16 Juni 2016

16. Juni, 2016


Die alte Rookie-Garde eben erst ausgezeichnet, steht eine brandneue bereits in den Startlöchern. Am 23. Juni geht für weitere 60 Youngster ein Lebenstraum in Erfüllung, wenn sie Commissioner Adam Silver in der NBA willkommen heißt. Wir behalten eine unserer liebsten Traditionen hier bei NBACHEF bei und checken im Vorfeld alle Talente dieses Jahrgangs... in unseren patentierten Draft Spotlights.

von AXEL BABST @CoachBabst

Betrachtet man nur den bisherigen Werdegang und Lebenslauf hat Skal Labissiere wahrscheinlich gute Chancen, auf dem ersten Platz unter den diesjährigen Draft Talenten zu landen. Der Haitianer überlebte das Erdbeben 2010 mit knapper Not und konnte einige Wochen lang nicht richtig laufen, weil er im eigenen Haus von Trümmerteilen ungünstig einschlossen war. Wenig später zog er in die USA, um dort endlich seine Basketball Karriere entscheidend nach vorn zu bringen.

Auch in Memphis durchlebte Labissiere eine ereignisreiche Zeit. Er lernte flüssig Englisch zu sprechen, wechselte die Highschool, durfte jedoch nicht für sein neues Team spielen. Stattdessen streifte er sich das Trikot des Teams von Gerald Hamilton, der Labissiere wie viele andere internationale Spieler auch in die NBA gelotst hatte. Aufgrund dieser unübersichtlichen Situation war kurz vor seiner Freshman Saison bei den Kentucky Wildcats auch nicht klar, ob Labissiere überhaupt rechtzeitig die Spielfreigabe erhalten würde.

Die Fans der Kentucky Wildcats bangten wochenlang mit ihrem neuen Hoffnungsträger. Schließlich sollte er der nächste Top Prospect und Number-One-Pick unter John Calipari werden. Nachdem er einen starken Eindruck beim Hoop Summit 2015 hinterlassen hatte, waren sich die Scouts einig, dass er und Ben Simmons sich das Jahr über um den ersten Platz im Draft balgen würden. Viele Experten sahen dabei den Haitianer vorne.

Die Situation in Kentucky schien dafür auch perfekte Rahmenbedingungen zu schaffen. Nach den Abgängen der gesamten Starting Five und einiger weiterer wichtiger Rotationsspieler schien Kentucky nicht so stark zu werden wie noch in den Vorjahren, aber dennoch gut genug für einen möglichen Titel, zu dem Labissiere sein Team hätte führen sollen.


Entsprechend groß waren die Erwartungen an den jungen Big Man. Viele erhofften sich einen zweiten Anthony Davis. Allerdings war bereits nach wenigen Saisonwochen klar, dass dieser Vergleich deutlich zu hoch gegriffen war. Sein stärkstes Spiel absolvierte der neue Hoffnungsträger gegen NIJT, bei dem er 26 Punkte in 21 Minuten erzielte. Allerdings konnte er solch dominante Auftritte im weiteren Saisonverlauf kaum noch wiederholen.

Entsprechend schwankten seine Spielzeit und seine Rolle von Woche zu Woche, teilweise sogar von Spiel zu Spiel. In den wenigen Sequenzen, die Skal manchmal auf dem Spielfeld verbrachte, unterliefen ihm derart viele Fehler, dass Coach Cal sich zur sofortigen Auswechslung gezwungen sah und ihm permanent lautstarke Ansagen machte. All diesen Einflüsse und dem auf ihm lastenden Druck schien er nicht gewachsen sein und ließ in so manchem Spiel jedwedes Selbstvertrauen vermissen. Nur spärlich konnte der Big mit Spielen wie im Rückspiel gegen LSU - 18 Punkte, neun Rebounds und sechs Blocks - mit positiven Überraschungen aufwarten.

Das frühe Ausscheiden Kentuckys im NCAA Tournament ist ihm weder konkret anzulasten noch konnte er es verhindern. Was sich im ersten Moment harmlos anhört, klingt fast schon mitleiderregend für einen Spieler, dem wenige Monate zuvor noch das Potential zum Franchise-Player nachgesagt wurde.

