die sporadisch aufgeblitzten Potenziale der Truppe nutzen? Beim Blick auf den Kader traue ich dem Braten irgendwie noch nicht so ganz. Das reicht hier wieder nur für Platz vier.


LOS ANGELES CLIPPERS

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Haak: Und jährlich grüßt das Murmeltier. Der Ex-Kelte, den sie dieses Jahr geholt haben, hat’s wirklich noch drauf. Dieses Jahr ist die Bank tiefer. Dieses Jahr trifft Griffin Dreier. Dann startet Alan Anderson auf dem Flügel und ich mache ein Gesicht wie Bill Murray bei den Oscars. Mangels Konkurrenz Platz zwei.

Gietler: Stets in der Favoritenrolle, versagen die Clippers jedes Jahr aufs Neue in den Playoffs. Verletzungen hin oder her, das „Contenderfenster“ der Clips ist längst nicht mehr speerangelweit geöffnet und in diesem Jahr muss die Truppe von Doc Rivers es irgendwie ins Conference Finale schaffen. Für den Divsiontitel wird es jedoch nicht reichen, aber der zweite Rang am Pazifik ist ein Muss.

Siemer: Das letzte Hurra von Chris Paul und Blake Griffin? Vor allem letzterer hat nach seiner Prügel-Attacke im letzten Januar immer öfter seinen Namen in Trade-Gerüchten gefunden und je nach Verlauf dieser Saison könnte es die letzte des Tandems werden. Ist die Bank endlich auf Contender-Level? Schwer zu sagen. Die Lücke nach vorne ist groß, von hinten droht überhaupt keine Gefahr: die Clippers landen auf Rang zwei.

Lenz: Clippers, oh Clippers. Das zweite “letzte Jahr” ihrer Big Three könnte, muss aber nicht, das letzte sein. Es könnte das Jahr des Chris Paul werden, da das MVP-Rennen so offen wie lange nicht sein könnte und die Clippers den Pfad zu den dafür obligatorischen über 50 Siegen klarer sehen als 26 andere Teams. Die Frage nach dem Abschneiden in der Conference ist spannender als die in der Division. Mein Tipp ist, dass es DAS Jahr sein wird und die Clippers bei beidem Platz zwei als Antwort geben.

Wiesinger: Lob City ist ja irgendwie das klassische Regular Season Team der letzten Jahre. In den letzten vier Jahren gab es da immer 50+ Siege. Die wird es auch in diesem Jahr wieder geben, sodass ein deutlicher Platz zwei sehr sicher sicher sein dürfte. In den Playoffs dürfte dann für die Clippers aber zunehmend Druck aufkommen. Für die Conference Finals hatte es in den letzten Jahren aus verschiedensten Gründen ja nie gereicht. Passiert es in dieser Saison?



GOLDEN STATE WARRIORS

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Haak: In dieser Division wäre eine Handicap-Wertung angemessen. Eine einzige Niederlage gegen eine der vier anderen Nudeln und Platz eins wird automatisch an die Kings… Ach lass mich! Platz eins.

Gietler: „Die Reichen werden immer Reicher“ - nein, nein, Freunde. Das hier ist keine abgedroschene Themenrunde bei Anne Will, sondern eine höchst zutreffende Phrase, die den Sommer der Golden State Warriors beschreibt. Ein historisch gutes Team, bekommt mit Kevin Durant ein effizientes Scoring-Monster und auch produktive Veteranen wie David West respektive Zaza Pachulia schließen sich diesem „Superteam“ an. Sky is the limit und der erste Rang in der Pacific Division nur noch Formsache.

Siemer: Revanche! Nichts anderes ist das Ziel: Der erste Platz in der Division ist Formsache, viel wichtiger ist das Aufbauen von Teamchemie und die Integration von Kevin Durant. 73 Siege wie im Vorjahr wird es nicht geben, es geht allein darum, zur Postseason in Top-Form zu sein und dort dann 16 Siege einzufahren. Die Warriors sind immerhin das erste Team überhaupt, das mit vier aktuellen All-NBA-Spielern aufläuft…

Lenz: Zu diesem Team und dieser Offseason wurde bereits alles gesagt, nur noch nicht von jedem...Platz eins, was sonst?

Wiesinger: Klar ist die reale NBA kein Fantasy-Managerspiel. Und einen potenziellen MVP in ein allstarbespicktes Rekord-Team um den amtierenden MVP integrieren wird sicher auch kleinere Probleme aufkommen lassen. Unter den wachsamen Augen der sensationsfixierten Medien werden jeder nicht gespielte Pass und jedes falsche Zeichen auf Twitter überinterpretiert und dramatisiert werden. Aber das Abo auf Platz eins in der Pacific haben die Warriors auch in diesem Jahr gebucht.