23 Juni 2016

23. Juni, 2016


Die alte Rookie-Garde wurde eben erst ausgezeichnet, da steht eine brandneue bereits in den Startlöchern. In knapp einem Monat geht für 60 Talente ein Lebenstraum in Erfüllung, wenn sie Commissioner Adam Silver in der NBA willkommen heißt. Wir behalten eine unserer liebsten Traditionen hier bei NBACHEF bei und checken im Vorfeld die verheißungsvollsten Talente des Jahrgangs... in unseren patentierten Draft Spotlights.

von AXEL BABST @CoachBabst

Obwohl Paul Zipser gerade erst 22 Jahre alt ist, hat er schon viele Erfahrungen als Profi sammeln können. Dabei lernte er nicht nur die Vorzüge kennen, sondern ging durch eine harte Schule, indem er auch die Schattenseiten kennenlernte.

Mit 16 Jahren debütierte Zipser 2010 für seinen Heimatverein Heidelberg in der Pro A. In der Saison 2011/2012 konnte er sich bereits einen festen Platz in der Rotation erspielen. Er wurde regelmäßig eingesetzt und verwandelte unter anderem 26 Distanzwürfe. Es folgte ein sehr überzeugendes Albert-Schweitzer-Turnier, bei dem Zipser ins All-Tournament-Team gewählt wurde und seine Mannschaft ins Halbfinale führte.

In der Saison 2012/2013 bestritt Zipser lediglich drei Spiele, wechselte anschließend nach München, wo er langfristig entwickelt werden sollte. Hier wurde Zipser immer wieder von mehr oder minder schweren Verletzungen ausgebremst. In Erinnerung dürfte sein Sturz im Playoff-Spiel gegen Ludwigsburg 2014 geblieben sein.

Doch auch von solchen Rückschlägen ließ sich Zipser nicht beirren, nutzte die Zeit, um seine Physis und Athletik nochmals zu verbessern. Bereits in der Saison 2014/2015 sah Zipser Minuten in der Rotation der Bayern. Im vergangenen Sommer wurde er dann auch einem größeren, internationalen Publikum bekannt, als er bei der Europameisterschaft auf einmal als jüngster Spieler des Kaders in der Startaufstellung stand und die besten Wings Europas verteidigen durfte.

In der vergangenen Saison war Zipser dann mal der Nutznießer von Verletzung und Formschwächen seiner Mitspieler und war einer der wenigen Spieler der Bayern, der die Saison relativ sorgenfrei und konstant bestreiten konnte. Durch die vielen Minuten auf dem Parkett sammelte Zipser sichtlich Selbstvertrauen und legte rasante Entwicklungssprünge hin.


Bedingt durch Verletzungsprobleme und die defensive Schwäche der Power Forwards im Kader, war Zipser gezwungen, viel Zeit als nomineller Power Forward und Stretch Vierer das Feld zu betreten. Aus dieser ungewohnten Situation - in der Jugend wurde sogar versucht, Zipser als Aufbauspieler auszubilden - machte er das beste und konnte seine Stärken gezielt einsetzen. Dank seines sicheren Wurfes verschaffte er seinen Mitspielern viel Raum für Drives. Defensiv gab er den Münchenern viel Flexibilität.

Andere Stretch Vierer am Perimeter zu verteidigen, war für den vielseitigen Forward eine dankbare Aufgabe. In vielen Pick & Rolls konnte er sogar die Gegenspieler switchen und entsprechend dazu beitragen, die Systeme des Gegners zu sabotieren. Dass die Bayern am Ende ihre Saisonziele verfehlten und die Spielzeit nicht als Erfolg bezeichnet werden kann, ist Zipser überhaupt nicht anzuhaften.

Zipsers größte offensive Stärke ist sein sicherer Distanzwurf. Seit der Saison 2013/2014 konnte Zipser in jeder Saison wettbewerbsübergreifend immer mindestens 40 Prozent seiner Versuche aus der Distanz im Korb unterbringen bei stetig steigender Anzahl an genommenen Würfen.

