22 Oktober 2016

22. Oktober, 2016


Auch am zweiten Spieltag der Turkish Airlines Euroleague gab es wieder einige Krimis. Außerdem wurde, ebenso wie in Woche eins, Geschichte geschrieben. Der zweite Spieltag im Überblick:

von ENES CAKMAK @EnesCakmak0601

Topspiel der Woche

FC Barcelona Lassa – Fenerbahce Istanbul 72-73 (36-40)


Wie untermauert ein Titelkandidat seine Titelambitionen? Indem er einen anderen Titelkandidaten schlägt. Bereits vor der Partie waren die Vorzeichen für Barcelona eher schlecht, da Juan Carlos Navarro, Shane Lawal und Petteri Koponen in diesem wichtigen Duell aussetzen mussten, während Fenerbahce wieder aus dem Vollen schöpfen konnte.

Die Türken nahmen bereits in Viertel eins das Zepter in die Hand und waren die meiste Zeit in Führung. Das ging in Viertel zwei so weiter. Absetzen konnte sich das Team von Zeljko Obradovic nicht. So ging das Spiel bis zum Ende weiter. 10 Sekunden vor Schluss wurde Tyrese Rice beim Stande von Kostas Sloukas geblockt. Nikola Kalinic holte sich den Rebound und aus war die Maus. Ausschlaggebend für den Sieg der Türken war unter anderem ihre phänomenale Dreierquote. Während Barcelona 36.7% (7/19) von Downtown einnetzte, trafen die Gäste 52.4% (11/21) ihrer Dreier.

Topscorer der Katalanen war Tyrese Rice mit 19 Punkten + 6 Assists. Der Point Guard hatte erneut Probleme mit seinem Distanzwurf (2/9 3PT). Auch Stratos Perperoglou (14 Punkte, 2/2 3PT) und Ante Tomic (12 Punkte, 8 Rebounds, 5/5 Field Goals) stemmten sich gegen die Niederlage.
Fenerbahce hatte gleich zwei Topscorer. Bobby Dixon (4/7 3PT) und Kostas Sloukas (5/9 FG, 2/3 3PT) erzielten je 15 Punkte. Bogdan Bogdanovic (3/9 Field Goals) setzte einige Würfe daneben und kam am Ende auf 12 Punkte.


Der Rest

Olympiakos Piräus – Anadolu Efes Istanbul 90-66 (41-33)

Nach drei Vierteln hätte wohl niemand mit so einem Blowout gerechnet. Selbst vor dem letzten Viertel waren es „nur“ 9 Zähler Vorsprung für den amtierenden griechischen Meister. Doch wer im ersten (28:16) und im letzten Viertel (28:13) so untergeht, der hat eine Niederlage verdient. Ausschlaggebend für den 24-Punkte-Sieg von Olympiakos war vor allem die Trefferquote aus dem Zweipunktebereich (Olympiakos: 26/43 = 60.5%, Efes: 17/56 = 30.4%). 

Vassilis Spanoulis war mit 17 Punkten und 9 Assists (dazu 9 Fouls gezogen) der Man of the Match. Unterstützung bekam er von Georgios Printezis (15 Punkte) und Matt Lojeski, der 14 Punkte erzielen und nahezu alle Würfe (6/7 Field Goals, 2/3 3PT) treffen konnte. 

Bei den Gästen konnte nur Youngster Cedi Osman, dessen Rechte bei den Cleveland Cavaliers liegen, mit 22 Punkten (8/12 Field Goals, 3/6 3PT) und 6 Rebounds überzeugen.  Jayson Granger (2/9 Field Goals, 6 Punkte), Bryant Dunston (1/8 aus dem Feld, 5 Punkte), Furkan Korkmaz (1/5 Field Goals, 2 Punkte) und Thomas Heurtel (1/7 aus dem Feld, 3 Punkte) hatten immense Probleme mit ihrem Wurf und waren für den Blowout mitverantwortlich.

Stat of the Night: Im ersten Viertel konnte Spanoulis seinen 3000. Euroleague-Punkt in seiner Karriere erzielen und ist somit nach Barcelona-Legende Juan Carlos Navarro der zweite Spieler, der diese Hürde knacken konnte.

Brose Bamberg – UNICS Kazan 89-86 (41-44)

Brose Bamberg und Euroleague-Krimis – das kennen wir schon vom vergangenen Jahr. Bereits im zweiten Spiel in dieser Saison war die Partie der Franken ein Thriller. Dabei sah es über lange Zeit nach einem Auswärtssieg der Russen aus. Vor allem am Brett dominierten sie die Bamberger (26:37 Rebounds). Mit einem 7-Punkte-Vorsprung ging der Vizemeister der VTB League in den Schlussabschnitt und gab den Sieg doch noch aus der Hand. Ein Grund dafür war auch die schwache Dreipunktequote über das gesamte Spiel (4/17 = 23.5%). 

