13 Juni 2016

13. Juni, 2016


Die alte Rookie-Garde eben erst ausgezeichnet, steht eine brandneue bereits in den Startlöchern. Am 23. Juni geht für weitere 60 Youngster ein Lebenstraum in Erfüllung, wenn sie Commissioner Adam Silver in der NBA willkommen heißt. Wir behalten eine unserer liebsten Traditionen hier bei NBACHEF bei und checken im Vorfeld alle Talente dieses Jahrgangs... in unseren patentierten Draft Spotlights.

von AXEL BABST @CoachBabst

In jedem Draft- und Recruitingjahrgang gibt es diesen einen Modellathleten, der von den Scouting Portalen mit Vorschusslorbeeren überhäuft und als nächster kommender NBA Star angepriesen wird. Schnell kommen Vergleiche mit LeBron oder Kobe auf und ein Platz unter den besten fünf Talenten des Jahrgangs scheint wie in Stein gemeißelt zu sein. In diesem Jahr fällt diese Rolle, Hauptgewinn Ben Simmons mal außen vor gelassen, Jaylen Brown zu.

Von den üblichen Power Houses der NCAA (unter anderem Kentucky und Kansas) umworben, entschied sich Brown am Ende jedoch etwas überraschend für die University of California in Berkeley. Überraschend deswegen, weil Recruiting Experten lange davon ausgegangen waren, dass Brown entweder zu jenen Übermächten wechseln oder aber alternativ in seiner Heimat Georgia bleiben würde. Dass wenige Wochen zuvor mit Ivan Rabb ein anderes Toptalent den Golden Bears seine Zusage erteilt hatte, schien Brown jedoch zum Meinungsumschwung bewogen zu haben. Auch die akademischen Möglichkeiten in Berkeley führte Brown, der abseits des Feldes als smarter Mensch gilt, später gerne immer mal wieder als Begründung an.

Die beiden Freshmen trafen in Berkeley auf ein interessantes Grundgerüst bestehend aus einigen Shootern, dem erfahrenen Senior Point Guard Tyrone Wallace und etlichen Bigs mit Rimprotector-Qualitäten. Die beiden Youngster sollten für das nötige Scoring und Kreativität im Spiel der Golden Bears sorgen. Was auf dem Papier jedoch wie eine harmonische Mischung aussah, erwies sich in der Realität als nur sehr schwer umzusetzen.


Das Team konnte während der gesamten Saison nicht wirklich zueinander finden, war von Verletzungen geplagt und einige Spieler schienen sich nicht so recht in das straffe Korsett zwängen zu lassen, dass Coach Cuonzo Martin für sie vorgesehen hatte. Zwar qualifizierten sich die Bears für das NCAA Tournament, doch bereits in der ersten Runde war Schluss für Cal und Underdog Hawai'i konnte jubelnd in die nächste Runde einziehen.

Für Brown persönlich verlief die Saison ähnlich wechselhaft und unter dem Strich enttäuschend. Als der erhoffte Scorer, der die Offense notfalls im Alleingang schultern sollte, konnte sich der Teenager nicht erweisen. Gerade in den letzten Saisonwochen und in den Spielen gegen starke Konkurrenz erwischte er selten gute Tage und verbrachte teilweise mehr Zeit mit Foulproblemen auf der Bank, als dass er seinem Team auf dem Feld zur Verfügung stand.

Symptomatisch war sein Auftritt im letzten Spiel gegen Hawai'i, als Brown nur 17 Minuten auf dem Court verweilte und es dabei gerade mal auf vier Punkte und zwei Rebounds bei fünf Fouls und sieben Ballverlusten brachte.

Auch wenn der anfängliche Hype mittlerweile verflogen sein mag, hat sich in vielerlei Hinsicht wenig an Browns NBA Potential geändert. Viele Facetten seine Spiels und seine Anlagen konnte Brown sogar positiv bekräftigen.

Browns größter Trumpf sind seine körperlichen und athletischen Voraussetzungen, die aus NBA Perspektive wenig Raum zum Wünschen übrig lassen. In Schuhen misst Brown gut zwei Meter, die er mit einer Spannweite von fast sieben Fuß garniert. Besonders seine langen Arme helfen ihm in vielen Situationen ungemein und eröffnen beispielsweise das Potential, zu einem guten Verteidiger zu reifen.

Zudem ist Brown mit gut 100 Kilo Kampfgewicht extrem kräftig und muskelbepackt. Für einen modernen Flügelspieler ist er damit perfekt gebaut und bringt genug Masse mit, um in der Zone trotz härterer Gangart vollstrecken zu können.

