20 Juni 2016

20. Juni, 2016


Die alte Rookie-Garde eben erst ausgezeichnet, steht eine brandneue bereits in den Startlöchern. Am 23. Juni geht für weitere 60 Youngster ein Lebenstraum in Erfüllung, wenn sie Commissioner Adam Silver in der NBA willkommen heißt. Wir behalten eine unserer liebsten Traditionen hier bei NBACHEF bei und checken im Vorfeld alle Talente dieses Jahrgangs... in unseren patentierten Draft Spotlights.

von AXEL BABST @CoachBabst

Erstmalig größere Aufmerksamkeit generierte Henry Ellenson im Sommer 2014, als er mit der U17-Auswahl des Team USA in Dubai die Weltmeisterschaft dieser Altersklasse gewann. Dabei war er nicht bloß ein Mitläufer, sondern hat teils großen Anteil an den deutlichen Siegen seiner Mannschaft.

Bei seiner College Entscheidung entschied sich Ellenson gegen den Weg vieler anderer Freshmen und entschied sich für die Marquette University seines Heimatstaates Wisconsin. Ein weiterer Faktor neben der regionalen Nähe dürfte die Anwesenheit seines älteren Bruders im Kader der Golden Eagles gespielt haben.

Zudem war dort gerade Steve Wojciechowski als Headcoach und Nachfolger von Buzz Williams vorgestellt worden. Der ehemalige Duke Star und Assitant Coach trat kein leichtes Erbe. Umso wichtiger war es für ihn und das Programm, dass sie mit Ellenson einen Top10-Rekruten mit Strahlkraft für kommende Jahrgänge für sich gewinnen konnten.

Ellenson nutzte seine Rolle als Star des Teams und fabrizierte ordentliche Statistiken. Auch als Team konnten die Golden Eagles durchaus Erfolge verbuchen. Sie gewannen Spiele gegen Top10 Teams, bezwangen Ben Simmons' LSU Tigers und konnten die Marke von 20 Siegen erreichen und damit ihre Bilanz gegenüber der Vorjahresleistung geringfügig verbessern.

Das Tournament verpassten sie am Ende deutlich, allerdings hatte auch niemand so recht damit gerechnet, dass Marquette wirklich in der Lage sein würde, eine Teilnahme zu erreichen. Angesichts der dünnen Rotation und der fehlenden Größe im Kader schien das ein Ding der Unmöglichkeit zu sein.


Ellenson stach als Akteur aus dem gut funktionierenden Kollektiv heraus und war vor allem in der Offensive, derjenige den seine Mitspieler gerne mal gezielt suchten. Viele Plays waren so konzipiert, dass Ellenson seine langsameren Gegenspieler mit seinem Ballhandling überrumpeln konnte.

Besonders geeignet ist Ellenson als Blocksteller im Pick & Pop. Er stellt einerseits gute Screens, die seinen Mitspielern Platz verschaffen. Andererseits kann er es aber auch sofort bestrafen, wenn sich die Defense zu sehr auf den Ballhandler fokussiert und Ellenson nur wenig Aufmerksamkeit widmet.

Sein Wurf aus der Mitteldistanz ist gut genug, um einen zu großen Sicherheitsabstand der Verteidiger bestrafen zu können. Noch besser ist Ellenson jedoch darin, seinen Gegenspieler bei Closeout Situationen zu schlagen. Sein gutes Ballhandling und sein Spielverständnis ermöglichen ihm den Weg zum Korb.

Gerade perspektivisch dürfte Ellensons NBA Zukunft genau in diesem Element liegen, weil es dem Point Forward ermöglicht seine Playmaking Skills gewinnbringend einzusetzen und er dadurch auch gegen deutlich athletischere Gegenspieler den Weg zum Korb finden sollte.


In der ersten Situation stellt Ellenson einen guten Screen, der gleich zwei Verteidiger aus der Situation ausschließt und seinem Mitspieler dadurch eine freie Bahn zum Korb gestattet. In den folgenden beiden Situationen entscheidet er sich für den Wurf. Auch wenn er keinen der beiden Versuche trifft, ist er dennoch in der Lage solche Schüsse zu versenken.

