11 Juli 2016

11. Juli, 2016


von GERRIT LAGENSTEIN @GAL_Sports

In der NBA spielen bis auf wenige Ausnahmen die besten Basketballer der Welt. Die Richtigkeit dieser Aussage wird wohl niemand infrage stellen. In der NBA wird aber auch ganz anderer Basketball gespielt als auf FIBA-Ebene. Wie kamen die Legionäre aus Nordamerika bei den olympischen Qualifikationsturnieren also zurecht? Ganz einfach - sie waren die spielentschiednen Akteure.

Die Herren aus der Überschrift wurden vom Weltverband zu den MVPs der drei Turniere gewählt. Keiner der drei war oder ist in der National Basketball Association bisher ein Star. Dass in Nikola Jokic, Nando de Colo und Dario Saric echte Führungsspielerqualitäten stecken, kann nach der letzten Woche aber nicht bestritten werden. Gerade die beiden Balkan-Baller überzeugten mit einer Sicherheit in ihrem Spiel, die ihnen für junges Alter kaum jemand zugetraut hätte.

Eine Kostprobe gefällig? Nikola Jokic war im Turnier in Belgrad mit 17,8 Punkten bester Scorer, zusammen mit seinem Teamkameraden Bogdan Bogdanovic, dessen Rechte in der Draft-Nacht von den Phoenix Suns zu den Sacramento Kings getradet wurden. Klingt nicht spektakulär genug? Vielleicht helfen die Zusätze "in durchschnittlich 20,4 Minuten und bei 69 Prozent Feldwurfquote." 

Da der 21-jährige Center mit besagten Bogdanovic und vor allem Milos Teodosic keine gänzlich untalentierten Zocker an seiner Seite hatte, verwundert es nicht, dass Serbien sein Ticket nach Rio recht locker gezogen hat. Vier Spiele, vier Siege und eine Punktedifferenz von +84. Hält der Vize-Weltmeister und sein wertvollster Spieler von den Denver Nuggets seine Form, winkt eine Olympiamedaille.


Die würde sich in der Trophäensammlung von Tony Parker sicherlich auch gut machen. Der französische Floor General ist zwar Spitzenreiter in ewigen Topscorerliste der EuroBasket und räumte dort viermal Edelmetall ab. Interkontinental blieb ihm dieser Erfolg bisher aber verwehrt. 2016 dürfte die letzte Chance für den 34-Jährigen sein. 

Doch wo Parkers Effektivität allmählich zu sinken beginnt, scheint der Stern von Backcourt-Partner Nando de Colo immer heller zu strahlen. Der aktuelle Euroleague MVP blühte nach seinen mauen Jahren bei ZSKA Moskau wieder richtig auf und steht vor einem Comeback in der NBA.

De Colo überzeugte auf den Philippinen mit 17,3 Punkte im Schnitt bei 58,5 Prozent aus dem Feld. Für einen Guard, der nur ein Drittel seiner Würfe von Downtown trifft, ein verblüffender Wert. Was Cuts zum Korb angeht, hat der 29-Jährige, dessen NBA-Rechte noch in Toronto liegen, mit Parker über Jahre aber auch einen exzellenten Lehrmeister gehabt. Im Finale des Olympic Qualifiers stoppten die beiden die bis dahin unbesiegten Kanadier mit zusammen 50 Punkten beinahe im Alleingang.


Den letzten Platz für Rio sicherte sich Kroatien. Aus Sicht der Wettanbieter war es die größte Überraschung der vergangenen Woche. Lediglich 1,38 lautete die Quote der Italiener auf der anderen Seite im entscheidenden Spiel. Doch trotz Heimvorteil konnten die Azzurris das Upset im Adriaduell nicht verhindern. 

Der Tip-In von Bambergs Nicolò Melli fünf Sekunden vor Schluss rette Italien zwar in die Overtime, die gehörte aber klar den Balkanjungs. MVP Dario Saric trug mit den kleinen Dingen zum Teamerfolg bei. Hier ein Korbleger, da ein Offensivrebound und schließlich noch ein Steal, als Italien bis auf einen Punkt wieder hätte rankommen können.

Bei all den NBA-Helden der vergangenen Tage sollte nicht unerwähnt blieben, dass es auch Profis aus der nordamerikanischen Profiliga gab, die unter ihren Möglichkeiten blieben. Einer davon war trotz der erfolgreichen Qualifikation Mario Hezonja. 18 Punkte insgesamt in vier Spielen und nur ein Viertel getroffener Würfe sind wenig ruhmreich. 

Giannis Antetokounmpo war durchschnittlich deutlich besser, schwächelte aber zu einem ungünstigen Augenblick. Er traf im Halbfinale gegen Kroatien nur drei seiner 14 Würfe und leistete sich sechs Turnover. Kein Wunder, dass der Greek Freak im Anschluss meinte: „Die Niederlage war meine Schuld. Ich habe nicht den Basketball gespielt, den ich spielen kann.“


Olympia findet also ohne Griechenland, Italien und Kanada statt, dafür aber mit Serbien, Frankreich und Kroatien. Wird eines der Länder oder die schon qualifizierten Teams um Brasilien, Australien oder Spanien den USA die erste Pflichtspielniederlage seit 2006 beibringen? Der August wird es zeigen. Sicher ist nur, dass die Geschichte vom Basketball bei den Olympischen Spielen 2016 erneut von NBA-Cracks diktiert werden wird. Ob USA oder eben nicht...