01 Juni 2016

1. Juni, 2016


Die Playoffs sind on! Bei so viel irrsinniger Action pro Woche macht es nicht immer Sinn, traditionell zu berichten. Nicht weiter schlimm: die nbachefsquad ist zur Stelle wie Golden State in Crunchtime und versorgt euch wöchentlich mit artgerechten Häppchen zur Postseason-Action 2016.

von NBACHEFSQUAD

Half Baked
Seb Dumitru @nbachefkoch ... OKC ist raus. Die Leute lachen, spotten, beleidigen. Insult to injury. Wer 3-1 führt und sich dann drei Matchbälle aus der Hand nehmen lässt wie Boris Becker, der kann sich darüber vermutlich nur wenig beschweren.

Jedoch: Kontext, Motherfuckers! Vor allem heute, in einer Zeit, die zynischer nie war, in der sich jeder Fan mit Internet-Zugang und Social-Account für einen Experten/Analysten/Advanced Scout/Redakteur/alloftheabove hält. Und, schlimmer noch, nur zwei Nuancen zu kennen scheint: Meister. Und totale, absolute, ewige Versager.

Oklahoma City hätte um ein Haar Geschichte geschrieben. Hätte zum ersten Mal in der Historie der National Basketball Association zwei 65+ Siege Teams aus den Playoffs bugsiert. Und sich damit nach vier langen, vom Pech getränkten Jahren die Chance gegeben, endlich wieder nach der Larry O'Brien Trophäe zu greifen.

Daraus wurde bekanntlich nichts. Korrekt. Aber: Wie viele Klugscheisser hatten vor dieser Serie überhaupt auf sieben Spiele getippt? Wer hätte es für möglich gehalten, dass die Warriors gleich drei Mal vor dem Aus stehen, mehrfach in vierten Vierteln zurück liegen, heldenhafte Leistungen der Splash Brothers benötigen würden, um überhaupt zu überleben? Eben.


Dass es für die Thunder knapp nicht gereicht hat, symbolisiert einerseits die Unzulänglichkeiten, gleichzeitig auch den so geringen Abstand dieser unfertigen Truppe vom Gipfel: Eine minimal tiefere Rotation (OKC hat zu siebt gekämpft); Ein verlässlicher Two-Way-Wing; Oder, analog, ein Floor General, ein Dirigent auf der Point Guard Position, damit Westbrook auf die Zwei ausweichen kann.

Ein bisschen mehr Geduld; Ein tieferes, optimiertes Playbook; Ein paar zusätzliche Trainingseinheiten mit der neu entdeckten, so verheerenden Smallball-Lineup, die Durant auf die Vier zieht und Matchup-Alpträume verursacht. Sam Presti, Billy Donovan, Durant, Westbrook & co. haben Arbeit vor sich. Du musst erst big aufs Maul bekommen bevor du big gewinnen kannst.

Der Deutsche liebt Fazite. So, here it goes: Oklahoma City war noch nicht soweit. Woraus du gemacht bist, so heisst es, zeigt sich erst in Zeiten echten Widerstandes. Wenn du am Boden liegst. Dort, wo Golden State vor einer Woche war. Und OKC heute ist. Es wird aber nicht lange dauern, ehe alle realisieren, was diese Mannschaft in der abgelaufenen Saison 2015/16 alles erreicht hat. Und dass das Championship-Fenster auch in Zukunft weit offen prangt. Im nächsten Jahr. Und für immer, solange Durant und Westbrook das selbe Trikot überstreifen.


Vielleicht
Anno Haak @kemperboyd ... Ich neige nicht zum Aberglauben oder zur Esoterik. Ich neige aber auch nicht dazu, zu glauben, alles im Basketball mit Zahlen, Taktik und (falschen oder fehlenden) Systemen zu erklären. Wohl deshalb ging mit am Dienstag wieder der schon einmal extensiv formulierte Grundgedanke durch den Kopf: vielleicht ist es diesem Team aus der Prärie einfach nicht bestimmt. Vielleicht hat Larry O'Brien andere Pläne.

Basketballmannschaften haben Zyklen, glaube ich. In einem Zyklus gibt es einen zeitlichen point even, glaube ich. Wenn der verpasst ist, scheint alle Qualität der Welt keine Rückkehr zu ermöglichen. Die Kings 2002, die Blazers 2000, vielleicht dereinst die Clippers 2015. Ausnahmen wie die 2006er Mavs, die eine halbe Dekade später doch noch ihre 15 Minuten bekamen, bestätigen die Regel.


