08 Juli 2016

8. Juli, 2016


von STEFAN DUPICK @Hoopsgamede

Es ist tatsächlich passiert: Kevin Durant hat sich gegen die Thunder entschieden und für das Superteam in Oakland. Mit KD bei den Golden State Warriors könnte ein Team entstanden sein, welches alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt. Der Shit-Storm ist längst losgetreten. Die Diskussionen darüber, ob die Entscheidung richtig war, werden uns noch eine Weile begleiten.

Wenn sich eine Tür öffnet, dann schließt sich eine andere. Die geöffnete Tür steht eindeutig in Oakland, ein Ort an dem die Sonne nun noch heller strahlt als zuvor. Die sich schließende Tür jedoch, die steht in Oklahoma City. Eine trostlose Stadt mitten im Nirgendwo der USA, die sich in den letzten Jahren zumindest am besten One-Two-Punch der gesamten NBA erfreuen konnte. Diese Zeiten sind nun vorbei.


Die Thunder waren in der abgelaufenen Saison sehr nah dran an der NBA Krone. Der Sieg im Conference Finale gegen die Warriors war bereits eingetütet... dann wieder eben doch nicht. Kevin Durant wechselt nun zu eben diesen Warriors und hinterlässt in Oklahoma brennende Trikots mit der Nummer 35.

Alle Titel-Träume der Thunder sind mit diesem Wechsel geplatzt. KD ist weg, Serge Ibaka ebenso. „Nur“ mit Russell Westbrook, Steven Adams, Enes Kanter, Victor Oladipo und einer Horde von Rollenspielern ist in dieser Liga nichts zu gewinnen. Die Weichen müssen neu gestellt werden. Das Management der Thunder muss sich neu ausrichten, aber was bedeutet das genau?

Oklahoma City ist keine Stadt wie Los Angeles, Miami, New York oder Chicago. Die Stadt versprüht keinen Glamour und ist ganz gewiss kein großer Markt. Der Erfolg der Thunder war immer hart erarbeitet und kam nur zustande, weil die Franchise einige Jahre im wahrsten Sinne des Wortes durch die Scheiße gegangen ist. Durant, Westbrook, Ibaka und zuvor James Harden kamen alle via Draft auf direktem Weg ins Team. Drei von ihnen sind jetzt wieder weg, harte Realität eines Small Market Teams.

OKC ist keine Destination für Free Agents, die Franchise zog im Kampf um begehrte Spieler zumeist den Kürzeren. Jetzt wo KD nicht mehr da ist, wird es noch schwieriger, sich für begehrte Free Agents zu positionieren.

Westbrook ist der Schlüssel
Nun, da Durant die Stadt verlassen hat, blicken alle Augen auf Westbrook. 'Russ' ist nicht nur der verbliebene Superstar und Hoffnungsträger einer ganzen Stadt. Westbrook wird in genau einem Jahr Free Agent sein und kann dann frei darüber entscheiden, wo er ab 2017 spielen will.

Westbrook ist in der Liga begehrt, schließlich hat er sich zu einem der Top-5-Spieler der NBA entwickelt. Er stammt aus Los Angeles und hat dort auch seine College Zeit verbracht, daher liegt die Vermutung nahe, dass es ihn wieder in die Heimat zieht.

Es liegt nun also am Management der Thunder zu entscheiden, was in den kommenden Wochen und Monaten passieren soll. Die Gefahr, auch den vierten und letzten des ehemaligen Elite-Quartetts zu verlieren, ist real. Bei genauerer Betrachtung gibt es lediglich zwei Optionen.

Option A: Westbrook bleibt und verlängert
Eine sofortige Extension des auslaufenden Vertrages wäre GM Sam Presti am liebsten, da diese für sofortige Sicherheit sorgen und einen langfristigen Verbleib Westbrooks sicherstellen würde. 

