20 Juli 2016

20. Juli, 2016


In jedem NBA-Sommer gibt es Teams, die definitiv zu den Gewinnern zählen und auch solche, die fraglos der Verliererkategorie zuzuordnen sind. Und dann ist da noch die breite Masse zwischendrin, an denen sich die Geister scheiden. Haben die Verantwortlichen ihren Job gemacht oder nicht? Stehen die Klubs besser oder schlechter da? Die #NBACHEFSQUAD klärt das und beleuchtet die Streitfälle der Eastern Conference.

von NBACHEFSQUAD @nbachefkoch


ATLANTA HAWKS

Re-Sign: Kent Bazemore, Kris Humphries
Plus: Dwight Howard, Jarrett Jack, Malcolm Delaney
Minus: Al Horford, Jeff Teague, Lamar Patterson

Stefan Dupick @hoopsgamede: Die Hawks sind für mich bisher ein absoluter Verlierer des Sommers. Al Horford abzugeben und dafür Dwight Howard zu bekommen ist schon ein großer Verlust, wenn dann auch noch bekannt wird, dass Horford ein Hawk bleiben und Millsap getradet werden sollte, dann kann man nur laut lachen. Mit welcher Motivation geht Millsap nun in die neue Saison? Ach ja, Dennis Schröder, der deutsche Point Guard, bekommt nun den Schlüssel zur Stadt und darf sich als Starter beweisen... good luck, Dennis!

Christoph Lenz @NBAKenner: Es scheint, als sei das Team in etwa auf dem Level der Vorsaison, mit etwas Unsicherheit im Bezug auf die Leistungsfähigkeit, Harmonie und den Einfluss aufs Gesamtpaket durch Schröder und Howard. Das größere Problem der Hawks zeigt sich beim Blick auf die langfristige Vertragssituation. Von 15 Spielern haben nur fünf einen Vertrag für 2017-18, nehmen dabei gut 46% des verfügbaren Gehalts ein. Da der Kader sich nicht verbessert hat, akute Fragezeichen bestehen und auch die Zukunftsfrage nicht geklärt wurde, kann Atlanta diese Offseason nicht wirklich als Erfolg verbuchen. Verlierer!

Gerrit Lagenstein @GAL_Sports: Atlanta muss von nun an ohne seinen langjährigen Starter auf der Fünf auskommen. Mit Dwight Howard scheint defensiv ein adäquater Ersatz gefunden worden zu sein. Vorne wird der selbsternannte Superman aber wohl kaum an Al Horfords Vielseitigkeit herankommen. Gerade der zum Starter beförderte Dennis Schröder könnte darunter leiden. Horford war sein absoluter Lieblingspartner im Pick and Roll. Doch genau das weigert sich Dwight ja seit Jahren zu laufen. An die guten beiden letzten regulären Saisons wird Atlanta nicht anknüpfen können und ist damit ein Verlierer des Sommers.

Jan Wiesinger @WiesiG: Dislike. Dwight ist Zockerei. Dennis ist noch lange kein Jeff Teague. Und mit Al Horford wird die große Konstante im Spiel der Hawks in den letzten Jahren gekürzt. Eine langfristige Perspektive ist vorhanden, aber kurz- und mittelfristig sehe ich hier ein Downgrade. Verlierer!

Daniel Schlechtriem @W14Pick: Die Hawks mussten nach zwei Sweeps in Folge etwas ändern. In Dwight Howard erhalten sie endlich einen qualitativen Shotblocker und Rebounder – in beiden Kategorien waren sie zuletzt wenig elitär. Der Abgang von Al Horford schmerzt jedoch gewaltig und auch Jeff Teague wurde unter Wert verschachert. Die Probleme auf dem Flügel sind vorerst nicht gelöst und werden wegen des bemerkbaren Alters von Kyle Korver nicht besser. Atlanta zählt daher zu den Verlierern.



CHARLOTTE HORNETS

Re-Sign: Nicolas Batum, Marvin Williams
Plus: Roy Hibbert, Marco Belinelli, Ramon Sessions, Brian Roberts, Christian Wood
Minus: Al Jefferson, Courtney Lee, Jeremy Lin, Troy Daniels

Dupick: Die Hornissen zählen aus meiner Sicht zu den Gewinnern. Von fünf Free Agents wurden die beiden wichtigsten gehalten, Nic Batum und Marvin Williams. Der Verlust von Jeremy Lin schmerzt ebenso wenig wie der Verlust von Al Jefferson, lediglich Courtney Lee wäre im defensiven Konzept von Coach Clifford eine gute Ergänzung gewesen. Die Verpflichtung von Hibbert finde ich spannend, auch wenn der Center lange nicht mehr zur Elite in der NBA gehört, so könnte er im bei Clifford eine interessante Rolle einnehmen.