Technisch sieht der Wurf sehr sauber aus und es gibt eigentlich nicht an ihm auszusetzen. Das fängt häufig schon bei der Wurfvorbereitung an. Zipser bewegt sich einerseits geschickt abseits des Balls und schafft es durch viele kleine Bewegungen und Positionsänderungen, dass seine Mitspieler ihn mit exakten Kickouts versorgen können.

Anschließend ist seine Wurfbewegung flüssig. Die Koordination zwischen Armen und Beinen passt hervorragend, das Handgelenk klappt gut ab und der Ball segelt in einem hohen Bogen Richtung Korb. Sein hoher Releasepunkt macht es Gegenspielern schwer, seine Würfe zu erschweren oder gar zu blocken. Allerdings könnte der Abwurf etwas schneller erfolgen.


Besonders in den ersten beiden Situationen wird die gute Vorbereitung seiner Würfe deutlich. Beim ersten Dreier nutzt Zipser die Unaufmerksamkeit seines Verteidigers aus und sprintet dem Ball entgehen. Durch den verbesserten Passwinkel, kann sein Aufbauspieler ihn finden und Zipser hat genügend Zeit zum Wurf, da sein Bewacher nicht mit ihm an dieser Stelle rechnet. In der zweiten Situation ist das Prinzip ähnlich. Zipser bewegt sich einige Schritt nach links, wodurch der Pass ankommt und der Verteidiger zu weit entfernt ist.

Sehr beliebt war zudem der Kniff, Zipser als Blocksteller im Pick & Pop einzusetzen. Durch die Kombination aus massiven Screens dank seiner breiten Schultern und seinem guten Schuss nach schnellen Popouts ist Zipser ein idealer Spieler für solche Situationen.

Stark verbessern konnte Zipser seine Fähigkeit, aus Screens kommend seine Sprungwürfe zu versenken. Das zeigt beispielsweise die dritte Szene, in denen Zipser aus dem Baseline Einwurf scort. Er ist trotz des plötzlichen Richtungswechsels unter Kontrolle und hat beim Wurf eine gute Balance.

Ähnlich große Fortschritte konnte er bei seinen Pullups verzeichnen. Mittlerweile ist Zipser aus dem Dribbling fast ähnlich sicher wie aus dem normalen Catch-and-Shoot. Das ist insofern wertvoll, als er dadurch in der Lage ist, Closeout mit einem Dribbling und anschließendem Pullup zu bekämpfen. Dadurch wird auch sein Dreier noch gefährlicher, weil sich Verteidiger nun entscheiden müssen, ob sie den Dreier oder den Drive in Kauf nehmen wollen.


Bei seinen Würfen aus dem Dribblings zeigt sich Zipser nicht wählerisch. Er hat keinen Sweet Spot, sondern nimmt, was die Defense ihm bietet und ist in der Lage, aus sehr vielen Lagen und von vielen Orten seine Punkte zu sammeln. In der ersten Situation versenkt Zipser beispielsweise einen schwierigen Fadeaway aus dem Lowpost. Dass dies nicht unbedingt ein Glückstreffer bei ablaufender Shotclock war, beweist eine fast detailgetreue Kopie aus dem Spiel gegen Banvit.

Bei seinen normalen Pullups macht sich Zipser seine Schnelligkeit zu Nutze, um sich seiner Bewacher zu entledigen. Hier war er als Stretch Vierer oft mit deutlichen Vorteilen ausgestattet. Ob er das auch in der NBA gegen athletischere Gegenspieler hinkriegen kann, wird sich zeigen müssen.


