30 Juni 2016

30. Juni, 2016


Der 1. Juli steht vor der Tür, in der NBA mit dem Draft und der Trade Deadline das wichtigste Datum in Personalfragen. Denn: Ab Mitternacht dürfen Teams mit Free Agents verhandeln. Und apropos vor der Tür stehen: Genau das werden Coaches, GMs und sonstige Teamvertreter um Punkt Mitternacht bei ihren Wunschzielen auch tun und die Objekte ihrer Begierde hofieren.

von DANIEL SCHLECHTRIEM @W14Pick

Die Free Agency Klasse 2016 gilt als eine der schlechtesten der jüngeren Vergangenheit. Hochqualitative Spieler finden sich nicht zuhauf, aber es gibt sie. Hier sind diejenigen, die garantiert hochrangigen Besuch bekommen werden. Die zehn besten Free Agents des Jahrgangs 2016 - mitsamt allen Interessenten und ihrer Zukunftsprognose:


10. Ryan Anderson
  PF | 28 Jahre
  Letztes Team: New Orleans Pelicans
  Letztes Gehalt: 8,5 Mio. $

Als Anthony Davis 2012 sein Reich als designierter Franchise-Player bezog, herrschte Aufbruchstimmung in New Orleans – auch weil im gleichen Sommer der amtierende beste sechste Mann in Louisiana unterschrieb: Ryan Anderson. Dieser Vertrag läuft nun aus und besagte Aufbruchstimmung wurde von trister Ernüchterung abgelöst: In vier Jahren gelang den Pelikanen eine einzige Playoff-Teilnahme, die in einem deutlichen Sweep der Golden State Warriors ihr jähes Ende fand.

Wie die meisten qualitativen Spieler Ende 20 muss Anderson diesen Sommer die wichtigste Entscheidung seiner Karriere treffen und sich die Frage stellen: Gibt es im Big Easy in den nächsten vier bis fünf Jahren mehr Grund zu feiern als Mardi Gras? Nach dieser verkorksten Saison wird die Antwort negativ ausfallen.


Mit im Schnitt 17,0 Punkten und 6,0 Rebounds hat der 21. Pick des 2008 Drafts zwar keine Karrierebestwerte aufgelegt, aber immerhin trotzdem noch eine sehr starke Saison von der Bank und sich dadurch für eine größere Rolle bei einem besseren Team empfohlen. Anderson wird einer der ersten Nutznießer des gestiegenen Salary Caps, denn sein Spielertyp ist gefragt und in der Free Agency Klasse 2016 nicht häufig zu finden. Sein Salär wird sich verdoppeln – mindestens.

Interessenten: Lakers, Kings, Grizzlies, Nuggets, Pelicans, Pistons, Rockets, Wizards

Prognose: Anthony Davis zum Trotz hat der Scharfschütze keine Lust mehr auf verfrühte Sommerferien und die Ungewissheit im Big Easy, stattdessen feiert er die Rückkehr zu seinem alten Coach aus Magic-Zeiten. Es geht nach Detroit zu Stan Van Gundy.


9. Harrison Barnes (R)
  SF | 24 Jahre
  Letztes Team: Golden State Warriors
  Letztes Gehalt: 3,9 Mio. $

Wenn ein Team wie die Warriors mit ihren rekordbrechenden 73 Siegen durch die Liga pflügt, weckt das Begehrlichkeiten – nicht nur an den besten oder zweitbesten Spieler. Kollabiert besagte Mannschaft dann in den Finals, hinterfragt das Management folglich zwangsläufig das eigene Personal – erst recht wenn der angehende Free Agent in den entscheidenden Spielen leistungstechnisch auf der Strecke blieb.

Nicht wenige Anhänger der Warriors gestehen Harrison Barnes wenigstens eine Teilschuld am Zusammensturz des Vorjahreschampions in den Finals gegen die Cavaliers zu. Somit kommen Fragezeichen nach dessen dauerhaftem Verbleib auf.