Derartige Aussagen waren vor allem auf sein offensives Paket zurück zu führen. Das ist auch bis heute unverändert interessant. Denn Labissiere verfügt durchaus über die notwendigen Werkzeuge, um ein sehr schwer zu verteidigender Offensivspieler zu werden. Zunächst sticht sein guter Wurf heraus. Zwar konnte er ihn nur selten wirklich zeigen, allerdings sieht er technisch wirklich gut aus. Kleinere Fehler sind zwar noch enthalten, doch die sollten sich einigermaßen einfach beheben lassen.

Viel wichtiger ist jedoch, dass Labissiere lernt, seine Würfe richtig vorzubereiten. Hier offenbarte er Schwierigkeiten. Ob dies allein mit fehlender Erfahrung und schlechter Einbindung in die Teamoffense zu begründen ist, kann zum jetzigen Zeitpunkt kaum endgültig bewertet werden. Dafür stand Labissiere insgesamt zu wenig auf dem Feld und war offensiv zu selten am Ball.


Bei den Freiwürfen fällt auf, dass alle Parts des Wurfs einzeln betrachtet schon durchaus zu gefallen wissen. Allerdings harminieren die einzelnen Bewegungen noch nicht miteinander. Das liegt vor allem daran, dass Labissiere Bein- und Armbewegungen nicht optimal koordiniert. Gerade das letzte Abklappen des Handgelenks und Strecken des Wurfarms müsste er früher einleiten, um die Kraft aus den Beinen optimal auszunutzen.

Beim Sprungwurf hat Labissiere noch zu viel Hektik in seinen Aktionen. Oft hat er seine Hände noch nicht wurfbereitet, wenn er den Ball fängt. Anschließend schleichen sich viele kleine Fehler ein. In diesem Fall gerät Labissiere in Rücklage, da er nur aus dem Oberkörper wirft. Entsprechend ist der Wurf zu kurz und durch den relativ hohen Kraftaufwand aus den Armen klappt er auch sein Handgelenk nicht formvollendet ab.


Durch seinen guten Wurf bevorzugt Labissiere Short Rolls im Pick & Roll. Somit ist er für den Guard in der Regel direkt anspielbar und kann als erste Option auf seinen Mitteldistanzwurf bauen. Allerdings zeigt er durchaus Ansätze, die daraufhin deuten, dass er das Potential zu mehr als einem reinen Jumpshooter aus dieser Situation hat. Er kann auch mal einen guten Pass auf die Weakside oder an die Grundlinie anbringen.

Als nächsten Schritt sollte sich Labissiere einen akzeptablen Drive aneignen. Kann er nach dem Rollen mit einem harten Dribbling Closeouts attackieren, was angesichts seiner Mobilität perspektivisch möglich sein sollte, ist er im Pick & Roll viel gefährlicher und bezieht konstant einen dritten Verteidiger in das Pick & Roll mit ein.

Als Finisher ist Labissiere zwar noch nicht konsequent genug, allerdings stimmen zumindest die Voraussetzungen. Er hat keine Scheue, beide Hände gleichermaßen zu nutzen und weist dabei auch qualitativ kaum Unterschiede auf.


In der ersten Szene wird Labissieres Mobilität deutlich. Er ist noch nicht sonderlich explosiv in seinen Aktionen und kann seine athletischen Möglichkeiten im Halbfeld oft noch nicht gezielt einsetzen, allerdings ist er jetzt schon ein ordentlicher Rimrunner, der seine Gegenspieler problemlos hinter sich lassen kann.

Beim folgenden Finish ist bemerkenswert, dass der Big den Ball auf die rechte Hand gepasst bekommt und trotzdem die Situation richtig liest, indem er das Leder auf die linke Seite rüberzieht und automatisch mit der linken Hand finisht. Das klingt im ersten Moment banal, allerdings sind die wenigsten NCAA Bigs in diesem Alter dazu in der Lage und haben eine solche scheinbar selbstständige Bewegung automatisiert.

Ergänzt werden Labissieres Wirkungsräume um sein Offensivrebounding und sein grundsätzliches Talent für Putbacks. Zwar war sein Rebounding insgesamt unterirdisch schwach (dazu später mehr), allerdings bewegte sich zumindest das Offensivrebounding in einem annehmbaren Bereich. In seinen knapp 15 Minuten pro Spiel sicherte sich Labissiere knapp einen Offensivrebound im Durchschnitt und konnte zusätzlich auch immer wieder Einwürfe erkämpfen oder zumindest schnelle Outletpässe des Gegners verhindern.

