15 Juni 2016

15. Juni, 2016


Die Schwergewichts-Franchises machen den NBA-Titel unter sich aus, während andere Klubs die Saison 2015/16 längst abgehakt haben und optimistisch/pessimistisch in die Zukunft blicken (müssen). Wir röntgen in unserem gewohnten 30er Split alle Teams, analysieren ihre Situation und prognostizieren den bevorstehenden Sommer. Heute: die Boston Celtics.

von STEFAN DUPICK @Hoopsgamede

Saison 15/16
Die Boston Celtics sind eines der faszinierendsten Teams der NBA. Seit dem Blockbuster-Trade rund um Paul Pierce und Kevin Garnett passiert viel Gutes in Beantown. Der Umbau schreitet konsequent voran, der Erfolg stellt sich ein.

Nach Platz sieben in der Vorsaison 2014/15 konnte die aktuelle Saison mit Platz fünf in der Eastern Conference beendet warden - bilanzgleich mit den Miami Heat, Atlanta Hawks und Charlotte Hornets. Die Playoff-Serie gegen die Hawks war umkämpft und lieferte wichtige Erkenntnisse für die Zukunft.

Die Celtics haben immer noch keinen echten Superstar im Team, auch wenn Isaiah Thomas unter dem hoch angesehenen jungen Head Coach Brad Stevens inzwischen zum All-Star gereift ist. Der Erfolg gehört aber dem ganzen Team, angeführt von Stevens auf der Trainerbank. 

Seine Rotation ist tief, ausgeglichen und funktioniert meistens sehr gut. Ehemalige Rollenspieler wie Thomas, Jae Crowder, Avery Bradley oder Evan Turner bringen herausragende Leistungen aufs Parkett und haben unter Stevens' Anleitung große Sprünge gemacht.

Das Team harmoniert und konnte in der reguläre Saison (48-34) einen weiteren Sprung in seiner Entwicklung machen. Das Ziel, endlich wieder eine Playoff-Serie zu gewinnen, blieb zwar unerreicht. Dennoch wird die abgelaufene Spielzeit als Erfolg gewertet. Zurecht.


Offseason Agenda
Eine Prognose der kommenden Offseason ist nahezu unmöglich, da das Management der Celtics über zahlreiche Optionen verfügt. Free Agency, Draft, Trades... General Manager Danny Ainge kann aus dem Vollen schöpfen, um seinen Klub personell aufs nächste Level zu heben.

In Boston ist ausreichend Platz für mindestens einen, vielleicht sogar zwei Superstars vorhanden - vorausgesetzt, ein solcher wird in diesem Sommer überhaupt verfügbar. Isaiah Thomas kann dieses Team nicht alleine tragen, ein kongenialer Partner, der im Angriff Verantwortung übernehmen kann, wäre ideal.

Ausserdem verfügt Ainge im anstehenden Draft über gigantische acht Picks, verteilt auf multiple Abschnitte und mit unterschiedlichsten Aussichten, zu wichtigen Bausteinen in Stevens' Kader zu werden. Vor, während und nach der Draft-Nacht besteht ausserdem die Möglichkeit, Trades abzuwickeln, indem einige dieser Anlagegüter in einem Paket gebündelt werden.

Der Sommer in Boston wird spannend. Es ist sehr realistisch, dass der eine oder andere Star als Free Agent oder via Trade verpflichtet wird. Das Gerüst des Kaders steht schon länger, Thomas, Crowder und Bradley sind mit sehr günstigen Verträgen mittelfristig gebunden sind.

Nahezu jeder Star wird mit Boston in Verbindung gebracht werden. Weil kein aktueller Celtic unantastbar zu sein scheint, da Ainge in der jüngsten Vergangenheit seine Munition trocken gehalten hat und Veränderungen - egal wie klein - notwendig erscheinen, dürfte der Rekord-Champion zu den aktivsten Mannschaften im Juni und Juli zählen.


Personal
Im aktuellen Kader müssen mehrere Entscheidungen getroffen werden. Die schwierigste ist dabei vermutlich die Free Agency von Evan Turner. Turner passt dank seiner Vielseitigkeit und Rolle unter Stevens sehr gut in den Kader der Celtics.

