09 Oktober 2016

9. Oktober, 2016


Alle Infos zur neuen NBA-Saison auf #NBACHEF. Im Preview-Panel diskutieren fünf Redakteure die jeweiligen fünf Teams der Divisions. Wie ist der status quo, wer landet wo? Heute: Die Atlantic Division.

von NBACHEFSQUAD @nbachefkoch


PHILADELPHIA 76ERS

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André Nückel @AndreNueckel: Das provozierte und gewollte Tanking sollte mit der anstehenden Runde bei den Sixers endgültig den Akten angehören, doch bereits vor dem Start steht die Franchise aus der Stadt der brüderlichen Liebe am Scheideweg. Messias Simmons fällt mit einer Jones-Fraktur für unbestimmte Zeit aus und der andere Hoffnungsträger, Joel Embiid, muss die Reifeprüfung erst mal bestehen. Abgerundet wird dieses fragile Gebilde von einem nörgelnden Nerlens Noel, der sich über die Center-Rotation mokiert, sodass nicht wirklich Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist. Platz fünf in der Atlantic Division.

Harald Mainka @Harrystocats: Nerlens spielt Defense, darf aber nicht. Jahlil promoviert über die klassischen Methoden zur Erzielung essentieller Punkte in räumlich begrenzten Territorien, interessiert allerdings niemanden. Joel tanzt mit Rihanna, weil #trusttheprocess - und Bennys Fußbruch ist doch halb so wild, oder? Klar, Dario kommt ja aus der alten Welt und bringt Game mit. Eine tolle Zeit, um Sixers-Fan zu werden… zumindest in drei Jahren. Dieses Jahr reicht es für den vierten Rang der Division.

Marc Lange @godzfave44: Die Fans der Sixers werden diese Saison wieder nicht viel zu lachen haben. Nach der schweren Verletzung von Ben Simmons ist Philly mal wieder Anwärter auf die schlechteste Bilanz der Liga. Falls Joel Embiid ansatzweise so gut ist, wie sein Social Media Game, lassen die gebeutelten Sixers noch Brooklyn hinter sich. Wunder sollte aber lieber niemand erwarten. Platz vier.

Torben Siemer @lifeoftorben: Bittere Routine in der Stadt der brüderlichen Liebe: Die Vorbereitung ist gerade gestartet, schon verabschiedet sich der potenzielle Franchise Player in die Reha. Joel Embiid scheint endlich mal vernünftig geradeaus und über das Parkett laufen und springen zu können, da bricht sich No. 1-Pick Ben Simmons den Fuß. Mehr als Platz vier wäre aber auch nicht drin, wenn der Top-Rookie die ganze Saison spielen könnte. Immerhin: Die Sixers sind nicht mehr NBA-unwürdig, sondern "nur" noch mies.

Phillip Landsgesell @Phillyland: Die Verletzung von Nummer-1-Pick Ben Simmons trifft die Franchise natürlich genau in der Magengrube. Besonders spannend wird sein, wie sich Joel Embiid nach seiner außerordentlich langen Verletzungszeit in den ersten Monaten präsentieren wird. Kann er der Franchise Hoffnung geben? Halten seine Füße? Mit Simmons auf dem Parkett, könnten die Sixers ein interessantes Team werden, das aber nur für Platz vier in der Division reichen wird.



BROOKLYN NETS

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Nückel: Bis zum Ausfall des Supertalents Ben Simmons waren für mich die Nets das schlechteste Team der NBA. Brooklyn benötigt Zeit, um sich zu konsolidieren, weshalb der eingeschlagene Weg des neuen Entscheiders Sean Marks der richtige ist: scheidenden Talenten eine Chance zu geben. Platz vier.

Mainka: Jungs, es ist Sonntag, und ich habe keine Lust mich mit diesem Trümmerhaufen zu beschäftigen. Eine Einschätzung? Fünfter Platz in der Division! Es gibt für alles und jedes Basketballteam einen Springsteen-Song, und für die Nets gibt es sogar "Wrecking Ball". Was, das Stück ist von Miley Cyrus? Mag sein. Bei den Nets läuft es auf’s Gleiche hinaus.

Lange: Ich ahne Böses. Die Brooklyn Nets haben die "besten" Voraussetzungen geschaffen, um sich die schlechteste NBA-Bilanz aller Zeiten zu erspielen. Dieser Kader hat in etwa so viel Talent, wie die Darsteller bei Berlin Tag & Nacht – und ich weiß nicht, wem ich damit gerade zu nahe trete. Alles andere als der fünfte Platz in der Division wäre eine äußerst positive Überraschung.

