01 Juli 2016

1. Juli, 2016


von CHRISTOPH LENZ @NBAKenner

Weniger als einen halben Tag nach Beginn der NBA Free Agency 2016 haben die Los Angeles Lakers noch bis zu 40 Millionen Dollar für die Verpflichtung von Free Agents zur Verfügung (unter der Voraussetzung, dass die eigenen Fans erlöst und die ausstehenden Zahlungen an Nick Young via Stretch-Provision aus den Büchern entfernt werden). 

Das klingt auf den ersten Blick natürlich positiv und ist selbst in diesem Sommer, in dem alle Teams massig Cap Space haben, noch außergewöhnlich hoch. Beim Blick auf die Ausgangslage, die das Team aus der Stadt der Engel vor wenigen Stunden noch hatte (nämlich 66 Millionen Dollar Guthaben) könnte in Anbetracht der Differenzsumme der Schluss gezogen werden, dass die sonnige Stadt und die glorreiche Geschichte der Franchise endlich wieder Wirkung gezeigt haben und ein hochkarätiger Free Agent einen Maximalvertrag unterschrieben hätte. 

Weit gefehlt: Die (circa) 26 Millionen verteilen sich auf die Herren Timofey Mozgov und Jordan Clarkson. Nun ist der Clarkson-Deal kein per se schlechter Vertrag. Die durchschnittlich 12,5 Millionen Dollar, die er in den kommenden vier Jahren verdienen wird können bald schon wie ein absolutes Schnäppchen aussehen. 

Dennoch wirft dieser Vertrag besonders bei einigen NBA-Kennern, die sich mit den Möglichkeiten des regelgebenden Collective Bargaining Agreement (CBA) auskennen, Fragen auf. Clarkson erfüllt nämlich dadurch, dass er ein Restricted Free Agent mit einem oder zwei Jahren Erfahrung in der Liga ist (in seinem Fall zwei) die Voraussetzungen für die 'Gilbert Arenas Provision'. 

Durch diese Ausnahmeregelung hätte er von einem anderen Team einen Vertrag angeboten bekommen dürfen, der nicht wie üblich mit 4,5% jährlicher Steigung anwächst, sondern in den ersten beiden Jahren jeweils mit 5,6 Millionen Dollar gegen den Salary Cap gezählt hätte und in den darauffolgenden ein bis zwei Jahren bis zum Maximum von etwa 23,5 Millionen hätte ansteigen können. 

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Die Lakers selbst dürfen einen solchen Vertrag nicht anbieten, können aber (durch den Restricted Free Agent Status) ein anderes Angebot dieser Art „matchen“. Weshalb wäre ein derart strukturierter Deal für die LA von Vorteil gewesen, wenn er im Endeffekt doch etwa acht Millionen über dem nun unterzeichneten Vertrag liegen würde? 

Ganz einfach: Im Jahr 2017 steht einer der wohl starträchtigsten Free Agent Jahrgänge in der Geschichte der Association zur Unterschrift zur Verfügung, in der die Los Angeles Lakers mit ihrem Selbstverständnis der größten und legendärsten Franchise eine große Rolle spielen wollen und werden. 

Die Arenas-Strukturierung hätte ihnen in diesem weichenstellenden Jahr etwa 7 Millionen mehr in der Kasse gelassen. Alles in allem ist der Vertrag, auf den die beiden Parteien sich nun geeinigt haben sicher nicht schlecht, sondern immer noch gut bis sehr gut zu bewerten, aber auch hier lässt das Front Office den aufmerksamen Beobachter  nicht ohne Fragezeichen auf die Franchise blicken. 

Die Fragezeichen beim Blick auf den Clarkson-Contract sind jedoch erstmal denen vorbehalten, denen oben beschriebene Vorgehensweise bekannt ist. Jedem Gelegenheits-Fan aber, jedem neutralen Beobachter, der die Schlagzeilen zur zweiten Lakers-Unterschrift dieses ersten Tages sieht, stehen bedeutend größere Fragezeichen ins Gesicht geschrieben: Timofey Mozgov. 


Der Center Mitch Kupchaks Vertrauen belegte zuletzt Platz 75 von 76 beim Real Plus/Minus unter allen NBA-Fünfern. Er tritt die Nachfolge von Roy Hibbert an - der belegte Platz 76 von 76 in Sachen Real Plus/Minus). Mozgov durfte sich als Mitglied der Cleveland Cavaliers zwar einen Ring an den Finger stecken, aber sein Beitrag dazu war in einem überraschend schwachen Jahr (das allerdings auch von Verletzungen geprägt war) nahezu verschwindend gering. 

Selbst wenn unter den Entscheidungsträgern der Lakers Glaube daran herrscht, dass seine Zahlen, die allesamt deutlich schlechter waren als in seinem Career-Year 2014/15, wieder auf jene Höhen klettern, ist ein Vertrag von 16,25 Millionen pro Jahr, der ihn über vier Jahre bis ins Alter von 33 Jahren versorgt, sowohl was Laufzeit als auch monetäre Mittel angeht signifikant viel mehr, als es jeder Fan oder Journalist erwartet hatte.

Noch ist diese Free Agency jung und die Lakers haben eigentlich genügend Material (sowohl Cap Space, als auch Trade-Assets) um diese ersten Stunden ihrer Free Agency vergessen zu machen und die Einschätzungen quasi aller Außenstehender zu drehen. To be continued...