Allerdings dürfte 'E.T.' auf dem Free Agent Markt sehr gefragt sein. Der Allrounder hat öffentlich erklärt, dass er gerne in Boston bleiben will. Jedoch ist fraglich, wie viel die Celtics Turner zahlen wollen.


Zwei weitere Entscheidungen betreffen die Frontcourt Rotation: Jared Sullinger und Tyler Zeller werden Restricted Free Agents. Beide Big Men sind solide Rollenspieler im jungen Alter. Wenn der Preis stimmt, könnte es gut sein, dass die Celtics mindestens einen oder sogar beide behalten werden.

Team Optionen bestehen zudem bei den Verträgen von Jonas Jerebko und Amir Johnson. Während Jerebko ordentliche Playoffs gespielt hat und mit 5 Mio. $ recht günstig ist, sind die 12 Mio. $ für Johnson ziemlich teuer.

Vieles hängt letztlich davon ab, ob die Celtics im Rahmen der Free Agency eine Chance auf Al Horford, Hassan Whiteside, Dwight Howard oder Harrison Barnes haben werden. Trade-Szenarien für DeMarcus Cousins, Kevin Love oder Marc Gasol werden zuhauf kursieren, sie alle fallen ins Beuteschema 'Boston sucht Star'. Und dann ist da ja auch noch der Draft…


Draft
Der Draft steht in diesem Jahr in großem Fokus. Die Celtics verfügen über satte acht Picks, davon liegen gleich drei in der ersten Runde. Der Pick, der einst von den Brooklyn Nets kam, liegt auf einem fantastischen dritten Platz. 


Zudem gibt es in Runde eins noch den eigenen Pick (23) und den der Mavericks (16). Es ist sehr unwahrscheinlich, dass die Celtics alle acht Picks verwenden werden. Realistischer ist ein großer oder mehrere kleine Trades, um entweder an einen großen Fisch zu kommen, oder aber den Playoff-Kader punktuell zu verstärken.


Kohle
Die Celtics haben Kohle, und zwar nicht zu knapp. Mit mehr Geld auf der hohen Kante als fast alle anderen Klubs der NBA wird es Ainge nicht allzu schwer fallen, den dicksten Free Agents die dicksten Angebote zu machen - falls er das möchte.

Die eigenen Entscheidungen in Punkto Vertragsverlängerungen oder Team Optionen werden letztendlich entscheiden, wie viel Boston tatsächlich in die Hand nehmen kann, um einkaufen zu gehen. Mit potentiell mehr als 50 Mio. $ zur Verfügung hat Ainge alle Möglichkeiten. Hinter Kevin Durant ist die Free Agency allerdings relativ dünn besetzt. 

Macht es Sinn, einem B-Klasse Free Agent einen Vertrag weit über Marktniveau anzubieten? Es wäre nicht verwunderlich, wenn die Celtics keinem Kandidaten außer KD alles auf den Tisch legen und statt dessen lieber bis zur Free Agency 2017 warten, um dann richtig Dampf zu machen. 


Zukunft
Die Zukunft in Boston sieht nach wie vor richtig gut aus. Kein Team der Liga hat in diesem Sommer so viele Optionen wie die Celtics. Neben den Draft Picks 2016 kommen auch in den nächsten Jahren noch multiple Erstrundenpicks von anderen Teams (Brooklyn und Memphis) hinzu.


Das Team verfügt über einen der besten Coaches der Liga, einen All-Star in seiner basketballerischen Blüte und einen jungen Kader mit ausreichend Talent und Potential. Die Verträge der wichtigsten Leistungsträger sind gut strukturiert, so dass Boston flexibel bleibt.

Da die Celtics eine der traditionsreichste Franchises der Liga sind, wird es immer Spieler geben, die sich gerne Grün-Weiss überstreifen. Vielleicht sind die Kelten viel näher an dem einen oder anderen Superstar dran, der endlich einen tiefen Playoff-Run ermöglichen würde.

Wenngleich Ainge viele Möglichkeiten hat, sein Team in diesem Sommer entscheidend zu verbessern, ist es wichtig, dass Boston seine vielen Anlagemöglichkeiten nicht blind verballert, sondern weiterhin smart und geduldig vorgeht. Sollten die Celtics auf ihrem eingeschlagenen Weg bleiben, ist in den nächsten Jahren fast alles möglich - inklusive Rückkehr ins NBA-Finale.