13 Juni 2016

13. Juni, 2016


Die alte Rookie-Garde eben erst ausgezeichnet, steht eine brandneue bereits in den Startlöchern. Am 23. Juni geht für weitere 60 Youngster ein Lebenstraum in Erfüllung, wenn sie Commissioner Adam Silver in der NBA willkommen heißt. Wir behalten eine unserer liebsten Traditionen hier bei NBACHEF bei und checken im Vorfeld alle Talente dieses Jahrgangs... in unseren patentierten Draft Spotlights.

von AXEL BABST @CoachBabst

Damian Jones verbrachte seine drei Jahre in der NCAA an der Vanderbilt University in Tennessee. Als Highschool Spieler erweckte Jones zwar durchaus das Interesse einiger guter Colleges, doch für die großen Namen war Jones dann letzten Endes doch nicht attraktiv genug. Seine Zusage gab er Vandy, die sich wie viele andere Universitäten aus der SEC um den aus Louisiana stammenden Big gerissen hatten.

Bei den Commodores fand Jones die für ihn günstige Konstellation vor, dass Headcoach Kevin Stallings praktisch keine andere Wahl hatte, als Jones direkt starten und für viele Minuten auf dem Feld stehen zu lassen. Nachdem 2012 gleich drei Starter (Festus Ezeli, John Jenkins und Jeffery Taylor) das Team Richtung NBA verließen, war die folgende Saison ein erwartungsgemäß rasanter Absturz im Vergleich zum Vorjahr, als man neun Siege mehr holte und sogar die erste Runde des Tournaments überstand.

Umso erfreulicher war aus Sicht der Commodores daher, dass Jones direkt als Freshman zu überzeugen wusste. Zwar blieb die Teambilanz in der Saison 2013/14 unverändert schwach, doch Jones sorgte für erste Aufmerksamkeit. In seinem zweiten Jahr war Jones bereits einer der erfahreneren Leistungsträger und umringt von unerfahrenen, aber sehr talentierten Freshmen. Sie schlossen das Jahr als heißestes Team ihrer Conference und konnten wieder die 20-Siege-Marke knacken. Für eine Qualifikation zum NCAA Tournament reicht die Bilanz jedoch noch nicht aus.

Die folgte erst in der vergangenen Saison. Mit Jones als Anker in der Zone spielte Vanderbilt einen der schwersten Spielpläne der NCAA und musste entsprechend viele Niederlagen einstecken. Bis zum Schluss waren die Commodores ein Bubble Team und wurden daher auch nur ins First Fourt verfrachtet. De facto zählen die Play-In-Games ins Teilnehmerfeld der letzten 64 schon zum Tournament, sodass Jones trotz der Niederlage gegen Wichita State seine College Karriere mit einem Tournament Game beenden konnte.

Aufgrund dieses erreichten Ziels, der Aussicht auf einen Platz in der ersten Draftrunde, der fehlenden Fortschritte und der damit einhergehenden Gefahr eines drohenden Wertverlusts und auch wegen des später verkündeten Trainerwechsels entschied sich Jones zum Sprung in die NBA. In der Summe war diese Entscheidung sicher richtig, da er persönlich einen Tapetenwechsel sicher gut gebrauchen kann und in diesem Jahr zudem die Chance, möglichst früh gedraftet zu werden, im Vergleich zum kommenden starken Draftjahrgang 2017 weitaus höher zu sein scheint.


Jones konnte während seiner NCAA Laufbahn nie wirklich zeigen, welches Potential in ihm steckt und ließ auch immer wieder Fragen darüber aufkommen, wo genau er überhaupt zum jetzigen Zeitpunkt steht. Zum einen waren diese Ungewissheiten selbst verschuldet, da er sich gerne öfter mal selber im Weg stand (dazu später mehr). Zum anderen lässt sich aber auch schnell das System unter Stallings als Risikofaktor ausmachen.

