15 Oktober 2016

15. Oktober, 2016


Nach rund fünf Monaten ohne Euroleague ging es am Mittwoch endlich wieder los. Der erste Spieltag ist bereits Geschichte. Wir werfen einen Blick drauf.

von ENES CAKMAK @EnesCakmak0601

Topspiel der Woche

Emporio Armani Mailand – Maccabi FOX Tel Aviv 99-97 (44-44)


Es war die mit Spannung erwartete Partie. Die talentierten Mailänder gegen das Starensemble aus Tel Aviv. Um ein Haar hätten wir ein Riesencomeback vom israelischen Spitzenclub gesehen. Maccabi war einen geblockten Korbleger von der Overtime entfernt. 

In der ersten Halbzeit gab es einen offenen Schlagabtausch zwischen beiden Teams. Mit einem Unentschieden ging es in die Halbzeit. Die Gastgeber kamen besser aus der Pause und konnten mit einer 7-Punkte-Führung (72-65) in den letzten Abschnitt gehen. 2:37 Minuten vor Schluss konnte Ricky Hickman per Dreier auf 93-83 erhöhen - für viele Fans schon die Entscheidung. Vor allem durch Andrew Goudelock, der 13 seiner 27 Zähler im Schlussabschnitt erzielte, kam Tel Aviv aber  noch einmal ran und hatte durch Sylven Landesberg die Möglichkeit, das Spiel um fünf Minuten zu verlängern. Doch Jamel McLean rauschte heran und blockte den Korbleger. 

Ricky Hickman war mit 22 Punkten, 3 Assists, 3 Steals und 12 gezogenen Fouls der Hauptgarant für den Sieg der Mailänder. Unterstützung bekam er vor allem von Milan Macvan (18 Pts) und Miroslav Raduljica (15). 

Topscorer der Gäste war Goudelock mit 27 Punkten, 3 Rebounds und 5 Assists. Devin Smith (18 Punkte, 7 Rebounds) und Sylven Landesberg (15) stemmten sich ebenfalls gegen die Niederlage. Der deutsche Nationalspieler Maik Zirbes stand 16:41 Minuten auf der Platte und konnte mit 13 Punkten (5/7 Zweier, 3/3 FT) plus 5 Rebounds überzeugen.


Der Rest

Real Madrid – Olympiakos Piräus 83-65 (42-40)



Der Endstand ist viel deutlicher, als der Spielverlauf war. Real Madrid setzte im ersten Viertel des Eröffnungsspiels ein Statement und führte früh mit 24-17. Olympiakos zeigte sich verbessert und verkürzte bis zur Halbzeit auf zwei Punkte. In der zweiten Halbzeit drehte Real auf und ging mit einem 10-Punkte-Vorsprung ins letzte Viertel.

Für den entscheidenden Run konnten die Madrilenen nicht sorgen. Rund vier Minuten vor Schluss hatten die Griechen bei acht Punkten Rückstand sogar Ballbesitz. Sie konnten jedoch kein Kapital daraus schlagen. Mit einem 12-2-Lauf in den letzten 3:32 Minuten sorgte Real Madrid für einen am Ende doch ungefährdeten Sieg.


Sergio Llull, der mal wieder auf dem Zettel der Rockets-Scouts steht, führte sein Team mit 22 Punkten (7/11 aus dem Feld, 4/5 Dreier, 4/5 Freiwürfe) und 4 Assists zum Sieg. Supertalent Luka Doncic machte mit 11 Punkten, 5 Rebounds und 3 Assists auf sich aufmerksam.



Beim griechischen Meister war der belgische Nationalspieler Matt Lojeski mit 14 Punkten und 4 Assists der auffälligste Spieler. Vassilis Spanoulis kam am Ende auf 12 Punkte, 4 Rebounds und 5 Assists, leistete sich aber auch 5 Turnover. Die Ex-NBA-Akteure Erick Green (0/4 FG) und Kostas Papanikolaou (2/9 FG, 0/5 Dreier) erwischten einen Tag zum Vergessen.



