15 Juli 2016

15. Juli, 2016


von MARC LANGE @Godzfave44

Superteam reloaded?
Im Jahre 2016 scheint sich diese Geschichte zu wiederholen – allerdings mit kleinen Unterschieden. Kevin Durant schließt sich den Golden State Warriors an. Der mehrfache Scoring Champion wechselt zum absoluten Meisterschaftsfavoriten an der Westküste, zu dem Team, das er in den Conference Finals fast besiegt hätte.


Die Warriors haben gerade erst den Regular Season Rekord der Bulls geknackt haben und galten ohnehin schon als ein Superteam. Jetzt heißt es erneut: Unbesiegbar! Das beste Team aller Zeiten! Mehr als 73 Siege! Die Meisterschaft ist bereits entschieden! 

Spoiler: Nein, das ist sie nicht. Nicht nur die 2010/11 Miami Heat und 2015/16 Golden State Warriors haben bewiesen, dass ein Superteam nicht automatisch Titel am Fließband bedeutet. Selbst die jüngere NBA-Historie ist gespickt mit Fällen, die spektakulär scheiterten.

South Beach Superfriends
Sechs Jahre ist es her, als LeBron James seine legendäre "Decision" traf und Cleveland in Richtung Miami verließ. Die Ankündigungen waren gigantisch, die Show und das Drumherum überschatteten alles bisher dagewesene. 

James war sich sicher, mit dem Ensemble Wade, Bosh und seiner Wenigkeit unzählige Meisterschaften nach Florida zu holen. Nicht eine, nicht zwei... Die Euphorie war verständlich, immerhin waren die Heat auf einmal das Superteam in der NBA.  Unschlagbar – zumindest auf dem Papier.  


Es kam bekanntlich anders. In der ersten Saison scheiterte Miami in den Finals am absoluten Außenseiter aus Dallas. Zwar konnte das Trio in den Folgejahren noch zwei Titel gewinnen, die absolute Dominanz und angebliche Unbesiegbarkeit für die nächsten fünf oder mehr Jahre stellte sich jedoch nicht ein. James ging nach vier Jahren in Florida zurück in seine Heimat Cleveland.

Drama in Los Angeles
Das beste Beispiel für ein verkorkstes Superteam sind sicherlich die Lakers aus der Saison 2003/04. Lasst euch das auf der Zunge zergehen: Shaquille O'Neal, Kobe Bryant, Karl Malone, Gary Payton. In einem Team. 

Und der Zen-Meister Phil Jackson auf der Bank. Was kann da schon schiefgehen? So einiges, wie sich herausstellte: Das Superteam gewann "nur" 56 Spiele in der regulären Saison, brauchten fast sechs Monate, um überhaupt in Tritt zu kommen. 


Am Ende erreichten die Lakers zwar die NBA Finals, bekamen dort jedoch in fünf Spielen eine böse Klatsche von den Detroit Pistons. Diese Niederlage läutete übrigens auch das Ende der Shaq-Kobe-Ära in LA ein. O'Neal wurde nach Miami geschickt, Bryant forderte selbst mehrmals einen Trade. 

Knapp zehn Jahre später sorgten die glorreichen Lakers übrigens gleich noch einmal für ähnliche Schlagzeilen, als ein Superteam aus Bryant, Pau Gasol, Steve Nash und Dwight Howard nur mit Ach und Krach mehr als die Hälfte seiner regulären Partien gewann, fast die Playoffs verpasst hätte und dort dann ohne den schwer verletzten Kobe sang- und klanglos weggefegt wurde. 

Der glücklose Barkley
Einer der besten Spieler, die nie einen Ring gewinnen konnten, ist Charles Barkley. Dabei zockte das Rebound-Monster sowohl in Phoenix als auch Houston in starbesetzten Teams. 1994/95 spielten bei den Suns die All-Stars Kevin Johnson, Danny Manning (und wir reden hier nicht von Katastrophen-Manning, der 2001 seine Karriere in Dallas ausklingen ließ) und Dreipunkte-Spezialist Dan Majerle in einer Mannschaft. 

Und eben Barkley, der zwei Jahre zuvor als MVP der Liga ausgezeichnet wurde. Zum Titel reichte es am Ende dennoch nicht (erkennt man hier langsam einen Trend?). Schluss war in den Western-Semis gegen die Houston Rockets. 


Diese schnappten sich Barkley in der übernächsten Saison und stellten ihn an die Seite von Hakeem Olajuwon und Clyde Drexler. Die großen Drei der Rockets starteten mit einem beeindruckenden 21-2-Lauf in die Saison, kühlten jedoch im weiteren Verlauf immer weiter ab. Das Ende vom Lied: Utah kickte die Raketen aus den Playoffs, Drexler beendete seine Karriere und Barkley bekam nie seinen Ring. 

Wiederholt sich die Geschichte?
Wie wir sehen, konnten gleich mehrere Superteams den mega-hohen Erwartungen nicht sofort gerecht werden – einige sogar nie. Wie wird es dann wohl bei den Warriors? Das Gespann aus Oakland ist auf dem Papier die wohl beste Mannschaft der Neuzeit. 

Mit all dem Talent im Kader, wäre alles andere als eine Meisterschaft im ersten Versuch eine absolute Enttäuschung. Der Trend spricht allerdings nicht für Durant, Curry & Co., wie diese Grafik beweist: 


Eine Garantie, dass die Warriors nächste Saison durchmarschieren, geschweige denn den eigenen Regular Season Rekord erneut knacken, gibt es also nicht.

Natürlich kann uns die Todes-Lineup eines besseren belehren. Vielleicht greifen alle Rädchen tatsächlich sofort ineinander und Durant findet auf Anhieb seine Rolle im Team. 

Vor Angst winden müssen sich andere Titelaspiranten jetzt im Vorfeld allerdings nicht. Dafür sind in der Vergangenheit schon zu viele vermeintliche Superteams an sich selbst gescheitert.