Barnes ist unabhängig seiner desaströsen Leistungen in den Finals bereit, aus dem großen Schatten Steph Currys, Klay Thompsons und Draymond Greens zu treten. Er wird mindestens 20 Mio. $ jährlich sowie mehr Spielanteile für seine Unterschrift verlangen – und Golden State damit in eine knifflige Lage bringen.


Aufgrund Barnes' Status als Restricted Free Agent kann der Meister von 2015 mit jedem Angebot mitziehen, die Verantwortlichen müssen jedoch sehr genau abwägen, inwiefern sie dem gerade 24 Jahre alt gewordenen Forward den Leistungseinbruch entschuldigen, respektive für wie wahrscheinlich sie eine Wiederholung dessen halten und ob er ihnen das Risiko wert ist, den Salary Cap auszureizen und damit die eigene Handlungsfreiheit deutlich einzuschränken.

Die Entscheidung von GM Bob Myers und Besitzer Joe Lacob bedarf folglich sehr weiser Voraussicht, vor allem in Hinblick auf den Sommer 2017, wenn die nicht ganz kostengünstigen Vertragsverlängerungen von Curry, Andre Iguodala, Andrew Bogut und Shaun Livingston bevorstehen.

Interessenten: 76ers, Hawks, Lakers, Mavericks, Rockets, Warriors

Prognose: Gelingt den Warriors der ganz große Coup, Kevin Durant in die Bay Area zu holen, zeigen sie gleichzeitig Barnes die Tür. Dies bildet die große Ausnahme, ansonsten hält Golden State ihr Vorjahresmeisterschaftsteam zusammen und gehen trotz dunkler Wolken am Horizont mit jedem moralischen Angebot mit.


8. Andre Drummond (R)
  C | 22 Jahre
  Letztes Team: Detroit Pistons
  Letztes Gehalt: 3,3 Mio. $

Vor dem Draft 2012 galt Andre Drummond als potenzieller Top-3 Pick, fiel aber wegen seiner bekannten chronischen Rückenprobleme bis an die neunte Stelle zurück, hinter Granaten wie Dion Waiters, Thomas Robinson und Terrence Ross.

Ein Glücksfall für die Detroit Pistons, die das Wagnis eingingen und belohnt wurden. In seinen vier Jahren in der NBA hat sich der 2,11 Meter große Center kontinuierlich zu einem der besten seiner Zunft gesteigert. Mit 16,2 Punkten und 14,8 Rebounds pro Spiel war Drummond einer der Hauptgründe für den ersten Playoff-Einzug seit 2009 und der besten Siegesquote seit Rasheed Wallace, Tayshaun Prince, Richard Hamilton und Chauncey Billups den Palace of Auburn Hills regierten.


Nun sieht die Motorstadt Licht am Ende des Tunnels, dank der Kompetenz Stan Van Gundys und des mutmaßlich besten jungen Centers der Liga. Mit Drummond, Reggie Jackson (26), Tobias Harris (23), Kentavious Caldwell-Pope (23) und Stanley Johnson (19) haben die Pistons ein starkes Fundament für ein Team, das in zwei bis drei Jahren wirklich angreifen kann.

Drummond wäre zwar für einige andere Teams hochinteressant, aufgrund seines Status als Restricted Free Agent besteht für den dreifachen Champion jedoch keine ernsthafte Verlustgefahr. Die Pistons verfügen in diesem Sommer über circa 30 Mio. $ bis zur Cap-Grenze und werden ihrem Center falls nötig sogar einen Maximalvertrag vorzulegen.

Interessenten: Pistons

Prognose: Stan Van Gundys komplettes System ist um Drummond herum aufgebaut. Sofern ein anderes Team überhaupt ein Angebot abgibt, wird Detroit ohne zu zögern mitziehen.


7. Hassan Whiteside
  C | 27 Jahre
  Letztes Team: Miami Heat
  Letztes Gehalt: 1,0 Mio. $

Der US-Sport liebt Cinderella-Storys und einer solchen steht die Krönung bevor: Hassan Whiteside wurde 2010 von den Sacramento Kings an 33. Stelle gedraftet, jedoch – welch' Überraschung – übersahen die Kalifornier sein Talent, er brachte es auf ganze 19 Einsätze in zwei Jahren.

