07 Juni 2016

7. Juni, 2016


Die Playoffs sind on! Bei so viel irrsinniger Action pro Woche macht es nicht immer Sinn, traditionell zu berichten. Nicht weiter schlimm: die nbachefsquad ist zur Stelle wie Draymond Green in Crunchtime und versorgt euch wöchentlich mit artgerechten Häppchen zur Postseason-Action 2016.

von NBACHEFSQUAD

Skip To My Lue
Seb Dumitru @nbachefkoch ... So auch nicht. Der nächste, noch monumentalere Arschtritt der Warriors in dieser im Eiltempo zum Schlaftrunk mutierten Finalserie hat die Cleveland Cavaliers mit dem Rücken zur Wand gestellt.

Wir könnten stundenlang die defensiven Defizienzen von Kyrie Irving und Kevin Love sezieren, die bisherige Arbeitsverweigerung von J.R. Smith (4.0 PPG) und Iman Shumpert (3.0 PPG) belächeln oder uns wundern, ob Loves Gehirnerschütterung weitreichende Konsequenzen für Spiel drei haben wird.

Eine viel wichtigere, kaum beachtete Story jedoch ist folgende: Tyronn Lue leistet bisher eine der schlechtesten Coaching-Leistungen aller Zeiten in den NBA Finals. Zu sagen: "Lue hat im taktischen Bereich bisher nicht immer die glücklichste Figur gemacht" ist wie zu sagen: "Die Cavaliers haben ein paar Probleme gegen Golden State!"

Die Cavaliers sind an beiden Enden des Parketts komplett überfordert. Das liegt einerseits am historisch guten Gegner, gegen den sie bisher nicht den Hauch einer Chance hatten. Das liegt aber auch daran, dass ihr Head Coach in allen Facetten deklassiert wird. Schlimmer noch: Lue hat nicht den blassesten Schimmer, wie er eigentlich spielen will.


Schneller? Cleveland kommt jetzt schon nicht mit. Zählt mal nach, wie oft seine Cavaliers ächzend in gebückter Haltung nach Luft ringen, sobald der Ball mal ruht. Die Pace dieser Finals bisher ist die höchste aller vier Cavs-Serien bisher. Falls Lue impliziert, dass sein Team noch schneller spielen soll als in der regulären Saison, hat er nicht ganz verstanden, wie Playoff-Basketball funktioniert.

Kleiner? Die Möchtegern-Warriors-Konter-Smallball-Lineup mit LeBron James auf der Fünf ließ den Rückstand in Spiel zwei von acht auf 27 Punkte anschwellen, kassierte 150 Punkte pro 100 Ballbesitze. Das ist, ihr ahnt es bereits, die mieseste Verteidigungsleistung aller Zeiten.

Größer? Lue traut sich weder, Timofey Mozgov und Tristan Thompson zusammen spielen zu lassen, noch LeBron an der Seite eines echten Stretch-Fünfers wie Channing Frye aufzustellen. Frye, ihr wisst schon, der Typ mit der 57% Dreierquote in diesen Playoffs, kam bisher auf ganze elf Minuten Einsatzzeit kumulativ - und versuchte sich an einem einzigen Dreier.

Anstatt den eigenen Stil, die eigene Identität, die eigenen Stärken zu reiten, bis der Gaul kollabiert, hat sich Lue schon vor Beginn der Serie sein eigenes Grab geschaufelt. Sein Team ist gegen eine historisch guten Gegner nicht nur personell unterlegen, defensiv nicht annähernd auf Championship-Level und mental volatil. Es muss jetzt auch noch die qualvollen Fehler und Lektionen ihres Rookies an der Seitenlinie kompensieren... Ein absolut unmögliches Unterfangen.


Mean Green Machine
Pascal Gietler @PascalCTB ... Guess who’s back? Draymond Green hat im zweiten Spiel der diesjährigen Finals ein weiteres Mal seine Vielseitigkeit gezeigt und den Golden State Warriors damit zum Sieg verholfen.

28 Punkte, 7 Rebounds, 5 Assists, ein Steal und „lights out“ 62,5% von der Dreierlinie. Green bewies seinen Kritikern, dass eben doch mehr in ihm steckt als Down Under Schläge bei Personen aus Down Under zu landen oder illegale Blöcke zu stellen.


Der einstige Zweitrundenpick zündete in der Offensive ein Feuerwerk und ist einer der Gründe, warum die Cleveland Cavaliers im Anrgiff so effektiv sind wie Karpadors Platscher (Ich suche btw. noch Pokémon „Gelbe Edition“ für den Game Boy Color. Hooked mich mal up!): Draymond Green verteidigte gestern Nacht zehn Würfe am Ring, von denen nur vier Stück den Weg durch die Reusen fanden. Ein absolut starker Wert.

Mit einem Green in dieser Form, der bombenfesten Defensive und treffsicheren Splash Bros. (gestern 50% 3PT) am Perimeter wird es für die Cleveland Cavaliers richtig hart in diese Serie hineinzufinden, besonders wenn Kyrie Irving und Kevin Love als LeBrons vermeintlich bester Supporting Cast aller Zeiten (Dwyane Wade lacht darüber, ihr Vögel) ineffiziente 15 Punkte ballern.


