21 Juni 2016

21. Juni, 2016


Die Schwergewichts-Franchises machen den NBA-Titel unter sich aus, während andere Klubs die Saison 2015/16 längst abgehakt haben und optimistisch/pessimistisch in die Zukunft blicken (müssen). Wir röntgen in unserem gewohnten 30er Split alle Teams, analysieren ihre Situation und prognostizieren den bevorstehenden Sommer. Heute: die Boston Celtics.

von PETER DREWS @PeterDrews1990

Saison 15/16
Dieses Jahr sollten es wieder die Playoffs in Indianapolis werden. Wer erinnert sich nicht, an die Conference Finals im Osten gegen die Miami Heat? Paul George gegen LeBron James, das ist es, was die Leute sehen wollen.

Leider wurden wir enttäuscht. Allerdings nicht in der Annahme, dass die Pacers die Postseason erreichen. Nach einem Jahr Abstinenz zog Indiana als siebtbestes Team in die Playoffs ein und musste sich dort nur knapp in sieben Spielen gegen die Toronto Raptors geschlagen gegeben.

George verpasste nach seiner Horroverletzung vor zwei Jahren nur ein Spiel in der gesamten Saison und ist ohne Frage der Anführer dieser Mannschaft. Nach dem dreifachen All-Star wird die Luft allerdings dünn. Vor allem im Spielaufbau klaffte bei den Pacers eine gewaltige Lücke.


Der ehemalige Maverick Monta Ellis schaffte es nicht, in seiner ersten Saison zu zeigen, dass er die Offensive der Pacers verstärken kann und elf Millionen Dollar im Jahr wert ist. Der Versuch, mit Ty Lawson in der Offensive auch nur irgendetwas zu bewegen, darf getrost als gescheitert abgetan werden. Durch diese Lücke im Spiel von Indiana lag noch mehr Last auf den Schultern des zukünftigen 2K Cover Star PG13. Das wurde vor allem in den Playoffs überdeutlich.

Prunkstück der Mannschaft war ganz klar die Defensive. Coach Frank Vogel hat aus der Mannschaft ein regelrechtes Defensivmonster geschaffen. In der abgelaufenen Saison erzielten die Pacers das drittbeste Defensivrating der Liga. Zudem wurde George ins NBA All-Defensive Second Team gewählt. 

Kurz nach dem Ausscheiden aus den Playoffs kam die überraschende Nachricht, dass Head Coach Frank Vogel die Pacers verlassen wird. Wie mittlerweile bekannt ist, zieht es ihn nach Florida zu den Orlando Magic. 


Offseason Agenda
Möchte Larry Bird seine Pacers bis in den Mai 2017 spielen sehen, hat er im Sommer einiges vor der Brust. Der Kern der Mannschaft steht. Es ist kaum nötig zu erwähnen, dass die Mannschaft rund um George aufgebaut wird. Wie allerdings die Baustellen im Kader geschlossen werden, ist noch ein Rätsel.

Mit Myles Turner konnte Bird im letztjährigen Draft an elfter Position durchaus einen kleinen Steal tätigen. Der Rookie kann mit seinen 2,11 Metern auf beiden großen Positionen spielen, bietet dadurch Lineup-Flexibilität und passt perfekt in die defensive Identität der Pacers, die sich vermutlich auch unter Neu-Coach Nate McMillan nur minimal verändern wird.

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Free Agents tummeln sich in diesem Sommer genug herum. Hier muss das Augenmerk ganz klar auf einem erfahren Point Guard liegen. Einer, der diese Erfahrung mitbringt, ist Mike Conley. Allerdings fühlt dieser sich in Memphis wohl und würde wohl gerne dort bleiben. Falls Indiana aber eine Chance hätte, ihn zu einem Gespräch einzuladen, dann muss Bird all-in gehen.

Gehen die Pacers vielleicht sogar auf Risiko und wählen die Nummer von Rajon Rondo? Ob der stetig auf seine eigenen Stats bedachte Rondo neben George funktionieren würde, ist zu bezweifeln. Allerdings darf man in der heutigen NBA nichts ausschließen, erst recht nicht bei einem Präsidenten wie Bird.

Dessen Aufgabe wird nicht nur sein, weiterhin nach dem passenden co-Star für George zu suchen, sondern auch, die Fragezeichen im Frontcourt und auf der Bank zu beantworten. Mit dem 20. Pick im Draft kann er im Idealfall einen ähnlichen Volltreffer landen wie schon so häufig in seiner Amtszeit. 