Vielleicht meinte Durant mit der Free Agency vor Augen das, als er sagte: "Ich dachte, das sei unser Jahr!" Das ist ja nicht rational, wenn man weiß, dass man zwei der fünf besten Teams der NBA-Geschichte ausschalten muss, um 2016 zum Jahr des Donners zu erheben. Es ist ein Gefühl, ein Glaube, der Berge versetzen, aber keinen Closeout erzwingen kann. 

Vielleicht ging da am 30. Mai 2016 nicht nur eine Saison, sondern der KD-RW0-Thunderzyklus ohne die finale Krönung zu Ende. (Aber vielleicht war das schon am 30. Oktober 2012 und wir alle (außer Simmons) haben es nur nicht gemerkt.) Drei Verletzungsjahre und eine sportliche Beerdigung. Zum Trost, wenn es so kommt: einen cooleren Totenglöckchenläuter als die Rekord-Dubs wird man für eine Ära, die keine war, nicht finden.


Must-See-TV
Torben Siemer @LifeofTorben ... Was für eine Serie! Überragend. Diese Western Conference Finals gehören zum Besten, was ich in meiner Zeit als NBA-Fan erlebt habe. Das beste Regular Season-Team der Historie mit dem Rücken zur Wand gegen die Oklahoma City Thunder, die den aktuell vielleicht besten Scorer und den vielleicht athletischsten Point Guard, den die Liga bisher gesehen hat, in ihren Reihen haben – dazu eine Defensive aufs Feld stellen, die den Namen „First Team All Wingspan“ verdient hat.

Und die in den Augen vieler diese epische Serie trotz 3-1-Führung in sieben Spielen gegen die Golden State Warriors verloren haben. Für mich hat aber vor allem das Team aus der Bay Area diese Serie gewonnen.

Was Andre Iguodala in den Spielen sechs und sieben defensiv abgeliefert hat, war herausragend. Wie Klay Thompson vor allem in den ersten zwei Vierteln von Spiel sieben die Warriors im Spiel gehalten hat, macht ihn für mich zum MVP der Serie. Welche Aura Steph Curry inzwischen umgibt, wurde dann nach der Halbzeit deutlich – es gibt wohl keinen zweiten Spieler, der so weit hinter der Dreierlinie zum Wurf hochgeht und die Halle überrascht, wenn er NICHT trifft. 


Auch Steve Kerr und seine Assistenten verdienen Anerkennung: Dafür, dass sie ihre Rotation so steuerten, dass die Starter in der entscheidenden Phase des Spiels mehr Luft hatten als ihre Gegenüber. Und deshalb ist auch das Front Office um General Manager Bob Myers zu würdigen: Wenn dein Team in Spiel sieben um den Einzug in die NBA Finals von den Kaderplätzen acht, neun und zehn wichtige Minuten bekommt, hast du in der Zusammenstellung vieles richtig gemacht. 

Dieses Lobeshymne gibt es vor allem deshalb, weil mich eines immer wieder stört: Der oftmals zwanghafte Versuch, der unterlegenen Mannschaft die Schuld am Verlieren zuzuschreiben. Natürlich haben die Thunder Fehler gemacht. Vor allem aber haben die Warriors diese in den entscheidenden Momenten vermieden. Diese Serie war für mich Must-See-TV. Und ich bleibe dabei: Golden State hat diese Serie gewonnen, nicht Oklahoma City diese verloren.


Offseason
Pascal Gietler @PascalCTB ... Was waren das für Playoffs für die Oklahoma City Thunder? Niemand hat auch nur zwei Cent auf einen Einzug der Donner-Dudes in die diesjährigen NBA-Finals gewettet. Dennoch stand die Zwei-Mann-Armee aus Kevin Durant und Russell Westbrook wenige Minuten vor der Sensation.

Die Dallas Mavericks wurden abgesägt, Mark Cuban hat seinen lyrischen Endgegner in KD gefunden („He‘ an idiot“). KD ist schließlich nicht mehr der lappige „Good Boy“, der mit niemanden ein Problem haben will. Er will vielmehr ein lappiger Leader sein - ein „Alpha-Kevin“, quasi. 

