20 Juni 2016

20. Juni, 2016


Die Playoffs sind on! Bei so viel irrsinniger Action pro Woche macht es nicht immer Sinn, traditionell zu berichten. Nicht weiter schlimm: die nbachefsquad ist zur Stelle wie Kyrie Irving in Crunchtime und versorgt euch wöchentlich mit artgerechten Häppchen zur Postseason-Action 2016.

von NBACHEFSQUAD

Drew Crew 
Seb Dumitru @nbachefkoch ... Was musste sich Kyrie Irving nicht alles anhören, nicht alles lesen, nicht alles beantworten auf dem Weg zum ersten Titel der Franchise-Historie? Nicht nur früher, als der Number One Pick die Cavaliers alleine aus dem Morast der post-LeBron-Jahre ziehen sollte. Auch vergangenes Jahr. Auch dieses Jahr. Shit, sogar vor einer Woche noch.

„Er macht das Team nicht besser!”… „Er ist ein Sieb!”… „Seine Wurfauswahl würde Kobe erröten lassen!”… „Mehr Matthew Dellavedova, bitte…!” Okay, Stop. Cleveland ist NBA-Champion. Weil LeBron James Übermenschliches geleistet hat und eine der dominantesten Finalserien aller Zeiten abspulte. 

Weil Tristan Thompson die Arbeit von drei Freisassen alleine erledigte. Weil Rollenspieler wie Richard Jefferson und Dahntay Jones zum richtigen Zeitpunkt richtig wichtige Beiträge leisteten. Aber vor allem, weil LeBron in Irving den perfekten Wingman an seiner Seite hatte. 'Uncle Drew' war der Feuerball vor der Dampflok 23, die sich den Weg zum Titel bahnte.


699 zu 699 stand es in dieser epischen Finalserie nach 335 von 336 absolvierten Minuten, ehe Irving den entscheidenden Dreier zum Titel einnetzte. Ein kleines Tänzchen mit Steph Curry, hesitation-between-the-legs-Dribble, Stepback, Dreier, nichts als Netz! 

Spiel, Satz, Sieg, es war das Ausrufezeichen hinter fünf dominante Vorstellungen des Cavs-Einsers in diesen Finals. Irving erzielte in den Partien drei bis sieben 30.8 Punkte im Schnitt - bei unaufhaltsamen 51% aus dem Feld, 47% von Downtown und 95% von der Freiwurflinie.


Seine Playoff-Statistiken kumulativ: 25 Punkte und 5 Assists, für ein PER von 24.7. Zahlen hin, Zahlen her, das ist Big Time Stuff mit Big Time Cojones von einem Big Time Talent. Im entscheidenden Spiel sieben scorte Kyrie 12 seiner 26 Zähler im dritten Viertel, hielt die Cavs so im Alleingang auf Tuchfühlung. 

Cleveland wehrte drei Matchbälle des dominantesten regular season Teams aller Zeiten ab - weil Irving sein persönliches Duell auf der Eins mit dem MVP nicht nur ausgeglichen gestaltete, sondern es straight up für sich entschied. Und die CP3-für-Kyrie Gerüchte von vor einer Woche... die sind heute irgendwo dort, wo Golden States Meisterschaftshoffnungen gelandet sind.


I'm Home
Gerrit Lagenstein @GAL_Sports ... 52 Jahre sind eine verdammt lange Zeit. Es ist die Lebenserwartung Somaliers. Wie sich die Welt in so einer Zeitspanne entwickeln kann? Zwischen 1964 und 2016 flog die Menschheit auf den Mond, der Sozialismus brach zusammen und das Internet eroberte den Planeten. Der Basketball hat sich in dieser Epoche genauso verändert. Vor fünf Dekaden gab noch keine Dreipunktlinie und die NBA wurde von Big Man wie Wilt Chamberlain oder Bill Russell dominiert.