Das soll alles sein?
Torben Siemer @LifeofTorben ... Minus-15 im ersten, minus-33 im zweiten. Zwei Spiele sind gespielt, in diesen erzielten die Cleveland Cavaliers 48 Punkte weniger als die Golden State Warriors. Zwei Spiele, zwei Blowouts. Gut, dass die 2015/16 Warriors ein historisch gutes Team sind, war frühestens nach der 24 Spiele andauernden Siegesserie zu Beginn abzusehen und für den letzten Hängengebliebenen dann nach Sieg Nummer 73.

Dass aber das Bild, wie es sich nach zwei Partien zeichnen lässt, so von den Farben Gelb und Blau und beherrscht würde, war nicht zu erwarten gewesen. Sieben Spiele hatte Golden State gebraucht, um die NBA Finals zu erreichen, gerade noch den eigenen Kopf aus der Schlinge gezogen und dabei die eine oder andere Schwäche offenbart.

Die Cavaliers dagegen rollten mit Cruise Control durch die Eastern Conference, nach zehn Siegen in Serie gab es die ersten beiden Pleiten – dieser Betriebsunfall wurde in den Partien fünf und sechs der Conference Finals gleich wieder korrigiert. 


Das Team von Head Coach Tyronn Lue war zur richtigen Zeit in der richtigen Form, phasenweise wirkte es, als spielten da Profis gegen Highschool-Jungs, so überlegen waren LeBron James & Co. Niemand aus dem Osten war in der Lage, mitzuhalten – und jetzt? 

Jetzt gab es zweimal richtig Prügel für Cleveland, die Aussichten auf einen Umschwung sind gehen gegen Null. Die Vorzeichen haben sich aus Sicht von Wine & Gold ins Gegenteil verkehrt: In den Conference Finals noch überlegen, wirken nun die Cavaliers komplett überfordert. Unfähig, die Schwachstellen der Warriors zu erkennen, geschweige denn auszunutzen. Wenn Richard Jefferson im Jahr 2016 in den NBA Finals dein zweitbester Spieler ist… ihr wisst, was ich meine. 

Was besonders auffällt: Die Truppe scheint sich in ihr Schicksal zu ergeben. LeBron wirkt ratlos, fast schon konsterniert – und bis #23 ratlos ist, muss einiges passieren. Soll das alles sein, was diese Cavaliers anzubieten haben? Gibt sich diese Mannschaft so schnell auf? Das Trio James – Irving – Love ist dann bald Geschichte. Ich schmeiß‘ schon mal die Trade Machine an…


Was bleibt von LeBron?
Mattis Oberbach @MattisOb ... All-Star, MVP, NBA-Champ. LeBron James hat als Spieler alles erreicht, was es zu erreichen gilt. Er war eigentlich schon vor Beginn seiner Karriere ein Phänomen und Superstar und hat sich seitdem in den Kreis der wenigen, wenigen Spieler gehievt, die später in einem Basketball-Mount Rushmore verewigt werden.

Ob er der beste Spieler aller Zeiten ist, war oder sein wird, kann man halt einfach nicht klären, weil etwa Michael Jordan und andere vor ihm in einer anderen Ära spielten. Vielleicht steht ihm zu diesem umstrittenen Titel aber etwas ganz anderes im Weg.

Dass James zu einem bestimmten Zeitpunkt die Entscheidung fällte, seine Talents in eine andere Stadt zu taken, kann ihm heute wohl hoffentlich jeder verzeihen. In Miami holte er gleich zwei Titel. Nun kommt er aber aus Akron, Ohio, und man himmelt ihn bei den Cleveland Cavaliers nun mal als lokalen Helden an.

Es ehrt ihn, dass er vor wenigen Jahren wieder nach Cleveland zurückkehrte. Es ehrt ihn, dass er versuchen wollte, einer Stadt, die seit Ewigkeiten auf eine Meisterschaft wartet und der es auch im Großen und Ganzen nicht unbedingt gut geht, etwas zurückzugeben.

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Stand heute ist er in den Finals 2015 gescheitert und scheint auf dem besten Wege, 2016 erneut richtig was auf die Mütze zu bekommen. Natürlich verliert nicht LeBron James, die gesamten Cavaliers verlieren. James ist dabei noch der beste Spieler und weiterhin einer der ganz, ganz wenigen, die zu den besten der Liga gezählt werden können. Es reicht halt einfach nicht. Der Coach? Die Mitspieler? Das System?

Ohne tief in Zahlen und Statistiken eindringen zu wollen, LeBron dürfte noch immer der Spieler sein, der 2012 und 2013 die Larry O’Brien Trophy hochhalten durfte. Und doch wird er so keinen Titel mehr gewinnen können. Er ist sicher nicht alt, aber doch läuft seine Zeit ab. Golden State scheint absolut unbezwingbar und sie fangen wohl erst an.

So muss man sich langsam fragen: Charisma, Spielstil, Erfolg (in Miami) mal beiseite, wie viel wird es am Ende wert sein, wenn er in Cleveland keinen Titel holt? Kann er der beste Spieler aller Zeiten sein, wenn er sein Versprechen nicht einhält? Oder wird er zwar einer der Großen sein, aber immer mit dem Zusatz, dass es weder im ersten noch im zweiten Versuch klappte?

Sein Image und meine Meinung ihm gegenüber hat sich so grundlegend geändert, dass ich ihm mittlerweile einen Titel fast so sehr wünsche wie seinerzeit dem Dirk Nowitzki. Aber langsam kommen Zweifel auf, ob er jemals schaffen wird.