07 Juli 2016

7. Juli, 2016


Der Stein, der durch Kevin Durants folgenschwere und kontrovers diskutierte Entscheidung ins Rollen gebracht wurde, hatte auch auf die Free Agency der San Antonio Spurs Auswirkungen. Welche? Diese hier...

von TIM SEITTER @Timuslav

Wer ist neu?
Neu am Alamo ist Pau Gasol. Der Spanier kommt als Free Agent von den Chicago Bulls und wird in den nächsten zwei Jahren 30 Millionen Dollar verdienen. Die Zukunft von Altmeister Tim Duncan ist in diesen Tagen unsicherer denn je.

Vor diesem Hintergrund war die Verpflichtung von Gasol bitter nötig. Zwar bringt Gasol nicht die Defensivqualitäten mit, die ein fitter Duncan auch mit 40 noch auf den Court legt, dafür erweitert er das Offensivpotenzial der Texaner ungemein.

Besonders in der Serie gegen die Thunder wurde deutlich, dass die Spurs neben Kawhi Leonard und LaMarcus Aldridge noch eine weitere Offensivkraft auf dem Feld benötigen. Gasol ist auch mit 36 noch in der Lage, eine Offensive zu beeinflussen.

Mit seiner guten Übersicht kann er Spielzüge kreieren und ist zudem effektiv wenn es darum geht Mismatches auszunutzen. Davon konnten sich die europäischen Basketballfans nicht zuletzt bei der EM im letzten Jahr überzeugen, bei der Gasol der beste Spieler des Turniers war.


Dem Spiel der Spurs wird diese neue Offensivkraft guttun, auch wenn sie dadurch etwas an Defensivpotenzial aufgeben. Die vergangene 67 Siege Saison hat gezeigt, dass die Texaner viele Möglichkeiten haben, ihre Gegner in der Defensive vor Probleme zu stellen, jedoch konnten sie offensiv nicht immer mithalten.

Wer ist weg?
Der erste, der seine Koffer packte war David West. Nachdem er letztes Jahr 11 Millionen Dollar auf dem Tisch liegen ließ, um für San Antonio zu spielen, macht er sich nun auf den Weg nach Oakland, um dort sein Glück (einen Ring) zu finden. Bilbo Beutlin wäre stolz. Die Spurs verlieren dadurch eine solide Bankoption.

Schmerzhafter ist der Abschied von Boris Diaw. Der Franzose wurde zu den Utah Jazz getradet, um Platz für Gasols Gehalt zu schaffen. Zuerst die Fragezeichen neben dem Platz: Mit wem geht Coach Pop jetzt Wein trinken? Was passiert mit Diaws Espressomaschine in seinem Spind? Wen nehmen Manu und Patty in Zukunft mit zu ihren Freizeitausflügen?

A photo posted by Patty Mills (@balapat) on

Doch auch basketballtechnisch ist der Abschied ein Verlust. Diaw war für das Ballmovement der Spurs, durch seine klugen Pässe, immer ein Gewinn. Sein Kreativpotenzial wird den Texanern nächste Saison ebenso fehlen wie seine Fähigkeit kleinere Spieler am Perimeter zu verteidigen.

Außerdem konnte der Franzose im Smallball-Lineup der Spurs als Center überzeugen. So auch im einzigen Spiel der letzten Saison, das die Texaner gegen die Warriors gewinnen konnten, bei dem Diaw für Duncan auf der Fünf startete. 

Durch die Verpflichtung von Gasol hatte das Front Office keine Wahl und musste Bobo abgeben. Auch wenn der Move Sinn hat, wird man The Big Croissant am Alamo noch lange vermissen.  

Wer kommt zurück?
Manu Ginobili! Der Argentinier hat eine gute Saison von der Bank hinter sich und will es auch nach Rio noch einmal wissen. Bekannt machte er das Manu-Style auf seiner eigenen Homepage. In San Antonio ist man zu Recht froh über diese Entscheidung, da Ginobili auch mit 39 noch Energie von der Bank mitbringt.


Zwar muss der Vertrag über das Engagement noch ausgehandelt werden, wirklich Zweifel darüber, dass der Veteran sich mit seinem Vertrag wieder in den Dienst der Mannschaft stellt, gibt es allerdings kaum.

Ein dickes Fragezeichen steht noch hinter dem Engagement von Duncan. 'The Big Fundamental' hat zwar seine Spieleroption für die nächste Saison gezogen, doch laut NBA-Experten (Woj), tendiert Timmy eher dazu, seine Karriere zu beenden.

*lie down * try not to cry * cry a lot*

Für die Franchise und das Umfeld in San Antonio hätte ein Karriereende ihres Anführers so einige Konsequenzen. Doch die sind eher sentimentaler Natur. Mit 40+ ließ seine Produktivität auf dem Feld in letzter Zeit immer mehr nach. Verständlich.

Zwar war Duncan in der Defensive durchaus wichtig, doch offensiv stieß er immer wieder an seine Grenzen. Mit Gasol steht der Ersatz schon parat. Eine Liga ohne TD will und kann sich allerdings kein Basketballfan so richtig vorstellen.


Was mit dem Restricted Free Agent Boban Marjanovic passiert und ob Matt Bonner in den Planungen noch eine Rolle spielt, wird sich in den nächsten Tagen entscheiden.   

Was jetzt noch fehlt
Athletik. Die Verpflichtung von Gasol stellt hier zwar eine Verbesserung dar, beheben kann sie die physischen Probleme der Sporen allerdings kaum. Gegen kleinere und schnellere Teams fehlten den Spurs in der vergangenen Saison schlicht die körperlichen Mittel, um auf höchstem Level mithalten zu können. 

Besonders in den Spielen gegen die Warriors und in den Playoffs gegen OKC war das zu sehen. Zum aktuellen Zeitpunkt gibt der Free Agent Markt für den Gehaltsspielraum der Spurs nicht mehr viel her, was dafür sprechen könnte, das Jonathon Simmons nächste Saison eine größere Rolle spielen könnte.

Ein weiteres Problem betrifft das Shooting. Danny Green konnte 2015/2016 seine sonst starke Saison nicht auf seinen Dreier übertragen und traf lediglich 33,2 % seiner Würfe von Downtown. Leonard ist somit die einzige zuverlässige Dreipunkt-Option in der Starting Five der Spurs. Mit 18,5 Dreier-Versuchen pro Spiel teilten sich die Texaner letzte Saison Platz 25 mit den Memphis Grizzlies.

Nach der letztjährigen Free Agency, in der San Antonio den All-Star Big Man Aldridge verpflichten konnte, waren die Erwartungen auch dieses Jahr bei vielen Fans hoch. Mit Gasol wurde für einen möglichen Duncan-Abschied vorgesorgt. Doch die Athletik- und Shooting-Probleme bleiben. 

Natürlich wird San Antonio auch nächstes Jahr mit dem aktuellen Kader eine gute Rolle spielen. Reicht er aber, um die Warriors zu schlagen? Stand jetzt, auf dem Papier, nein. Wenigstens haben das selbe Problem, neben den Spurs, auch noch 28 andere NBA-Teams...