Sprich, die Liga war genau das Gegenteil von dem, was sie heute ist. Die Golden State Warriors stürmten durch die Regular Season, stellten mit ihrem gefürchtetem Small Ball einen neuen Siegesrekord auf und sahen bis vor wenigen Tagen wie der sichere World Champion 2016 aus. Zu steinzeitmäßig agierten die Cleveland Cavaliers auf der anderen Seite. LeBron Isolation hier, Tristan Thompson Big Man Hustle da - wie vor mehr als 50 Jahren.


Am Sonntagabend haben sich die Cavs dennoch in die Geschichtsbücher eingetragen. Nie zuvor hat ein Team einen 1-3 Rückstand in den Finals aufgeholt. Die Kavaliere haben es geschafft. Sie mögen nicht wie ein Team in der NBA 2k16 gespielt haben, mögen weniger Talent gehabt haben als Golden State, doch als sie gefordert wurden, waren sie zur Stelle. 

Wenn die Saison am seidenen Faden hängt, gewinnen eben keine Systeme die Meisterschaft, sondern Superstars. LeBrons Block und Irvings Dreier blieben unerwartet. 2014 verkündete James sein Homecoming nach Ohio. 2016 ist es die Meisterschaft auch - zum ersten Mal seit 52 Jahren und allen Widrigkeiten zum Trotz. 


Das Ende des Weges
Torben Siemer @LifeofTorben ... Ich war sprachlos. Und das passiert mir, glaube ich, selten. Zum ersten Mal sah ich LeBron James am Boden. Und zwar nicht nach dem Foul von Draymond Green, sondern nach dem finalen Buzzer. In Tränen aufgelöst, ausgelaugt – glücklich und erlöst.

Lange Zeit war ich kein Fan von James gewesen, er mir einfach nicht sympathisch. Die Decision, die „not four, not five, not six“-Vorstellung in Miami, die Finals 2011, all das widerstrebte mir. Und doch passierte es in diesem Moment: Ich freute mich. Für LeBron.


Auch wenn er schon vorher sportlich über den Dingen stand – diese Finalserie war im wahrsten Sinne des Wortes seine Meisterleistung. In den Spielen fünf bis sieben strahlte James eine Dominanz aus, die ich so noch nie erlebt habe. „The Block“ gegen Andre Iguodala wird in die Geschichte eingehen, „The Dunk“ hat Draymond Green per Foul verhindert.

Den ersten Titel nach Cleveland geholt, gegen eines der besten Teams überhaupt als erstes einen 1-3-Rückstand noch gedreht und Spiel sieben auswärts gewonnen – mehr geht nicht. Dass LeBron außerdem die meisten Punkte, Rebounds, Assists, Steals und Blocks in dieser Serie sammelte, verdeutlicht seine herausragende Stellung. 


Wie gesagt, auch mir fehlten die Worte, auch ich war ein wenig angefasst. Als 18-Jähriger war er in die Liga gekommen, als „the next big thing“, als Versprechen an eine bessere Zukunft der chronisch erfolglosen Sportstadt Cleveland. LeBron James nun dabei zu beobachten, wie er seinen basketballerischen Lebenstraum erfüllt, ging auch an mir – der sonst eher recht objektiv auf den Sport blickt und mit Fan-Sein wenig verbindet - nicht spurlos vorbei.

LeBron James muss nichts mehr beweisen, er ist spätestens jetzt einer der größten Basketballer aller Zeiten. All hail King James!


Mehr
Peter Drews @PeterDrews1990 ... Um gleich klar Schiff zu machen: Ich war nie ein großer LeBron James Fan. Dieser arrogante Fatzke, dachte ich immer. Das hat sich letzte Nacht geändert. Ich kann nur meinen Hut vor seiner Leistung und seinem unbedingten Willen ziehen, zum dritten mal Champion zu werden. Seine Emotionen nach dem Spiel haben gezeigt, wie wichtig es Ihm war, den Titel nach Ohio zu holen.