Am effizientesten setzt Brown seine physischen Tools bislang im Fastbreak und in Transition Situationen ein. Lässt ein gegnerisches Team Brown erst einmal Fahrt aufnehmen, ist der athletische Flügelspieler nicht mal mehr durch unlautere Mittel aus der Bahn zu werfen.


Brown ist jedoch nicht nur schnell und kräftig, sondern besitzt auch ein gutes Gespür dafür, wo sich Lücken in der Rückwärtsbewegung der Gegner ergeben und antizipiert sehr gut, in welche Richtung er steuern muss, um diese Lücken auszukosten. Kommt ihm doch mal ein Gegenspieler in die Quere, zeigt er seine wunderbare Körperbeherrschung und sein Arsenal an effektiven Moves, sodass er solche kurze Unterbrechungen auf dem Weg zu leichten Punkten am Brett schnell überwindet.

In Transition Situationen zeigt er, dass er gut mit dem Leder in der Hand umgehen, verschiedene Crossover auch unter Bedrängnis und in höchstem Tempo mit beiden Händen anwenden kann. Zudem finisht er über Ringniveau, wenn er etwas Platz hat, womit er den Verteidigern eigentlich keine Chance mehr lässt, etwas bei seinem Drive auszurichten.

Auch bei den Abschlüssen kann er beide Hände nutzen, auch wenn er seine stärkere rechte deutlich präferiert. Er schützt den Ball in der Regel hervorragend und nutzt seinen Körper geschickt, um den Ball vor dem Verteidiger abzuschirmen. Dass ihm der Ball in letzter Sekunde noch aus der Hand geschlagen wird, passiert ihm für einen Spieler seines Alters sehr selten.

Startet Brown den Fastbreak nach einem Defensivrebound oder Steal nicht selber, wartet er nicht lange auf den Outletpass und ist sich nicht zu schade, selber einen harten Sprint auf der Außenspur hinzulegen, um erst im letzten Moment den Pass zu erhalten und entweder ohne oder noch mit einem Powerdribbling die letzten Meter zum Brett zurückzulegen.

Sehr gefährlich ist Brown zusätzlich, wenn er in der zweiten Welle vor den Ballhandler sprintet und aus vollem Lauf eine zwar vorhandene, aber noch unorganisierte Verteidigung auseinandernehmen kann. Dadurch kommt er auf starke Quoten am Brett, über 60% FG (via Hoop-Math), und erarbeitet sich pro Spiel mehr als sechs Freiwürfe.

Hier einige beispielhafte Szenen, die seine Schnelligkeit, Sprungkraft, sein gute Körperbeherrschung und seine geringe Kontaktscheue unterstreichen:


Was jedoch bei diesen Szenen häufig auffällt, ist, dass Brown vor allem davon profitiert, dass seine Gegenspieler ihm entweder physisch nicht das Wasser reichen können, weshalb er den Kontakt kaum spürt. Oft geht Brown einfach mit der Schulter voraus in die schwächeren Kontrahenten hinein und schiebt sie aus dem Weg. Auch die Schnelligkeit der Aktionen ist für den durchschnittlichen College Verteidiger, speziell in der Transition, einfach nicht zu verkraften. Insofern müssen diese Aktionen mit Vorsicht genossen werden.

Denn es gibt auch Gegenspiele, in denen Brown Schwierigkeiten beim Abschluss hat, sobald er auf physisch ebenbürtige Matchups trifft. Hier einige Beispielszenen aus dem Spiel gegen San Diego State, einem Team mit mehreren NBA Athleten und einer gemeinhin harten Spielweise:


Sobald Brown auf solche Gegenspieler trifft, absorbiert er Kontakt nicht mehr so außergewöhnlich gut, wie er es in den anderen Situationen zur Schau stellt. Hier forciert er oft Würfe, obwohl seine Hüfte bereits verdreht ist und er somit keine gute Ausgangslage beim Abschluss hat. Zudem tendiert Brown dazu, zu sehr auf den Foulpfiff zu spekulieren, weswegen seine Aktionen wild und ziellos erscheinen.

Diese teils wilden Aktionen werden besonders dann sehr offensichtlich, wenn Brown gezwungen ist, im Halbfeld seine Würfe zu kreieren. Da Browns Wurf noch nicht in dem Maße respektiert werden muss, dass ein Sicherheitsabstand fatal wäre (dazu später mehr), verfolgten seine Gegenspieler genau diese Strategie und forderten Brown zum Wurf auf. Ohne das nötige Vertrauen für solche Jumper, versuchte Brown jedoch lieber, mit dem Kopf durch die Wand zum Korb zu ziehen.