Nach mehreren Stationen in der D-League schien seine Karriere den Verlauf der seines mäßig erfolgreichen Vaters, des Ex-NFL Profis Hassan Arbubakrr (20 absolvierte Partien in fünf Jahren), einzunehmen. Whiteside verschlug es von 2013 bis 2014 ins Basketball-Exil nach China und den Libanon.

Bis er infolge weiterer gescheiterter Anläufen in der NBA bei den Miami Heat landete – und praktisch über Nacht zu einem produktiven Spieler, effektvollen Ringbeschützer und Rebounder mutierte: Auf durchschnittlich 11,8 Punkte, 10,0 Rebounds und 2,6 Blocks im ersten (unvollständigen) Jahr in South Beach ließ der 2,13 Meter Mann 14,2 Punkte, 11,8 Rebounds und 3,7 Blocks (die meisten ligaweit) pro Spiel sowie eine Nominierung ins All Defensive Second Team in seiner zweiten Spielzeit folgen.

Das ruft nicht wenig Interesse hervor. Diesen Sommer ist Whiteside in der bequemen Position, all die Teams, die ihn über die Jahre hinweg getrost ignorierten, zum Gang nach Canossa einzuladen und sich für diesen Irrtum päpstlich entlohnen zu lassen.


Zwar bleiben Zweifel an Reife, Professionalität, Effektivität und Basketball-IQ des Centers. Jedoch lässt das Aufgebot mehrerer Teams einen Shotblocker von Format, der seinem Team auch auf der anderen Seite des Parketts hilft, vermissen – zumal er trotz 27 Jahren auf dem Tacho seine Entwicklung längst noch nicht abgeschlossen hat.

Folglich ist Zahltag im Hause Whiteside. Ein Vertrag in der Nähe des Maximums wird Bedingung sein, um überhaupt an den Verhandlungstisch zu kommen. Auch wenn es die Heat waren, die ihn überhaupt erst auf die große Bühne brachten und ihm die Chance gewährten, sein wahres Potential zu entfalten, darf die Franchise um Pat Riley keinen Bonus erwarten. Die Ungewissheit um Chris Bosh sowie die auslaufenden Arbeitspapiere weiterer Leistungsträger wie Dwyane Wade und Luol Deng stellt Miami vor einen unvorhersehbaren und arbeitsreichen Sommer.

Dies wird mutmaßlich Whitesides einziger großer Vertrag werden – und er hat die Monate in China und im Libanon gewiss nicht vergessen.

Interessenten: Bucks, Celtics, Heat, Lakers, Mavericks, Rockets, TrailBlazers

Prognose: Vom Libanon nach South Beach. Whiteside folgt dem Geld und den großen Spotlights. Miami hat beides und setzt weiter auf den Hitzkopf.


6. DeMar DeRozan
  SG | 26 Jahre
  Letztes Team: Toronto Raptors
  Letztes Gehalt: 10,2 Mio. $

Zum ersten Mal hat Kanada Conference Finals Basketball erlebt. Auch wenn die Raptors letztlich gegen den späteren Meister chancenlos blieben, hinterließ die nördlichste Franchise der NBA ein dickes Ausrufezeichen. Ob dieses von nachhaltiger Natur geprägt ist, liegt in den Händen eines der Architekten dieses Erfolges: DeMar DeRozan.

Torontos Schnellfeuerwaffe hat sich in den letzten Jahren zu einem der besten Scorer der Liga und legitimen All-Star entwickelt: 23,5 Punkte pro Spiel bei fast 45% Trefferquote sprechen für sich. Mit seinem Backcourt-Partner Kyle Lowry bildet DeRozan ein kongeniales Duo, das sich exzellent aufeinander eingerichtet hat und perfekt miteinander harmoniert.

Und doch ist die Gefahr eines Abgangs real. Denn: DeRozan ist 'Straight Outta Compton', ging dort auf die High School, danach auf die ebenfalls in Los Angeles ansässige University of Southern California. Als Kind war er glühender Fan der Lakers und konnte sich nichts Größeres vorstellen, als eines Tages in Lila-Gold aufzulaufen.