In der folgenden Sequenz rotiert daher ein dritter Verteidiger zu Ellenson, um einen freien Wurf zu verhindern. Ellenson erkennt diesen Fehler sofort und leitet das Spielgerät zum freien Teamkameraden weiter, der den offenen Wurf allerdings nicht trifft. Insgesamt sollte Ellenson jedoch viel häufiger zum Korb ziehen und sich nicht zu sehr in den Sprungwurf verlieben.

Zwar fällt dieser gelegentlich sehr sicher und auch am Touch des Bigs ist insgesamt wenig auszusetzen, aber Ellensons Wurf ist technisch noch nicht sonderlich ausgereift. Gerade beim Dreier muss der Power Forward noch viel Arbeit investieren, ehe er NBA Reichweite bei seinen Würfen aufweisen kann.

Ellenson wirft sehr stark aus den Armen, was dazu führt, dass er sich mit dem Handgelenk nicht auf die Technik konzentrieren kann und die Streuung der Fehlwürfe noch sehr groß ist. Zudem gerät der Big Man noch oft in Rücklage bei seinen Würfe. Auch das führt zu Kraftverlust und einer Nachkorrektur mit den Armen. Viele Würfe sind daher auch zu flach oder zu kurz.

In der Mitteldistanz fällt dieser Kraftverlust oft nicht so stark nicht ins Gewicht, weswegen sich der Vierer hier im Regelfall sehr sicher präsentiert. Beeindruckend ist zudem, wie schnell er nach Ballerhalt seine Füße zum Korb ausrichtet und eine gute Basis für den Wurf hat.


Beim ersten Dreier holt Ellenson extrem weit aus. Er bringt den Ball bis vor den Bauch, um anschließend von dort aus die Wurfbewegung einzuleiten, da seine Beine längst gestreckt sind, ehe Ellenson seinen Abwurfpunkt erreicht, verpufft die mögliche Kraft aus den Beinen fast gänzlich und Ellenson muss wieder mit Armkraft nachhelfen. Der Dreier verfehlt entsprechend weit sein Ziel.

Bei all seinen Mitteldistanzwürfen fällt Ellenson leicht nach hinten. Da er näher am Korb dran ist, muss er nicht ganz so stark aus den Armen werfen und das Handgelenk klappt dadurch deutlich sauberer ab. Zudem hat der Fadeaway hier den Vorteil, dass der Wurf noch schwieriger zu verteidigen oder gar zu blocken ist.

Will Ellenson auch in der NBA als Faceup Vierer auftreten, muss er sich athletisch und vor allem seinen ersten Schritt extrem verbessern. Auch wenn sein Ballhandling und seine Passqualitäten sowie Court Vision für einen Spieler seiner Größe durchaus annehmbar bis stark sind, hilft ihm diese Erkenntnis herzlich wenig, wenn seine Verteidiger trotzdem vor ihm bleiben können.

Bereits am College hatte er Probleme, konstant seinen Gegenspieler im Eins-gegen-Eins schlagen zu können. Oft wurde er auf halber Strecke gestoppt und Hilfen war gar nicht erst nötig. In der Folge konnte er dann auch seine Passstärke nur sehr bedingt einsetzen.


In der ersten Szene sammelt der Forward einen Loseball ein und zieht direkt zum Korb. Hier wird seine Spielintelligenz deutlich, da er erkennt, dass die Defense unorganisiert ist und ihm sich die Gelegenheit zum Drive bietet. Zudem ist er in der Lage den Durchstecker auf seinen Frontcourt Partner Fischer trotz zwei helfender Verteidiger an den Mann zu bringen.

In der zweiten und der letzten Szene schafft es Ellenson jedoch nicht, die Zone zu erreichen. Die Verteidiger haben teilweise gar keine große Mühe bei ihrer Arbeit und laufen auch in keinster Weise Gefahr, ein Foul begehen zu müssen. Da dies so offensichtlich ist, bleiben auch alle anderen Verteidiger bei ihren Gegenspielern und machen keine Anstalten zu helfen. Der dritte Drive ist auch eher ein Postup nach Closeout mit einem halben Screen als ein ausgefeilter Drive.

Eine andere Möglichkeit Ellenson zielführend im Halbfeld einzusetzen, sind Postups. Er kann durchaus im Eins-gegen-Eins scoren, da er verschiedene Moves und eine gute Fußarbeit aus einer guten Grundausbildung aufweisen kann. Als Abschluss bevorzugt er den Jump Hook mit der rechten Hand, kann aber auch mal mit links vollstrecken oder zum Fadeaway ansetzen.