Stallings bevorzugte eine Read-and-React-Offense, die an sich immer clever konzipiert war, jedoch oft daran krankte, dass nicht alle fünf Spieler auf dem Feld in der Lage waren, die richtigen Reads zu tätigen und entsprechend zu handeln. Sobald ein einzelner Spieler im falschen Moment seinen Einsatz verpasste, fielen viele Optionen schlagartig weg. Besonders Jones litt als Big darunter, da der Ball dann häufig einfach am Perimeter verweilte und die UCLA Cuts von Jones oder die Offball-Screens seiner Mitspieler einfach keinen Überraschungseffekt mehr erzielen konnten.

Dadurch wurden die Entrypässe zu Jones schwieriger. In Kombination mit der zunehmenden Tendenz bei Guards, Bigs im Lowpost weder anspielen zu wollen noch zu können, gab es immer Phasen, Spiele oder gar Wochen, in denen Jones kaum in Erscheinung trat. Das sollte sich in der NBA durch gezieltere, schnörkellose Setplays und fähigere Mitspieler ändern.

Jones fühlt sich am wohlsten, wenn er am Zonenrand, möglichst nah am Korb, den Ball mit dem Rücken zum Korb fängt und dann entweder mit einem Dribbling oder direkt aus dem Pass heraus den Abschluss suchen kann. Je tiefer Jones den Ball erhält und je schneller er nach dem Ball seine Aktion starten kann, desto erfolgreicher geht sie in der Regel aus. Jones ist kein typischer Lowpostprofessor, der sich in aller Ruhe seinen Gegenspieler ausguckt und ihn dann geschickt aussteigen lässt, er arbeitet vor allem mit seiner Kombination aus Größe, Kraft, Schnelligkeit und Touch.


Außerdem kann Jones auch im Pick & Roll hervorragend eingesetzt werden. Jones stellt sehr solide Screens. Sein breiter Körper und sein gutes Gefühl dafür, wie genau er die Blöcke stellen muss, um seinem Ballhandler einen Vorteil zu verschaffen, gehören zum besten, was der diesjährige Draft in dieser Hinsicht zu bieten hat.

Dank seiner enormen Hände, deren Größe auch durch die Abmessungen bei der Draft Combine bestätigt und mit genauen Angaben untermauert wurden, kann sich Jones beim Abrollen auch halbwegs missglückte Anspiele noch sichern und verwerten. Er weiß genau, wie er seinen Körper beim Abrollen in die Lücken der Verteidigung zwängen kann, wodurch er entweder eine vortreffliche Passoption für den ballführenden Spieler darstellt oder aber die Defense zur Reaktion zwingt und somit anderen Mitspielern Freiräume eröffnet.


In der ersten Szene wird Jones' Spezialdisziplin deutlich. Es gibt keinen anderen Big Man in dieser Draftclass, der nach einem harten Rimrun so gut in der gegnerischen Zone Position bezieht, seine Matchups dort sealt und anschließend finisht. Auch in der NBA sollte Jones diese Fähigkeit einsetzen und als Waffe etablieren können. Aufgrund des höheren Tempos wird er sogar noch mehr Gelegenheiten zu solchen Aktionen erhalten. Jones hat zudem den Vorteil, dass er über beide Schultern abschließen und auch mal einen Schulterfake einbauen kann.

In der zweiten Szene wird sogar noch deutlicher, was für ein exzellenter Rimrunner der Vandy Big ist. Hier überläuft er den sehr athletischen Jaylen Jones. Allerdings rennt er nicht einfach stupide bis zu unter den Ring, sondern beweist ein gutes Verständnis für Raum und Winkel. Er nimmt Jones auf den Rücken und positioniert sich exakt am Zonenrand. Anschließend zeigt er sich sehr geduldig und wartet, bis der Passgeber ihn bedienen kann. Das schnelle Catch-and-Finish illustriert eine weitere Qualität des Innenspielers in direkter Korbnähe.

Auch die dritte Aktion im obigen Video ist ein Musterbeispiel einer aussterbenden Kunst. Jones zeigt, wie sich ein Big mit guter Fußarbeit zwei Meter Raum durch eine einzige schnelle Bewegung sichern kann. Selbst gegen einen Außenspieler ist Jones in dieser kurzen Zeitspanne wesentlich wendiger und nur durch ein Foul an zwei einfachen Punkten zu hindern.