Der lettische Guard Janis Strelnieks warf fast fehlerfrei (7/8 aus dem Feld, 2/2 3PT) und war mit 17 Punkten bester Punktesammler der Bamberger. Ihm folgten Nikos Zisis (16 Punkte, 12 Assists), Nicolo Melli (15 Punkte, 7 Rebounds, 2 Blocks) und Darius Miller (15 Punkte). 

Keith Langford war mit 24 Punkten, 4 Assists und 9 gezogenen Fouls der auffälligste Spieler bei den Russen. Er hat jedoch weiterhin Probleme mit seinem Wurf (8/20 Field Goals, 0/3 3PT). Selbiges Problem hat auch Quino Colom (15 Punkte, 3/8 Field Goals, ¼ 3PT). Coty Clarke war dagegen wesentlich effektiver und beendete das Spiel mit 20 Punkten (7/11 Field Goals, 2/2 3PT) und 7 Rebounds.

Maccabi FOX Tel Aviv – Real Madrid 82-89 (33-46)

Real Madrid führt mit 13 Punkten zur Halbzeit, also müsste doch das Spiel eigentlich entschieden sein? Nicht gegen Maccabi Tel Aviv. Die Israelis kamen mit einem 16:0-Lauf aus der Pause und waren lange im Geschäft. Dennoch mussten sie auch in Spiel zwei mit einer Niederlage vom Court, auch, weil die Gäste im gesamten Spiel doch ein bisschen abgezockter waren. 

Topscorer bei Maccabi war Victor Rudd, der neben seinen 18 Punkten auch 7 Rebounds und 3 Steals verbuchen konnte. Unterstützung bekam er allen voran von Andrew Goudelock (16 Punkte, 5 Assists) und Sonny Weems (15 Punkte, 5 Assists).

Beim Siegerteam aus der spanischen Hauptstadt war Scharfschütze Jaycee Carroll mit 18 Punkten (5/8 3PT) der erfolgreichste Werfer. Rudy Fernandez erwischte mit 16 Punkten (4/8 3PT) und 3 Steals einen ebenfalls guten Abend. Obwohl Sergio Llull große Probleme mit seinem Dreier (0/8 3PT) hatte, hatte er mit 14 Punkten und 11 Assists einen nicht geringen Anteil am Sieg der Madrilenen.

Darüssafaka Dogus Istanbul – Emporio Armani Mailand 80-81 (41-46)


Mit einem Sieg der Mailänder war nicht unbedingt zu rechnen und am Ende war es extrem spannend. Die tragische Figur war ausgerechnet der aktuelle MVP der Beko BBL, Brad Wanamaker. Erst verlor er sechs Sekunden vor Schluss bei 3 Punkten Rückstand den Ball. Als Darüssafaka gleich nach dem Turnover foulte, verwarf Alessandro Gentile seine beiden Freebies. 2 Sekunden vor Schluss musste Wanamaker an die Linie, traf seinen ersten Versuch und musste seinen zweiten verwerfen, damit sein Team noch einen Offensivrebound holen kann, doch so weit kam es gar nicht, da Wanamaker auch seinen zweiten Freiwurf traf. 

Bester Punktesammler der Hausherren war Adrien Moerman, der auf 20 Zähler (7/12 Field Goals, 4/7 3PT) kam. Ihm folgten Wanamaker (16 Punkte, 6 Assists, auch 5 Turnover), James Anderson (14 Punkte, 3 Steals) und Scottie Wilbekin (13 Punkte, 6 Assists, 3 Steals).

Bei den Gästen war der erneut sehr starke Milan Macvan mit 19 Punkten (8/10 Field Goals, 3/3 3PT) und 6 Rebounds der mit Abstand auffälligste Akteur auf dem Parkett. Mantas Kalnietis (11 Punkte, 3/3 3PT) und Jamel McLean (11 Punkte, 8 Rebounds), der vor allem unter dem Korb aufräumte, waren ebenfalls wichtige Faktoren.

ZSKA Moskau – Panathinaikos Athen 81-77 (35-30)

Den amtierenden Euroleague-Champion kann man nicht so einfach niederringen. Das musste auch der griechische Rekordmeister spüren. Dennoch haben sich die grün-weißen über die gesamten 40 Minuten im Spiel gehalten und damit achtbar geschlagen. Aber wer einen Nando De Colo in den eigenen Reihen hat, der gewinnt nunmal oft. Er erzielte 19 seiner 20 Zähler in der zweiten Halbzeit. Damit konnte sogar eine eher passive Vorstellung von Milos Teodosic (6 Punkte, 9 Assists) aufgefangen werden.

Mit den 20 Punkten war De Colo auch der Co-Topscorer der Hausherren. Denn auch Andrey Vorontsevich, der vor allem in der ersten Halbzeit aufdrehte, kam ebenfalls auf 20 Zähler (6/8 Field Goals, 5/6 3PT). 

Bei den Griechen lieferte Demetris Nichols mit 20 Punkten (7/11 Field Goals, 3/5 3PT) eine tolle Performance gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber ab. Auch der Ex-Münchener K. C. Rivers konnte mit 16 Zählern (3/6 3PT) auf sich aufmerksam machen.