Lenz: Die beiden wichtigsten Spieler gehalten, einen verletzten Spieler zurück, die Abgänge kostensparend und sinnvoll ersetzt und vor allem eine Kultur etabliert, in der gefragte Spieler bereit sind, für weniger Geld in Charlotte zu bleiben. Solche Vorgänge werden im eigenen Team, aber auch rund um die Liga wahrgenommen und können in kommenden Jahren positive Effekte auf die Attraktivität der Organisation aus North Carolina haben. Gewinner.

Lagenstein: Aus der ehemaligen Lachnummer der Liga ist ein Team geworden, das sich berechtigte Chancen auf den Heimvorteil in der Postseason machen darf. Am meisten verblüffte dabei, dass Charlotte dieser Aufschwung ohne einen wirklichen Star gelang. In North Carolina ist es die Breite des Teams, die den Unterscheid macht. Insofern Kompliment dazu, Al Jefferson und Jeremy Lin gehen gelassen zu haben, anstatt sie für teures Geld zu halten. Die Dollars sind bei Nicolas Batum, Marvin Williams und den neuen Rollenspielern besser angelegt. So agiert ein Gewinner der Free Agency.

Wiesinger: Damit kann ich gut leben. In einer NBA, in der Geld ohnehin keine Rolle spielt, ist Batums Verlängerung Gold wert. Hibbert könnte ein interessanter Fit für die Hornets werden. Big AL war schon längst nicht mehr der ALte. Sessions kann durchaus den Lin. Glatte Offseason in Buzz City. Gewinner!

Schlechtriem: Die Abgänge sind namhaft und können angesichts der ohnehin schon ausrechenbaren Offensive nicht ohne weiteres kompensiert werden. Hibbert ist am gegnerischen Korb wirkungslos, Belinelli ohne Gregg Popovich nur die Hälfte wert. Mit den Vertragsverlängerungen von Batum und Williams haben die Hornissen aber alles richtig gemacht und das Maximum aus ihren Möglichkeiten herausgeholt, daher gehören sie knapp zu den Gewinnern. Weitere Feuerkraft, vor allem auf dem Flügel, ist dennoch unerlässlich.



CHICAGO BULLS

Re-Sign: -
Plus: Dwyane Wade, Robin Lopez, Rajon Rondo, Jerian Grant, Isaiah Canaan
Minus: Pau Gasol, Derrick Rose, Joakim Noah, Mike Dunleavy, E'twaun Moore, Aaron Brooks

Dupick: Die Bulls sind kurzfristig einer der Verlierer der Offseason. Die Moves der Bulls erinnern eher an ein Managerspiel, als an geplante Handlungen eines GM. Die Trennungen von Rose, Gasol und Noah sind nachvollziehbar und deuten darauf hin, dass die Franchise auf die Zukunft ausgerichtet werden soll. Wenn im Gegenzug jedoch Rondo und Wade verpflichtet werden, dann stellt sich die Sinnfrage. Wo wollen die Bulls hin und was wollen sie erreichen? In einer NBA in der der Dreier noch nie so viel Bedeutung hatte wie heute, ist ein Backcourt um Rondo und Wade (und Butler) nahezu lächerlich, zumal beide auch in der Defensive nicht viel reißen werden.

Lenz: Beim Rose-Trade und am Draft-Abend wurde der Kader verjüngt und es war scheinbar eine neue Ausrichtung erkennbar. Mit Rondo und Wade hat das Front Office diese Richtung jedoch massiv verändert und wirft mehr Fragen auf als es beantworten kann. Das meistbenutzte Bulls-Lineup 2015-16 versuchte auf 100 Ballbesitze gerechnet fast zehn und traf bei fast neun Prozent schlechterer Trefferquote über vier Dreier weniger als die jeweiligen Gegner im gleichen Zeitraum. Das dürfte sich durch die Addition von Rondo und Wade nicht gerade verbessern. Für ein Team, das sich nach eigenem Selbstverständnis mit sicherem Home Court-Advantage sieht, bleiben viel zu viele Fragezeichen. Verlierer.