Galatasaray Odeabank Istanbul – ZSKA Moskau 84-109 (45-57)



Rekord vom amtierenden Euroleague-Champion! Die 109 erzielten Punkte der Moskowiter bedeuten eine neue Bestmarke in der Königsklasse. Damit wurde der eigene Rekord (108 Punkte gegen Khimki Moskau im Februar 2016) getoppt. Dabei verlor der Eurocup-Sieger vor heimischem Publikum erst im letzten Viertel, das mit 13-28 an die Gäste ging, den Faden.

41/64 FG, 12/22 Dreier, 15/17 Freiwürfe, eine 37 zu 25 Überlegenheit beim Rebounding und 25 Assists sorgten für die neue Bestleistung ZSKAs.
 Bester Spieler bei Galatasaray war Sinan Güler mit 16 Punkten, 4 Rebounds, 5 Assists und 2 Steals. Unterstützung bekam er von Alex Tyus, der das Spiel mit 15 Punkten, 5 Rebounds und 2 Assists beendete. Tibor Pleiß kam nur 5:02 Minuten zum Einsatz, verwarf seinen einzigen Wurfversuch und sammelte einen Rebound ein.



Bei ZSKA dominierte wie so oft der beste One-Two Punch der Euroleague. Nando De Colo war mit 22 Punkten (8/12 FG, 2/2 Dreier, 4/4 Freiwürfe), 5 Rebounds und 4 Assists Topscorer der Partie. Sein Backcourt-Kollege Milos Teodosic kam am Ende mit 20 Zählern (5/10 Dreier, 3/3 Freiwürfe) und 11 Assists auf ein Double-Double. 



Roter Stern Belgrad – Darüssafaka Dogus Istanbul 70-73 (44-30)



Einen 14-Punkte-Vorsprung verspielte der Meister der ABA Liga vor einem frenetischen Publikum und muss damit eine Niederlage der Kategorie „unnötig“ in Kauf nehmen. Halbzeit eins lief nahezu perfekt. Vor allem offensiv machte das Duo Jovic/Kuzmic, was es wollte. Dazu traf Darüssafaka nahezu keinen Wurf und das Reboundduell ging in den ersten 20 Minuten mit 20-9 klar an die Gastgeber.

Nach der Pause setzte Darüssafaka an beiden Enden des Courts ein deutliches Zeichen und gewann Halbzeit zwei mit 26-43. Die Heimmannschaft wird bei dem knappen Ergebnis vor allem mit seiner Freiwurfschwäche hadern. Nur 6 von 13 (46.2%) Freiwürfe fielen durch die Reuse. 
Ognjen Kuzmic war mit 16 Punkten und 9 Rebounds der auffälligste Akteur der Hausherren.


Stefan Jovic kam am Ende auf 8 Punkte, 4 Rebounds und 7 Assists. Dabei setzte er vor allem Kuzmic häufig in Szene. 
Bester Punktesammler beim türkischen Gast war der Ex-Ulmer Will Clyburn mit 19 Punkten. Dairis Bertans konnte mit 13 Punkten ebenfalls überzeugen. 





UNICS Kazan – FC Barcelona Lassa 63-69 (36-34)



Fans des FC Barcelona müssen sich wohl auf Low Scoring-Games einstellen. Die Offensivleistung beider Mannschaften war jedenfalls kein Zuckerschlecken. Die erste Halbzeit verlief ziemlich ausgeglichen. Keines der Teams konnte sich absetzen. Vor dem Schlussviertel führte der Vizemeister der VTB League mit acht Punkten, 6:29 Minuten vor Schluss sogar mit 14, doch mit einem Sieg wurde es nichts, weil Juan Carlos Navarro elf seiner 13 Zähler in den letzten sechseinhalb Minuten verbuchte und somit den Sieg einleitete. 



Bester Akteur bei den Gastgebern war Latavious Williams mit 12 Punkten und 15 Rebounds. Keith Langford erzielte zwar 14 Zähler, dabei traf er aber nur 3/13 seiner Zweipunktewürfe.
 Topscorer der Katalanen war einmal mehr der kosovarische Nationalspieler Justin Doellman, der 9/16 seiner Wurfversuche aus dem Feld, 2/4 Dreier und 3/3 Freiwürfe traf. Am Ende konnte er 23 Punkte, 5 Rebounds und 2 Steals verbuchen.