Galatasaray Odeabank Istanbul – Roter Stern Belgrad 83-85 (47-47)


30:17 nach Viertel eins, 47:47 zur Halbzeit, 50:65 nach sechs Minuten in Viertel drei, 67:69 vor dem Schlussabschnitt. Gala führte sogar im letzten Viertel und hatte mit dem letzten Wurf die Chance auf den Sieg, doch Ex-NBA-Akteur Austin Daye verwarf den Dreier. Der Wurf von Downtown war auch der Knackpunkt der Partie, denn die Heimtruppe (7/26 3PT = 26.9%) war den Gästen (8/15 3PT = 53.3%) in dieser Hinsicht sowas von unterlegen. 

Daye war am Ende auch der beste Punktesammler der Partie. Er traf sehr gut (7/12 Field Goals, 4/7 3PT, 6/6 FT) und kam am Ende auf 24 Punkte und 8 Rebounds, verlor aber auch 4-mal den Ball. Ein sehr starkes Spiel machte Alex Tyus, der die Partie mit 19 Punkten und 4 Blocks beendete.

Matchwinner beim Meister der ABA Liga war Haudegen Marko Simonovic. Der serbische Nationalspieler war zugleich auch Topscorer der Belgrader und hatte 23 Punkte (8/12 Field Goals, 47& 3PT) auf seinem Konto. Stefan Jovic zauberte und stand am Ende bei 14 Punkten (5/7 aus dem Feld) und 9 Assists, leistete sich aber auch 6 Turnover.

Zalgiris Kaunas – Baskonia Vitoria Gasteiz 78-73 (34-40)


Blickt man auf viele Statistiken im Boxscore, ist zu sehen, dass beide Teams fast überall auf Augenhöhe waren. Beim Zweipunktewurf waren die Gäste sogar um ganze 10 Prozent erfolgreicher als die Heimtruppe. Ah, da war ja noch was mit dem Rebounding, das den Gästen mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit den Sieg gekostet hat. Das Duell der Abpraller ging nämlich mit 44-32 an die Litauer. 

Der Held des Abends war Leo Westermann. Der französische Spielmacher zeigte von Anfang bis Ende eine tolle Leistung und durfte sich am Ende über 20 Punkte, 4 Rebounds und 4 Assists freuen. Brock Motum war mit 12 Punkten zweitbester Punktesammler der Balten. Diese beiden waren die Einzigen in Double Figures. 

Bei den Basken war Hangatime. Adam Hanga, der in der ersten Hälfte nahezu jeden Wurf traf, beendete die Partie mit 17 Zählern, 4 Assists und 3 Steals. Andrea Bargnani, der bereits in Woche 1 ein tolles Spiel machte, konnte mit 17 Punkten (6/10 Field Goals) und 3 Blocks erneut überzeugen.


Lineup der Woche

Backcourt

Das Team zu einem Blowout-Sieg führen, auf effektive Art 17 Punkte erzielen, 9-mal den Mitspieler beim Korberfolg bedienen und zugleich als zweiter Spieler der Euroleague-Geschichte die 3000-Punkte-Hürde knacken. Zu Vassilis Spanoulis braucht man zumindest in dieser Woche nicht viel mehr sagen.

Auch Leo Westermann hatte viel zu lachen. Der Spielmacher von Zalgiris Kaunas attackierte permanent den Korb, streute hin und wieder einen Dreier ein und bediente seine Mitspieler mit raffinierten Pässen. Er kam auf 20 Punkte (9/15 Field Goals), 4 Rebounds und 4 Assists. Turnover? 0!

Frontcourt

Heiß, heißer, Andrey Vorontsevich! Der russische Nationalspieler war mit 13 Punkten in der ersten Halbzeit der Grund, wieso Moskau mit einer Führung in die Pause ging. Über die gesamte Partie war er nicht abzukühlen. Er war der Grund, dass die Offnight von Milos Teodosic so gut aufgefangen werden konnte. Am Ende kam er auf 20 Punkte (6/8 Field Goals, 5/6 3PT).

Nicolo Melli ist einfach ein Alleskönner. Sein Allround-Game hat ihm einen Platz im Lineup der Woche beschert. Wichtige Plays in der Defense, starke Arbeit am Brett und dieses Mal sogar ein Wurf der fallen wollte. Er steuerte 15 Punkte (4/7 Field Goals, 7/7 FT), 7 Rebounds und 2 Blocks zum Bamberger Sieg bei.

Das war mal wieder der alte Alex Tyus. Diese Leistungen erinnerte an seine Primetime im Jersey von Maccabi FOX Tel Aviv. Nach einem verlorenen Jahr bei Anadolu Efes scheint der Big Man in Schwung zu kommen. Er konnte defensiv Impulse setzen, blockte ein paar Gegner weg und nennte die Zone sein Eigen. Vor allem dank seiner tollen Leistung (19 Punkte, 5 Rebounds, 2 Steals, 4 Blocks, 9/11 FG) konnte Galatasaray eine Aufholjagd starten, welche am Ende nicht belohnt wurde.