Grundlegend offenbart der Wing immer wieder Schwächen bei seiner Fußarbeit. Zwar dürfte die Schrittfehler Gefahr angesichts der laschen Auslegung in der NBA weniger schwerwiegend sein, als es noch am College der Fall war, doch mit der mangelhaften Fußarbeit gehen auch noch andere Probleme einher. Beispielsweise verliert Brown oft an Stabilität, weil er mit dem falschen Bein abspringt oder aus der Balance gerät, womit er seinen wuchtigen Körper nicht zielführend einsetzen kann.


Dadurch steigt die Gefahr von Notpässen, die leichte Beute für jeden halbwegs geschickten Verteidigen darstellen und zu vermeidbaren Fastbreakpunkten des Gegners führen. Da Brown oft so vertieft darin ist, seinen eigenen Verteidiger zu schlagen und dabei nicht aus der Balance zu geraten, fehlt ihm oft der Überblick für den übrigen Teil des Parketts.

Das mangelnde Verständnis für die Situation ist ein gefundenes Fressen für jede gute Teamdefense, die über ein wenig Disziplin und Länge verfügt. Am stärksten wurden diese Probleme von Arizona, einer der besten Defensivmannschaften der NCAA, aufgezeigt. Speziell beim Rückspiel in Tucson hatte Brown mehrfach Probleme.

Gerade beim Handling in Stresssituationen wird zudem deutlich, dass Brown seine rechte Hand klar bevorzugt. Doch egal auf welcher Seite - der Ball verlangsamt ihn in solchen Momenten. Selbst wenn er seinen Bewacher für einen Moment mit einem halbwegs akzeptablen Crossover abschütteln kann, braucht er oft so viel Zeit, um wieder Kontrolle über den Ball zu erlangen, dass der Verteidiger wieder an Ort und Stelle ist.

Wird Brown ungeduldig und hektisch, überstürzt er den ersten Schritt nach dem Handwechsel und verliert den Ball oder lässt sich zu einer wilden Aktion verleiten. Seine Assist-Turnover-Ratio von knapp 0,7 lassen wenig Hoffnung aufkommen, dass Brown ein ordentlicher Playmaker in der NBA wird.


An guten Tagen deutete der Freshman jedoch zumindest in Ansätzen an, dass er durchaus auch mal im Halbfeld ein wenig Raum für sich und seine Mitspieler schaffen kann. Besonders kleinere Gegenspieler kann er effektiv bezwingen, wenn er im Lowpost oder am Elbow gesucht wird.

In diesen Arealen kann er mit einem harten Dribbling auskommen, um genügend Power für einen Drive aufzubringen und gleichzeitig nicht in Gefahr gerät, den Ball zu verlieren. Gerade im Lowpost entschädigt er für seine fehlende Fußarbeit am Perimeter. Er nutzt Jabsteps, Up-and-Under-Bewegungen, Dropsteps und trifft auch mal einen Fadeaway. Einen Babyhook hat er jedoch (noch) nicht.

Kann er seinen Verteidiger zudem mit seinem schnellen ersten Schritt schlagen, weil dieser nicht genügend Abstand hält oder einfach nicht Browns Schnelligkeit matchen kann, dringt der Wing oft tief in die Zone vor oder findet den freien Mann, solange er nur einen Pass entfernt ist.


Wie oft Brown körperlich derart überlegen sein wird und wie oft gegnerische Pässe ihm diesen einfachen ersten Pass geben, ist ungewiss, kann aber als sehr unwahrscheinlich deklariert werden.

Einen wesentlich besseren Standpunkt könnte sich Brown mittels eines akzeptablen Sprungwurfs erarbeiten. Bislang ist sein Wurf maximal unterdurchschnittlich. Seine Dreierquote liegt bei unter 30 Prozent und auch seine Freiwurfquote ist mit knapp 65 Prozent wenig berauschend. Doch woran liegt das?

Nun zum einen nimmt Brown viele schlechte Würfe, die als Resultat der Mischung aus eigener schlechter Entscheidungsfindung, mangelnder Kreativität in der Teamoffense seiner Rolle als erste Option in dieser Offense zuzuschreiben sind. Dadurch sinkt die ohnehin schon schwache Quote.

Allerdings muss Brown künftig auch noch an vielen kleinen Details bei seiner Wurftechnik arbeiten. Bei Freiwürfen hat Brown beispielsweise oft die Tendenz, den Ball im letzten Moment, wenn er von der Stirn gerade nach oben abgeworfen werden sollte, aufgrund eines kurzen Zurückklappens das Handgelenk nach hinten zu ziehen. Dadurch wird die Wurfkurve flacher und kürzer, als sie sein sollte.