Ein weiterer Aspekt, der durch seine gute Arbeit im Positionskampf häufig bedingt wird, ist seine Arbeit als Offensivrebounder. Dank seiner guten Positionierung zum Brett, hat Jones oft eine sehr gute Ausgangslage, um seinem Team zweite Wurfchancen zu ermöglichen. Doch nicht allein die Arbeit vor dem Rebound ist bemerkenswert. Auch bei der Aktion selber nimmt Jones keine Rücksicht auf Verluste und setzt seine ganze Masse beim Duell um den Rebound ein. Gelingt es ihm nicht beim ersten Greifen das Leder zu sich zu reißen, geht er dem Ball auch ein zweites oder drittes Mal mit derselben Härte und Konsequenz hinterher.

Zudem ist Jones durchaus in der Lage, gute Entscheidungen mit dem Spielgerät in den Händen zu treffen. Zwar kommen solche Aktionen noch zu selten vor, doch seine gelegentlich cleveren Reaktionen auf Fehler der Verteidigung lassen darauf schließen, dass Jones durchaus ein gutes Spielverständnis besitzt und eine lasche Verteidigung effektiv bestrafen kann.


Speziell in der ersten Szene wird deutlich, wie schwer es sein kann, Jones vom Offensivrebound abzuhalten. In dieser Situation holt er einen Rebound gegen Rico Gathers, den man getrost als besten Rebounder der NCAA bezeichnen kann und demnächst eine Karriere als NFL-Profi anstrebt. In seinen vier Collegejahren hat es sicher nicht viele Momente gegeben, in denen ihm wie hier der Ball einfach von Jones weggeschnappt wird.

Allerdings gibt es im Gesamtpaket noch einige Baustellen, an denen der junge Center noch zu malochen hat. Eine Kritik, die er sich seit seinem Freshman Jahr gefallen lassen muss, ist seine mangelhafte Abschlussquote am Brett.

Angesichts seiner Größe und seiner Fußarbeit im Lowpost sollte Jones in der Lage sein, sich zumindest am College gegen physisch schwächere Kontrahenten jedes Mal einen guten Wurf zu erspielen und gerade die einfachen Layups sicher zu verwandeln. Allerdings offenbart er hier immer wieder Schwächen. Seine knapp 53 Prozent in direkter Brettnähe (via Hoop-Math) sind für einen Big, speziell mit seiner Erfahrung und seiner Physis, kein ruhmreicher Wert.

Ein Problem ist sicher seine Rumpfmuskulatur. Jones ist im Oberkörper zwar sehr kräftig, das hilft ihm jedoch herzlich wenig, wenn er bei normalen Kontakten in der Zone sofort einknickt und zur Seite fällt. Dadurch fehlen ihm beim Layup die Zielgenauigkeit und Konzentration, die nötig wären, um sein Werk zu vollenden.

Jones ist sich dieses Schwachpunkts durchaus bewusst, was leider häufig darin resultiert, dass er sich in Fakes verzettelt und letztlich von Gegenspieler umringt nur noch einen halbgaren Wurfversuch zustande bekommt. So bleiben seine Größe, sein Touch und seine Kraft ungenutzt und der Wurf hat keine Aussicht auf Erfolg.

Weitere erschwerende Faktoren liegen zum einen darin, dass Jones oft einen Moment zum Sammeln nach dem Ballerhalt zu brauchen scheint, und zum anderen in seinen wirkungslosen Dropsteps. Häufig macht er beim Fangen des Balls den Fehler, dass er ihn wieder runter an die Hüfte oder an den Bauch nimmt und es damit kleineren Verteidigern ermöglicht, ihm das Leder aus den Spalding aus der Hand zu schlagen.

Seine Dropsteps sind selten von Erfolg gekrönt, da er den Schritt nicht eng genug am Bein des Verteidigers setzt, von leichten Schubsern schnell aus der Bahn gerät und im Endeffekt beim Aufsetzen nicht auf den Korb, sondern zur Brettkante oder Seitenlinie (je nach Startposition) ausgerichtet ist.


Gerade anhand der ersten beiden Abschlüsse wird sichtbar, dass sich Jones nicht darauf konzentriert den Korb zu treffen, sondern eher Wert darauf legt, dem Kontakt auszuweichen oder sich auf den androhenden Kontakt einzustellen. Dadurch macht er aus beiden Gelegenheiten zu wenig.