Beim Wurf steht Zipser kerzengerade in der Luft und nutzt seine Hangtime, um den Korb nochmal richtig anzuvisieren. Auch wenn er den Ball gelegentlich ein wenig zu spät loslässt, stimmen die Resultate in der Regel. Auch aus der Distanz kann Zipser durchaus mal einen solchen Wurf versenken.

Dank seines guten Wurfes ist Zipser oft in der Lage, überstürzte Closeouts der Verteidigung ausnutzen zu können. Hier konnte sich Zipser ebenfalls steigern. Solange er nicht mehr als zwei Dribblings einsetzen und auf geradem Wege den Korb attackieren kann, ist Zipser durchaus befähigt, die Zone zu erreichen. Meist reicht schon sein starker erster Schritt, um mit Leichtigkeit an seinem Kontrahenten vorbei zu gehen.

Damit er konstant zum Korb penetrieren kann, wäre es von Vorteil, wenn der Wing im Rumpfbereich noch an Kraft und Stabilität gewinnen könnte. Werden Kontakte im Hüftbereich nicht als Foul gewertet und abgepfiffen, lässt sich Zipser schon mal aus der Bahn drängen. Auch bei seinen Abschlüssen ist er dann zögerlich und scheint selber nicht recht zu wissen, wie er seine gute Sprungkraft einsetzen könnte, um über Ringniveau zu finishen.


In den ersten beiden Situationen nimmt Zipser den Kontakt geschickt auf, indem er seine Schultern sehr tief hält und damit die Hüfte des Verteidigers attackiert. Dank des tieferen Körperschwerpunkts und seiner extrem langen Schritte, kann er seine anspruchsvollen Drives finishen. In beiden Situationen erhält Zipser Unterstützung durch einen Screen eines Mitspielers.

Im dritten Beispiel kann Zipser zwar das Foul ziehen, dennoch lässt er sich sehr weit von seiner ursprünglichen Route abbringen und hätte bei ausbleibendem Pfiff keine guten Karten beim Abschluss.

Besonders in der letzten Szene wäre es etwas mehr Entschlossenheit wünschenswert. Zipser schlägt Nationalmannschaftskollegen Daniel Theis, der einer der besten Verteidiger der BBL ist, mühelos und lässt ihm mit seinem ersten Schritt keine Chance. Auch der anschließenden Passfake hebelt den zweiten Verteidiger geschickt aus. Allerdings endet die Aktion in einem halbgaren Floater. Hier wäre ein dynamischer Layup bis zur Brettkante eine nette Alternative gewesen.

Überfordert ist Zipser momentan noch, wenn er mehr als die angeführten zwei bis drei Dribblings oder gar mehrere Crossover einbauen muss. Das gelingt zwar gelegentlich, doch sicher sehen seine Bewegungen dabei nicht aus. Der Ball verlangsamt Zipser in vielen Szenen noch und er scheint Probleme dabei zu haben, den Ball unterhalb seiner Hüfte zu halten. An seinem Ballhandling muss Zipser dringend arbeiten.


Zipser fängt zuerst geschickt einen Pass ab und hat in der Folge nur noch einen Gegenspieler vor sich. Er versucht diesen durch einen Behind-the-Back-Crossover aussteigen zu lassen. Allerdings verliert er dabei kurzzeitig die Kontrolle über den Ball und wird langsamer. Dadurch ergibt sich gar nicht erst die Chance zum Fastbreak.

Auch in den anderen Situationen ergibt sich ein ähnliches Bild. Zipser verliert entweder kurzzeitig den Ball oder wird durch das Spielgerät extrem verlangsamt, weswegen er seine Schnelligkeit nicht gezielt einsetzen kann.

Neben solchen Ballverlusten und mangelndem Ballhandling hat Zipser auch die problematische Angewohnheit, bei seinen Pässen in die Luft zu springen. Zwar kann er dadurch immer wieder Assists einstreuen und Mitspieler bedienen. Doch in vielen Szenen wäre das auch ohne einen solchen Jump Pass möglich. Durch das Abheben vom Boden erhöht sich nur die Turnover Gefahr.


