25 August 2016

23. August, 2016


von GERRIT LAGENSTEIN @GAL_Sports

Das Basketball-Turnier der 31. Olympischen Spiele ist Geschichte. Die Goldmedaille der Amerikaner war im Vorhinein zu erwarten, die letzten zwei Wochen boten dennoch allerlei interessante Aspekte.

Barkley sieht falsche Zusammenstellung des Team USA
Eigentlich gibt es keinen Grund zum Meckern. Was zählt, ist der Sieg und den sammelten die Amerikaner in acht Spielen genauso häufig ein.

Beim Blick auf die Endergebnisse fällt aber auf, dass die NBA-Stars auf dem Weg zum dritten Gold in Folge deutlich mehr ins Schwitzen kamen als den letzten Jahren. In der Vorrunde gewannen die USA gegen Serbien und Frankreich jeweils mit nur drei Punkten. Australien führte zu Halbzeit sogar gegen die Amis.

Großmaul Charles Barkley sah die Zusammenstellung der Olympia-Truppe als Hauptgrund für den zähen Beginn. Vor der K.O.-Runde gab er zu verstehen: „Ich hoffe sie gewinnen die Goldmedaille, aber es ist kein gutes Team, das zusammengestellt wurde.“


Das Mitglied des Dream Teams bemängelte vor allem das Fehlen von Rollenspielern im Team. „Wenn man DeAndre Jordan ausnimmt, ist jeder ein balldominanter Spieler. Deswegen sehen wir jede Menge Eins-gegen-Eins-Basketball. Kyle Lowry, Kyrie Irving, Kevin Durant, DeMar DeRozan. Jeder von ihnen will scoren. Deshalb denke ich, dass die Offensive bislang sehr stagniert hat.“

Stagniert heißt in diesem Fall übrigens 104,8 Punkte im Schnitt bei 26,4 Assists pro Spiel - beides Bestwerte im Turnier. Letztere sind im Übrigen mehr als 2012 (25,0), wo das Team zugegebenermaßen 115,5 Zähler durchschnittlich auflegte.

Vor den Spielen in London sagten aber auch keine Spieler vom Kaliber LeBron James oder Steph Curry ihre Teilnahme ab. Aus der Liste der Baller, die wegen Verletzungen oder persönlichen Gründen nicht in Rio antreten konnten, könnte ein passables Team gebildet werden, mit dem die jetzigen Olympioniken so ihre Probleme haben dürften. Vor diesem Hintergrund die Zusammenstellung zu kritisieren ist … nun ja typisch Barkley.

Die alten Herren machen Schluss
Gut, Tony Parker ist „erst“ 34 und fühlt sich wahrscheinlich noch gar nicht so alt. Fakt ist aber, dass der Spur jahrelang über 100 Saisonspiele gemacht hat, weil er mit San Antonio tief in die Playoffs ritt und den anschließenden Sommer bei der Nationalmannschaft verbrachte. Mit letzterem ist nun Schluss.

Nach 181 Länderspielen hängt TP seine französischen Sneaker an den Nagel. Mit einer Olympia-Medaille konnte er seine Karriere nicht krönen. Da er als bester Punktsammler aller Zeiten viermal Edelmetall bei Europameisterschaften abgeräumt hat, zählt Parker jedoch freilich auch so zu den größten FIBA Spielern des Jahrtausends.


Das gilt gleichfalls auch für das argentinische Quartett um Manu Ginobili, Carlos Delfino, Andres Nocioni und Luis Scola. Über mehr als eine Dekade haben die vier den internationalen Basketball geprägt. Vize-Weltmeister 2002, Olympiasieger 2004.

Zu sagen, Argentinien hätte diese Erfolge nur wegen der Schwächephase der USA gefeiert, wird den herausragenden Leistungen der Gauchos in den letzten anderthalb Jahrzehnten nicht gerecht.

Obwohl sich abgesehen von Delfino alle in den Enden ihrer Dreißiger befinden, legten Ginobili, Scola und Nocioni alle knapp 15 Punkte im Schnitt in Rio. Die 37 des ehemaligen Chicago Bull inklusive Buzzer Beater gegen Brasilien waren sogar die meisten, die ein Baller bei den diesjährigen Olympics aufgelegt hat.