Ante Tomic (13 Punkte, 9 Rebounds. 2 Steals) und Navarro (13 Punkte, 3 Assists) waren ebenfalls wichtige Faktoren für den Erfolg. Tyrese Rice hatte Probleme beim Scoring (5 Punkte, 1/10 Zweier, 1/5 Dreier). Der Point Guard konnte immerhin 9 Assists verteilen und 3 Steals verbuchen.




Fenerbahce Istanbul – Brose Bamberg 67-66 (36-33)



Was war denn das für ein Thriller? Wahrscheinlich hätten nur die meisten Optimisten so ein knappes Ergebnis prognostiziert. Der Deutsche Meister lieferte dem Euroleague-Vizechampion über 40 Minuten einen heißen Tanz. Die Bamberger fanden besser ins Spiel und führten nach Viertel eins mit 18-22.

Dann schaltete Fenerbahce einen Gang zu und konnte das Spiel bis zur Pause drehen. Kurz vor Ende des Schlussviertels führten die Gastgeber bereits mit sieben Zählern, doch fünf schnelle Punkte der Franken bedeuteten ein 53-51 vor den letzten zehn Minuten. 82 Sekunden vor Schluss sorgte Darius Miller mit drei Freiwürfen für die Gästeführung.

Neun Sekunden später ging der Gastgeber durch zwei Freiwürfe von Pero Antic wieder in Front. Bis 25 Sekunden vor Schluss passierte nichts Großartiges, dann musste Jan Vesely an die Linie. Der Tscheche vergab beide Freiwürfe, sodass Bamberg den letzten Angriff ausspielen konnte. Doch Nicolo Melli vergab den letzten Dreipunkteversuch... Sieg Fenerbahce, der 22. Euroleague-Heimsieg in Serie.


Mit 18 Zählern war Bogdan Bogdanovic der Man of the Match. Er traf 6/9 seiner Würfe aus dem Feld, 2/4 seiner Dreier und 4/4 von der Freiwurflinie. Antic, Vesely und Ekpe Udoh steuerten je 10 Punkte zum Sieg bei. 
Miller war mit 17 Punkten Topscorer beim Deutschen Meister. Nikos Zisis war mit 11 Punkten neben ihm der einzige Spieler, der auf eine zweistellige Punktausbeute kam. Melli hatte Probleme mit seinem Wurf (2/9 FG), dafür konnte er mit 12 Rebounds, 3 Assists und 2 Blocks seiner Mannschaft helfen.

Panathinaikos Athen – Zalgiris Kaunas 84-76 (37-30)



So unterschiedlich können zwei Halbzeiten sein. Während beide Teams in der ersten Halbzeit noch verteidigten, lag in der zweiten Halbzeit der Fokus in der Offensive. Panathinaikos Athen lag zur Halbzeit mit sieben Zählern in Front. Doch in Viertel drei wollte nichts klappen, sodass Zalgiris Kaunas mit 51-52 vor dem Schlussabschnitt führte. Im letzten Viertel brannte der griechische Meister ein Feuerwerk ab und konnte somit den Heimsieg einfahren.


Der Gast aus Kaunas dominierte am Brett. Mit 33-44 ging das Reboundduell klar an den litauischen Meister. 
Guard Nikos Pappas war mit 19 Punkten und 3 Assists der Hauptgarant für den Sieg. Chris Singleton (13 Punkte, 7 Rebounds, 3 Assists, 2 Steals) und Nick Calathes (13 Punkte, 4 Assists) waren zweiterfolgreichste Punktesammler. 
Bei Kaunas war der australischer Nationalspieler Brock Motum mit 19 Punkten (7-11 FG) der Topscorer. Paulius Jankunas beendete das Spiel mit 13 Punkten und 8 Rebounds. 


Baskonia Vitoria Gasteiz – Anadolu Efes Istanbul 85-84 (49-51)



Auch diese Partie war spannend bis zum Schluss. Über drei Viertel lag der Fokus beider Teams in der Offensive. Im Schlussabschnitt wurde dann intensiver verteidigt, sodass Baskonia dem letztjährigen Headcoach Velimir Perasovic eine Niederlage im ersten Euroleague-Spiel zufügen konnte, obwohl Efes vor dem letzten Viertel mit 68-73 führte.

