04 Juli 2016

4. Juli, 2016


"Champs don't do that, they just don't!" Namensgeber der Kolumne

von ANNO HAAK @kemperboyd

Burn, Jersey, burn!

Er hat es getan. Kevin Durant hat den LeBron James gemacht. Nicht im Fernsehen, das hier ist 2016. Wir normalsterblichen Seelen verewigen uns in Blogs mit Zugriffszahlen im Fehlertoleranzbereich, Kevin Durant ist Deputy Irgendwas von "THE PLAYERS TRIBUNE". Da erklärt er dann im Bullshitbingoenglisch, warum er nach Golden State geht. Bevor ich zur Sache rante, ganz kurz eine Reihe:

Grow - community - organisation - always in my heart - comfort zone BINGO!

Now here we go:

Explain what, MF?
Zunächst: Ein hochtalentierter Profisportler wechselt den Arbeitgeber. Ich habe keinen Anspruch auf eine Erklärung, Ihr habt keinen Anspruch auf eine Erklärung, niemand hat einen Anspruch auf eine Erklärung. Der Kreis der Leute, denen gegenüber sich Kevin Durant rechtfertigen muss, ist der Kreis, den Kevin Durant auswählt, und sonst niemand.

Er mag Russell Westbrook angetextet haben, vielleicht hat Sam Presti das Vergnügen genossen, in die Gedankenwelt des KDTrey5 eingeladen worden zu sein. Ich weiß es nicht. Was ich weiß, ist dies: Dass wir alle den MVP von 2014 (bzw. seine Agentur) über soziale Medien direkt anpöbeln können, vermittelt keinen Anspruch auf Rechtfertigung, nur die Möglichkeit, diesen unberechtigten Anspruch zu formulieren.

Das gesagt ist die Entscheidung nachvollziehbar. Selbst wenn die Warriors verramschen müssen, was nicht bei drei im Ozean ist und nicht Curry, Thompson oder Green heißt: Golden State ist das bessere Team. Punkt. Absatz. Der Rest ist Geld.

Wenn Jerry West und Co. einen Weg gefunden haben, ihm 27 Mio. $ im Jahr zu zahlen, welchen Grund hat KD dann, einen Wechsel abzulehnen? Welchen? Die weltweite Webirrlichter haute volé hat da ein paar Ideen...

Jordan hätte nie...
Nennen wir es das Barkleyparadoxon. Der nahm LeBron James aus der Konversation um den Größten aller Zeiten. 2010. LeBron James war 25 1/2 Jahre alt. Weil er sich mit Wade und Bosh... muss ich das wirklich hererzählen? Das Argument lautet wohl in etwa: "You beat 'em, you don't join 'em!" Warum? Weil Jordan! Der wäre nie nach Boston zu Larry gegangen.

Wirklich, Freunde, auch wenn ich mich wiederhole: das ist 2016! Was für ein Mumpitz ist das eigentlich? Ich erzähle jetzt nicht davon, dass das Talentlevel pro Team viel höher war, als Larry Legend groß war, weil es einfach ein Drittel weniger Teams gab. Ich rede nicht davon, dass Jordan ein Basketballerleben lang nie Free Agent war und damit nie vor der Entscheidung stand.

Das hier ist Business. Die NBA ist für Spieler eine Liga der Kompromisse. Man will sein Geld, man will Mitspieler, die einem das nicht neiden, man will gewinnen. Der begrenzende Faktor jenseits der menschlichen Natur ist der Salary Cap.

Wenn der Cap zulässt, dass man neben dem besten Dreierschützen der Geschichte, dem kältesten Sidekick des besten Dreierschützen der Geschichte und der besten dritten Option seit... wen auch immer Bill Russell zwei Spots hinter sich hatte, der noch dazu der beste Verteidiger der Liga ist, für ein Jahresgehalt im mittleren achtstelligen Bereich spielt (der Satz ist gleich zu Ende), hätte Jordan das abgelehnt?

"Er hat einen Ring gewonnen, aber bitte beachten Sie die Fußnote." *Fußnote: das war aber eigentlich Stephen Currys Team* Sagte niemand jemals. Und womit? Mit Russell! Kevin Durant wird als Hall of Famer abtreten. Die einzige Fußnote, die zu vermeiden ihn interessiert, ist: "Aber er gewann nie einen Ring!"

Die Chance zur Vermeidung ist in Oakland am höchsten. Das ist das Ende der Geschichte. Die Idee, der Wert einer Meisterschaft bemesse sich an der (mangelhaften) Qualität der Mitspieler, ist so hanebüchen, dass Scottie Pippen lachen würde. Und dessen Humor ist nicht gerade legendär.

Arch Rival
Ja, er geht zu dem Team, das ihm die bitterste Niederlage in neun Jahren beigebracht hat. Ich habe meinen Larry Coon gelesen. Nirgendwo im CBA steht, dass ich als Free Agent nicht zu einer Mannschaft wechseln darf, die meiner Mannschaft gerade eine 3:1-Führung entrissen hat. Was soll das auch für eine (moralische) Regel sein?

