23 Juli 2016

23. Juli, 2016


*Summertime

von ANNO HAAK @kemperboyd

Fünfzehn ungeordnete Abschlussgedanken zum Ausklang. Ist ja auch schon egal.

1) New York Warriors
Make the Knicks Isiah again!
"Some people" packen die Knicks in die Superteamschublade. Sagt der selbsternannte Anführer der Free-Agent-Klasse 2017. Das kann drei Ursachen haben: Derrick Rose hat Stephon Marbury-Sneakers bei kik gekauft und dran geschnüffelt; Isiah Thomas drückt sich immer noch im Dunstkreis des MSG herum und hat das Ohr des Ex-MVP; oder "Some people" sind der "Freund", der Kontinenzprobleme hat, von dem Verdruckste beim Urologen erzählen.

Der Scholl'sche Hirnschluckauf beschreibt wohl kaum annähernd den Status zwischen den Ohren, den jemand haben muss, der so einen Mumpitz von sich gibt, während er ein Mikrofon unter der Nase hat. Rose ist jetzt verkannter Vierfach-MVP, Besicherer seiner Familie und NYCs drittgrößter Realitätsverweigerer hinter den beiden Commander in Chief Wannabes.

Früher galt 'Chicagos Own' mal als einer der Stillen im Lande. Wäre er es doch geblieben. Doch wie sagen sie so schön? Hätte er geschwiegen, wäre er auch kein Philosoph geworden.

2) LGQTRSEBHR ASG
Where hypocriting happens
Angesichts der Wahlalternativen in der neuen Welt kann man verstehen, dass der Ratschlag, Politik den Profis zu überlassen, dieser Tage gerne überhört wird. Auch die Wertegemeinschaft NBA nimmt das Herz in beide Hände und boykottiert den Transgenderboykottierstaat. Meinen wirklich allerverbindlichsten Dank dafür.

Ein Gesetz, das Leuten vorschreibt, welche Toilette sie zu benutzen haben, ist in jeder Hinsicht ein dermaßen hirnverbrannter Schwachsinn, dass mir fast schon egal ist, wer dabei diskriminiert wird. Ein Boykott ist nur leider die denkbar dümmste Gegenreaktion darauf.

Er schließt erfahrungsgemäß die Hohlkopfreihen, er trifft tausende Leute, die das Gesetz weder verabschiedet noch befürwortet haben, und er ist der falsche Startpunkt. Testspiele in einem Land, das gefühlt jeden Tag mehr Leute hinrichtet als es öffentliche Toiletten in der Arena der Hornets gibt, sind wohl gerade noch o.k.?

Wohl eher gerade noch lukrativ genug, um sich nach einem kurzen Schnüffeln am 1-Dollar-Schein "Wandel durch Annäherung" einzureden. Hier wird an einem kleinen Markt ein Exempel statuiert, um sich besser zu fühlen. Das ist billig, plakativ und leider recht prototypisch für die PR-Arbeit von Adam S.

3) DeJounte Steal
"Who?" *Russell Voice*
Die Liebesaffäre der breiten (Gegen-) Öffentlichkeit mit den San Antonio Spurs kennt inzwischen keine Schamgrenzen mehr. Was die Spurs auch anpacken, wird zu platinummanteltem Gold. Es herrscht öffentliche Berichterstattungskopulation, wohin man guckt.

Den Duncan-Abschied haben sie protokollgerecht über die Bühne gebracht. Glückwunsch dazu. Das ist nur kein Grund, komplett aus dem Sattel zu gehen.

Nun hat die Franchise, die in den letzten neun Jahren so viele Finals gespielt und so viele Titel geholt hat wie die Golden State Warriors, die Boston Celtics, die Cleveland Cavaliers und genau so oft in Runde eins als Nummer eins gegen die Nummer acht ausgeschieden ist wie... äh niemand (einmal mehr als jeder) an Nummer 29 Dejounte Murray gedraftet.

Ein 19-jähriger Point Guard, dessen Namen ich wahrscheinlich falsch geschrieben habe, muss natürlich der Diebstahl der Auswahlrunde sein. Weil Spurs. Junge, Junge.

Das Alamo-Wunderwerk der Clubkultur kann mittlerweile die Rechte an einem litauischen Iltis ziehen und Ihr macht daraus den Finals MVP 2024. Als die Sporen mitten in der letzten Saison den vollkommen abgehalfterten Kevin Martin von der Resterampe klauten, wurde Stephen Curry zum Partyplaner der Spurs'schen Krönungszeremonie im Mai degradiert.

Dieser Fanboi-Klunker ist mittlerweile langweiliger, als die Spurs je waren. Man muss ja aus San Antonio nicht Sancramento machen. Nur könnte man langsam mal erkennen, dass die Spurs einem unverändert völlig überalterten Team in zwei Sommern jede Tiefe genommen und sich selbst zu Kanonenfutter für das neue Superteam aus Oakland gemanagt haben.