Personal
Die größte Veränderung ist die des Trainerpostens. Vogels Vertrag wurde nicht verlängert, also musste ein Nachfolger her. Bird wählte hier eine unkonventionelle Lösung und beförderte den vorherigen Assistenten Nate McMillan zum Head Coach. 

Dieser ist in der NBA kein unbeschriebenes Blatt. Der 52-jährige war bereits als Trainer der Seattle Supersonics und Portland Trail Blazers aktiv. In seinen zwölf Trainerjahren konnte er insgesamt fünf Mal die Playoffs erreichen. Das Risiko für die Pacers ist zudem relativ gering, da er die Spieler, die Franchise und das System bereits kennt.


Die Verträge von Ian Mahinmi, Jordan Hill, Solomon Hill und Ty Lawson laufen aus. Die wichtigste Personalie von diesen fünf ist ganz klar Mahinmi. Der französische Center wird sowohl in der Defensive als auch in der Offensive unterbewertet. 

In der letzten Saison konnte er 9.3 Punkte im Schnitt erzielen und seinen Vorjahreswert dadurch mehr als verdoppeln. Zudem verankert er die Pacers-Defensive, ähnlich wie das früher Roy Hibbert tat. Ohne Mahinmi wäre Turner in seinem zweiten Jahr viel mehr gefordert.

Die übrigen Starter, Reservisten und Rollenspieler werden ähnlich aussehen - es sei denn, Bird geht auf dem Trademarkt in die Vollen. Ellis, George Hill, Rodney Stuckey, C.J. Miles und Lavoy Allen sind solide Spieler, allerdings nicht die Sorte, die dieses Team zusammen mit George auf die nächste Stufe führen können.


Draft
Schaffen die Pacers es nicht, über die Free Agency einen Aufbauspieler mit Scoring Qualitäten zu verpflichten, bleibt immer noch der Draft. In der ersten Runde dürfen die Pacers an 20. Stelle auswählen. In der zweiten Runde bleibt immerhin noch ein Pick an 50. Stelle.

Wenn dann erfügbar, sollten sich die Pacers mit Malik Beasley beschäftigen. Seine Defense war am College bereits erstklassig, so dass er mit seiner Veranlagung sofort ins Team passen würde. In der Offense muss er noch konstanter seinen Wurf finden. Falls das im Sommer passiert, kann er einer der besten 3-and-D-Spieler dieses Jahrgangs werden. 


Kohle
Larry Bird gibt in der kommenden Saison 2016/17 ohne die Vertragsverlängerung von Mahinmi etwas weniger als 60 Millionen Dollar an Spielersalär aus. Es ist also durchaus genug Platz nach oben vorhanden, um im Sommer auf Shopping Tour zu gehen und George einen weiteren Star zur Seite zu stellen - selbst wenn Mahinmi wie erwartet gehalten wird.

Können die Pacers trotz des frühen Ausscheidens in den diesjährigen Playoffs auch in diesem Sommer ein potentielles Ziel für den einen oder anderen Free Agent abgeben? Unter uns, wer freut sich nicht über einen Anruf von Bird? 

Dessen Aufgabe wird es lediglich sein, einen passenden Deal zu finden, ohne einen Nicht-Star überzubezahlen. Nichts ist schlimmer, als langfristig zu viel Geld in einen Spieler zu stecken, der die Erwartungen auf dem Parkett nicht erfüllen kann. 


Zukunft
Ist das Glas in Indiana halb voll oder halb leer? Der Sommer sowie die nächste Saison 2016/17 werden für die Pacers richtungsweisend sein und uns diese Frage vielleicht schon eindeutig beantworten. 

Der Dauergast in den Playoffs, der aufgrund von Georges Verletzung natürlich Federn lassen musste, muss sich unter Neu-Coach McMillan neu aufstellen und vor allem die Offensive wieder ins Rollen bringen.


Wie gut findet Turner seinen Platz in der Mannschaft, jetzt da er an die NBA angepasst ist? Was passiert, falls Mahinmi sich entscheidet, Indiana zu verlassen? Sollte es im Sommer nicht gelingen, einen Spieler zu verpflichten, der George vor allem in der Offensive entlastet, scheint eine Rückkehr in die Conference Finals ausgeschlossen. 

Die Voraussetzungen, an alte Erfolge anzuknüpfen, sind allerdings vorhanden. Die Franchise ist intakt und verfügt über solides Spielermaterial, welches mit ein paar geschickten Deals in den einen zweiten Star umgewandelt werden kann.

Sollte das bereits in diesem Sommer Realität werden, dann können die Pacers im Osten wieder angreifen. Und wer weiß, vielleicht wird dann auch mein Traum von George vs. James in den Playoffs endlich wieder wahr.