Lagenstein: Dass die Ära Rose, wenn es denn überhaupt eine war, beendet wurde – geschenkt! Die letzte Saison hat gezeigt, dass ein Neustart von Nöten ist. Aber was sollen in dieser Hinsicht Dwyane Wade und Rajon Rondo im Roster für 2016/17? Von der fragwürdigen Raumaufteilung, wenn die beiden zusammen mit Jimmy Butler auf dem Feld stehen, mal abgesehen. Inwiefern können Wade und Rondo langfristig nützlicher sein als Rose? „247Sports“ fragte auf Twitter nicht ohne Grund, ob die Bulls auf der Jagd nach einem Titel im Jahr 2011 sind. Fünf Jahre später sieht so ein Verlierer der Offseason aus.

Wiesinger: Alles glänzt so schön neu. Chicago hat seinen Kader runderneuert und das war auch bitter nötig. Die letzte Saison war eine gewaltige Enttäuschung und eröffnete deutlichen Handlungsbedarf auf dem Transfermarkt. Mit den zentralen Additionen Lopez, Rondo und dem Hometown-Hero Wade inklusive seiner Siegermentalität zieht die Hoffnung wieder im United Center ein. Trotz einiger Fragezeichen ein Gewinner der Offseason!

Schlechtriem: Butler, Wade, Rondo... das wäre ein exzellenter Kern, würde der Kalender 2011 anzeigen und stünde Tom Thibodeau noch an der Seitenlinie. Die Bulls wurden offenbar bei ihren Umstrukturierungsprozessen von der eigenen Courage verlassen. Das Resultat ist ein Mischmasch, für dessen Funktionstüchtigkeit eine gehörige Portion Fantasie nötig ist. Interessant ist das neue Gebilde allemal, kompetitiv eher nicht. Der Rebuild wurde um ein bis zwei Jahre aufgeschoben, bis dahin: Verlierer.



MIAMI HEAT

Re-Sign: Hassan Whiteside, Udonis Haslem, Tyler Johnson
Plus: Derrick Williams, Wayne Ellington, James Johnson, Luke Babbitt, Willie Reed
Minus: Dwyane Wade, Luol Deng, Joe Johnson

Dupick: Langfristig hui, kurzfristig pfui! Dennoch ist Miami für mich ein Gewinner des Sommers. Hassan Whiteside bleibt in Miami, das ist die wichtigste Entscheidung. Dafür haben Wade, Deng und Johnson South Beach den Rücken gekehrt, das bedeutet aber auch, dass kein Oldie mit einem zu langen und zu teuren Vertrag ausgestattet wurde. Das Team könnte sich in der kommenden Saison in der Lottery wiederfinden. Pat Riley wird bemüht sein, im Sommer 2017 eine schlagkräftige Truppe zu formen und bis dahin die vorhandenen Talente zu entwickeln.

Lenz: Vieles hängt vom Gesundheitsstatus Chris Boshs ab. Kommt er zurück, hat er ein Team an seiner Seite, das sowohl Topspieler als auch durch kluge kurzfristige Ergänzungen neue Teile zum Ausprobieren hat. So könnte ein Playoff-Team geformt werden. Kommt er nicht zurück sind die Ergänzungen Platzhalter, die 2017 erneuert werden können. Miami hat seinen 2017 First-Rounder und Cap-Space. Die Heat sind gewappnet für einen kurzen Umweg zurück an die Spitze. Die vielen kurzen und niedrig dotierten Verträge helfen um kurzfristig handlungsfähig zu bleiben und gleichzeitig unabhängig von Boshs Status die Weichen für einen potenziellen Angriff im Sommer 2017 zu stellen. Gewinner.

Lagenstein: Wer seinen Franchise-Spieler und zukünftigen Hall of Famer verliert, weil er ein paar Millionen Dollar sparen wollte, gehört definitiv zu den Verlierern der Offseason. Sollten sich die Befürchtungen bewahrheiten, dass Chris Bosh nicht wieder auf das Parkett zurückkehren wird, steht Miami mit ziemlich leeren Händen da. Immerhin Hassan Whiteside konnte gehalten werden. Bleibt nur zu hoffen, dass die Blockmaschine, nachdem sie ihren großen Zahltag hatte, nicht in ein großes Motivationsloch fällt.