Durch sein geringes Körpergewicht ist Labissiere nach dem Rebound schnell wieder mit einem zweiten Sprung in der Luft und kann durch seine Schnelligkeit Putbacks einsammeln. Einschränkend sollte jedoch angefügt werden, dass ihm auch viele Bälle durch die Hände gleiten, die er eigentlich schon sicher hatte. Grunde hierfür sind seine geringe Masse und seine kurze Spannweite.


Bei den Putbacks fällt zudem auf, dass Labissiere den Ball nach dem Fangen nicht an die Hüfte bringt, sondern sogar demonstrativ schützt, was ein wichtiger Instinkt für Bigs ist. Dadurch kann Labissiere der Gefahr von Steals oder Fouls entgehen und schnell wieder finishen. Sobald Labissiere kräftiger wird, sollte sich das noch stärker bemerkbar machen.

Genau der Faktor Kraft ist aber im Moment die größte Einschränkung in Labissieres Spielweise. Ihm fehlen Power, Explosivität und Masse, um in der Zone ein konsequenter Finisher zu sein. Neben den Abschlüssen an sich, bei denen Labissiere oft seitlich einknickt, weil ihm die Hüftstabilität fehlt, kommt es jedoch oft erst gar nicht zum Wurfversuch aufgrund der mangelnden Physis des Freshman.

Postups enden in der Regel als Fadeaways. Ihm fehlt die Kraft, um sich tiefe Position zu erarbeiten oder den Gegenspieler mit dem Ball in der Hand nach hinten zu schieben. Daher unternimmt er in vielen Situationen nicht mal den Versuch, sich für eine gute Ausgangslage aufzureiben und verharrt stattdessen ohne Körperspannung am Zonenrand oder in der Mitteldistanz. Sollte er den Spalding doch bekommen, verliert er ihn, ehe er sich überhaupt einen Move überlegt hat.

Ein weiteres Manko ist Labissieres fehlendes Feeling für Raum und Zeit. Er steht zu oft verloren in der Gegend rum und scheint gedanklich manchmal hinterher zu hinken. Das macht sich vor allem bei Durchsteckern oder Lobanspielen bemerkbar. Entweder er rechnet gar nicht mit dem Pass oder falls doch braucht er immer einen Moment, um sich zu sammeln. Das hat in der NCAA bereits zu lange gedauert und wird sich in der NBA noch schneller rächen. Bei Lobs fehlt ihm zudem das Timing. Er springt zu früh ab und hat dadurch Probleme beim Catch.


Bezeichnend und eine kleine Zusammenfassung des ganzen Offensivdilemmas ist die Szene mit dem Lobpass. Labissiere stellt (ausnahmsweise) einen guten Screen und rollt sich im richtigen Moment ab. Ben Simmons rotiert pflichtgemäß und verhindert eigentlich das direkte Anspiel. Labissiere präsentiert sich aber auch nicht als gutes Passziel. Seine Hände sind unten und er sucht keinen Kontakt mit Simmons. Sollte der Pass tatsächlich kommen, hätte dadurch Simmons leichtes Spiel, den Pass abzufangen.

Durch Ulis' gute Courtvision und Simmons' Übereifer ist Labissiere dann auf einmal doch vollkommen frei in der Zone. Allerdings springt er viel zu früh ab und verliert dadurch seinen Vorsprung. Durch das Dribbling verliert er ihn komplett und bringt sich in eine schwierige Lage, in der wieder seine fehlende Kraft offensichtlich wird. Der Ballverlust ist vorprogrammiert.

Offensiv bringt Labissiere also durchaus ansprechende Anlagen mit, die erklären, woher der Hype der Hoop Summit Woche kam. In Workouts und Übungen ohne Gegenspieler wirken seine Bewegungen sicherlich sehr rund und fortgeschritten. Die Kombination aus Wurf, Touch und Beweglichkeit ist nicht oft bei Bigs zu finden. Um diese Eigenschaften und Talente jedoch richtig einsetzen zu können, muss Labissiere dringend an Masse zulegen und auch sein Spielverständnis schärfen.

Defensiv sind Labissieres Leistungen, momentaner Stand und Potential ebenfalls getrennt voneinander zu betrachten. Auf den ersten Blick lesen sich 1,6 Blocks pro Spiel in den 15 Minuten, die er pro Partie sah, durchaus ordentlich. Allerdings werden diese relativ schnell durch seine 7,6 Fouls auf 40 Minuten hochgerechnet egalisiert. Zudem ist Labissiere bei weitem nicht so ein guter Ringbeschützer oder gar Verteidiger, wie es der erste Wert vielleicht vermuten ließen.