4) Planlos im BasketAll
At least we got Rajon Rondo out of it
Gab es eigentlich früher auch so viele verpeilte Franchises? Wahrscheinlich schon, nur hatten sie wohl nicht so viel Spielgeld. Früher war nicht alles besser, aber der Cap war eben niedriger.

Der Kamerad GM in Orlando hat zum Beispiel ein wenig zu viel "You can't teach height!"-Kool Aid getrunken. Das mag eine Spätfolge des Dwightmare, es könnte aber auch angeborene Orientierungslosigkeit sein, Aaron Gordon und Nikola Vucevic zu haben und dem Trio infernale Ibaka, Green und Bismackkk ohne Not ca. 120 Mio. $ zu garantieren.

In Chicago spielen sie nächstes Jahr offenbar mit zwei Bällen und Sactoooown hat mehr Center im Kader als die Summer Clinic von Hakeem. Hätten sie bloß die Telefonnummer von Dejounte Murrays Agenten gehabt.

Dieser Sommer wirft schon Fragen auf. Und darüber, dass Mike D'Antoni in dieser Liga noch immer/wieder einen Cheftrainerjob hat, habe ich noch gar nicht gesprochen. Manchmal, in schwachen Momenten, wünsche ich mir Sam Hinkie zurück.

5) I wanna win
Tagesgeschäft
Und manchmal eben auch nicht. Fünf Jahre sind in dieser Liga eine Ewigkeit. Fragt mal Chris Andersens freie Hautflecken. Deshalb ist die Frage nach dem Gewinner einer Offseason relativ leicht zu beantworten. Dabei geht es eben leider nicht darum, wer Draftrechte im übernächsten Jahrzehnt akkumuliert hat, sondern ob man verdammt noch mal eine bessere Basketballmannschaft hat als im Frühling.

Das ist in New York City mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit der Fall. Wer Rose, Noah und C. Lee für ein Downgrade zu Calderon, R. Lopez und Afflalo hält, hat entweder zu viele D-Rose-Interviews in Dauerschleife gehört oder hält einen Draft Pick zweitausendirgendwas für ein werthaltigeres Asset als Serge Ibaka.

Knicks-Bashing ist ja ein Breitensport geworden, nur ist es damit wie mit dem Sex und Golf: einige der wenigen Dinge, die Spaß machen, ohne dass man es kann.

6) The Full Monty
Drei Arbeitslose und ein Hauch von nichts
Niemand konnte mir bisher schlüssig erklären, warum der Finals MVP von 2016 und Finals MVP der Herzen von 2015 Stand 23. Juli 2016 immer noch keinen neuen Arbeitgeber gefunden hat. Vielleicht sucht er nur keinen, vielleicht gründet er nur gerade ein Chippendale Trio für Einkommensschwache.

*Spotlight auf LBJ* Von rechts haucht ihm ein Maskierter ins Ohr: "Sieh, was Du angerichtet hast!" Er reißt sich das Hemd auf, Knöpfe fliegen durch die Gegend, darunter ein Warriorstrikot mit der 35. Beide tanzen, der Maskierte legt ab: "I'M BORN READY!", kurzer Spagat vom Auserwählten, dann springt J. R. auf die Bühne: "My shirt got no job, either! It's doin' fine!" Zugegeben, eine Choreo wie ein Derrick-Rose-Interview.

7) Mirror
Nxt
Wenn Kevin Durant Brandon Ingram sieht, sieht er in den Spiegel. Das war gut gemeint, aber wie das so ist mit den Wohlmeinenden und denen, die etwas gut machen.

Seit Vince Carter der nächste Michael Jordan war, muss jeder erst mal einen "ist wie"-Satz in den Scouting Report geschrieben bekommen. Da werden dann College-Athleten im zweiten Jahr zum nächsten Kawhi ausgerufen, bevor sie sich zum Draft gemeldet haben.

Nur ist leider nicht jeder, der nicht werfen kann, aber Übersicht hat, der nächste LeBron. Und nicht jeder, dem Kohlehydrate fehlen wie Clay Bennett der Anstand, wird ein real MVP. Lasst doch diesen Schmarrn und die Jungs einfach spielen.

8) Deal
Justise Winslow
Stell Dir vor, es ist Superteam und einer kann nicht hin! Weil Knast. Während Derrick Rose jetzt an die Sacramento Kings und Darren Collisons Herbst der Entscheidung denken würde (wenn er deutsch spräche und das hier läse, BTW: wo ist eigentlich Roman?), meine ich KDDrayFive. Green hat einen Deal!

Das ist mehr als J. R. sagen kann, aber der hat genauso viele Ringe. Wo war ich? Genau, beim Lansing State Journal. Da habe ich gelesen, dass sich der Testikeldrescher des Nasenstübers schuldig bekennt und sein Minutensalär vom 14.07.2016, 16:27 Uhr zahlt (also ca. 560 $), um einer Gefängnisstrafe zu entgehen. Wenn nicht gerade Republikanerparteitag ist, machen die USA schon Spaß!