Seine Lieblingsmoves beinhalten viele Täuschungen und sind von Geduld geprägt. Ellenson hat in der Regel einen Plan, von wo und in welcher Manier er finishen möchte und ist relativ hartnäckig an der Umsetzung interessiert. Fängt er den Ball nicht an der Position, wo er sich wohlfühlt, arbeitet sich der Big Man gerne einige Meter zum Korb heran. Dabei nutzt er viele kleine, extrem harte Dribblings, die es der Verteidiger unmöglich machen, ihm den Ball aus den Händen zu schlagen.

Am Brett ist Ellenson dann ein guter Finisher. Das bezieht sich nicht bloß auf Postups, sondern alle möglichen Abschlüsse, die er am Korb fabriziert. Daher ist es auch immer eine gute Option, ihn abseits des Balls als Abnehmer für Durchstecker zu platzieren.


In der ersten Situation zeigt Ellenson eine gute Mischung aus Geduld und Basketballtalent. Ein erstes Postup misslingt, weshalb der Innenspieler einen Screen stellt, der nur dazu dient, dass sein Verteidiger kurz beschäftigt ist und er endlich den Ball erhalten kann. Der anschließende Jump Hook mit der linken Hand ist keinesfalls einfach und findet dennoch relativ sicher sein Ziel.

Nach dem Finish per Durchstecker zeigt Ellenson auch in der dritten Szene, wie gut er sich selber einen halbwegs ordentlichen Abschluss in Postup-Situationen erarbeiten kann. Er geht ins Faceup, arbeitet sich mit seinen Dribblings zum Korb vor und dreht sich, sobald er nah genug am Korb ist, schnell weg vom Verteidiger, um Platz für seinen Fadeaway zu haben.

Sowohl in klassischen Postups als auch beim High-Low konnte sich Ellenson als Passgeber hervortun. Bei letzterem harmonierte er hervorragend mit seinem Frontcourt Partner Fischer. Besonders gegen gegnerische Zonenverteidigung war das Zusammenspiel ein probates Mittel, um den Gegner diese Verteidigungsform schnell wieder ad acta zu legen.

Wurde er im Lowpost gedoppelt oder sank ein Verteidiger stark ab, konnte der Power Forward das mit seinen klugen Pässen ebenfalls bestrafen. Allerdings waren manche Pässe doch ein wenig sehr risikoreich und wieder immer wieder abgefangen.


Die zweite Szene verdeutlicht, wie intuitiv das High-Low zwischen Ellenson und Fischer zu einem gewissen Saisonzeitpunkt funktionierte. Ellenson dreht sich noch nicht mal richtig zum Korb und weiß genau, wo Fischer steht. Fischer seinerseits weiß genau, wann er sich bewegen muss und wann er den Ball von Ellenson erhält.

In der dritten Szene bedient der Vierer seinen cuttenden Mitspieler, während zwei Verteidiger in der Zone nur auf den Ball und nicht auf den Cutter achten. Ellenson ist punktgenau und erfolgt im exakt richtigen Moment. 

Besonders stark sind die letzten beiden Pässen. Zunächst dreht sich Ellenson zur Baseline und wird gedoppelt. Dennoch behält er die Übersicht und feuert einen sehr genauen Pass an die Dreierlinie auf den Flügel. Daraus entsteht ein Drive, der zu zwei Punkten führt. In der letzten Szene beweist der power Forward wieder Geduld und wartet nur darauf, bis der Perimeter Verteidiger ein drittes Mal nach dem Ball schlägt und somit beim Closeout keine Chance mehr hat.

Am stärksten ähnelt Ellenson einem NBA Spieler, wenn er in der Transition den Point Forward mimen kann. Meist schnappt er sich einen Rebound und startet den Fastbreak entweder selber als Ballhandler oder er bedient einen vorausgeeilten Mitspieler mit einem langen Ouletpass.

Hat der Forward erst einmal Tempo aufgenommen, ist es sehr schwer den wuchtigen Körper zu bremsen und einfache Punkte zu verhindern. Auch als Rimrunner strahlt der Big Man Gefahr aus und ist nicht zu unterschätzen.


