23 Juni 2016

23. Juni 2016


von MATTIS OBERBACH @MattisOb

„Es ist wie im richtigen Leben, den Letzten beißt der Zonk. Aber die ersten, die können richtig abkassieren.“

Wo genau sich der Zonk für die Philadelphia 76ers befindet, ja, das möchte man gerne wissen. Es gibt vermutlich auch etliche Zonks im NBA Draft 2016. Welche Wahl die richtige sein wird, man wird es wohl erst nach mehreren Sonnenumdrehungen wirklich erfahren.

Fest steht: Die Sixers haben den ersten Pick. Endlich. Sam Hinkie sei Dank, oder auch nicht, je nachdem, wen man fragt. Die Franchise darf jetzt aus dem Vollen schöpfen, darf ganz alleine und ohne Störungen bestimmen, wie sich in der Nacht von Donnerstag auf Freitag ihr eigenes Schicksal und das anderer Franchises verändert.

Man könnte jetzt zurecht einwerfen, dass die Wahl praktisch schon getroffen wurde. Nicht nur gab es am Dienstag Berichte, dass Ben Simmons (LSU) nach seinem Workout in Philadelphia schon Bescheid bekam, er würde der erste Pick werden. Kurz darauf zeigte er sich bei Instagram mit der 76ers-Workout-Uniform und betitelte das Bild „Trust the Process“.

A photo posted by Ben Simmons (@bensimmons) on

Der Forward, 2,08 Meter groß, gilt als potentieller Superstar in the making. Werfen kann er nicht ganz so gut wie etwa Brandon Ingram, aber einen wahren Spielmacher gibt es nicht in der Stadt der brüderlichen Liebe. In einem zwei-Spieler-Draft ist Simmons das sicherste Ding, das werden die meisten bestätigen.

Fest stehen tut natürlich noch gar nichts, bis Adam Silver bekannt gibt, wen die Sixers wirklich draften. Und bis dahin gibt es nichts Schöneres, als sich Gedanken zu machen - um das, was sein wird, sein könnte, und was definitiv nicht sein sollte.

„Darf ich Ihnen Tor 1 anbieten?“

Ben Simmons
Viel sagen muss man fast gar nicht mehr, so viel wurde bereits über ihn gesprochen. Er gilt als Riesen-Talent und, obwohl er erst weder für die Sixers noch für andere Teams vorspielen wollte, er muss zu einem der schwächeren Teams der Vorsaison gehen. So ist das System NBA, also warum sich querstellen? Er scheint sich an diesem Dienstag damit abgefunden,  zu haben und in Philadelphia steigt die Vorfreude.

Einer, der die Bälle verteilen kann, zusammen mit einem, der sie unter dem Korb nicht nur reinstopft, sondern auf der anderen Seite auch blockt. Dass Joel Embiid am selben Tag die Erlaubnis zu leichtem Team-Training bekam, es war wie der perfekte Sturm. Und auch Simmons und Embiid selber scheinen dem nicht abgeneigt.

A photo posted by Ben Simmons (@bensimmons) on

Die Frage bleibt, wer bei den Sixers werfen soll. Mit Embiid, der noch immer kein Spiel absolviert hat, Jahlil Okafor und Nerlens Noel haben sie weiterhin drei eigentliche Center im Kader, die alle keine Werfer sind. Simmons hat sich eben nicht als Gefahr von außen gezeigt, er traf, Trommelwirbel, einen von drei Dreiern am College.

Deshalb vielleicht doch lieber…

„…diesen Umschlag hier?“

Brandon Ingram
Ingram ist zwei Zentimeter kleiner als Simmons (na und!?) und traf 41% seiner Dreier. Die Gefahr, unterm Korb zu viele Spieler zu haben, sie ist real in Philly. Ingram wäre eine ernstzunehmende Gefahr von außen und würde sofort ein Stück Wettbewerb ins Wells Fargo Center holen.


Simmons also ziehen lassen? Einen Spieler, der die Franchise so stark verändern kann wie 1996 Allen Iverson? Exakt 20 Jahre, nachdem sie das letzte Mal den ersten Pick hatten, 1996, gibt es nun wieder die Chance, allen anderen Franchises den besten Spieler wegzunehmen.