Das liegt in erster Linie wieder am fehlenden Spielverständnis. So schlecht Labissiere sich offensiv abseits des Balls bewegt, defensiv erreicht er ganz andere Tiefpunkte. Das fängt bei grundlegenden Fehlern an. Oft positioniert er sich schon bei simpelsten Situationen falsch. Dribbelt der gegnerische Point Guard noch oben an der Dreierlinie rum und versucht ein Play zu initiieren, während Skals Gegenspieler am Brett auf die Instruktionen wartet, steht der Haitianer bereits falsch. Da er oft auf der Linie zwischen Ball und Gegenspieler und kein Dreieck mit diesen beiden Fixpunkten bildet.

Neben solch einfachen Grundlagen fehlen ihm die periphere Sicht, um eine angemessene Hilfe zu jeder Zeit geben zu können. Bei vielen Rotationen ist er zu spät. Zudem entwischen ihm seine Gegenspieler mit einfachsten Mitteln und sind für ihn nicht mehr auffindbar. Wurffakes stellen eine große Gefahr dar, denn Labissiere hebt schnell vom Boden ab und handelt sich so schnell Fouls ein. Bei Closeouts ist er unkontrolliert und lässt sich viel zu leicht schlagen.


In der ersten Szene verteidigt Labissiere Craig Victor, der eine chronische Wurfschwäche mit sich herumschleppt. Viele Teams, so auch Kentucky, gingen daher dazu über, extrem weit von Victor abzusinken und ihm den Wurf zu geben oder ihn bei Abschlüssen in Ringnähe möglichst hart zu foulen. Skal fällt jedoch auf die kurze Körperzuckung herein und hebt ab. Victor nutzt das soforto aus und attackiert seinen Gegner, wodurch er das Foul zieht.

Anschließend verteidigt Labissiere hingegen Aaron Epps, einen gänzlich anderen Spielertypen, der eigentlich nur am Perimeter herumlungert und Dreier versenkt. Labissiere gibt eine Hilfe bei der Penetration über die Mitte und merkt gar nicht, dass sich Epps in seinem Rücken zur Dreierlinie herausschleicht.

Gegen den Drive von Jalyn Patterson (knapp 1,85m) hat Labissiere am Ende keine Chance, da er viel zu spät rotiert und Patterson nicht mehr blocken kann. Allerdings unternimmt er noch nicht mal den Versuch zu helfen oder zu foulen, sondern erlaubt dem kleinen Guard einfache Punkte am Brett.

Die wohl bezeichnendste Sequenz ist jedoch der vierte Clip aus dem Georgia Spiel. Beim Offballscreen will Ulis switchen, Skal rechnet jedoch nicht damit und scheint es auch nicht wirklich zu hören. Stattdessen bleibt er verloren im leeren Raum stehen und dreht seinem neuen Gegenspieler sogar den Rücken zu, als der Ball schon auf dem Weg zu ihm ist.

Dass Labissiere beim anschließenden Closeouts abhebt und den Angreifer ohne größeren Widerstand auf gerade Linie zum Korb ziehen lässt, rundet das Fiasko ab.

Wie gravierend diese Problematik ist, wird deutlich, wenn man sich Beispiele anschaut, in denen Skal es schafft, rechtzeitig zu rotieren und den Korb zu schützen. In Ringnähe ist er durchaus fähig Würfe zu erschweren und Kontrahenten an einfachen Punkten zu hindern.


Bezeichnend ist bei diesen Szenen, dass Labissiere eigentlich nur auf seinem Spot steht und im letzten Moment einen Schritt in Richtung des ballführenden Spielers geht. Daher entstanden viele seiner Blocks in seiner Freshman Saison durch Postups des Gegners oder nach abgeschenkten Offensivrebounds bei anschließenden Putbackversuchen.

Ähnlich wie bei der Rimprotection verhält es sich auch bei der Perimeter Defense. Prinzipiell ist Labissiere mobil genug, um Pick & Rolls oder sogar Pick & Pops ordentlich zu verteidigen, allerdings fehlen ihm oft noch Fokus, Genauigkeit und Disziplin bei seinen Aktionen. Gerade auf Fakes darf Labissiere nicht so leicht hereinfallen.