In der ersten Szene ist Ellenson als Rimrunner aktiv und zeigt, zu welchem Tempo er seinen Körper beschleunigen kann. Sein mobiler, koordinierter Laufstil mit langen Schritten ist für kurze Sprints prädestiniert. Bereits auf wenigen Metern hat er seinen Gegenspieler überlaufen und einen uneinholbaren Vorsprung.

In der zweiten und dritten Situation übernimmt Ellenson nach eigenem Defensivrebound den Ballvortrag. Er nimmt schnell Tempo auf und demonstriert wieder sein gutes Ballgefühl. Das Leder verlangsamt ihn keineswegs. Im ersten Versuch wird Ellenson gerade noch rechtzeitig gestoppt, beim zweiten Mal gelingt dies jedoch nicht und Ellenson hätte zwei Freiwürfe in der NBA sicher. Abschließend folgt noch ein Outletpass bis an die Mittellinie, der jedoch nicht von zwei Punkten gekrönt wird.

Ellenson ist ein spielintelligenter Power Forward. Seine Skills sind unverkennbar und machen ihn zu einem potentiell interessanten Spieler. Allerdings stellt sich die Frage, wie diese Skills auf die NBA zu übertragen sind und in welcher Rolle das sein wird. 


Zunächst muss Ellenson dringend seinen Wurf stabilisieren und die technischen Mängel beheben, um auch in der NBA treffsicher aus mehreren Distanzen abschließen zu können. Knapp 29 Prozent Dreierquote aus College Entfernung sind da zu wenig. Ein sicherer Wurf würde ihm viele Möglichkeiten eröffnen.

Gerade bei Closeouts spielt die Treffsicherheit beim Sprungwurf eine große Rolle für die Intensität und Schnelligkeit, die der Verteidiger an den Tag legt. Je langsamer er die Sache angehen und je früher er seine Bewegung abbrechen kann, desto schwieriger wird es für Ellenson zum Korb zu ziehen oder anderweitig kreativ zu sein. Gerade für seine Effektivität im Pick & Pop, wo er meiner Meinung nach am besten aufgehoben ist, wäre das sonst schädlich.

Im Eins-gegen-Eins muss Ellenson sich einen explosiveren ersten Schritt zulegen, wenn er seine Gegenspieler passieren möchte. Da ihm jedoch athletische Grenzen gesetzt sind, wird er hier nur begrenzt dran arbeiten können und damit auch nur begrenzt fähig sein, seinen Gegenspieler im privaten Duell zu schlagen.

Defensiv muss der Power Forward ebenfalls noch einiges investieren, um seinem Team nicht zu schaden. Ihm fehlt vor allem am Perimeter die Geschwindigkeit, um Drives zu verhindern. In vielen Situationen wird er daher relativ leicht schon mit dem ersten Schritt geschlagen. Manchmal tendiert er daher dazu, zu viel Abstand zu lassen und den offenen Dreier in Kauf zu nehmen.


In den ersten beiden Defensivsequenzen hält Ellenson beispielsweise deutlich zu viel Abstand und ist als Verteidiger des Blockstellers nicht in der Lage, den Wurf des Ballhandlers zu erschweren. Warum er so viel Abstand hält, zeigt sich dann auch in der dritten Szene, als er switcht und dem gegnerischen Aufbauspieler gegenüber steht. Hoyas Guard Smith-Rivera lässt Ellenson nicht den Hauch einer Chance und schlägt ihn bereits auf dem ersten Meter vernichtend. 

In den beiden Pick & Rolls, in denen Kris Dunn das Ballhandling übernimmt, sieht Ellenson nochmal eine Stufe schlechter aus. Dunn scheint keinerlei Mühe beim Splitten zu haben und umkurvt Ellenson, als wäre dieser eine Stange beim Ballhandling Drill im Warmup. 

Zwar gibt es auch das eine oder andere Closeout, bei dem der Forward nicht geschlagen wird und sogar einen Steal erbeuten kann, doch hängt das vor allem mit den technischen Defiziten und dem Unvermögen der jeweiligen Gegner ab. In der NBA wird ihn ein anderes Kaliber erwarten.