Die Voraussetzungen dafür sind jetzt gegeben: Die Lakers haben tonnenweise Geld zu verteilen und seit kurzem einen freien Platz auf DeRozans Position. Sie können nicht weitere Jahre an die Entwicklung junger Spieler verlieren, sondern müssen nach drei Saisons in der totalen sportlichen Irrelevanz dem ungeduldigen, erfolgsverwöhnten Publikum baldmöglichst ein konkurrenzfähiges Team präsentieren, das die angekratzte Glorie besserer Tage in neuem Licht badet. Scheinwerfer auf den verlorenen Sohn.


Torontos Nummer 10 kann nach den ansprechenden Leistungen der letzten Jahre einen Maximalvertrag verlangen. Das bringt sein Team in Schwierigkeiten, denn mit bereits circa 70 Mio. $ an garantierten Gehältern haben die Raptors nur begrenzten Spielraum – zumal auch Bismack Biyombos Marktwert erheblich gestiegen ist und kommenden Sommer Kyle Lowry aus seinem Vertrag aussteigen kann und wird, um den Gehaltszettel den Leistungen auf dem Parkett anzupassen.

Somit ist ein Verbleib sowohl Biyombos als auch DeRozans eher unwahrscheinlich, zumindest ohne einen Trade, bei dem GM Masai Ujiri beispielsweise den über 10 Mio. $ jährlich dotierten Vertrag von Terrence Ross loswird, ohne dauerhafte Kosten aufzunehmen. Sollten er sich zwischen Biyombo und DeRozan entscheiden müssen, wird die Wahl aber zweifelsohne auf letzteren fallen.

Interessenten: Kings, Lakers, Magic, Mavericks, Nets, Raptors

Prognose: Nur zwei Teams kamen in Frage – die Liebe aus Kindheitstagen und die erwachsene. Der kleine DeMar hätte wahrscheinlich ohne zu zögern die Heimat gewählt, der große weiß aber, was er in Kanada hat und will weiter mit Toronto an LeBrons Thron rütteln.


5. Dwight Howard
  C | 30 Jahre
  Letztes Team: Houston Rockets
  Letztes Gehalt: 22,4 Mio. $

Dwight Howards Zeit bei den Houston Rockets wird als großes Missverständnis in die Geschichtsbücher eingehen, obwohl der einstige dreifache Defensive Player of the Year maßgeblich am ersten Einzug in die Conference Finals der Texaner seit 1997 beteiligt war.

Howard und James Harden haben es in drei Jahren nicht verstanden, ihr Spiel aufeinander abzustimmen und voneinander zu profitieren. Nach der debakulösen Saison 2015/16 ist eine schnelle und schmerzlose Trennung unausweichlich. Die Rockets sind Hardens Team, daher muss Dwight gehen.

Der erste Pick des 2004 Drafts wird in diesem Sommer sein letztes großes Arbeitspapier unterschreiben und es ist jetzt schon absehbar, dass dieses nicht so groß sein wird, wie es sich der Center vorstellt. Angesichts der Fragezeichen um seinen Gesundheitszustand (Rücken, Knie) sowie dem Leistungsschwund in der ablaufenden Spielzeit (die schlechtesten Werte in Punkten und Rebounds seit seinem Rookie-Jahr bei über 50 absolvierten Saisonspielen) ist ein Maximalvertrag quasi ausgeschlossen.


Der achtfache All-Star mag nicht mehr die Dominanz aus früheren Tagen ausstrahlen, zu einem Schnäppchenpreis wird er dennoch nicht zu haben sein. Zum einen sind die sinkenden Zahlen auch auf die niedrige Usage-Rate bei den Rockets zurückzuführen, zum anderen wird am Verhandlungstisch argumentiert, dass in Houston Harden und in Los Angeles Kobe Bryant die Möglichkeiten des 2,11 Meter Mannes einschränkten.

Darüber hinaus ist Howard noch immer einer der bekanntesten und beliebtesten Spieler der Gegenwart: Knapp 5 Mio. Likes auf Facebook und über 6 Mio. Twitter Follower eröffnen jedem Markt einiges an PR-Möglichkeiten.