Siemer: Oh my, Brooklyn. Das Projekt "Titel innerhalb von fünf Jahren" ist krachend gescheitert, alle Lottery Picks wurden dafür verpfändet und somit fehlt jegliche Aussicht auf schnelle Besserung. Deshalb und weil der Kader außer Jeremy Lin und Brook Lopez (Trade? Gerne!) wenig (über-)durchschnittliche NBA-Qualität offenbart, wird nicht nur die Halle, sondern auch die "Wins"-Spalte überschaubar gefüllt sein. Platz fünf.

Landsgesell: Was passiert wenn ohne Rücksicht auf Verluste die Zukunft für die Gegenwart geopfert wird? Die Brooklyn Nets 16/17! Miese Starting Five, kaum junge Spieler, keine Picks, keine Playoffs: Dunkle Zeiten über Brooklyn. Das schlechteste Team der Atlantic Division. Wen freut’s? Die Boston Celtics! Platz fünf.



NEW YORK KNICKS

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Nückel: Nur Platz drei, obwohl die Knicks nominell besser besetzt sind. Eine Starting Five mit Rose–Lee–Anthony–Porzingis–Noah gehört von den reinen Namen her zu den besten Aufstellungen der gesamten Liga, doch überwiegen die Fragezeichen im Team von Neu-Trainer Jeff Hornacek. Neueste Meldungen bestätigen zudem, dass Derrick Rose seine lieben Schwierigkeiten mit der Triangle Offense hat. Ein überforderter Ex-MVP als Point Guard kombiniert mit verletzungsanfälligen Mitstreitern ist eine tickende Zeitbombe.

Mainka: Phil Jacksons Arbeit war mehr als solide, und gegen Knickerbockers, die um die Playoffs konkurrieren, kann eigentlich kein NBA-Fan wirklich was haben. New Yorks Kader enthält so klangvolle Namen, dass die erste Playoffrunde eigentlich ein Muss ist. Fragezeichen gibt es dennoch in Hülle und Fülle: wie entwickelt sich Kristaps Porzingis in einem nun kompetetiverem Umfeld? Wie viel hat Noah noch im Tank? Halten die Knie von Rose? Und spielt er Triangel oder doch lieber eigensinnig Blockflöte? New York ist wieder Wer im wieder erstarktem Osten und vorerst dritte Kraft am Atlantik, Jacksons spontane Beschleunigung der Rebuild-Phase könnte angesichts all der fragilen Variablen in einem Jahr bereits völlig verpufft sein.

Lange: Hat da jemand Superteam gesagt? Melo, Rose, Noah und Three 6 Latvia klingen zwar im ersten Moment ganz gut, aber man muss schon ein seeehr großer NY-Liebhaber zu sein, wenn man den Knicks irgendwelche Titelchancen ausrechnet. Wenn alle gesund bleiben (und das ist schon ein großes WENN), kämpfen sie um Platz zwei in der Atlantic Division, werden aber wohl an dritter Stelle landen.

Siemer: "Triangle", "langfristiger Neuaufbau", "Talentförderung" lautete der Plan von Präsident Phil Jackson. Dann holte der Zenmaster Derrick Rose und Joakim Noah an die Seite von Carmelo Anthony und ich frage mich, wie Kristaps Porzingis so eine größere Rolle als im Vorjahr einnehmen soll. Dass Rose zudem wegen Vergewaltigungsvorwürfen vor Gericht steht, macht die Konzentration aufs Sportliche nicht gerade einfacher. Mehr als Platz drei ist für die Jungs noch Neu-Coach Jeff Hornacek aktuell nicht drin.

Landsgesell: Ja, der Kommentar von Derrick Rose sein neues Team sei ein "Superteam" war völlig überhöht. Dennoch: Die Knicks können eine sehr gute Rolle in der doch Eastern Conference spielen. Die Cavs sind allen einen Schritt voraus, die Raptors und Celtics folgen danach... und dann? Platz vier in der Eastern Conference ist für die Knickerbocker allemal drin – vorausgesetzt sie bleiben gesund. In der Division wird's Platz drei!



BOSTON CELTICS

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Nückel: Die Kelten werden sich in der kommenden Runde den ersten Platz in der Atlantic Division holen. Mit Al Horford ist ein Star nach Boston gekommen, der die Franchise mit seiner Intelligenz an beiden Enden des Courts auf ein neues Level hieven kann – und auch wird. Sollte es trotzdem zu einer etwaigen Dürreperiode kommen, kann GM Danny Ainge aufgrund der zahlreichen Assets umgehend zu reagieren. Reinster Luxus.

