05 Juli 2016

5. Juli, 2016


von GERRIT LAGENSTEIN @GAL_Sports

1992 leitete das Dream Team um Michael Jordan, Larry Bird und Co die basketballerische Globalisierung der NBA ein. Vor den Olympischen Spielen in Barcelona spielten nur 21 ausländische Profis in der Association, in der abgelaufenen Saison waren es über 100 aus 37 verschiedenen Ländern. Einige der bekanntesten NBA-Legionäre kämpfen in der kommenden Woche darum, auf den Spuren des Dream Teams wandeln zu dürfen. In Manila, Belgrad und Turin stehen die olympisches Qualifikationsturniere an.

Ein von FIBA (@fiba) gepostetes Foto am

Die gute Nachricht vorweg: Der elende Zwist zwischen der FIBA Europe und der ULEB bleibt für die olympischen Qualifikationsturniere ohne Folgen. Die Drohung des Kontinentalverbands einzelne Länder auszuschließen erwies sich als heiße Luft. Sehr zum Leidwesen der Franzosen. Das deutsche Nachbarland wäre als eine der wenigen großen Nationen nicht von den Sanktionen betroffen gewesen.

Die Equipe Tricolore kann sich trotzdem berechtigte Hoffnungen auf die Teilnahme in Rio machen. Das liegt zum einen am schlagkräftigen NBA-Quartett um Tony Parker, Nicolas Batum, Boris Diaw und Joffrey Lauvergne im Kader und zum anderen an der Auslosung. Als in der Weltrangliste bestplatziertes Team, das sich nicht direkt für Olympia qualifiziert hat, muss der Europameister von 2013 zunächst nur gegen Neuseeland und die Philippinen ran.

Während das erstgenannte Team aus Ozeanien als klarer Außenseiter antritt, ruhen die Hoffnungen beim asiatischen Gastgeber auf Point Guard Jayson Castro (16,7 PPG bei 52 FG% bei der letzten Asienmeisterschaft) und Andray Blatche. Der ehemalige Brooklyn Net mag in der NBA aussortiert worden sein. Bei der WM vor zwei Jahren zeigte der eingebürgerte Blatche jedoch, dass er auf FIBA-Ebene noch eine Macht sein kann. 21 Punkte und 14 Rebounds legte der Center in Spanien im Schnitt auf.

Der Erfolg auf Mannschaftsebene fiel abgesehen vom ersten gewonnenen WM-Spiel seit 40 Jahren gering aus. Bei der Olympia-Quali droht ein ähnliches Schicksal. Außer Frankreich sind auch die Türken um Ömer Asik und Kanada stärker einzuschätzen.

Die Nordamerikaner mussten zwar eine Flut von Absagen (Andrew Wiggins, Dwight Powell, Kelly Olynyk, Nik Stauskas, Andrew Nicholson, Jamal Murray) hinnehmen, mit Corey Joseph, Tyler Ennis, Tristan Thompson und Joel Anthony sind dennoch einige Akteure aus der besten Liga der Welt am Start.


Genau genommen bringt kein anderes Land mehr NBA-Profis an den Start. Doch Quantität ist bekanntlich nicht Qualität. Beim zweiten Turnier in Turin treffen (FIBA)-Scoringmaschinen wie Danilo Gallinari und Marco Bellinelli auf Rising Stars à la Giannis Antetokounmpo oder Mario Hezonja. Neben Italien, Griechenland und Kroatien steigen im Pala Alpitour noch Tunesien, Mexiko und der Iran in den Kampf um das Olympia-Ticket ein.

Wer es mit dem deutschen Basketball hält, sollte dabei den Iranern die Daumen drücken. Denn nachdem die DBB-Auswahl eine Olympia-Teilnahme im vergangenen Jahr in Berlin verspielte, ist Dirk Bauermann die letzte Chance auf eine deutsche Beteiligung in Rio. Der Ex-Bundestrainer heuerte 2015 als Head Coach von Hamed Haddadi und seinen Landsmännern an.

In Turnier Nummer drei kommt es zum Duell der Generationen. Mit Puerto Rico und Angola treffen das durchschnittlich älteste und jüngste Team der Qualifikation aufeinander. Die Japaner sorgen für den nächsten Superlativ. Sie sind mit durchschnittlich 1,93 Meter die mit Abstand kleinste Mannschaft. Dass Länge nicht aber unbedingt Größe bedeutet, beweist nicht nur der derzeitige Trend zum Small Ball, sondern ebenfalls die Wunderzahlen, die Puerto Ricos JJ Barea im Nationalteam immer wieder aufgelegt.


Ob der Maverick sein Land nach Rio führen wird, darf dennoch bezweifelt werden. Gastgeber Serbien ist in Belgrad der klare Favorit. FIBA-Legende Milos Teodosic hat mit ZSKA Moskau dieses Jahr alles gewonnen, was im europäischen und russischen Basketball zu gewinnen gab.

Nun träumt der Aufbauspieler, der stets aussieht als ob er direkt aus dem Bett aufs Spielfeld gefallen wäre, von nichts mehr als seiner Olympia-Premiere. Über 20.000 Fans in der Kosbank Arena werden alles dafür geben, dass es auch so kommt.

Alle Gruppenspiele am 4., 5. und 6. Juli sowie die Halbfinals und Finals am Freitag und Samstag werden auf livebasketball.tv gestreamt.