Dass die Altmeister auch im hohen Alter so wertvoll für Argentinien waren, macht deren Abschied für die Südamerikaner umso bitterer. Die Zeiten, in denen Argentinien zur Weltspitze gehörte, sind wohl vorbei.

Australien, neue Basketball Macht?
Den frei werdenden Platz könnte Australien einnehmen. Die Aussies waren die positive Überraschung in Rio. Schon vor vier Jahren deutete das Team aus Down Under sein Talent an, musste im Viertelfinale aber gegen die USA ran und ging mit 86:119 baden.


Eine Olympiade später sah es lange so aus, als konnten Andrew Bogut und Co die zehn Jahre anhaltende Siegesserie von Team USA beenden.

Zumindest führten die Australier in der Vorrundenpartie bis ins vierte Viertel hinein. Auch wenn sie das Match letztlich doch mit zehn Punkten verloren, mit Platz zwei in der Gruppe vor Frankreich und Serbien setzte die Mannschaft von Coach Andrej Lemanis ein dickes Ausrufezeichen.

Unglücklicherweise lieferten die Boomers im Halbfinale ihre mit Abstand schlechteste Leistung ab (14 Punkte in Hälfte eins) und brachten sich damit um den verdienten Lohn in Form einer Medaille.

Ob die Center Andrew Bogut und David Andersen in vier Jahren in Tokio noch einmal dabei sein werden, darf bezweifelt werden, doch mit Thon Maker, Dante Exum und Ben Simmons stehen drei NBA-Lottery Picks der letzten Jahre bereit, um das Team zu übernehmen. Es gibt düstere Zukunftsszenarien.

NBA Young Guns
In ihren jeweiligen Qualifikationsturnieren waren Dario Saric und Nikola Jokic noch die klaren Führungsspieler ihrer Länder gewesen.

In Rio konnten die beiden nicht in gleicher Weise dominieren. Jokic von den Denver Nuggets deutete mit 25 Punkten im Vorrundenspiel gegen die USA zwar einmal mehr sein außerordentliches Talent an. Beim zweiten Aufeinandertreffen im Finale blieb er jedoch genauso blass wie seine Mitspieler.

Sarics durchschnittliche Werte von 11,8 Punkte und 6,7 Rebounds hören sich gut an. Die gleichen Zahlen legte der zukünftige Sixer aber auch schon bei der WM vor zwei Jahren auf. Wo bleibt der nächste Entwicklungssprung?

Vielleicht gelingt der in Philadelphia aber auch eher als in der kroatischen Nationalmannschaft. Immerhin hatte Saric in Rio mit Mario Hezonja und Bojan Bogdanovic zwei um keinen Wurf verlegenen Guards neben sich. Letzterer ballerte sich mit 25,3 Punkten pro Spiel zur Topscorer Krone.

Mit großem Interesse dürften auch die New York Knicks das olympische Turnier verfolgt haben. Neben Carmelo Anthony, dem neuerdings mit drei Goldmedaillen erfolgreichsten Basketball-Olympioniken aller Zeiten, durfte das Management die Moves der beiden Neuzugänge Mindaugas Kuzminskas und Willy Hernangomez bestaunen.

Während ersterer seine FIBA-Turnierbestwerte von 10,8 Punkten und 4,5 Assists auflegte, kam der Spanier nicht über 6,6 und 2,7 hinaus. Auf der Center-Position hatte er aber auch den einmal mehr überragenden Pau Gasol vor sich.

Die Spiele in Rio haben eines auf jeden Fall gezeigt. Auch wenn NBA-Owner wie Mark Cuban die Teilnahme ihrer Schützlinge an den Olympics weiterhin kritisch sehen: die NBA-Stars werten das Turnier auch 24 Jahre nach ihrer erstmaligen Zulassung extrem auf. Olympische Spiele ohne Baller aus der besten Liga der Welt wären ein zu großer Rückschritt für die mittlerweile zweitbeliebteste Sportart der Welt.