Wiesinger: Aua! Mit Wade verlässt die Seele des Teams den South Beach. Auch wenn Riley sich selbstkritisch gibt und die Gründe für dessen Abgang ehrenhaft bei sich selbst sucht, wird die Franchise diesen Verlust in keinem Fall auffangen können. Mit Johnson und Deng verlassen zudem zwei routinierte Profis das Team, deren Abwandern durch die Zugänge ebenfalls nicht kompensiert werden können. Whitesides Verlängerung wäre ohne all diese Schandflecke ein großer Erfolg gewesen, so ist sie Makulatur. Playoffs in Gefahr, Verlierer!

Schlechtriem: Der Abgang Dwyane Wades hinterlässt einen tiefen Graben, den Pat Riley nur mit einer Ansammlung an höchstens Mittelklassetalent füllt – das sind nicht die Attribute eines Gewinners. Immerhin hat South Beach in Whiteside und Winslow ein solides Fundament für die Zukunft, Goran Dragic wird infolge Wades Abtritt mehr offensive Verantwortung erhalten und vermutlich wieder bessere Zahlen auflegen. Dennoch: Selbst mit einem gesunden Chris Bosh fällt es schwer, diesem Team – wenn überhaupt – mehr als die erste Playoffrunde zuzutrauen, daher gehören die Heat zu den Verlierern.



NEW YORK KNICKS

Re-Sign: Lance Thomas, Sasha Vujačić
Plus: Derrick Rose, Joakim Noah, Courtney Lee, Brandon Jennings, Justin Holiday, Willy Hernangomez, Mindaugas Kuzminskas, Maurice Ndour, Marshall Plumlee
Minus: Robin Lopez, Arron Afflalo, José Calderon, Langston Galloway, Derrick Williams, Jerian Grant, Tony Wroten

Dupick: Ich hoffe, dass die Knicks zumindest kurzfristig ein Gewinner des Sommers sind. Sie wollen den direkten Erfolg und gehen dafür sehr große Risiken ein. Sollte dieses Konzept jedoch aufgehen, dann haben die Knicks in der kommenden Saison ein solides Playoff Team. Ich persönlich freue mich am meisten auf das Zusammenspiel unter den Brettern: Noah und Porzingis klingt einfach geil. Ich muss jedoch dazu sagen, dass ich an Noah glaube und davon überzeugt bin, dass der Franzose in der kommenden Saison noch einmal Gas geben wird.

Lenz: „Große Namen, kluge Signings“ könnte der Titel zum Film über die Knicks-Offseason 2016 sein. Nicht auf alle Moves treffen beide Teile dieser Aussage zu, aber vor allem der erste Anzug liest sich deutlich besser als im letzten Jahr. Das erhöht die Chancen wieder relevant zu sein und etabliert dabei einen zweigleisigen Weg, der die Balance zwischen Carmelo Anthony und Kristaps Porzingis sichern könnte. Gewinner.

Lagenstein: So schlecht wie sie viele Knicks Fans machen, sind die Deals für Rose, Noah und Jennings nicht. Dass Geld war durch den Anstieg des Salary Caps da und Porzingis, der einzige letztjährige Knicks-Rookies, für den es sich lohnt Geduld beim Rebuild zu haben, wird schon noch genug Spielzeit bekommen. Warum also die letzten guten Jahre von Carmelo Anthony verschwenden, um Draft-Picks hinterher zu jagen, von denen niemand weiß, was sie bringen werden? Der Mut zu Veränderungen in NYC wird mit der Gewinner-Plakette belohnt.

Wiesinger: Nice, Knickerbockers. Hatte ich vor einigen Wochen im Wat nu' noch gewaltige Fragezeichen gesehen, sind diese durch die Paukenschlag-Moves längst ausgeräumt. Mit Rose und Jennings kommen zwei Guards mit herausragenden Fähigkeiten. Noah bringt eine Menge Energie und Siegeswillen zurück in den Big Apple. Verletzungsanfälligkeit des Trios an dieser Stelle mal komplett ausgeblendet. Alle Abgänge werden zudem durch die weiteren Signings komfortabel kompensiert. Sauber, Phil! Gewinner!

Schlechtriem: Der Radikalwandel geht mit großem Risiko einher, dennoch sind die Knicks nun wieder den Playoff-Aspiranten zuzuordnen und allein das macht sie schon zum Gewinner. Anders als in den Vorjahren muss Melo nun die offensive Hauptlast nicht mehr alleine tragen. Schafft er es, gemeinsam mit Rose auf einen Nenner zu kommen, ist im eher überschaubaren Osten sogar mehr möglich als nur der Kampf um Platz acht.