22 Juni 2016

22. Juni, 2016


von ANNO HAAK @kemperboyd

Bird (3 Tage Larry x 3)
Es ist der dritte Tag in einer Welt, in der die Cleveland Cavaliers NBA-Champion sind. Die Welt hat nicht aufgehört, sich zu drehen. Und wohl deshalb dreht sie schon über die Frage frei, warum Simmons keine Workouts mag, und ob Rosen in New York blühen. Doch Lowe knows best.

Noch bin ich nicht bereit, die Finals abzuhaken. Das ist, worum es geht. Das Gold von Larry O' B., nicht Diskussionen über Spieler, die noch ein halbes Jahrzehnt vor sich haben, bevor sie ein Team positiv beeinflussen. Es muss Zeit sein, noch ein Mal den größten Spieler seiner Generation abzufeiern. James. LeBron James. Dreimaliger Champion.

Verräter, Heiland, Tränen
Die Sirene trötet, die Schleusen gehen auf. Das Wasser fließt, alles muss raus. Der Druck wird entlassen auf das heilige Parkett des stärksten Teams der Geschichte von regulären NBA-Saisons. 52 Jahre wartet Cleveland, ein Viertel davon ruhen die Hoffnungen nur auf ihm. Die Hoffnungen, er möge aus #TheLand das gelobte selbige machen.

Vier Jahre davon trägt er ein Brandmahl unter der Tattoo gewordenen Selbstüberschätzung: Verräter, LeQuit, Witless, Art Modell für Einkommensschwache. Die Menschen, von denen er sagt, der Titel sei für sie, pfeifen ihn aus, wie sie, schon immer begabt zur Leidenschaft, nie einen Spieler ausgepfiffen haben, damals im Winter 2010.

Nur enttäuschte tiefe Liebe kann so grundehrlichen Hass gebären. 15 Minuten schlecht inszenierte Show machen aus Paulus Saulus, aus dem König der Stadt einen charakterlichen Bettler, aus dem Auserwählten einen Judas. James. LeBron James. Miami Heatle.

That was the decision I woke up with this morning
Ich war immer James-Fanboy. Nicht wegen seines Talents, das haben andere auch, also nicht seins. Der Hybrid aus einem Hochspringer, einem Bodybuilder ohne Steroide, dem Basketball-IQ und der Teamfähigkeit war immer unfair. Als hätte ein Bildhauer diese unkaputtbare Mixtur aus Bändern, Sehnen, Spannweite und Muskeln geschaffen.

Das Beste aus vier Generationen NBA. Die Länge von Russell, die Athletik von MJ, den Laserblick von Magic, die Uneigennützigkeit von Steve Nash. Ein Oscar Robertson der Moderne. Mit dem Arbeitsethos einer Biene.

Wer das nicht schätzen konnte, wer durch die Magnitude des Einzigartigen hindurchblickte auf das fraglos überbordend erscheinende Ego, hatte keine Ahnung vom, jedenfalls aber keine Liebe zum Basketball. Dachte ich und wurde auf die Probe gestellt. Diese Fernsehshow war so bizarr, so abwegig, so drüber. Es war ein grauenhaft anzuguckender Akt der Selbstüberschätzung, eine Farce. Die Hater schienen so recht zu haben, dass ich fast bei Charles Barkley gewesen wäre.

Nicht weil er inhaltlich Recht gehabt hätte. Die Entscheidung war nachvollziehbar, das Drama ihrer Verkündung, in Wahrheit eine Soap ohne Drehbuch, für die er sich einspannen ließ, war es nicht. Ich bin nie in Cleveland gewesen, ich kenne keinen Menschen, der da je gelebt hat. Die Enttäuschung konnte ich komplett nachvollziehen.

Bis ich Robertson sah und hörte. "A class by himself", sagte er und ich wusste, das ist nicht nur Oscars Lust, gegen den Strom zu schwimmen. James. LeBron James. Von Robertson Auserwählter.

Sechs Jahre von Entscheidung zu Erscheinung / The block
Aber es geht hier nicht um meinen Fanboystatus. Der ist gut belegt, wenn Ihr zu suchen willig seid (und wenn nicht, hier ist er eingeräumt). Es geht um die Anerkennung von Größe. Größe eines Menschen, ok eines Sportlers (wir reden hier nicht von Nelson Mandela oder einem Medikament gegen Krebs), der mit 18 Multimillionär war und nie aufhörte zu arbeiten, auch wenn der Wurf bis heute nicht fällt. Der nie aufhörte zu träumen.

Detroit 2007 war nicht steigerbar, Boston 2012 war nicht steigerbar, Oakland 2015 war nicht steigerbar. Wer ist als Vizemeister the real Finals MVP und setzt ein Jahr später die Kirsche auf die Sahne? Es gibt "The shot" (in Cleveland, wo sonst?). Es gibt "The last shot". Es gibt "The block".

Iguodala sieht den Leger schon in den Maschen. Gefühlt 8,50 Meter mit zwei Schritten, Stirn auf Ringniveau und Splitter ist nur noch der zweitgrößte Möchtegernposterboy. In dem Moment wusste ich, das Märchen hat ein glückliches Ende.

In dem Moment wusste ich, er würde den entscheidenden Wurf jemand anderem überlassen. Es war typisch für jemanden, der immer Oscar und nie MJ sein wollte, der früher verstand als alle anderen, dass ein Spiel durch mehr beeinflussbar ist als Scoring.

"The dunk" wurde verhindert, nicht aber dass man die historische Performance von Draymond Green im größten Spiel des Jahres vergessen wird. Ich habe so etwas nie gesehen. Es war schlechter Basketball. Über Minuten. Ich werde sie nie vergessen.

Ich habe Basketball durchgespielt. Es gab drei Dinge, von denen ich sicher war, dass ich sie nie erlebe. Einen Kobe-Rücktritt, einen Iverson , der in Würde altert, und eine James-Meisterschaft in Cleveland. James. LeBron James. Promisekeeper.

"It's about damn time."
...sagte er bei Stuart Scott (RIP) im Trikot der Heat. 2012. Cleveland, Ihr werdet das hier nie lesen, LeBron, Sie werden das hier nie lesen, geschweige denn verstehen, Montag 20. Juni 2016, 4:40 Uhr morgens, zwei Stunden Schlaf, 10 Stunden Arbeit vor der Brust, und ich empfand nichts als ehrliche Freude darüber, dass ein 73-Siege-Team besiegt wurde.

Nach 1:3. In den Finals. In Spiel 7. Zu Hause. Mit einem Triple Double. Wir werden unseren Kindern vom 19.06.2016 erzählen. Es war an der Zeit. Drei Tage ist das her. Und dann ist auch schon Draft. James. LeBron James. Top Pick 2003.