16 Juli 2016

16. Juli, 2016


*"It's the end of the NBA as we know it!" REM

von ANNO HAAK @kemperboyd

Ohlbrecht
...trägt die selbe Nummer wie der heutige Teil und den selben Vornamen wie der Schlafwandler von den Jungferninseln. Der aus diesem Sommer endgültig das Tal der verlorenen Gewissheit gemacht hat. Die NBA als Hort der seelischen Stabilität, als Fels der unabänderlichen Gewissheiten, auf dem man den Körper mit dem Wohlgefühl des Tim Duncan am Zonenrand räkeln konnte, ist unterspült vom Chaos der Veränderung.

Der Jugendwahn einer Liga, die (fast) Minderjährige zu Dollarmillionären macht, ist bei den Fans angekommen. Jetzt können auch 15-Jährige sagen: früher war alles besser. Früher, als Kevin Durant ein Thunder war, als D-Wade ein Heat-Jersey trug, als Horford als Habicht 4life und der Begriff "Superteam" für Chicago galten.

So wird denn der kurz vor der Adoleszenz Angekommene im Herbst dem Mitschüler das Pausenbrot stehlen. Auf die Frage des Jugendrichters, wie es denn dazu habe kommen können, wird er sagen, er reagiere nicht gut auf Veränderungen. Nachts habe er Spurs gegen Lakers eingeschaltet und sein Kobe-Bryant-Authetic-Jersey so lange vollgeschnäuzt, bis es die Form einer Duncan-Radierung gebildet habe. Gnade, Euer Ehren...

Stillstand ist Rückschritt und so, aber echt jetzt NBA, habt Ihr es auch eine Nummer kleiner? Ich bin nicht gerade Monk, aber Veränderung verkrafte ich bestenfalls in homöopathischen Dosen. Mache ich mir Eisbein mit Vanillesauce und erwarte, dass Ihr meine Kochsendung einschaltet? Ich war zwei Wochen weg und Ihr ändert das Antlitz Eures Produkts, als wäre es ein McDonald's M.

Wenn ich nächstes Jahr Bulls gegen Orlando gucke, brauche ich den Payton-Afro als Orientierungsmarke, um das Spiel nicht mit einem Four-Way-Match Miami vs. Thunder vs. Kings vs. X zu verwechseln. Und das alles nach einer Offseason, die mir als ruhiger Übergangssommer annonciert war. Etikettenschwindel war das!


Playin' for BC: Priceless
Nun wäre das ja alles schon schlimm genug. Was aber nun wirklich zu weit geht, ist, dass die Philadelphia 76ers im kommenden Jahr ein Team mit NBA-Talentlevel auf die Platte stellen wollen. Das muss man, das kann man nicht mehr lustig finden. Wenn 30 Teams in dieser Liga gewinnen wollen, ist der Basketball am Ende.


Zum Trost spendet Dario Saric die Pointe des Sommers. Und ich meine nicht die Frisur. Der Guteste soll tatsächlich 460.000 $ gezahlt haben, um nächstes Jahr in Philadelphia Basketball zu spielen. Das ist in den "Leg noch ein Bündel auf den Scheit"-Alltime-Charts gleich hinter "39,99 $ für eine Stadtrundfahrt durch Cleveland", "70 Mio. für Evan Turner" und Antoine Walker.


Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen
Dem Himmel sei gedankt, dass es noch ein paar Menschen gibt, die an den Nuller Jahren hängen wie meiner einer. Eine Zeit, in der sich "Luxussteuer" für einen rumänischen Durchschnittsverdiener mit "rechte Schublade in der Portokasse" übersetzte, Michael Jordan sein Vermächtnis zerstörte und Stephen Jackson auf Tribünen im Palast von Auburn Hills Loyalität schlagkräftig untermauerte.

Nun möchte jener Jackson in eine NBA zurückkehren, in der kroatische Profis Lösegeld für sich selbst zahlen, um Joel Embiid aus der Logenposition beim Basketball spielen zuzugucken. Das ist natürlich eine ganz ausgezeichnete Idee. Wer vor zwei Jahren bei den Clippers (den Clippers!) DNPs sammelte wie Durant Verwünschungen aus dem großen und ehrenwerten Staat von Oklahoma, sollte es unbedingt nochmal probieren. Oder auch nicht. Wie wäre es denn mit den Westchester Knicks?

Ray Allen dagegen finden manche eine gute Idee. Der Mann, der zuletzt einen Basketball in der Hand hatte, als LeBron James ein Finale gegen Tim Duncan verlor (früher war wirklich alles besser) jogge jeden Tage mehrere Meilen, erzählen die Nachbarn. Da hüpft das Herz und verlangt nach einem Sonics Trikot mit der 34.

Kinder, wirklich jetzt. Zwei Jahre nicht mehr organisiert Basketball gespielt. Am Donnerstag wird Jesus S. 41. Zu sagen, der kann in der NBA noch helfen, ist ungefähr so, als würde ein Pornostar mit 30 sagen, ich kann die Biologie-Leistungskursklausur mit 3+ bestehen, weil ich meine Anatomie die letzten zehn Jahre in der Tiefe habe erforschen lassen. (Googlet "Spike Lee" > "Filmographie" > "He got game", Ihr Narren.)


Gerd Schröder, nech
Da schau an, der Herr Kommissar findet Durant in Oakland suboptimal. Ich finde es suboptimal, wenn sich der Comish-Kopp wertend zu einer Wechselentscheidung eines Spielers äußert, aber ich bin auch ein Idiot... und in guter Gesellschaft. Mr. Cuban findet den neuen Superbösewicht unter der goldenen Brücke nämlich gut (für's Geschäft).

Nun ist der Kamerad Selfmademilliardär naturgemäß leicht befangen, hat ihm der Durant-Schwenk Richtung Warriors doch die vierte Möglichkeit in Folge gegeben, einen schon verloren geglaubten Sommer mit namhaften Trostpreisen zu veredeln.

Beck's Howard findet es "diskussionswürdig", ob es gut ist, dass sieben der besten 15 NBA-Spieler bei nur zwei Teams unter Vertrag sind. Das ist eine recht valide Position, wobei ich es eher diskussionswürdig finde, Kevin Love als einen der besten 15 NBA-Spieler zu bezeichnen. Aber ich bin ja auch ein Cuban. Manchmal hilft es, sich auf die Zehenspitzen zu stellen und mit JJ Reddick über den Tellerrand zu gucken:



Fundstück der Woche
Jason Kidd verließ Prime-Duncan für Kenyon Martin, Prime-Dirk für Amar'e und Brooklyn für Milwaukee. Keep Jim Jacksonin'!