Nein, nach den Berichten am Dienstag wäre es eine große Überraschung, wenn sich GM Bryan Colangelo nicht für das glänzende neue Spielzeug (Simmons) entscheiden würde. Langfristig mag Ingram besser sein, keiner weiß das, aber Phill will die Arena füllen und Spiele gewinnen und zwar sofort.

Aber warum sich selbst beschränken?

„Tor 1 also? Na gut, aber darf ich Sie zusätzlich auf Tor Nummer 3 aufmerksam machen?“

Oh, jetzt werden die Ohren gespitzt. Es ist Offseason ist Philadelphia, schon seit Längerem, und da wird viel geredet, geschrieben, philosophiert. Bis heute ist noch nichts Konkretes passiert, aber es scheint etwas in der Luft zu liegen, traut man den Gerüchten.


Die Sixers haben Pick eins, die Lakers Pick zwei und die Celtics Pick zwei. Die Lakers werden, so heißt es, Simmons oder Ingram nehmen, wer eben noch übrig ist. Doch dann wird es richtig spannend, denn die Celtics an drei sind deutlich näher dran an der Spitze der Liga als Philadelphia oder Los Angeles. Wollen die Celtics also einen Rookie? Oder vielleicht…

Jahlil Okafor? Nerlens Noel?
Irgendwen müssen die Sixers abgeben, sie können nicht mit drei Centern auf dem Court stehen. Warum also nicht einen abgeben und sich damit einen weiteren wichtigen Baustein für die Zukunft holen? Zugegeben, es sind Gedankenspiele, aber mögliche.

Es könnte so laufen: Die Sixers traden sich per Okafor oder Noel zum dritten Pick hoch und könnten dann drei Fliegen mit einer Klappe schlagen.

Erste Fliege: Simmons draften, der die Fans begeistert und das Team hinter sich bringt, es vorwärts treibt, die Franchise lenkt, zum Superstar avanciert, den viele und vor allem Sixers-Fans schon jetzt in ihm sehen.

Zweite Fliege: An dritter Stelle einen Kris Dunn draften, einen Buddy Hield, einen Jamal Murray oder einen anderen Shooter. Vermutlich sind nicht nur diese drei, sondern eine Reihe weiterer Spieler sofort ein Upgrade in Sachen Scoring. Simmons dribbelt und passt, Dunn/Hield/Murray/Mister X wirft, Embiid dunkt und blockt… Broad Street kann jetzt schon für die Parade 2017 vorbereitet werden.

Dritte Fliege: Philly könnte so unter dem Korb ein wenig Luft schaffen, indem sie zumindest einen der drei Großen abgeben.

Durchatmen, runterkommen...

Ein klein wenig Zeit ist noch bis zum Draft, viel kann passieren. Dass es bei der Reihenfolge PHI-LA-BOS bleibt ist nicht unwahrscheinlich und gut möglich. Sollten die Celtics Noel lieber haben wollen als Okafor, was nicht überraschend käme, die Sixers Noel aber behalten wollten, dann würde ein Trade vielleicht platzen.

Außerdem kann Philadelphia ihre Assets auch zu anderen Teams verschieben. Atlanta und Jeff Teague waren im Gespräch gewesen. Und hey, ich bin Fan der Sixers, möchte aber nicht, dass Jeff Teague kommt.

Als TV-Event ist der Draft im Normalfall eher dröge, für die Stadt Philadelphia kann er in diesem Jahr aber den großen Wendepunkt markieren.

Simmons scheint der nächste Sixer zu werden. Darüber hinaus gibt es noch so viele Umschläge, äh, Möglichkeiten. Es ist schwierig zu sagen, wo der Zonk versteckt ist. Beißen tut der Zonk allerdings in der NBA nicht nur diejenigen, die falsche Entscheidungen treffen. Es ist keine Wissenschaft, jeder macht Fehler. Gebissen wird, wer nicht alles tut, um richtig abzukassieren.