Die Partie war über die komplette Länge ausgeglichen. Zwar konnte jedes Team einen dieser Runs starten, sich im Endeffekt aber nie weit genug absetzten. Die Warriors schafften es besser als in den Spielen davor, James aus der Zone zu halten. Allerdings gelangen im immer wieder schnelle Punkte durch Fastbreaks, oder durch konsequente Ausnutzung von Mismatches.

Die Partie war geprägt von etlichen Führungswechseln und einem Splash Brother Duo, welches zu keiner Zeit in die Partie fand. Trotzdem behielten die Warriors Ihr Spiel bei und versuchten durch Dreier zu punkten, was vor allem durch Draymond Green gelang. Die Cavs hingegen trafen zunächst gar nichts aus der Entfernung.


Vor der Partie ließ Stephen Curry verlauten, dass er sein bestes Spiel der Karriere machen müsste, um den Titel zu holen. Davon war nicht viel zu sehen. Er wirkte nicht 100 % fit und schien müde zu sein, so dass er mehr durch unnötige Turnover und durch schlechte Wurfentscheidungen als durch seine grandiose Offensive auffiel.

Eine Schwäche der Warriors wurde in dieser Partie von den Cavaliers gnadenlos aufgedeckt: Hinter Andrew Bogut klafft auf der regulären Center Position ein Loch. Weder Festus Ezeli noch Anderson Varejão konnten auch nur ansatzweise mit Tristan Thompson mithalten.

Am Ende wurde diese tolle Serie durch die Fitness der Cavs entschieden. Den Warriors merkte man an, dass Sie bereits eine harte Serie über sieben Spiele in den Knochen hatten. Cleveland hatte mehr Luft. Was bleibt, ist eine 73-9 Saison der Warriors, die ohne Titel endete. Der ist nun zum ersten Mal überhaupt in der „Stadt der Verlierer“.


Der Tag, der niemals kam
Tiago Pereira @24Sekunden ... Nachdem die Sirene ertönt, gibt es immer einen der lachend und einen der weinend vom Parkett geht. Das ist Basketball und genau dafür lieben wir ihn. Als LeBron James nach dem letzten Buzzer der Saison auf seine Knie fiel und den Hardwood mit seinen Tränen überströmte, sahen wir alle einen Grund mehr, Basketball zu lieben.

Seit Jahrzehnten kannte die Stadt Cleveland nur ein Sportszenario und nachdem die Golden State Warriors nach vier Spielen bereits drei Siege in der Tasche hatten, sah es für die Männer aus Ohio nach 'Business as Usual' aus. Selbst als James zusammen mit Kyrie Irving zwei Match Bälle, davon einer in Oakland, abwehrten und ein Spiel 7 forcierten, blieben die Dramen der Vergangenheit im Gedächtnis. 


What you see, is all there is. Bis gestern sahen wir Cleveland nur als Stadt der Tränen und Tragödien, die selbst der Basketball Messias nicht retten konnte. Als LeBron James aber, umringt von Reportern und Teamkollegen, sich vom Parkett der Oracle Arena erhob, tat er dies nicht als Verlierer.  Der König hatte sein Versprechen endlich eingelöst – Cleveland ist endlich Meister.

Gleichzeitig zerbrach für die Krieger aus Oakland eine perfekt geglaubte Saison. 60 Sekunden fehlten den Warriors zum Schluss, um einer 88 Siege Spielzeit den goldenen Abschluss zu bescheren. Die größte Errungenschaft der Basketballhistorie wurde Steve Kerr und seinen Männern verwehrt, damit ein einfacher Junge aus Akron, Ohio seinen Traum erfüllen konnte. 

Für Stephen Curry, den zweifachen MVP, wurde der 19. Juni zu einem Tag, der niemals kam. Geschichte, so grausam dies auch ist, wird von Gewinnern geschrieben. Diese waren die Warriors am Ende nicht. 

