10 Juni 2016

10. Juni, 2016


Die Playoffs sind on! Bei so viel irrsinniger Action pro Woche macht es nicht immer Sinn, traditionell zu berichten. Nicht weiter schlimm: die nbachefsquad ist zur Stelle wie LeBron James in Crunchtime und versorgt euch wöchentlich mit artgerechten Häppchen zur Postseason-Action 2016.

von NBACHEFSQUAD

James hat geliefert
André Nückel @AndreNueckel ... Mit durchschnittlich 21 Punkten überragte LeBron James in den ersten beiden Games der Finals-Serie nicht. Zwar liest sich seine Statline mit weiteren zehn Rebounds und neun Vorlagen gewohnt stark, da aber sein Gefolge nicht ansatzweise mithalten konnte, wurde seine Leistungen zurecht kritisch beäugt.

 „Es heißt Do or Die“, hob James vor Game 3 die Wichtigkeit des ersten Matches in Cleveland hervor, weil mit einer weiteren Niederlage wäre der Ring wohl erneut verloren gewesen, und gab sich selbst die Marschroute vor: „Ich hatte einige uncharakteristische Ballverluste und ich bin immer einer derjenigen, die bei einer Niederlage die Schuld auf sich nehmen. So bin ich einfach. Und es ist ganz simpel: Ich muss in den nächsten Spielen besser sein.“

Von Beginn an ließen die Cavaliers keine Zweifel aufkommen; angeführt von LBJ rollte der Ohio-Express über den amtierenden Champion aus dem Golden State. Der viermalige MVP punktete zunächst effizient in der Zone per Layup, Dunk und Skyhook (4/4 FG), kühlte aber im zweiten Viertel merklich ab. Einfache Korbleger wollten nicht mehr fallen, selbst ein Jam prallte vom Ring wieder zurück in das Feld (0/7 FG).

Interessant war anschließend die Evolution nach der Pause: James verwandelte Jumper um Jumper und traf sogar einen Pull-Up-Dreier. Auf seinen ansonsten bärenstarken Drive in die Zone verzichtete er in dieser Phase vollkommen. Dies lag zum Teil erneut an Andre Iguodala, der innerhalb der farblich hervorgehobenen Spielfläche seine Finger immer im Spiel hatte, aber außerhalb die Nummer 23 nicht stoppen konnte. 


Kumuliert standen im Boxscore nach dem 120-90-Blowout 32 Punkte, elf Bretter, sechs Vorlagen, zwei Blocks und ein Steal sowie fünf Turnover. Für das vierte Aufeinandertreffen muss der King eine Balance in seinem Spiel herstellen, sprich: nicht nur penetrieren oder Sprungwürfe nehmen.

Wenn James dazu die mehr als schlampigen Ballverluste vermeiden kann, schafft er nicht nur bessere Looks für seine Mitspieler, sondern wird wieder unberechenbar mit seinem Offensivarsenal. 

Der (immer noch) beste Spieler der Welt lieferte, als ihn „The Land“ am dringendsten brauchte. Wie das weiter oben stehende Video eindrucksvoll illustriert, sind Gier und Wille weiterhin ungebrochen -  das setzt große Kräfte frei, gegen die selbst die beste Mannschaft der Welt machtlos scheint. 


KLoverfield
Pascal Gietler @PascalCTB ... Welche Personalie wird dieser Tage kontroverser diskutiert als Kevin Love? Donald Trump müsste wohl erst wieder eine gläserne Kuppel über die Vereinigten Staaten von Amerika fordern, um K-Love den Rang abzulaufen.

Long Story Short: Love spielte bisher unterirdische Finals! Super miese Finishing-Skillz (checkt das 90's „z“ am Ende) in Ringnähe, harmlosere Post-Ups als Kevin Hart und eine Defensive, bei der sogar Enes Kanter sich vor Scham hinter seinem furchtbar schäbigen Schnurrbart versteckt. 

Zusätzliches Öl wurde gestern Nacht ins Feuer gegossen: Kevin Love war „Out“ - Gehirnerschütterung. Offiziell. Kevin Love war laut multiplen Hot Sauces recht „frustriert“ über die Entscheidung seines Arbeitgebers, ihn nicht aufzustellen. 

Anscheinend war der Ellenbogen von Harrison Barnes nämlich nichts, was eine Packung Aspirin nicht heilen konnte. Blöd für ihn: Nach zwei derben Klatschen mit ihm in der Starformation, konnten die Cavs, angeführt von Kyrie Irving und LeBron James, das vermeintlich beste Team aller Zeiten mit 30-plus aus der Schnellkredit-Arena schießen. 

A photo posted by Cleveland Cavaliers (@cavs) on


Ein gefundenes Fressen für alle klickgeilen US-Journalisten (quasi das amerikanische Äquivalent zu einem D-Schnitzel Triple-Double für deutsche Medien), denn nun darf diskutiert werden: „Sind die Cavs ohne Love besser?“, „Wie wird man seinen Max-Vertrag am besten los?“, „Macht es Sinn Love von der Bank zu bri...“ -YO! Chillt mal kurz eine Runde. Kevin Love ist in der modernen NBA für die meisten Offensiven ein absoluter Glücksfall. 