In der ersten Szene will Zipser seinen Mitspieler beim Backdoorcut bedienen. Allerdings ist sein Pass dafür nicht geeignet. Er springt hoch, um sich einen besseren Passwinkel kreieren zu wollen. Allerdings könnte er sowieso über seinen Gegenspieler passen. In dieser Situation wäre zudem ein Bodenpass auf den Guard Cobbs angebracht gewesen. Der Pass ist durch den Absprung unkoordiniert, weshalb der Ball im Aus landet.

In den anderen Szenen kann Zipser diese Pässe beim Mitspieler unterbringen, allerdings schwingt jedes mal ein hohes Risiko mit und die Gefahr eines Ballverlusts ist allgegenwärtig. Sobald ein Gegenspieler Zipsers Intention richtig errät und in diesen Passweg sprintet, hat Zipser keine andere Alternative, auf die er zurückgreifen kann.

Hat Zipser nicht den Ball in der Hand und muss er solche Passentscheidungen gar nicht erst fällen, kann er nicht nur als Schütze für Gefahr sorgen. Dank seines hervorragenden Spielverständnisses ist er ein exzellenter Cut, der Nachlässigkeiten seiner Verteidiger sofort bestraft und in der Regel in zwei Punkte ummüntzt. Er ist einerseits sehr geschickt darin, freie Räume zu attackieren und ein gutes Passziel zu bieten. Andererseits ist er auch in der Regel als Finisher eine Bank und kann über Ringniveau die Anspiele seiner Teamkameraden vollstrecken.

Sein gutes Gespür für unbesetzte Räume und sein Wille solche Situationen auszunutzen, machen ihn auch zu einem exzellenten Offensivrebounder. Er lässt seine Gegenspieler gerne mal schlecht aussehen, indem er nachlässige Boxouts bestraft und sich vor allem weite Fehlwürfe ersprintet.


In der ersten Situation liest Zipser sehr gut, dass Mitspieler Thompson im Lowpost gedoppelt wird. Der einzig verbliebende Verteidiger in der Nähe spekuliert auf den Kickout in die Ecke, weswegen die Zone komplett frei ist. Zipser nutzt diese Freiheit, cuttet im richtigen Moment zum Korb und finisht mit Autorität. Ähnlich verlaufen die anderen Szenen, in denen Zipser durch gute Cuts scoren kann.

Bei den beiden Offensivrebounds macht sich Zipser zu Nutze, dass er am Perimeter startet und seine Gegenspieler nur auf den Ball gucken, statt ihn auszuboxen. Dadurch entwischt er seinen Wachen und kann seinem Team zweite Wurfchancen erkämpfen.

Auch in Transition Situationen ist sich Zipser nicht zu schade für harte Sprints. Er beschleunigt sehr schnell, besetzt gut die Außenspur und kann auch in vollem Tempo finishen. Nicht selten überläuft er mühelos seine Mit- und Gegenspieler auf den ersten Metern bis zur Mittellinie und kreiert dadurch Überzahlsituationen.

Als Ballhandler kann Zipser ebenfalls den Fastbreak mitgestalten. Zwar verlangsamt ihn der Ball noch zu oft, doch prinzipiell ist Zipser ein ordentlicher Ballhandler in der Transition. Er findet und bedient freie Mitspieler, kann als Ballhandler Dragscreens nutzen oder auch mal mit einem frühen Pass das Tempo anziehen.


In der ersten Szene legt Zipser einen harten Sprint entlang der Seitenlinie entlang. Die Defense ist zwar zurückgeeilt, aber noch unorganisiert. Zipsers Speed kommt da genau zur falschen Zeit für die hilflosen Verteidiger, die Zipser ambitionierten Dunk-Versuch, der für eine gute Aggressivität und Entschlossenheit spricht, nur noch per Foul stoppen können.