Für LeBron James dagegen ist dieser Sonntag ein Tag, an den nur er geglaubt hatte, dass er kommen würde. Doch die Larry O’Brien Trophäe in seinen Händen machte es allen klar, Cleveland steht an der Spitze des Basketball-Olymps. Zum Schluss bleibt nur noch eines zu sagen: "Lang lebe König James!"


Die Zahlen kannst du dir sonstwas...
Onur Alagöz @LakersParadigm ... Ein wahrer class act, dieser Draymond Green. Seinem Gegner in der schmerzlichsten Stunde den Respekt zu zollen, das ist wahre Größe. Man sah ihnen den Schmerz an, Curry, Green, Thompson. Letzter gab danach zu Protokoll: "It is the hardest thing I've ever had to go through in my sports career. It's just difficult to process right now."

Damit wäre die stellenweise witzige, irgendwann nervige, Diskussion darüber, wer das bessere Team ist, auch beendet. Die 95/96-Bulls haben ihren Platz an der Spitze des Olymps mit einem Titel konsolidiert. Die Warriors sind in den Playoffs eingebrochen.


Ja, Curry war verletzt, aber make no mistake: Dieser Titel wäre wichtig gewesen. Jetzt ist es, wie Bill Simmons so schön gesagt hat, nur eine Saison mit Sternchen. Klar, diese Rekord hat - vermutlich - Bestand und ich möchte um Gottes Willen keine Leistung der überragenden Akteure dieses Jahr schmälern. Aber ohne Titel fühlt es sich nur halb so gut an. So unvollendet. So gescheitert eben.

Aber das wird das Feuer in ihnen sein, in diesen außergewöhnlichen Warriors. Dass nach 73-9 in der gesamten regulären Saison die Playoffs mit "nur" 15-9 absolviert wurden. Dass sie 3-1 in Führung gegangen und dann den Knockout-Punch nicht bringen konnten, wird schmerzlicher sein als alles andere, was sie diese Saison erlebt haben. Die Rekorde sind zwar schön und gut, aber die Larry O'Brien Trophy am Ende in die Luft zu stemmen wäre der größere Gewinn gewesen.


The Decision
Stefan Dupick @Hoopsgamede ... …Totgeglaubte leben länger! Diese abgedroschene Phrase passt perfekt zu den Cleveland Cavaliers in den diesjährigen NBA Finals. So ganz realisiert habe ich noch nicht, was da in den letzten Tagen passiert ist.

Die Cavs haben den Warriors tatsächlich den Titel vom Teller gestohlen. Nach der 3-1 Führung war
die Titelverteidigung der Warriors nahezu in Stein gemeißelt. Niemand, wirklich niemand gab mehr einen Pfifferling auf ein Comeback der Cavaliers. So etwas hatte es schließlich noch nie gegeben, dass ein Team einen solchen Rückstand im Finale noch einmal wett macht.

LeBron James sah die Sache bekanntlich ganz anders. Der King spielte eine beeindruckende Final-Serie und krönte seine one-man Show letztlich mit einem Triple Double und dem Finals MVP Award. Es war, auch das dürfte feststehen, eine der besten Final-Leistungen aller Zeiten.


Diese Nebensächlichkeiten dürften LeBron jedoch ziemlich egal sein, denn alles was zählt ist der Titel. Endlich konnte LeBron einen Titel in seine Heimat bringen. Das war sein Ziel, als er von Miami zurück nach Cleveland ging, das hat er geschafft. Gratulation nach Cleveland und höchsten Respekt an den besten Basketballer des neuen Jahrtausends.

Zwei Jahre nach seiner Rückkehr können wir damit endlich wieder das Fass aufmachen, ob der King in Cleveland bleibt oder nicht? James kann im Sommer aus seinem Vertrag aussteigen, erneut, und er wird von seinem Recht Gebrauch machen, erneut. Die Frage, die uns also in den nächsten Wochen beschäftigen wird, ist: Bleibt er oder geht er...?!