Interessenten: Bucks, Celtics, Hawks, Heat, Hornets, Knicks, Mavericks, Trail Blazers, Warriors

Prognose: Zur Trade-Deadline waren Milwaukee und Charlotte nahe am achtfachen All-Star dran. Dwight sucht eigentlich die Lichter der Großstadt, doch noch mehr will er ein „eigenes“ Team. Es sei denn... Außenseitertipp: Golden State.


4. Al Horford
  C | 30 Jahre
  Letztes Team: Atlanta Hawks
  Letztes Gehalt: 12,0 Mio. $

Horford und die Hawks – das passt. Vom Charakter, vom Spielstil, der Alliteration und dem Drumherum. In seiner neunjährigen NBA-Karriere hat der gebürtige Dominikaner noch kein anderes Trikot übergestreift. Und doch ist eine Verlängerung keine Selbstverständlichkeit.

Zum einen sind verfügbare Spieler seines Formats und seiner Vielseitigkeit in diesem Sommer rar, zum anderen steht die sportliche Perspektive in Atlanta nach zwei Sweeps in Folge durch die Cleveland Cavaliers deutlich infrage. Der dritte Pick des 2007 Drafts wird nicht ohne kritische Fragen seine Unterschrift unter ein neues Arbeitspapier setzen: Wie gedenkt die Hawks-Führung die Dominanz aus Ohio zu durchbrechen?

Horford war in seinem auslaufenden Vertrag ein wenig unterbezahlt und wird nicht weitere Geschenke verteilen. Nach neun Jahren beim gleichen Team erscheint eine neue Herausforderung reizvoller denn je, insbesondere da es kein Geheimnis ist, dass der vierfache All-Star nur zu gerne auf die Power Foward Position wechseln würde – diese in Atlanta aber mit Paul Millsap bereits hochrangig besetzt ist.


In der Saison 2015/16 absolvierte Horford erstmals in seiner Karriere alle 82 Spiele. Er ist auf dem Höhepunkt seines Schaffens und wird weder finanziell noch perspektivisch Kompromisse eingehen. Mehrere Teams haben den Maximalvertrag für Atlantas Nummer 15 unterschriftsreif in der Schublade.

Die Hawks verbesserten ihr Blatt infolge des Trades um Jeff Teague auf den ersten Blick kaum. Zwar steht in Dennis Schröder der neue Spielmacher längst bereit, jedoch macht der für Teague akquirierte 12. Pick Taurean Prince Atlanta kurzfristig nicht kompetitiver. Allerdings hat die sportliche Führung um Mike Budenholzer nun zusätzlichen Spielraum für eine weitere namhafte Verstärkung auf dem Flügel, die ihre Perspektive im Poker um Horford nachdrücklich verbessert.

Interessenten: Celtics, Hawks, Heat, Lakers, Magic, Pistons, Rockets, Warriors, Wizards, Knicks

Prognose: Die Verlockung wird groß sein, doch letztlich bleibt zusammen, was zusammen gehört. Horford verlängert in Atlanta.


3. Mike Conley
  PG | 28 Jahre
  Letztes Team: Memphis Grizzlies
  Letztes Gehalt: 9,6 Mio. $

Point Guards vom obersten Gütesiegel gibt es in der diesjährigen Free Agency Klasse nur einen: Mike Conley. Das bringt den Sohn des gleichnamigen olympischen Goldmedaillengewinners im Dreisprung in eine äußerst komfortable Situation. Zwar haben nur eine Handvoll Teams Bedarf im Aufbau, diese werden sich aber umso intensiver um die Dienste Conleys reißen – trotz dessen gesundheitlicher Bedenken. Wegen Achillessehnenproblemen verpasste er 26 Spiele der Regular Season sowie die kompletten Playoffs.

Wegen seiner oftmals auffälliger oder lautstärker agierenden Teamkollegen schwebt Conley medial zwar noch immer etwas unter dem Radar, an seinen elitären defensiven wie offensiven Qualitäten herrscht jedoch kein Zweifel. Und nicht nur rein sportlich wäre Conley ein absoluter Gewinn für jede Mannschaft. Als zweifacher Träger des NBA Sportmanship Awards (2014, 2016) ist er ein Vorbild in Sachen Fairplay und Integrität – Eigenschaften, die sich auch auf den Locker Room auswirken und ihn zu einem sehr beliebten Mitspieler machen.


