23 Juni 2016

23. Juni, 2016


Tis the trade season. Wenige Tage vor der Draft, wenige Tage nach den Finals beginnt die diskutabelste Zeit des Jahres. Wir werfen den Blick aus der orangenen Küche direkt in den Speisesaal der Vertragsverschiebung. Heute: Atowowowon.

von ANNO HAAK @kemperboyd

Ausgang
Der Umbau in Atlanta ist vorhersehbar wie Regen in Hamburg. Man weiß, er würde früher oder später kommen. Man hat aber keinen Schimmer, wie er aussehen wird, oder wie schmutzig er ist. Horford wird FA, genau wie im kommenden Jahr Millsap, Korver und...Jeff Teague.

Um Letzteren gab es bereits zur Deadline Spekulationen, bis die Abzugshaube der Gerüchteküche entnervt aufgab. Klar aber war: die Spielmacherzukunft in Atlanta ist schwarz-rot-blond, weshalb man für den Starter auf der Eins in diesem Sommer nach einem Abnehmer suchen würde.

Die Pacers wollen so anders Basketball spielen als bisher, dass sie nicht nur binnen 18 Monaten den Fast-Eastern-Conference Champion 2014 nahezu komplett demontierten, sondern auch den 65 %-Trainer vom Hof jagten. Larry Bird hat andere Pläne als Vogel.

Utah ist gefühlt irgendwie immer nah dran an den Plätzen, die die Welt bedeuten, der letzte Schritt aber will nicht gelingen. Das Problem verortete man trotz (oder wegen?) Dante Exum offenkundig auf der Spielmacherposition und schnüffelte schon länger durch die Liga auf der Suche nach schmackhafter Trade-Wurst, im Februar auch an Jeff Teague.

Die Bestellung
E. Teague telefoniert nach Hause und verdrängt George Hill an den Salzsee, von dort wandert in einer klassischen Drei-Team-Polonaise der 12. Draft Pick heute Nacht nach Atlanta.

Pacers
Indiana holt einen verlorenen Sohn zurück. Der gebürtige 'Poliser soll die muckelige Offense, deren Charme sich selbst Hardcorehoosiers nicht erschließen wollte, auf Vordermann bringen. Teague ist da die logische Birdwahl.

Er ist günstig (deutlich unter 10 Mio. $ Jahressalär sind für einen der besten 15 Point Guards der Liga ein unfassbarer Schnapper), skandalfrei wie J. R. Smith in Cleveland und sein ohnehin bescheidener Vertrag läuft nur noch ein Jahr.

Als sekundärer Ball Handler kann er das bisweile überforderte Mädchen für alles, Paul George, entlasten, defensiv ist er solider Durchschnitt. Solide genug jedenfalls, um in den richtigen Schemata von Schleifer und Verteidigungspapst McMillan nicht negativ aufzufallen. Aus Atlanta ist er eine schnelle, ballbewegende Offense gewohnt, der ins noch leicht schummerige Bild von Birds run and gun Offense 2.0 perfekt zu passen scheint.

Mit Teagues Verpflichtung, der seine Bird rights (ist das nicht schön) und dank des kurzen Deals Flexibilität mitbringt, ist Phase eins des ganz großen Umbruchs in Hoosier Town abgeschlossen. Bird ließ seit dem Katastrophenbeinbruch von Franchise Player George keinen Stein auf dem anderen. Von der 2014er Lineup, die "of death" zu sein schien, bevor man den Terminus kannte, ist nur noch PG13 übrig.

Jazz
Tja, Demolition Man als Erbe von John Stockton. Auf die Idee muss man erst mal kommen. Hill bringt sicher Playoff-Gravitas und den guten Spirit in den Umkleideraum in Salt Lake City, aber seine besten Zeiten sind ein paar Tage her und selbst die besten Zeiten...naja, sagen wir, LeBron war noch in Miami.

Hill (Karriereschnitt in Sachen Assists 3,3) schien schon länger ein Spotup-Zweier im Körper eines Einsers zu sein. Neben Burke (irgendwie gar nichts) und Exum (nichts halbes und nichts ganzes) ist er der dritte Backcourt-Hermaphrodit. Er mag als Mentor des unsteten Burke fungieren und in der Crunchtime seine Conference Finals-gestählte Ruhe einbringen. Der Vertrag ist günstig und läuft ebenfalls nur noch kurze Zeit. Der große Sprung nach vorne ist er nicht.

Hawks
Die Hawks haben hier einen stattlichen Hinkie gebaut. Für einen 2015er All Star einen Erstrundenpick jenseits von Position zehn zu ergattern, ist eher meh. Es mag die Angst aus mir vor dem totalen Abriss sprechen, aber was - außer wenn alle Götter gute Laune haben, Labissiere - soll das bringen?

Die Fanboys verweisen darauf, dass Teague mit dem 19. Pick kam, und auf Draymond Greens Position irgendwo in den Dreißigern. Das ist ein argumentativer Schlag in die Eier. Wen immer man in dieser nicht umsonst gerne als "Zwei-Mann-Draft" bezeichneten Auswahlrunde 2016 findet, wird Jahre bis zum Impact brauchen.

Man spart Geld, ja. Glückwunsch dazu! Um damit eigentlich was genau zu machen? Das Homecoming der selbsternannten Championrakete wäre ein Alptraum. Durant, der fabulös passen würde, ist realistisch wie Derrick Rose in New York. Ach, so...alles klar.

Die Rechnung, bitte!
Einen Trade gewinnt, wer den besten Spieler ergattert. Insofern zitiere ich Larry Bird vor einem Drei-Punkte-Contest: "Wer von Euch wird denn heute Zweiter?"

Wenn die Hawks an 12 einen Spieler finden, der ins System passt und eine Schröder'sche Entwicklung nimmt, ist es Atlanta. Und das wird passieren. In Utah scheinen sie die eigene Geschichte nicht zu studieren. Magic hätte ein Showtime Jazzer sein können.

Vorteil: Pacers