Mainka: Die Celtics haben so viele Spieler, die Spaß machen und noch mehr Draft-Picks. Genau von denen wird sich Danny Ainge im Saisonverlauf lösen müssen, wenn Boston die Schwelle zu den Top-Teams übertreten will. Mit einem Trio aus Al Horford, Isaiah Thomas und (Achtung, Spoiler Alert) Defensive Player of the Year Jae Crowder sind die Semi-Finals reine Formsache. Boston geht als Favorit auf Platz eins der Atlantic Division in die Spielzeit.

Lange: Die Celtics haben eine sehr tiefe und produktive Mannschaft noch einmal weiter verstärkt. Mit Thomas und Horford hat Boston nun einen One-Two-Punch, der den Osten aufmischen wird – auch wenn es nicht der furchteinflößendste der Liga ist. Mit diesem Team wäre alles andere als der zweite Platz in der Division eine Enttäuschung.

Siemer: Die Celtics sind so gut besetzt wie lange nicht mehr, jetzt will GM Danny Ainge die vielen guten Deals der Vergangenheit in Erfolg verwandelt sehen und die ganz dicken Fische aus dem Playoff-Teich ziehen. Mit Al Horford und Isaiah Thomas wird ein All-Star-Tandem das Spiel prägen, Coach Brad Stevens aus der tiefen Rotation viele interessante Lineups basteln. In meinen Augen gewinnen die C’s erstmals seit 2012 wieder den ersten Platz und damit die Division-Krone.

Landsgesell: Auch wenn der Star Free Agent nicht in Beantown unterschreiben wollte, gehen die Celtics gut gerüstet in die neue Saison. Talent, Tiefe und Coaching machen es möglich. Coach Stevens kann auf einen tiefen Kader zurückgreifen und hat unzählige verschiedene Lineup-Optionen. Mit Toronto werden sich die Celtics um die Krone in der Atlanic Division streiten. Platz eins!  



TORONTO RAPTORS

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Nückel: Auf die beste Saison der Klub-Geschichte werden die Kanadier Abstriche machen müssen, denn die Konkurrenz hat sich im Gegensatz zu den Raptoren verstärkt. Pummelchen Jared Sullinger stellt den Top-Neuzugang(!!!) dar und soll die Rotation auf der Vier verstärken, aber besser macht er den Vizemeister des Ostens nicht. Ein Ausflug in die Conference-Finals wäre diesmal überraschend, Platz zwei in der Division ist aber kein Problem.

Mainka: Toronto ist immer noch richtig gut, wie jedes Team, das einen Backcourt aus Kyle Lowry und DeMar DeRozan besitzt. Die beiden Abgänge von Bismack Byiombo und Luis Scola schmerzen, gaben beide dieser Mannschaft auf den großen Positionen statistisch nicht erfassbare Eigenschaften, sodass die Probleme unterm Korb wieder aktuell werden. Kann Valanciunas verteidigen? Wie NBA-ready ist Jakob Pöltl? Tendenziell sind die Raptors eher schlechter geworden und die Vormachtstellung an Boston abgegeben daher Platz zwei. Die gute Nachricht? Nach meinen Berechnungen erreicht Bruno Caboclo in zwei Jahren die NBA-Güte.

Lange: In der Atlantic Division heißt es am Ende Toronto oder Boston. Den Raptors fehlt vielleicht noch ein geschickt eingefädelter Trade, um wirklich ganz oben mitzuspielen. Lowry und DeRozan haben zudem beide die Saison ihres Lebens gespielt und der Kern der Truppe ist schon lange zusammen. Gefühlsmäßig würde Toronto eine Best-of-Seven-Serie gegen Boston mit 4:3 gewinnen, deswegen sind sie für mich auf Platz eins in der Atlantic Division – aber das ist wirklich eine sehr knappe Geschichte.

Siemer: Die beste Saison der Franchise-Historie gespielt, drei Mal nacheinander die Division kontrolliert. Haben die Raptors zuletzt etwas überperformt, pendelt sich das in diesem Jahr wieder bei knapp über 50 Siegen ein. DeMarre Carroll ist endlich wieder gesund, Neuzugang Jared Sullinger hat abgespeckt und das Guard-Duo Kyle Lowry/DeMar DeRozan will nach Olympia-Gold in Rio wieder mindestens in die Conference Finals. Es wird ein enges Rennen mit den Celtics und am Ende Platz zwei.

Landsgesell: Mit DeRozan haben die Raptors ihren zweitwichtigsten Spieler gehalten, Valanciunas spielte tolle Playoffs und Caroll ist wieder gesund. Die Raptors sind nach ihrem ersten gemeinsamen langen Playoff-Ritt fast unverändert zusammen geblieben. Toronto wird auch diese Saison ganz oben in der Eastern Conference mitspielen. Platz zwei!