22 Juni 2016

22. Juni, 2016


Die Schwergewichts-Franchises machen den NBA-Titel unter sich aus, während andere Klubs die Saison 2015/16 längst abgehakt haben und optimistisch/pessimistisch in die Zukunft blicken (müssen). Wir röntgen in unserem gewohnten 30er Split alle Teams, analysieren ihre Situation und prognostizieren den bevorstehenden Sommer. Heute: die Oklahoma City Thunder.

von STEFAN DUPICK @Hoopsgamede

Saison 15/16
Die abgelaufene Saison 2015/16 wird in Oklahoma City mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachtet werden. Die reguläre Saison wurde mit einer Bilanz von 55 zu 27 Siegen auf einem guten dritten Platz im Westen beendet, allerdings deutlich abgeschlagen hinter den Warriors und Spurs.

Das große Erwachen kam dann jedoch in den Playoffs. Auf einen zu erwartenden 4-1 Sieg gegen Dirk Nowitzkis Dallas Mavericks folgte ein überraschend deutlicher 4-2 Sieg gegen die hochfavorisierten San Antonio Spurs.

In den Conference Finals gab es dann eine an Brisanz kaum zu überbietende Serie gegen den Titelverteidiger aus Golden State. Als Außenseiter in die Serie gestartet, hatten die Thunder die Warriors mit einer 3-1 Führung am Rande der Niederlage, mussten sich aber in sieben Spielen am Ende doch noch geschlagen geben.

Beeindruckend waren in den Playoffs neben den starken individuellen und kollektiven Leistungen der Stars und Rollenspieler vor allem auch die Team-Chemie und der Umgang von Westbrook und Durant mit den Medien und miteinander.

Nach einjähriger, verletzungsbedingter Playoff-Abstinenz und trotz vieler Umstellungen gegenüber all den Jahren zuvor - inklusive einem Rookie-Coach an der Seitenlinie - hat sich Oklahoma City mit Nachdruck unter den größten Titelfavoriten der NBA zurück gemeldet. Diesen Status werden die Thunder auch in Zukunft innehaben.


Offseason Agenda
In Oklahoma City tragen die Ziele eins, zwei und drei alle den gleichen Namen. Es geht hier in erster Linie natürlich einzig und allein um die Verlängerung mit Megastar Kevin Durant. 


Durch den ansteigenden Salary Cap kann fast jedes Team in den kommenden Wochen im Kampf um Durant mit in den Ring steigen. Daher wird es für die Thunder kein Selbstläufer, KD zu halten. Die anderen Interessenten werden alles dafür tun, Durant von einem Wechsel zu überzeugen.

Dank sehr erfolgreicher Playoffs und dem exzellenten Team-Spirit in OKC ist die Wahrscheinlichkeit jedoch gestiegen, dass der Small Forward in Oklahoma bleibt und seinen Vertrag zumindest um ein weiteres Jahr verlängert. Alle Signale deutete ohnehin schon immer darauf hin.

In 2017 würden Durant und Westbrook dann zusammen zu Unrestricted Free Agents werden, die beiden Stars könnten dann gemeinsam über Ihre Zukunft entscheiden. Bis dahin könnten sie in der bekannten Konstellation einen weiteren Run auf die NBA Krone starten.

Abhängig davon, was mit Durant passiert und wieviel Geld eine Verlängerung mit ihrem Topscorer verschlingt, können und wollen die Thunder außerdem ihre Löcher in der Startformation (Wing) und auf der Bank (Backup-Big) stopfen.


Personal
Im Schatten der Personalie Durant gibt es für die Verantwortlichen der Thunder noch ein paar weitere Fragen zu klären. Die erste Personalie, die dabei auftaucht, ist Dion Waiters. Der Shooting Guard spaltet die Massen, denn einige sehen nach wie vor sehr viel Potential im 24-Jährigen, andere halten ihn für vollkommen überbewertet.

Sollte Durant in OKC bleiben, dann wird eine auch eine Verlängerung Waiters' ziemlich wahrscheinlich, da der nötige Cap Space fehlt, um einen anderen guten Spieler zu verpflichten. Die Thunder könnten Angebote anderer Teams mitgehen und Waiters behalten, da er Restricted Free Agent ist.