Die Türken scheiterten nicht nur an der baskischen Verteidigung, sondern auch am eigenen Unvermögen und konnten mehrere, vermeintlich einfache Korbleger nicht im Korb unterbringen. Auch die Reboundüberlegenheit der Gastgeber (40-27) spielte eine große Rolle. Rund vier Sekunden vor Schluss traf Tornike Shengelia (16 Punkte, 9 Rebounds) einen seiner beiden Freiwürfe und gab den Gästen noch einmal die Chance, das Spiel zu gewinnen. Doch der letzte Wurf von Bryce Cotton ging daneben. Somit startet der letztjährige Final-Four-Teilnehmer mit einem Sieg in die neue Euroleague-Saison. 
Bester Punktesammler bei den Basken war Ex-NBA-Akteur Andrea Bargnani, der 26 Punkte erzielte und 4 Rebounds pflückte.


Neben Bargnani und Shengelia konnte auch Johannes Voigtmann auf sich aufmerksam machen. In 18 Minuten kam er auf 12 Punkte (5/6 Field Goals, 2/2 Dreier) und 8 Rebounds. Adam Hanga erwischte einen rabenschwarzen Tag und beendete die Partie mit 6 Punkten und 7 Turnovern. 



Lineup der Woche

Backcourt

Andrew Goudelock sorgte mit einer phänomenalen Performance fast für einen großen Comeback. Der schnelle Guard scorte dabei nicht nur durch seinen tödlichen Jumpshot, sondern zog auch immer wieder zum Korb. Außerdem setzte er seine Teamkollegen klug ein und verlor nicht ein einziges Mal den Ball. Am Ende standen 27 Punkte (11/15 Field Goals, 5/5 Freiwürfe), 3 Rebounds und 5 Assists bei 0 Turnover auf dem Konto.

Die zweite Position neben Goudelock zu besetzen war bei den vielen starken Leistungen schwer. Auch Ricky Hickman, Sergio Llull und Milos Teodosic waren Kandidaten für diesen Platz, doch Nando De Colo spielte wieder einmal Basketball von einem anderen Stern. Dazu ist ein 25-Punkte-Blowout in der Hölle von Istanbul nicht gerade selbstverständlich. Der amtierende Euroleague-MVP leistete sich zwar 3 Ballverluste, aber seine Effektivität und Abgelärtheit sucht ihresgleichen. Er beendete die Partie mit 22 Punkten (8/12 FG, 2/2 Dreier, 4/4 Freiwürfe), 5 Rebounds und 4 Assists.

Frontcourt

UNICS Kazan war ein mehr als unangenehmer Gegner für den FC Barcelona. Einen hohen Anteil hatte dabei der Ex-Bamberger Latavious Williams. Der Big Man war am Brett dominant wie kein Zweiter. 9 der 12 Offensivrebounds von UNICS Kazan gehen auf sein Konto. Dazu traf er sechs seiner acht Würfe. Am Ende kam er auf 12 Punkte, 15 Rebounds, 1 Assist und 1 Block. Turnover? Fehlanzeige.

Was für ein Euroleague-Comeback von Andrea Bargnani! In seinem ersten Euroleague-Spiel nach über 10 Jahren war der italienische Riese einfach nicht zu stoppen und scorte nach Belieben. Er war der Hauptgrund für den Auftaktsieg der Basken. Der ehemalige First Pick der NBA hatte am Ende 26 Punkte (10/14 FG, 2/3 Dreier, 4/6 Freiwürfe) und 4 Rebounds auf seinem Konto.

Anscheinend kann jeder Center, der nach Belgrad kommt, scoren. Der serbische Nationalcenter Ognjen Kuzmic, sonst nicht wirklich als offensivstarker Center bekannt, harmonierte mit seinem Spielmacher Stefan Jovic fast schon blind, was Darüssafaka vor allem in Halbzeit eins spüren musste. Außerdem arbeitete er am Brett sehr stark. 16 Punkte (8/9 Field Goals), 9 Rebounds, 2 Assists und 3 Blocks brachte er auf den Statistikbogen.