Als Rimprotector gibt Ellenson genauso häufig eine schlechte Figur ab. Kommt ein Guard oder Flügelspieler mit vollem Tempo auf ihn zugerast, sieht er eher wie ein gern genommenes Postermotiv. Nur wenn der Angreifer keine Chance zum Anlauf hat und Bigs beispielsweise nach Durchstecker einen Moment brauchen, um den Ballbesitz verwerten zu können, kann Ellenson sein Spannweite von knapp 2,18m einbringen und den einen oder anderen Wurf blocken.


In den ersten beiden Szene liefert Ellenson überhaupt keine Gegenwehr und steht teilnahmslos an der Seite oder handelt sich ein duseliges Foul ein. Auch in den weiteren Szene gibt Ellenson keine aktive Hilfe, lässt Gegenspielern sehr viel Zeit beim Abschluss oder geht ihnen sogar eher aus dem Weg, anstatt ihren Wurf zu erschweren.

Nur in den letzten beiden Szenen riecht er den Braten und hat genug Reaktionszeit, um den Wurf der Gegner zu blocken. Dadurch bessert er zwar seine Statistiken auf, allerdings sind solche Szenen seltener und weit weniger wichtig, weswegen er gerade in der NBA nicht als verlässlicher Rimprotector eingeplant werden sollte.

Abschließend sollte noch ein Aspekt des Spiels in den Fokus gerückt werden, der sich auf den ersten Blick wie eine weitere Stärke liest, in der Tat aber differenzierter betrachtet werden muss. In Sachen Defensivrebounding weist Ellenson gute Werte auf und die vielen Transition Aktionen, die vom Big Man durch einen solchen Rebound eingeleitet werden, unterstützen diesen Eindruck, allerdings ist das nur ein Teil der Wahrheit.

Gerade die guten Statistiken (7,6 Defensivrebounds pro Spiel bei einer Rate von etwa 24 Prozent) werden dadurch manipuliert, dass Marquette eine sehr kurze Rotation spielte und de facto neben Ellenson Luke Fischer der einzige weitere Big des Kaders war. Kombiniert mit den Guards, die ebenfalls nicht sonderlich interessiert am Thema Rebounding waren, sind das paradiesische Verhältnisse für einen Spieler der Marke Ellenson.

Doch gerade wenn das Gedränge in der Zone härter wurde und die Rebounds nicht mehr so leicht aus der Luft zu pflücken waren, hatte Ellenson oft das Nachsehen. Ihm schienen die Härte und das nötige Boxout-Verhalten zu fehlen. Zudem hat er die Tendenz nur mit einem Arm nach dem Ball greifen zu wollen, statt sich mit beiden Händen direkt den Ball zu sichern.


In der ersten Szene guckt Ellenson zunächst unbeteiligt von der Freiwurflinie aus zu und verschenkt im zweiten Anlauf fast den Ball, weil er wieder nur einen Arm hochnimmt. Anschließend lässt er sich von zwei Guards auf der falschen Seite des Brettes halten und kann den Putback des kleinsten gegnerischen Spielers nicht verhindern, obwohl dieser beim ersten Wurfversuch noch direkt bei ihm stand.

Auch bei den übrigen Boxout-Situationen hinterlässt Ellenson keinen guten Eindruck und zeigt ein Bild, das man die ganze Saison über von ihm sehen konnte. Er lässt sich von kleineren Gegenspielern überrumpeln und verschenkt seine gute Position oft durch halbentschlossene Greifversuche oder unsaubere Boxouts.

Defensiv wird Ellenson auf jeden Fall eine Steigerung hinlegen müssen, um auf NBA Niveau mithalten zu können. Am College konnte er vieles noch mit seiner Spannweite und seiner Spielintelligenz ausgleichen. Das wird in der NBA nicht länger möglich sein - zumindest nicht in diesem Ausmaß. Da Ellenson athletisch jedoch limitiert ist, stellt sich die Frage, ob er jemals ein ordentlicher Verteidiger im Pick & Roll und Perimeter werden kann.

Ein mögliches Vorbild wäre Boris Diaw, der allerdings dann doch noch flinker in vielen Bewegungen unterwegs war - jedenfalls während seiner Prime. Auch der Wurf des Franzosen ist konstanter als der des angehenden Rookies. Als Rebounder können dem ausgebufften NBA Veteranen Diaw ebenfalls die wenigsten etwas vormachen.