Ist es einzig und allein Kevin Loves Schuld, dass Kyrie Irving die verdammte Luft aus dem Ball dribbelt, während er in der Ecke stehen muss, um mal einen Pass zugespielt zu bekommen? Natürlich nicht. Love und die Cavs sind bisher noch nicht die ganz große Liebe, doch auch wenn es schlecht läuft: Die Reaktionen sind absolut überzogen und zeugen nicht von konstruktivem Journalismus (und ja, ich meine damit auch eure Tweets. Ich seh‘ alles!)


Love auf die Bank!
Marc Lange @Godzfave ... Cleveland hat dieser Serie mit dem 120-90 Erfolg wieder ein wenig Spannung eingehaucht. Damit das bitte auch so bleibt und der diesjährige Champion nicht bereits am 13. Juni in der ORACLE Arena gekrönt wird, muss Cavs-Coach Tyronn Lue unbedingt eine Sache machen: Kevin Love von der Bank bringen.

Der Power Forward fehlte in Partie 3 aufgrund einer Gehirnerschütterung – und es tat dem Spiel der Cavs gut. Veteran Richard Jefferson und Big Man Tristan Thompson legten eine unfassbare Energie an den Tag, die für diesen wichtigen Sieg genauso essenziell wie die offensiven Leistungen von James und Irving waren. Cleveland schnappte sich am Ende sogar ganze 20 Rebounds mehr als Golden State und dominierte beide Bretter. 


Speziell Jeffersons Arbeit in der Zone sollte Lue nicht unterschätzen. Kevin Love wurde in den ersten beiden Partien von Draymond Green vorgeführt, ehe ihn die Gehirnerschütterung zu einer Pause zwang. Der 35-jährige Veteran hingegen bäumte sich gegen die Allzweckwaffe der Warriors auf und gab seinem Team die Intensität, die in den ersten beiden Aufeinandertreffen fehlte. Warum sollte Lue das also ändern?

Nicht falsch verstehen: Love bleibt wichtig. Der ehemalige Timberwolf könnte Cleveland in den verbleibenden Spielen den entscheidenden Scoring Punch von der Bank bringen. Wie eine Art Jamal Crawford. Nur doppelt so schwer. Die zweite Reihe der Cavs hat sich in diesen Finals bislang nämlich nicht mit Ruhm bekleckert und in den ersten drei Spielen insgesamt nur 55 Punkte erzielt. Die der Warriors hingegen 108. Love könnte hier Abhilfe schaffen. 

Natürlich ist es – auf wirklich allen Ebenen – schwierig, einen All-Star und Topverdiener in solch einer Phase auf die Bank zu schicken. Wenn Cleveland diese Serie aber irgendwie noch rumreißen will, ist das die einzige Lösung. Also: Man up, Tyronn!


Laaangweilig
Torben Siemer @LifeofTorben ... 26 Punkte. In Worten: Sechsundzwanzig. Pro Spiel. 26 Punkte sind nach drei Partien dieser Finals der durchschnittliche Abstand zwischen Gewinner und Verlierer. 104-89 und 110-77 siegten die Golden State Warriors vor den eigenen Fans, 120-90 für die Cleveland Cavaliers hieß es am Ende von Spiel drei.

Diese NBA Finals mögen vieles sein, spannend sind sie aber aktuell bestenfalls als Serie. Die Spiele sehen über weite Strecken die Heimmannschaft deutlich in Führung, während der Gast keinen Zugriff findet. 

Wofür das vor allem sorgt: Garbage Time. Basierend auf der Live-Ermittlung der Gewinn-Wahrscheinlichkeiten beider Teams, gab es laut Inpredictable.com bisher 49:34 Minuten Spielzeit, in denen Warriors oder Cavaliers eine mindestens 90%-ige Siegchance hatten.

Das ist mehr als ein komplettes Spiel. Ein Blick auf die vierten Viertel offenbart bisher exakt 69 Sekunden (von 2.160) „Spannung“. Spätestens nach dem dritten Viertel war jedes der bisher drei Partien entschieden.


Hier spielen die beiden besten Teams aus dem Osten und Westen der NBA, die Saison war lang und die Knochen tun sicher weh – wir erwarten ja kein Feuerwerk, nicht die besten Partien aller Zeiten.

Aber zumindest ein bisschen Spannung. Ein bisschen Crunchtime. Wie wär’s damit heute Nacht, in Spiel vier? Gerade die nicht-amerikanischen Fans, die dafür die Nacht zum Tag machen, wären dankbar. Dankbar, nicht schon zur Halbzeit abwägen zu müssen, ob nicht schlafen mehr Aufregung bietet.