9) The 90s are dead
Die Knie der Nation
Ihr habt das vielleicht schon mitbekommen: die 90er sind vorbei. Kobe und TD sind schon weg, Dirk dreht vertragstechnisch die Uhr nochmal zurück, aber KG hat Knie.

Mit 40 scheint dann nicht mehr alles möglich zu sein. Bevor einer #PrayForKGsKnee tweetet, lese ich noch ein Kapitel "Bad as I wanna be" und dann ist auch schon Trading Time.

10) Tradekandidaten
Gurkenzeit
Blake Griffin in türkis, Russell in grün, DeMarcus in gold. Schöne neue NBA-Welt. Schon im August wird es soweit sein. Das Herrliche am NBA-Sommer ist, dass er nie vorbeigeht.

Die "Wanted for treason"-Photoshophirnfürze gegen Kevin Durant sind noch nicht ganz gescreenshotet, da gucken schon wieder alle in Danny Ainges Kopf. Das, was da geraunt wird, wären in einem Sommer mehr Superstartrades als in den letzten 15 Jahren zusammen, aber hey, gut, dass wir mal drüber geredet haben.

Für jedes Celtics-Tradegerücht der letzten 18 Monate einen Schnaps und das Leberversagen hätte mir einen NBA-Sommer erspart, in dem Miles Plumlee vierzig Arbeitnehmerlebensdurchschnittsverdienste in vier Jahren garantiert bekommt.

11) Lieblingssignings 
I love this game!
Diese Offseason hat mehr Spaß gemacht als der Großteil der letzten Playoffs. Was auch an den gerne übersehenen Gestalten liegt, die im Schatten von KD und Al H. (#NotJustMad BTW) den Arbeitgeber gewechselt haben. Countdown:

11.3: Brandon Jennings (weil Brandon Jennings)
11.2: Isaiah Canaan (weil Name und weil KJ McDaniels-Gegenpart ohne Mehrwert auf lange Sicht)
11.3: (Rechte an) Chukwudiebere Maduabum (weil Name und weil von den Sixers zum reigning Champ und weil vorletzter Club: Körfuknattleiksdeild Keflavíkur)
Honorable Mention: whoever gets Dion Waiters.

12) Pat dunno best
Minus: Joe Johnson, Luol Deng, Dwyane Wade, Playoffs
100 Mio. $ Vertrag unterzeichnet, der wieder rückgängig gemacht wurde, weil er nicht den Statuten entsprach. Antoine Walker, Gary Payton, Jason Williams akquiriert für eine Glücksmeisterschaft und einen Trümmerhaufen zwei Jahre später. Michael Beasley Russell Westbrook vorgezogen. LeBron James und Dwyane Wade binnen zwei Jahren verloren.

Willkommen im CV des besten Managers der NBA. Das mag ein bisschen arg zugespitzt sein, aber die Schmachtaugen, die Dejounte Murray für einen Steal halten, himmeln in ihrer Freizeit wohl Pat Riley an. So unfehlbar ist der Gefrierbeutelweitwurfchampion Sektion Florida wohl nicht. Aber hey: immerhin ein Date mit Kevin Durant gehabt.

13) Lockout voraus
WIR SIND DIE 49%!
Ich verstehe die NBPA. Ich verstehe die Eigentümer (NICHT: Besitzer im Übrigen, schreibt Euch das mal hinter die Jurisprudenz verachtenden Gehörgangträger). Ich verstehe, dass es um jede Menge Benjamine geht. Ich verstehe, dass Verhandlungen ein Poker sind. Und dann endet mein Verständnis.

Das Dümmste, was man ein Jahr nach dem größten Fernsehvertrag seit den Übertragungsrechten für die Abfahrt der Arche Noah machen könnte, ist sämtliche gewonnenen Sympathien und Kunden wieder zu verspielen, indem man die Lichter ausmacht. Bitte geht nicht all in! Bitte nicht!

Es ist genug da, um Derrick Rose und Familie zu versorgen. Es ist genug da, um Evan Turner 70 Mio. $ zu bezahlen. Bitte macht nicht die Bildschirme dunkel, weil Ihr Euch nicht einigen könnt, ob die Kurzhosen 8,24 oder 8,48 Fernsehmilliarden bis 2022 abgreifen.

Das kann nicht Euer Ernst sein! Lasst es, einigt Euch, heult alle bitterlich, aber leise über den schmerzhaften Kompromiss! Und dann spielt ab 31. Oktober 2017 wieder Basketball, als wäre nichts gewesen.

14) Fazit
 ... gibt es hier nicht. Ich schreibe keine Kindergartenaufsätze über die großen Ferien und deshalb gibt es das hier nicht. Ich könnte sagen: Auf Wiedersehen, aber dann würde ich lügen!

15) Fundstück der Saison
Crying Jordan is over if you want it.