In der zweiten Situation bringt Zipser den Ball dann selber nach vorne. Zwar zeichnet sich dieser Angriff nicht durch besonders hohes Tempo oder geniale Aktionen aus, doch Zipsers Handeln ist effektiv. Er verliert keine Zeit beim Ballvortrag und hebt früh den Kopf. Dadurch spielt er früh den richtigen Pass und ermöglicht seinem Mitspieler einen offenen Wurf.

In der dritten Situation nutzt Zipser einen Dragscreen und kann nur per Foul daran gehindert werden, den Pass auf den vollkommen freien Blocksteller Deon Thompson an den Mann zu bringen. Zuletzt initiiert er die eigenen Freiwürfe durch einen schnellen Pass und einen harten Sprint.

Zipser bringt alle Eigenschaften, Talente und Fähigkeiten mit, die ein Rollenspieler in der NBA haben muss. Er trifft offene Würfe und ist in der Lage, solche offenen Würfe durch gute Bewegung abseits des Balls erst entstehen zu lassen. Gleichzeitig kann er überstürzte Closeouts attackieren, da er mitterweile über einen annehmbaren Schuss aus dem Dribbling verfügt oder auch mal mit zwei Dribblings direkt den Korb attackieren kann.


Durch seinen hohen IQ und seine Bereitschaft, auch eine kleinere Rolle offensiv zu akzeptieren und die sich dabei bietenden Gelegenheiten zu maximieren, kann Zipser auch als Cutter oder Offensivrebounder wertvolle Impulse liefern. Er braucht keine für ihn angesagten Plays oder den Ball in den eigenen Händen, um das Spiel seiner Mannschaft positiv zu beeinflussen. Damit ist er als Resteverwerter für das opportunistische Dasein eines prototypischen Rollenspielers optimal ausgestattet.

Zentral wird für Zipser sein, den offenen Dreier weiter so traumwandlerisch sicher zu versenken wie bisher. Die etwas größere Entfernung wird sicher anfangs eine Umstellung sein, allerdings besteht wenig Anlass zur Sorge, dass er durch den teils zusätzlichen halben Meter seinen Touch nicht mehr einsetzen kann.

Kann er sein Ballhandling verbessern, schlechte Entscheidungen mit dem Ball vermeiden und seine Passqualität erhöhen, wird er vielleicht sogar perspektivisch über diese Rollenspieler Schublade hinaus effektiv sein können. Idealerweise würde er sich so stark verbessern, dass er auch mal als Ballhandler im Halbfeld eingesetzt werden könnte. Bei seinem Ballhandling sollten sich beispielsweise relativ schnell Erfolge in der Entwicklung verzeichnen lassen.

Allerdings ist das nur ein Bonus und sollte nichts sein, was von ihm in der NBA dauerhaft erwartet wird. Solange er keine Fehler begeht und seine Gelegenheiten eiskalt ausnutzt, wird er seine Minuten auf dem Court verbringen.

Vielleicht noch wertvoller ist Zipsers defensives Potential, das er jetzt schon zu großen Teilen abrufen kann. Wie bereits eingangs erwähnt, sah Zipser viele Minuten als Vierer und switchte in dieser Rolle gerne mal das Pick & Roll. Genau hierin liegt eine große Qualität des Flügelspielers. Er ist groß und lang genug, um sogar Vierer an einfachen Scores zu halten, hat aber gleichzeitig die nötige laterale Geschwindigkeit, den schnellen ersten Schritt und die grundsätzliche Mobilität, um auch Guards nach einem Switch vor sich zu halten.

Zwar wird er sich mit der Schnelligkeit und Athletik der NBA Guards erst arrangieren müssen, doch sobald ihm das gelingt, wird er als vielseitiger Verteidiger eine Hilfe für jede Defense darstellen.