Eine weitere Personalie ist Anthony Morrow. Sein Vertrag für die kommende Saison ist nicht garantiert, seine Saison war eher schwach. Allerdings ist Morrow mit knapp 3,5 Mio. $ ziemlich günstig und zudem ein Freund von Durant - beides Argumente dafür, dass Morrow weiterhin einen Platz erhält um den Kader aufzufüllen. Seine Fähigkeiten als Scharfschütze können nach wie vor wichtig sein.

Zwei weitere Spieler, mit denen im Sommer Verhandlungen anstehen könnten, sind Steven Adams und Andre Roberson. Beide haben in den Playoffs auf sich aufmerksam gemacht und befinden sich noch in ihren Rookie-Verträgen, die im nächsten Jahr auslaufen. Das Management der Thunder wäre gut beraten, zeitnah über eine Extension nachzudenken. Vor allem Adams hat sich als unverzichtbar entpuppt.


Der größte Bedarf in Oklahoma herrscht hinsichtlich guter Schützen. Three & D Spieler wachsen leider nicht auf Bäumen, Spieler wie Courtney Lee oder Kent Bazemore dürften im Sommer heiß begehrt sein. 

Möglicherweise wäre ein Gespräch mit dem Management des FC Barcelona eine Alternative, denn dort spielt der 22-jährige Alex Abrines, der in der abgelaufenen Saison die Euroleague Rising Star Trophy gewonnen hat. Abrines gilt als guter Schütze, die Thunder besitzen weiterhin seine Rechte. Allerdings hat der junge Shooting Guard noch mehrere Jahre Vertrag in Barcelona und müsste teuer herausgekauft werden.


Draft
Nach aktuellem Stand passiert im Draft für die Thunder gar nichts. Der Erstrunden-Pick wurde im Waiters-Deal abgegeben, der diesjährige Zweitrunden-Pick wurde später im Trade für Randy Foye nach Denver verschifft. Ein Trade in den Draft hinein ist aktuell auch eher unwahrscheinlich.


Kohle
Die Thunder verfügen aktuell über knapp 25 Mio. $ an Cap Space. Ein rein theoretischer Wert, denn bei einer angestrebten Verlängerung von Durant würde davon bereits nichts mehr übrig bleiben. Allein die Holds für Durant, Waiters und Foye verschlingen mehr als 40 Mio. $, OKC ist damit weit über dem Cap.

Auch eine Verlängerung mit Waiters wird interessant. Waiters ist RFA, somit können die Thunder für den Shooting Guard über den Cap gehen. Gleiches gilt für die angedachten Verlängerungen von Roberson und/oder Adams, die allerdings erst später in Richtung neuer Saison erfolgen werden. 

So oder so steht fest: Oklahoma City verfügt als eines der wenigen Teams in diesem Sommer über nicht genügend Mittel, um auf dem Free Agency Markt aktiv zu werden. Außer mit kleinen Deals zu minimalen Beträgen wird es General Manager Sam Presti unmöglich sein, den Kader zu verstärken. Solange Durant aber seine Unterschrift unter seinen neuen Deal setzt, ist das in OKC allen ziemlich egal. 


Zukunft
Die Zukunft steht und fällt mit Durant. Sollte der Superstar gehen, dann muss natürlich der große Umbruch eingeläutet. In dem Fall wären die Thunder als Championship-Mitanwärter Geschichte, es würden große personelle Veränderungen folgen.


Sollte Durant langfristig verlängern und einen Multijahresdeal unterzeichnen, dann ist das für die Thunder ein Schritt in die richtige Richtung, denn diese Verlängerung könnte auch als Wegweiser für Russell Westbrook im nächsten Sommer dienen.

Sollte Durant jedoch nur für ein Jahr verlängern, dann ist das Chaos nur aufgeschoben, denn dann werden Durant, Westbrook und Ibaka in 2017 zu Unrestricted Free Agents und die Jagd auf die Thunder-Stars ist so richtig eröffnet. Auch für die Saison 2017/18 ist ein Anstieg des Salary Caps prognostiziert. 

Es ist und bleibt also weiterhin spannend in Oklahoma City, wo sportlich überhaupt kein Grund zur Panik besteht. Solange Durant und Westbrook dasselbe Thunder-Trikot tragen, ist dieses Team weiterhin mittendrin statt nur dabei im Titelkampf.