Erst mal sind hier keine Erzrivalen. Nirgends. Die Warriors sind überhaupt erst seit 20 Monaten relevant. Die WCF 2016 waren die einzige Serie Thunder gegen Warriors überhaupt. Hier geht kein Isiah Thomas zu den Lakers oder ein LeBron James zu den Celtics. Durant soll die wichtigste Entscheidung seiner Karriere davon abhängig machen, gegen wen er schon mal eine Playoffserie verloren hat?!? San Antonio wäre o. k. gewesen, weil er die geschlagen hat? Das ist mir zu hoch.

"The easy way out!"
Erschießen Sie mich! Jetzt! Es gibt keine einfachen Meisterschaften. Not four, not three, not two, none. Eine NBA-Meisterschaft gewinnt man nach 100 Spielen gegen die 400 besten Basketballer der Welt. Nichts, überhaupt gar nichts an einer NBA-Meisterschaft ist einfach. Schließ Dich mit 14 Hall of Famern zu 15 strong zusammen und es ist immer noch nicht einfach.

Es gibt keinen unverdienten Titel. Es gibt keinen cheat code. Es gibt gute Teams und schlechte Teams, die alle nach denselben Regeln spielen müssen. Die Warriors hatten viel Glück. Der Curryvertrag ist absurd niedrig, der Green-Draft war schauerliches Glück, Klay Thompsons Entwicklung ist "WTF auf komplett neuem Level".

Nur: Die Warriors haben niemandem etwas weggenommen, was ihnen nicht gehörte. Der Weg zum Titel war so hart wie der jedes anderen Meisters und er wird es auch 2017 sein. Es gibt keinen leichten Ausweg.

Hometown Hero
Nein, Durant wird keinen Titel in seine (basketballerische) Heimat bringen. Die Meisterschaft nach Oklahoma zu holen, hätte einen emotionalen Mehrwert gehabt, den er anderswo nicht generieren wird. Das ist am Rande der Esoterik, aber ich bin dabei. Es stimmt und damit wird er leben müssen, was auch immer er wo auch immer gewinnt.

Kann man ihm das vorwerfen? Nein! Kevin Durant war die Thunder und die Thunder waren Kevin Durant. Er hat sich nie beklagt, nicht nach dem Umzug aus Seattle, nicht nach dem Harden-Trade. Er hat dieser Franchise, der Community (BINGO!) und seinem Team alles gegeben.

Die tränenerstickte Rede 2014 hat Maßstäbe gesetzt. In Authentizität und Identifikation mit einem Club, der in Wahrheit nichts als ein schnödes Unternehmen ist. Er hätte das nicht machen müssen. Seine nonexistenten Tradeforderungen wären Beweis genug gewesen.

Die Emotionen sind das eine, die nüchterne Abwägung das andere. Warum hätte er daran glauben sollen, dass OKC im nächsten Jahr fähig gewesen wäre, die Warriors zu schlagen? Welchen Grund hätte er gehabt, Presti und Bennett jetzt zu vertrauen? Was wäre jetzt anders gewesen als 2012, als 2014, als 2016?

Der Ibaka-Trade kann nicht der Grund gewesen sein. Wenn der nicht abgestimmt war, verbrenne ich mein Sonics-Trikot. Aber: Er soll daran glauben, mit Ilyasova und Oladipo statt Ibaka und Waiters ein best of seven gegen Curry und Co. zu gewinnen? Er hat abgewogen, er kam zu dem Ergebnis, zu dem wir alle kommen würden: nein.

Aftermath
Ihr habt keine Argumente, nur Hass und Enttäuschung und die Angst vor Langeweile. Aber zwei Dinge noch:

1: Die NBA wird nächstes Jahr in Tarifverhandlungen gehen. Lockout oder nicht: das strenge(re) Luxussteuerregime ist gescheitert. Starakkumulationen werden damit nicht verhindert. Kleine Märkte werden damit nicht geschützt. Es ist Zeit, das einzusehen.

"Kevin Durant zu den Warriors" ist der absolute Treppenwitz des Lockout 2011. Die Thunder werfen Harden aus dem Fenster, weil Luxussteuer. Jetzt geht Durant (nein, nicht wegen Harden, aber wer weiß, wo die Thunder hingegangen wären mit ihm) und bildet ein Team mit insgesamt vier von fünf All-NBA-Spielern 2016. Was immer die NBA für eine spannende Liga tun will, sie sollte sich etwas Neues ausdenken.

2: Bogut ist weg (Dallas, watup?). Barnes ist weg, Ezeli ist wahrscheinlich weg. Wie sie Iggy halten wollen, ist nicht nur mir ein Rätsel. Die Warriors bezahlen einen hohen Preis für den Coup des Sommers. Also, mein Friedensangebot an Pascal und alle Hater, die nicht Pascals Schreibtalent haben: Auch die Warriors können nur mit einem Ball spielen. Die Rostertiefe ist so tot wie Rajon Rondos Boxscorestats. Die Golden State Warriors werden nicht NBA-Champion 2017.

Burn, Anno, burn.

Fundstück des Tages
You gotta win rings on your own. Like MJ... Keep hatin'!