Bereits in der ersten Situation switcht Zipser die Gegenspieler und verteidigt fortan den Guard. Er nutzt seine Armspannweite geschickt, um den Ballhandler die Spielübersicht einzuschränken und forciert ihn immer näher zur Seitenlinie. Dadurch fühlt sich der Angreifer unter Druck gesetzt und spielt einen schlechten Bodenpass.

Auch die folgenden beiden Szenen sind eindrucksvoll. Zipsers neuer Gegenspieler traut sich zunächst gar nicht, ihn zu attackieren. Bei den Drives der Mitspieler irritiert Zipser durch seine kurzen "Stunts", bei denen er die Hilfe anttäuscht, nur um im letzten Moment wieder zum eigenen Gegenspieler zurück zu kehren. Dank seiner Länge kann er einerseits ein Hindernis für den Ballhandler darstellen und andererseits rechtzeitig den möglichen Wurf nach Kickout erschweren.


In der vierten Szene wird während der Großaufnahme deutlich, welch gute Grundhaltung Zipser einnimmt. Er ist tief in den Knien, hat seine Hände und Arme bereit zum Einsatz und fokussiert sich auf seinen Kontrahenten. Die vorletzte Szene ist nochmals eine Blaupause perfekter Defense. Zipser verteidigt den gegnerischen Aufbauspieler und Shooter Janis Strelnieks, lässt ihn die den Screen und auch den Rescreen nicht nutzen, switcht anschließend zu Power Forward Nicoló Melli und verursacht damit im Alleingang das Ablaufen der Angriffszeit.

In der letzten Szene wird jedoch deutlich, dass Zipser noch Probleme mit physisch starken Aufbauspielern hat. In diesem Fall verteidigt er nach einem Switch Brad Wanamaker, der physisch auf NBA Niveau mithalten kann. Er verträgt den Hüftkontakt beim Drive besser als Verteidiger Zipser und zieht geschickt das Foul. Gewinnt Zipser an Kraft im Rumpf, sollte er solche Situationen künftig im Griff haben.

Anfällig ist Zipser hin und wieder noch bei Closeout Situationen. Er wird von den Angreifern oft dabei erwischt, wie er aufgrund eigener Unsicherheit weder den Wurf noch den Drive in letzter Konsequenz wegnimmt. Bei der Verteidigung von Distanzwürfen verlässt er sich teils noch zu stark auf seine Armspannweite.

Zieht der Gegner zum Korb, hat Zipser oft Probleme, sein Gewicht schnell zu verlagern und tendiert dann zu Stealversuchen, die meist in Foulpfiffen enden. Generell hat Zipser jedoch die nötigen Anlagen, um auch Closeouts gut lösen zu können und als Perimeter Verteidiger für Terror zu sorgen.


Besonders die ersten beiden Situationen illustrieren ganz hervorragend, wo Zipsers Probleme momentan noch liegen. Einerseits will er oft zu viel Druck ausüben und kann dadurch seinen Gegenspieler nicht mehr vor sich halten. Andererseits bietet er dem Angreifer noch zu offensichtlich den Weg zum Korb an und kann anschließend nicht mehr vor ihn kommen.

Wesentlich besser sieht hingegen Zipsers Fullcourt Defense gegen Bambergs Aufbauspieler Strelnieks aus. Nicht viele 2,03m-große Forwards sind schnell und lang genug, um einen so ausgefuchsten Spielmacher unter arge Bedrängnis bringen zu können. Bamberg verliert in dieser Sequenz elf Sekunden, bis der Ball wieder bei Strelnieks ist und dieser den Screen einfordert. An geordnetes Setplay ist nicht mehr zu denken.

Gegen Ende des Clips wird zudem deutlich, dass Zipser eine Menge Potential als Teamverteidiger besitzt. Er rotiert zwei Mal hervorragend. Als Weakside Verteidiger kümmert er sich zum den abrollenden Blocksteller des Pick & Roll. Dadurch verhindert er, dass dieser überhaupt an den Ball kommt. Anschließend reagiert er schnell auf den Pass zu seinem eigentlichen Gegenspieler und ist gedankenschnell wieder bei ihm. Dass er dann teilweise reingreift und sich ein Foul einhandelt, trübt das Bild ein wenig.