Diese Verlängerung wird es aber nicht geben, da der Salary Cap nach der kommenden Spielzeit erneut ansteigen wird und Westbrook mit einer sofortigen Verlängerung seines Vertrags somit auf Geld verzichten müsste. Für ihn persönlich macht es keinen Sinn, jetzt zu verlängern. Eine potentielle Vertragsverlängerung nach der Saison wäre deutlich lukrativer.

Es wird in den kommenden Wochen folglich sehr viele Gespräche zwischen Coaches, Management und Westbrook geben, um ihn davon zu überzeugen, den Vertrag nach der Saison zu verlängern. Parallel wird Westbrook auf dem Feld alle Freiheiten bekommen, ein Triple-Double nach dem anderen aufs Parkett zu legen. 

Russ soll sich wohlfühlen, der Leader des Teams sein und die Möglichkeit aufgezeigt bekommen, eine Legende in Oklahoma City zu werden. Sollte Westbrooks Entscheidung gegen eine Verlängerung ausfallen, rückt Option B in den Fokus.

Option B: Westbrook wird möglichst zukunftsorientiert getradet
Sollte Westbrook seinem GM verraten, dass er im Sommer 2017 unter keinen Umständen in OKC bleiben möchte und auf jeden Fall bei einem anderen Team unterschreiben will, dann wird Presti nahezu mit jedem Team in der Liga sprechen, denn dann heißt es ein Trade-Paket zu schnüren, welches den Thunder ausreichend Potential liefert.

Dieses Paket muss den einen oder anderen vielversprechenden Spieler enthalten und mit einigen interessanten Draft Picks angereichert sein.

Teams die einem direkt in den Sinn kommen, sind die Los Angeles Lakers mit einigen Talenten (D'Angelo Russell, Brandon Ingram, Julius Randle) oder die Boston Celtics mit zahlreichen Erst-Runden-Picks (u.a. denen aus Brooklyn für 2017 bzw. 2018) und zudem einigen Assets (Marcus Smart, Jae Crowder, Avery Bradley oder Jaylen Brown).

Auch die New York Knicks, Chicago Bulls, Philadelphia 76ers, Minnesota Timberwolves, Miami Heat oder Indiana Pacers könnten daran interessiert sein, ein Paket für Westbrook zu schnüren.

Eins dürfte sicher sein: wenn es tatsächlich zu einem Trade kommt, dann wird es ordentlich knallen, denn dieser Trade kann am Gleichgewicht in der Liga rütteln, speziell wenn Westbrook in den Osten der Liga verschifft werden sollte.

Ebenso klar ist jedoch auch, dass ein Trade nur zustande kommt, wenn Presti weiß, dass Westbrook nicht verlängern wird und das aufnehmende Team davon überzeugt ist, dass Westbrook aufrichtiges Interesse daran hat, dort zu verlängern.


Die (nahe) Zukunft
Bei allen Diskussionen und Spekulationen wird gerne vergessen, dass die Thunder mit dem aktuellen Team nicht im Niemandsland der Tabelle verschwinden werden.

Eine Starting Five mit Westbrook, Oladipo, Roberson, Kanter und Adams, ergänzt um Cameron PayneDion Waiters, Ersan Ilyasova, Mitch McGary und Domantas Sabonis von der Bank, wird auch im starken Westen der NBA ein ziemlich sicheres Playoff Ticket buchen können. Natürlich sind die Thunder ohne KD kein Contender mehr, aber für einen Platz in den Playoffs wird es reichen.

Ein potentieller Westbrook-Trade dürfte nicht zeitnah über die Bühne gehen. Es kann sein, dass es diesen erst während der Saison gibt. Daher sollte der Thunder-Fokus aktuell eher auf der Free Agency liegen. Es sind noch einige Namen auf dem Markt, bei denen auch die Thunder, jetzt wo Durant weg ist, noch einmal aktiv werden könnten. 

Je besser der Kader, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass Russ in OKC verlängert. Oklahoma City ist und bleibt ein spannendes Pflaster für Gerüchte und Spekulationen.