03 Juni 2016

3. Juni, 2016


Die Playoffs sind on! Bei so viel irrsinniger Action pro Woche macht es nicht immer Sinn, traditionell zu berichten. Nicht weiter schlimm: die nbachefsquad ist zur Stelle wie Shaun Livingston in Crunchtime und versorgt euch wöchentlich mit artgerechten Häppchen zur Postseason-Action 2016.

von NBACHEFSQUAD

So Nicht
Seb Dumitru @nbachefkoch ... So nicht. Ein monumentaler Arschtritt zu Beginn dieser mit kindlicher Anspannung erwarteten Finalserie hat die Cleveland Cavaliers zurück zu Square One bugsiert. Was auch immer Tyronn Lue und Konsorten für einen Game-Plan ausgeheckt hatten - ich bin mir nicht sicher, dass es ein solcher Plän war - sie konnten sich damit im Nachhinein den Ihrwisstschonwas wischen.

Golden State dominierte trotz der schlechtesten Splash Brother Darbietung in den letzten zwei Jahren (8-27 aus dem Feld für nur 20 Punkte total), dominierte dank der tiefsten Bank im Basketball, dominierte trotz 66 Punkten der Cavs Big Three und eines Double-Doubles von Tristan Thompson. Das ist nicht gut, aus Sicht des Eastern Conference Champions.

Weniger als die Tatsache jedoch, dass sieben Krieger zehn Punkte oder mehr erzielten, dass erst Harrison ‘Ich hol mir einen Max-Deal’ Barnes (13), später Leandro ‘Blur’-bosa (11) und schließlich Shaun ‘Meine Karriere war eigentlich vorbei’ Livingston (20) einen Monster-Run nach dem anderen katalysierten, oder dass die Cavaliers eine historische Chancen haben liegen lassen, wird den Ohio Players ihre eigene Unzulänglichkeit zu schaffen machen.

Hier war Kevin Love, der immer wieder im Low Post angespielt wurde - und damit einen ineffizienten Angriff nach dem anderen initiierte. Hier war Kyrie Irving, der in der bisher wichtigsten Partie seiner Karriere ein ums andere Mal in den dribbelwütigen, isolierenden ‘Uncle Drew’ verfiel, und die Spieler- und Ballbewegung seines Teams damit eigenhändig hijackte.

Hier war LeBron James, der Gang-verteidigte Superstar der Cavaliers, dem über weite Strecken die favorisierten ersten und zweiten Passoptionen genommen wurden, der zunehmend frustriert wirkte, der mehrfach lamentierend übertragen wurde.

Es wird, es muss künftig mehr kommen von Rollenspielern wie J.R. Smith, Iman Shumpert oder Channing Frye. Cleveland wird sich offensiv mehr bewegen, mehr Optionen freischalten, mehr Druck auf die elitär-homogene Dubs-Defensive ausüben.

Das Schlimme, aus Sicht der Cavs: selbst, wenn die Offensive ab Sonntag ihren Eastern Conference Playoff Groove wiederfinden sollte, suggeriert absolut gar nichts, dass die Defensive auf nur annähernd brauchbarem Niveau operieren kann, um diese Finals ähnlich hochklassig zu machen wie die epische Warriors-Thunder Serie. So jedenfalls nicht.


Early Adjustments
André Nückel @AndreNueckel ... Im ersten Viertel war die Defense der Cleveland Cavaliers ähnlich konstant wie die dazu geschalteten Kommentaren auf dem Spartensender Sport1US, der die NBA Finals live in Deutschland überträgt – nämlich gar nicht.

Golden State erzwang unter anderem durch das Pick & Roll Mismatches, deren Nutznießer vor allem Harrison Barnes (3/3 FG) hieß. Mit einem besseren Abschluss von jenseits der Dreierpunktlinie (3/8) wäre auch eine deutlich höhere Führung als sieben Punkte möglich gewesen, und Ausgangspunkt diverser Spielzüge war erwartungsgemäß Minusfaktor Kevin Love, der von den Warriors in nahezu jeder Aktion angesteuert wurde.

Ähnliches Bild auf der Gegenseite: Head Coach Steve Kerr ließ den Drive von LeBron James weitestgehend gewähren, Hauptsache potenzielle Abnehmer am Perimeter waren gedeckt. Erst im letzten Augenblick rotierte ein Help-Defender hinzu, um den königlichen Wurf innerhalb der Zone zu erschweren (4/5 FG). 

Wie bereits in unserer Preview berichtet, hat es der amtierende Champion bereits während der beiden Begegnungen in der regulären Saison geschafft, James seiner Passfähigkeit zu berauben (lediglich 3.5 Assists). 

Durch diesen dem Gegner genommenen Platz generierten die Dubs zahlreiche Stops, sodass Cleveland immer wieder neu anrennen und die Lücke finden musste. Die Folgen: stockende Offense, Turnover und schwierige Versuche  - dreimal sogar erst nach der Shotclock. Und das allein in der ersten Hälfte.


Deez Nuts
Roman Schmidt @sch_rom ... Ich weiß nicht, wer von euch alles 'Finals Bingo' spielt, aber bereits in Game 1 gab es den zu erwartenden Schlag unter die Gürtellinie von Matthew Dellavedova. Wortwörtlich.



Das ist bereits der dritte, bekannte Faust/Fuß-in-die-Nüsse-Zwischenfall dieser Postseason. Ist das jetzt das neue Ding? Ich finde es nicht unbedingt schlimm, ich würde es nur gerne wissen.