Ein weiteres Problem, das auch oft mit dieser kleinen Bewegung einhergeht und als Konsequenz daraus resultiert, ist, dass Brown seinen Arm oft nach vorne und nicht gerade nach oben ausstreckt. Auch dadurch ist der Wurf kürzer als geplant.

Solche Kleinigkeiten mehren sich umso mehr beim Sprungwurf, wenn Brown weniger Zeit bei der Ausführung hat. Sein Release insgesamt ist nicht sonderlich schnell und enthält einige Verzögerungen. Oft lässt Brown daher den Ball erst los, wenn er selber den höchsten Punkt beim Absprung bereits überschritten hat und wieder beim Aufkommen auf dem Boden ist. Auch das Anreißen dauert verhältnismäßig lange, weil Brown seine Bewegung sehr tief, fast vor dem Bauch, startet. Je länger die Wurfbewegung, desto mehr Fehler können sich einschleichen.


Generell scheint Brown lieber aus dem Dribbling zu werfen, um einen Rhythmus bilden zu können. Seine Würfe aus solchen Situationen sehen wesentlich selbstbewusster und geschlossener aus als die Catch-and-Shoot-Variante. Hier wirkt Browns Bewegungsablauf sehr steif und die Würfe sind normalerweise entsprechend weit daneben.

Kickouts von Mitspielern zu verwerten, würde allerdings seinen Mehrwert für das Team erheblich steigern. Denn momentan stellt sich die Frage, wie gut Brown abseits des Balls aufgehoben ist und ob NBA Verteidiger ihn als Schütze ernstnehmen müssen oder ob sie ihn vernachlässigen und damit dem ballführenden Spieler das Leben erschweren können. Das wäre ein Horrorszenario und würde bedeuten, dass Brown seine Mitspieler in Unterzahlsituationen verfrachtet.

Immerhin gibt es Hoffnung. Denn neben der Chance auf einen soliden Sprungwurf aus dem direkten Catch, konnte Brown in der vergangenen Saison durchaus beweisen, dass er sich ohne den Ball in der Hand zu bewegen weiß. Seine Cuts sorgen für Aufmerksamkeit bei der Defense. Sollte diese verloren gehen oder sich der Fokus auf den Ballhandler verschieben, kann Brown das geschickt bestrafen. Allerdings sind solche Cuts wie im folgenden Beispiel viel zu selten an der Tagesordnung


Insgesamt ist Brown offensiv noch weit davon entfernt, ein fähiger NBA Spieler zu sein. Zudem stellt sich die Frage, wie Brown eingesetzt werden oder in welche Richtung seine Entwicklung gehen sollte. Ist er ein Spielertyp, der den Ball in den Händen halten muss, um effektiv zu sein, oder hält er sich lieber abseits des Balls auf und fügt sich einem Status als Rollenspieler.

Hier liegt eines der großen Fragezeichen bei Brown, beides scheint er im Moment nicht zu sein. Als Ballhandler fehlen ihm die Fertigkeiten mit dem Leder, das Auge für den Mitspieler und die richtige Entscheidungsfindung beim Lesen der Verteidigung. Abseits des Balls schaden ihm seine mangelnden Wurffähigkeiten und die fehlende Routine für Cuts.

Defensiv wird Brown allgemein großes Potential bescheinigt. Seine athletischen Möglichkeiten und seine langen Arme gepaart mit seiner tadellosen Einstellung lassen diese Vermutung auch in einem bestärkenden Licht erstrahlen. Jedoch muss hier ganz klar konstatiert werden, dass Brown zum jetzigen Zeitpunkt lediglich über dieses Potential verfügt, es jedoch noch kaum ausleben und anwenden kann. Solche Szenen wie hier, in denen er seine Athletik und Länge zielführend einsetzt, sind Mangelware.


Solche defensiven Erfolgsmomente gab es eigentlich nur dann, wenn Brown in einer kleiner Aufstellung als Power Forward auflief und andere Athleten, die ihre Gegenspieler normalerweise mit ihrer Power überwinden und sonst keine spielerischen Mittel aufweisen, auf dieser Position mit seiner Kraft in Schach halten konnte. Zudem profitierte er von seinem Geschwindigkeitsvorteil, der dafür sorgte, dass Drives vom Highpost im Keim erstickten.