Allerdings ist Zipser auch immer mal anfällig für schwächere Phasen, in denen die Konzentration und somit die Präzision bei seinen Rotationen nachlässt. Als Helpverteidiger verlässt sich Zipser beispielsweise gerne mal auf seine Länge und Athletik, die jedoch in vielen Situationen nicht ausreichen, um die Situation zu lösen. Auch bei Boxouts erwischen ihn Angreifer gerne mal auf dem falschen Fuß.


In der zweiten Situation ist Zipsers Hilfe beispielsweise zu spät, weswegen Bilbao zwei einfache Punkte verbuchen kann. Im Gegensatz dazu steht die letzte Szene, in der Zipser Veteran Nikos Zisis spektakulär abräumt. Da in der NBA durch andere Regeln für die Defense ohnehin weniger Spielraum bei Rotationen besteht, sind solche Szenen wie die letzte wichtig, um zu zeigen, dass Zipser auch dann effektiv helfen kann, wenn er nicht schon abgesunken in der Zone steht.

Gerade in dieser letzten Situation wird Zipsers Länge deutlich, die er allgemein sehr gut einsetzt, um in der Defense Pässe abzufälschen, zu erschweren oder gar abzufangen.


In der ersten Situation zeigt Zipser zusätzlich zu seinen langen Armen auch noch seine schnellen Reflexe, wodurch er den Pass abfälschen und möglicherweise zwei Punkte verhindern kann. Ähnlich verläuft die zweite Szene, in der Zipser kurz die Hilfe antäuscht, rechtzeitig wieder bei seinem Gegenspieler ist und dessen Pass verändert.

In den folgenden beiden Szenen nutzt er seine Länge, um Fehler wieder auszubügeln. Erst blockt er den Big Man nach verpassten Freiwurf Boxout. Anschließend fängt er beinahe einen Pass ab, nachdem er zuvor nicht aufmerksam war und mitbekommen hatte, dass ihm sein Gegenspieler zu entwischen drohte.

Defensiv bringt Zipser also nicht nur gute Anlagen und Instinkte mit. Er ist jetzt schon ein exzellenter Individual- und Teamverteidiger. Auch defensiv wird er sich mit den anderen Gegebenheiten der NBA sicher erst arrangieren müssen, allerdings kann er relativ schnell auf dem Feld stehen, ohne die typischen Rookie-Fehler zu begehen.

Die Möglichkeit, mit ihm Pick & Rolls zu switchen, macht ihn sehr attraktiv und gibt seinem Team eine Vielzahl an Nutzungsmöglichkeiten.

Es ist daher durchaus valide, Zipser als besten 3-and-D-Spieler des diesjährigen Drafts zu betiteln. Er trifft den Dreier sicher und ist ein enorm variabler und engagierter Verteidiger. Er muss sich vor keinem einzigen College Abgänger in dieser Hinsicht verstecken. Diesen fehlt in der Regel das Spielverständnis eines Zipsers oder auch dessen weiches Handgelenk. Selbst wenn die College Absolventen sich optimal entwickeln sollten, müssen sie erstmal Zipsers jetzigen Niveau erreichen.

Zipser könnte ähnlich wie Mike Dunleavy ein eher unauffälliger, aber gnadenlos effizienter Rollenspieler in der NBA werden, der sich auf Dauer in einer Rotation festspielen und sogar wichtige Impulse liefern kann. Kann Zipser irgendwann ähnlich gut um Screens herumhetzen und seine Dreier einnetzen wie der NBA Veteran, wären sich die beiden in ihren Rollen und Spielweisen sehr ähnlich.