Zudem muss er sich abgewöhnen, nach einer einzelnen Aktion gedanklich abzuschließen. Dadurch ist sein direkter Gegenspieler Roll-Man zu oft frei. Solche Unachtsamkeiten können zu weiterer Verwirrung und unnötigen Folgerotationen führen.


Die erste Verteidigungssequenz ist ein Musterbeispiel dafür, wie Labissiere im Optimalfall im Alleingang einen Angriff des Gegners zunichte machen kann. Zunächst verteidigt er den Handoff und das anschließende Pick & Roll gut. Er verhindert den Drive beim Pick & Roll und kann im Anschluss schnell genug zu seinem Gegenspieler zurückschnellen.

Auf den Fake fällt er dieses Mal nicht herein, stattdessen bleibt er auf dem Boden und verteidigt den Driveversuch sauber. Dadurch wirft ihm seinen Gegenspieler den Ball letztlich in die Arme und Skal läuft nicht Gefahr, sich ein unnötiges Foul einzuhandeln, kann aber trotzdem den Wurf entscheiden erschweren.

Allerdings sichert er sich in Folge dieser Hilfe nicht den Defensivrebound gibt dadurch sogar ein Dreipunktespiel ab. Solange Labissiere es nicht gelingt, sich als Rebounder am defensiven Brett deutlich zu steigern, wird er keine dauerhafte Zukunft in der NBA haben. Die Anzahl der Auswechslungen, die Coach Cal wegen verpasster Rebounds vornahm, übersteigt wahrscheinlich die Anzahl der tatsächlich eingesammelten Rebounds. Knapp 2 Defensivrebounds pro Spiel sind für einen Big Man ein lachhafter Wert.

Viele Ursachen für die chronische Reboundschwäche des Innenspielers sind durch vorangegangene Fehler bei Rotationen zu erklären, allerdings gelingt ihm selbst dann oft nicht den Rebound zu holen, wenn er die Chance hat sich gut zu positionieren oder sogar von Beginn an besser positioniert ist.


Gegen Dukes Marshall Plumlee hat Labissiere nicht den Hauch einer Chance, obwohl er in beiden Aktionen die bessere Ausgangslage hat. Allerdings guckt er dem Ball und geht ihm nicht hinterher, wie es Plumlee macht. Dass Pumlee wesentlich mehr Kraft aufbringen und Skal einfach aus dem Weg räumen kann, spielt da fast schon keine Rolle mehr.

Es ist schwierig zu sagen, wie weit Labissiere alles in allem als Spieler wirklich schon ist. Zuletzt gewann man immer mehr den Eindruck, dass er sich vor allem mental im Weg stand und mit dem intensiven Coaching von Calipari nicht klarkam. Teilweise startete er in Halbzeiten, beging einen groben Fehler im ersten Angriff und wurde prompt nach wenigen Sekunden ausgewechselt. Sein Selbstbewusstsein, das er am Anfang der Saison stellenweise aufbringen konnte, schien komplett verloren zu sein.

Solche weiche Faktoren sollten in die Gesamtbetrachtung zwar einfließen, ändern jedoch letztlich nichts daran, dass Labissiere beweisen muss, dass er das Talent ist, das einige Experten in ihm sehen und tough genug ist, um sich in der NBA durchzusetzen. Besonders die körperliche Fragilität ist ein Schlüsselfaktor. Labissiere ist der zweiälteste Freshman nach Malachi Richardson in diesem Draft und körperlich in Relation einer der schwächsten.

Besorgniserregend ist in diesem Zusammenhang auch, dass er während der Saison fast fünf Kilo verlor (immerhin auch knapp drei Prozent Körperfettanteil). Wurde er bei den Messungen, die Kentucky in der Preseason durchführte noch mit 102 Kilo gewogen, knackte er bei der Draft Combine nicht einmal die 100-Kilo-Marke.

Schafft es Labissiere, sich körperlich zu entwickeln, sein Spielverständnis massiv zu verbessern, tougher zu werden und die eigene Zone zu kontrollieren, könnte er ein ordentlicher bis guter NBA Spieler werden. Alexis Ajinca wäre hier ein möglicher Orientierungspunkt. Ähnlich wie beim Franzosen könnte es durchaus sein, dass auch Skal einen zweiten Versuchen brauchen wird, um sich in der Liga etablieren zu können.