Memphis ist neben San Antonio die Truppe mit dem größten Zusammenhalt, die besten Spieler sind seit sechs oder mehr Jahren im FedEx Forum unter Vertrag und zu einer festen Einheit gewachsen. Auch Conley selbst spielte nie für einen anderen Club. Gemeinsam verkörpern sie den gefürchteten Grind and Grind Stil.

Aus diesem Grund sind die Grizzlies ob des Verbleibs ihres Point Guards sehr zuversichtlich – dabei spricht eine Reihe von Gründe dagegen. Zuallererst das große Fragezeichen um den schwer verletzten Marc Gasol und das fortgeschrittene Alter der anderen Leistungsträger. Ohne Gasol sind die Bären nicht konkurrenzfähig.

Außerdem ist Memphis der kleinste Markt der Liga, sie haben weder die Absatzzahlen, noch den TV-Deal einer Metropole wie New York. Zwar können die Grizzlies als einzige einen Fünfjahresvertrag anbieten, jedoch sind sie aus genannten Gründen unattraktiv für andere Free Agents und nicht in der Position, den Salary Cap auszureizen. Die sportliche Perspektive ist anderswo größer.


Folglich muss Conley abwägen: Loyalität, Zusammenhalt und sportliche Heimat versus Herausforderung, Geltung und bessere Erfolgsaussichten. Ein Maximalvertrag winkt so oder so.

Interessenten: Grizzlies, Kings, Mavericks, Nets, Rockets, Spurs, Sixers

Prognose: Der Kern der Grizzlies hat seinen Zenit überschritten und/oder ist schwer verletzungsanfällig. Das Team steht vor dem Umbruch und somit einer ungewissen Zukunft. So sehr Conley ins Grindhouse passt, sind ein größerer Markt und eine bessere Perspektive auch verlockend. Bleibt er nicht in Memphis, zieht es ihn nach Texas – nach San Antonio, Houston oder Dallas.


2. LeBron James
  SF | 31 Jahre
  Letztes Team: Cleveland Cavaliers
  Letztes Gehalt: 23,0 Mio. $

Mit dem spektakulären Triumph in Spiel 7 der Finals hat LeBron James seinen Platz im Basketball-Olymp zementiert und das Versprechen an die Stadt Cleveland eingelöst. Nach diesem historischen Erfolg kann der beste Spieler seiner Zeit der Heimat nicht noch einmal das Herz brechen – oder etwa doch?

Nein, kann und will er nicht. Die Cavaliers sind sein Team und er hat bewiesen, dass er die Larry O'Brien Trophy nach Ohio zu holen imstande ist. Die Konstruktion eines weiteren Superteams, etwa um Carmelo Anthony, Dwyane Wade und Chris Paul, geht nur über LeBron – und LeBron geht nur in Cleveland.

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Der Gewinn der Meisterschaft 2016 ist zweifelsohne der größte sportliche Erfolg in der Karriere des LeBron James. Und doch: Es geht immer größer. Mit einem Repeat. Für dieses Ziel wird James das Management weiter auf Trab halten, seine Forderungen bei Personalentscheidungen, sein Einfluss auf Coach und Mannschaft haben jetzt mehr Gewicht denn je.

Interessenten: Cavaliers

Prognose: Keine Verhandlungen mit anderen Teams, hier geht es nur darum, das Salär der neuen Gehaltsobergrenze anzupassen. LeBron bleibt der König von Cleveland, unterschreibt aber wieder nur einen maximal dotierten Kurzzeitvertrag.


1. Kevin Durant
  SF | 27 Jahre
  Letztes Team: Oklahoma City Thunder
  Letztes Gehalt: 20,2 Mio. $

Der große Preis des Sommers und nur weil ein Wechsel zumindest im Bereich des Möglichen liegt vor LeBron an erster Stelle des Free Agent Rankings.