Allerdings sollte die Liga dennoch etwas dagegen unternehmen und Dellavedova sperren. Nicht nur, weil ich ihn abgrundtief hasse, sondern aus einem ganz naheliegenden Grund, den jeder andere hier anscheinend ignoriert. Auf dem Court stehen drei verdammte Australier (Dellavedova, Bogut, Irving). DREI. 

Von einem Kontinent, auf dem alles und jedes dich töten will. Dieser Zwischenfall war erst der Anfang. Matthew Dellavedova, Klapperschlagen, Krokodile, das ist die Reihenfolge. Will das hier jemand? Ich ganz bestimmt nicht. Darum: Schützt die Spieler, sperrt Dellavedova! Am besten auf Lebenszeit.


(Over-)Reaction Friday
Torben Siemer @LifeofTorben ... Spiel eins ist gespielt, wie erwartet führen die Golden State Warriors nach einem souveränen Heimsieg in der Serie gegen die Cleveland Cavaliers. 15 Punkte Unterschied waren es nach 48 Minuten, die Distanz zwischen beiden Teams aber schien während der Partie noch größer.

Was schon in den Western Conference Finals auffiel, wurde auch diesmal deutlich: Die Golden State Warriors sind ein hervorragend zusammen gestelltes Team. Draymond Green hatte seinen Swagger wieder und überzeugte offensiv als Passgeber sowie vor allem defensiv als Verteidiger von LeBron James und – wie Golden State insgesamt – in der Transition-Defense. 

Andre Iguodala machte da weiter, wo er in der Runde zuvor aufgehört hatte: Defensiv immer aufmerksam, offensiv ohne Fehler und bereit, die offenen Dreier zu nehmen, die ihm vom Gegner gegeben wurden. Shaun Livingston überragte mit acht Treffern aus zehn Würfen und insgesamt 20 Punkten. 

Das aber schien auch – weitgehend - der Plan der Cavaliers zu sein; gut, die Niederlage dürfte nicht Ziel des Abends gewesen sein. Dennoch: Cleveland hatte Steph Curry nach dem ersten Viertel im Griff, Klay Thompson wirkte müde und fand überhaupt nicht zu seinem Rhythmus. Die zweite Garde der Warriors sollte sie schlagen – und tat dies. Das in jedem Spiel zu tun, wird dem Titelverteidiger aber nicht gelingen.

Was dennoch Sorgen bereitet: die Cavaliers hatten Curry (4/15 FG) und Thompson (4/12 FG) zwar unter Kontrolle, gerade ersterer aber zog mit seinen Cuts abseits des Balles immer wieder die Aufmerksamkeit mehrerer Verteidiger auf sich, was in der Folge zu dem Mehr an Platz führte, den Livingston und Co. ausnutzten. Offensiv verließ sich das Team von Tyronn Lue zu oft auf Isolationen von Kyrie Irving und Post-Ups von Kevin Love, kombiniert trafen beide nur 14 von 39 aus dem Feld und produzierten sieben Turnover.

Spiel eins auswärts verlieren, geschenkt. Dies aber mit 15 Punkten und an einem Abend, an dem die Splash Brothers trocken blieben, schreit nach nötigen Veränderungen. LeBron James war in der Pressekonferenz nach dem Spiel erstaunlich ruhig – in seinem Kopf aber dürfte es gearbeitet haben. Auch, wenn das nur ein einzelnes Spiel war.


Was 'ne Bank!
Pascal Gietler @PascalCTB ... Wie frustrierend muss folgendes, zugegebenermaßen recht konstruiert klingendes Szenario für ein NBA-Team sein: Defensiv schaffen es diverse Akteure irgendwie, den amtierenden MVP Stephen Curry und seinen kongenialen Backcourt-Partner Klay Thompson nie ins Spiel finden zu lassen, um in der Folge von Andre Iguodala und Shaun Livingston malträtiert zu werden? Klingt sehr theoretisch, war aber gängige Praxis im ersten Spiel der diesjährigen NBA Finals.

LeBron James hat Stephen Curry das Leben extrem schwer gemacht und Klay Thompson wirkte nach dem extremen Kampf, den die Oklahoma City Thunder den Warriors abverlangt haben, nicht bei 100%. Die Bank der Warriors entschied in der Folge ein ansonsten relativ enges Spiel für den Champ aus Oakland. 

Iggy und Livingston hatten nach Abpfiff 32 Punkte, 9 Assists und 0 Turnover im Boxscore stehen und konnten nach 26 gemeinsamen Minuten auf dem Parkett ein NetRating von +45.2 vorweisen. Leandro Barbosa steuerte nebenbei in elf Minuten auch noch eben so viele Punkte bei. 

Turnovers auf Seiten der Cavs (17 TOs, aus denen GSW 25 Punkte machte) oder teils katastrophale (Pick & Roll-)Defense waren gestern Nacht nicht die alleinigen Faktoren für die deutliche Niederlage. Die Cavaliers sind in der Tiefe nun mal schlechter aufgestellt und das wurde nach gutem Comeback im dritten Viertel deutlich sichtbar. 

Gestern versemmelten LeBron, Kyrie und Co. einen Matchball. Denn wenn die Splash Brothers nur 29% ihrer Würfe treffen und noch die sauschweren sieben Spiele gegen die Thunder in den Knochen haben, sollte ein ebenbürtiger Gegner sich definitiv nicht mit minus-15 aus der Halle fegen lassen.