In der zweiten Runde machten KD und Busenfreund Russ dann kurzen Prozess mit den Spurs aus San Antonio. Eine Leistung, die Anerkennung verdient, durchaus. Was dann folgte wirkte wie ein Horror-Film für die zahlreichen OKC-Hater: Die Thunder ritten auf einer Welle der Euphorie in Oakland ein, eine schwarmartige Defense und das zweiköpfige Offensivmonster brachten das vermeintlich beste Team aller Zeiten an seine Grenzen. Die Golden State Warriors standen nach dem vierten Spiel mit dem Rücken zur Wand. 


Was sollten die Warriors tun? Man hatte doch quasi schon alles probiert. Neuseeländische Genitalien wurden auf Gebrechlichkeit untersucht, und das Gedisse von Russell Westbrook in Richtung Steph Curry (#JustAShooter) sollte doch ausreichend gewesen sein, oder? Falsch! 

Eine Sache fehlte... eine Sache, die eigentlich so sicher ist, wie das „Amen“ in der Kirche: Der thunder’sche Leistungseinbruch im Schlussviertel. Am Ende des Tages ging dann doch wieder alles mit rechten Dingen zu (GOTT SEI DANK): KD und Russ trafen in den Spielen fünf, sechs und sieben grandiose 34% ihrer durchschnittlichen 15 Wurfversuche im Schlussviertel und leisten sich kumulierte 2,7 Ballverluste, bei nur 2,3 Assists! 

Jetzt bleibt uns allen zum Glück das Elend mit dem Namen „Thunder-Basketball“ für ein paar Monate erspart. Kevin Durant darf sich bei 29 Franchises anbieten, fett abkassieren und einen Englischsprachkurs belegen, bei dem ihm der Gebrauch von Hilfsverben beigebracht wird. 

Russell Westbrook darf sich erneut auf (für ihn) basketballfreie Zeit freuen (schließlich guckt er keinen Basketball, wie ihr elenden Nerds) und kann stattdessen der New York Fashion Week entgegen fiebern. Vielleicht leistet er sich als Gast neben dem Laufsteg weniger Patzer als auf dem Court oder in Interviews. Ich würde es ihm gönnen... (ALS OB! HOFFENTLICH BLAMIERT ER SICH MIT SEINEN STOFFFETZEN-SHIRTS UND SEINEN AVRIL LAVIGNE GEDÄCHTNISLOOKS BIS AUF DIE KNOCHEN!) 


ChokeKC
Marc Wudi @MarcCTB ... Mittwoch, 25. Mai, morgens deutscher Zeit. Die Thunder haben soeben die hochfavorisierten Warriors in heimischer Halle mit 118-94 besiegt und dabei eine absolut dominante Performance abgeliefert - ihr dritter Sieg in vier Spielen. Nur noch einer fehlt bis zu den NBA Finals.


Dann tritt das ein, was gegen die Warriors nicht passieren darf: 'Heroball'. Das Super-Duo aus Russ und KD trifft in den letzten fünf Minuten keinen einzigen Wurf, verliert den Ball jedoch unglaubliche sechs Mal. Am Ende zu viel, um die unglaubliche Performance von Klay Thompson (41 Punkte, 11 Dreier - Playoffs-Rekord!) zu überbieten. OKC verliert überraschend noch mit 101-108.

Das Blatt hat sich gewendet, die Warriors sind dank des Heimvorteils für Spiel sieben wieder der klare Favorit. Und setzen sich am Ende dank einer starke Performance von Chef Curry mit 96-88 durch, machen das Unmögliche möglich und treffen nun auf die Cleveland Cavaliers in den NBA-Finals.

Am Ende scheiterte OKC wie so oft an sich selbst. Der Teamball wurde unerklärlicherweise nach Game 3 weitestgehend aufgegeben. Wenn die Rollenspieler dann ihre Würfe bekamen, konnten sie diese nicht treffen, oder verweigerten sie gänzlich, weshalb die Last am Ende wieder auf Russell Westbrook und Kevin Durant fiel. Dass die 'Splash-Brothers' auf Gegenseite plötzlich auch wieder ihre Dreier (35-72 in den entscheidenden drei Partien) trafen, war für ChokeKC am Ende auch eher kontraproduktiv. OKC you next Year!