In Kevin Durants langen Pranken liegt das Schicksal gleich mehrerer Franchises, denn ein Spieler seiner Klasse macht jedes Team auf einen Schlag zum Titelanwärter, ein Abgang wäre für sein aktuelles Team der irreversible Schritt in die Bedeutungslosigkeit.

Nach nur einem Finaleinzug in neun Jahren in Oklahoma City stehen für den 'Slim Reaper' die Aussichten auf einen Championship-Ring über allem. Diesem kam er in der ablaufenden Spielzeit so nahe wie seit 2012 nicht mehr. Nachdem die Thunder aber eine 3-1 Führung in den Conference Finals gegen die Warriors nicht in einen Sieg ummünzten und wie so oft in dieser Spielzeit an sich selbst scheiterten, bleiben Zweifel.

Zweifel, die KD das Gesamtkonstrukt Oklahoma City überdenken lassen? Durant verpasst keine Gelegenheit, seine Loyalität gegenüber dem Team und insbesondere seinem Mitstreiter Russell Westbrook zu betonen. Doch haben die Verantwortlichen gerade erst den dritten Musketier, Serge Ibaka, nach Orlando verfrachtet. In puncto Personalentscheidungen bewies GM Sam Presti in den vergangene Jahren meist kein glückliches Händchen: Enes Kanter, Dion Waiters und Kyle Singler sind keine überzeugenden Argumente für einen Verbleib in OKC.

Ein von Kevin Durant (@easymoneysniper) gepostetes Foto am

Die Thunder haben auch nach Ibakas Abgang mit den aus Orlando ertradeten Victor Oladipo und Ersan Ilyasova beinahe 70 Mio. $ an garantierten Gehältern in den Büchern. Verlängern sie Durant, bleibt kein Platz für weitere Husarenstücke. Oklahoma City hat einen der kleinsten Märkte der Liga, musste deswegen nach James Harden wieder einen Leistungsträger abgeben und wird es auch zukünftig müssen. Wie also sollen sie ihren Superstar überzeugen, dass dieses Team 2017 und darüber hinaus in der Lage sein wird, eine Gewinnerkultur zu entwickeln und die Warriors zu schlagen?

Lange galt eine kurzzeitige Verlängerung über ein Jahr als wahrscheinliches Szenario, sodass KD 2017 mit zehn Jahren NBA auf den Schultern einen weitaus besser dotierten Vertrag als diesen Sommer unterzeichnen könnte. Wären die Thunder in der ersten (bleiben wir realistisch) oder zweiten Runde gescheitert, hätte er womöglich ein weiteres Jahr in seiner sportlichen Heimat als verschenkt betrachtet und sich dem Triumphator aus San Antonio oder Golden State angeschlossen.


Da die Blauen aber nicht nur die favorisierten Spurs erlegten, sondern auch den Warriors alles abverlangten, greift aller Voraussicht nach erwähntes Modell. OKC war zu nahe dran, das Team in der neuen Konstellation zu reizvoll, sodass er seinen Mitstreitern und der Stadt zumindest noch einen weiteren Anlauf schuldet.

Der Einzug der Thunder in die Conference Finals war Gift für die Hoffnungen und Träume all derer, die sich längst wie die Geier auf ein saftiges Stück Aas um den MVP von 2014 scharrten. Sie werden, abgesehen von Ibakas Abgang, nur schwerlich Argumente für einen Wechsel finden.

Interessenten: Celtics, Clippers, Heat, Knicks, Lakers, Rockets, Spurs, Thunder, Warriors, Wizards – und alle anderen...

Prognose: Die Bestürzung um den Trade des langjährigen Kameraden sitzt vorerst tief. Dennoch verlängert KD nach LeBron'schem Vorbild für ein Jahr + Player Option in Oklahoma City. Dies schafft in der Chesapeake Arena aber nur kurzzeitig Ruhe, denn den Thunder steht ein richtig heißer Sommer 2017 bevor. Neben Durant wird nicht nur Westbrook Free Agent, auch die Rookie-Verträge von Steven Adams und Andre Roberson laufen aus.