Viel zu oft standen hingegen Fehler, Fouls und kassierte Punkte an der Tagesordnung. Was in dieser Hinsicht etwas beängstigend wirkt, ist die Tatsache, dass Brown in sehr vielen unterschiedlichen Bereichen seiner individuellen, defensiven Leistungsfähigkeiten an Grenzen stieß.

Am offensichtlichsten sind seine Probleme beim Closeout. Obwohl er dank langer Armer und schneller Beine eigentlich wie geschaffen für solche Situationen zu sein scheint, kassiert Brown sehr viele Distanzwürfe. Er bricht zu früh seine Closeouts ab und scheint sich zu sehr auf seine langen Arme zu verlassen. Auch die Angst vor einem Foul schwingt immer mit. Diese ist nicht ganz unbegründet, da Brown einerseits in vielen Spielen in Foulproblemen schwebte und andererseits gerade in solchen Situationen anfällig für weitere Fouls ist.

Entscheidet sich der Schütze gegen den Dreier und attackiert er Brown, nutzt dieser zu oft seine Hände und kann sich dämliche Reach-in- oder Wurffouls bei Steal- und Blockversuchen nicht sparen. Selbst bei halbgaren Wurffinten und gezielten Körperzuckungen steht Brown direkt in der Luft und hat keine Chance mehr, in eine gute Verteidigungsposition zu gelangen. Außerdem lässt er oft die laterale Geschwindigkeit vermissen, wenn er den Drive unterbinden will. Dies scheint aber vor allem eine Willens- und Geistesfrage zu sein.

So reboundstark Brown auch sein kann, so schlafmützig verpeilt er teilweise seine Boxouts und erlaubt seinen direkten Gegenspieler damit, Offensivrebounds abzugreifen. Brown verfällt dabei oft in die Zuschauerperspektive und ist nicht geistesgegenwärtig genug, um die Alarmsituation zu erkennen. Außerdem verlässt er sich auf seine Athletik und rechnet oft nicht damit, dass mögliche Gegner ähnlich sprunggewaltig und groß sein können.


Auch defensiv ist Brown also bisher nur als Talent mit den richtigen Anlagen zu bezeichnen. Nur mit viel Geduld und Aufwand werden sich seine Fehler ausbügeln lassen. Lernt Brown nicht, diszipliniert zu verteidigen, wird er in der NBA ähnlich schnell mit Foulproblemen auf der Bank sitzen wie am College. Auch wenn er in vielen Spielen der kleinlichen Linie der PAC12-Schiedsrichter zum Opfer gefallen sein mag, sind seine Foulanfälligkeit und seine hohe Fehlerquote unabstreitbar.

In den vergangenen Jahren gab es immer wieder athletische Spieler, denen großes Potential attestiert wurde, das sie jedoch letztlich nie wirklich entfalten konnten. Zumindest die Einstellung und der Wille zur Verbesserung scheinen von außen betrachtet zu stimmen.
Angesichts seiner immer noch vorhandenen Anlagen wird Brown mit Sicherheit nicht aus der Lottery fallen, vermutlich sogar auch innerhalb der Top10 zu verorten sein. Allerdings scheint es unwahrscheinlich, dass er als dritter oder vierter Spieler gezogen wird, wie es noch im vergangenen Spätsommer kolportiert wurde.

Brown wird aufgrund seiner Statur und wegen derselben College Conference oft mit Stanley Johnson verglichen, der letztes Jahr für Arizona als Kettenhund auflief und im vergangenen Monat erstmals Kontakt mit LeBron James aufnahm und dabei keinen schlechten Eindruck hinterließ.

Allerdings hatte Johnson am College ein Midrange Game (Floater und Pullup Jumper) und war in der Offense generell nicht auf den Ball in den eigenen Händen angewiesen, sondern konnte auch effektiv sein, ohne im Angriff involviert zu sein. Durch diese fehlenden Eigenschaften scheint die Bust-Gefahr bei Brown daher höher zu sein.

Im schlimmsten Fall wäre Brown daher vermutlich in eine Kategorie mit Josh Smith zu verfrachten. Hierbei würde Brown in der Transition für einen ständigen Fluss an Highlights sorgen und die Fans aus den Sitzen reißen, sie jedoch mit schlechten Würfen und Entscheidungen im Halbfeld zur Weißglut bringen.

Einen beste Case zu fabulieren ist nicht sonderlich einfach, da Browns zukünftige Spielweise in verschiedene Richtungen wurzeln kann. Eine mögliche Variante wäre, dass er dank ähnlicher Arbeitseinstellung zu einem zweiten Jimmy Butler evolviert. Hierfür müsste er seinen Wurf stark verbessern und vor allem an seiner Defense schrauben.


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