In den Situationen drei und vier nimmt Jones den Ball vor den Bauch und erlaubt damit den kleineren Verteidigern, ihn entscheidend zu stören. Zudem misslingt in der vierten Szene auch der Dropstep, sodass er zur Sideline ausgerichtet ist und keine Chance hat, einen gezielten Wurf zu nehmen.

Zu guter Letzt noch ein Beispiel dafür, wie vorherige Missgeschicke Jones beeinflussen und ihn davon abhalten, es weiterhin zu versuchen. Zwar zeugt es von einer gewissen Reife, dass Jones in diesem Moment nicht überdrehen will, allerdings sollte er wenigstens kurz den Korb angucken und Gefahr ausstrahlen.

Dass er am Ende der Sequenz dann doch einen schlechten Mitteldistanzwurf nimmt, spricht Bände. Ihm fehlt noch viel zu oft die ruhige Ausstrahlung, die ein ordentlicher Brettcenter im Lowpost an sich haben sollte. Diese kann mit zunehmender Routine und Erfahrung zwar zunehmen, allerdings war davon im Verlauf seiner Karriere wenig zu sehen.

Damit einher geht ein zweites großes Problemfeld in der Offensive des Big Man. Jones trifft sehr pft unüberlegte, überhastete und zum Teil sogar dämliche Entscheidungen, die ihn selber oft aus dem Spiel nehmen und zu Passivität führen. Manchmal nimmt man minutenlang kaum Notiz davon, dass der große Sevenfooter auf dem Feld steht.

Allerdings passiert es dann häufig, dass Jones sich seiner Zurückhaltung urplötzlich bewusst wird und die Brechstange auspackt. Vermeidbare Ballverluste, ungestüme Aktionen und fehlende Geduld sind die schwerwiegendsten Konsequenzen dieser Verdrängungsphasen.


Die erste Szene geht zwar zu 60 Prozent auf die Kappe des Ballhandlers, weil er Jones zunächst nicht ansieht und ihm dann genau im falschen Moment ohne Vorwarnung doch noch den Ball passen will, doch auch Jones ist vorher alles andere als konsequent. Er sprintet nicht in den Screen und beim Seal gegen seinen Kontrahenten agiert er nachlässig. Zudem muss er früher auf den Drive reagieren und seinen Winkel zum Ball verbessern.

Die Szenen zwei und drei zeugen von Ungeduld und Hektik. Zunächst hat Jones ein Mismatch gegen den 30 Zentimeter kleineren Aufbauspieler Collins, das er durch einen unnötigen Ellbogeneinsatz zunichte macht. Anschließend löst er zu früh seine gute Position auf und wartet nicht auf den Lobpass des Mitspielers.

Grundsätzlich ist Jones also ein Spieler, der offensiv über sehr viel Potential und bereits vielversprechende Basics verfügt, allerdings noch nicht weiß, wie er seine Mittel einsetzen und vor allem wann dies der Fall sein sollte. 


In der Defensive ist es ebenfalls notwendig, sich ein differenziertes Bild zum Big anzueignen. Auf den ersten Blick täuschen sowohl seine Statistiken, als auch manche Aktionen, die von ihm im Gedächtnis haften bleiben können. Gerade der Karriereschnitt von 2,5 Blocks pro Spiel auf 40 Minuten hochgerechnet lesen sich im ersten Moment ordentlich, wenn auch nicht spektakulär, allerdings darf eine gewisse Skepsis angebracht sein, ob seine Qualitäten als Rimprotector tatsächlich in der NBA durchscheinen werden.

Jones profitiert am College oft von der Orientierungslosigkeit vieler Guards und der eigenen Größe. In vielen Situationen musste Jones nicht viel mehr machen, als beide Arme gerade nach oben zu strecken und darauf zu warten, dass ihm ein wesentlich kleinerer Gegenspieler in die Arme wirft. Im Lowpost wurden seine Größenvorteile am offensichtlichsten, da seine Duellanten im Schnitt einen Kopf kleiner waren und oft keine Chance hatten, über Jones zu werfen, es jedoch trotzdem probierten.

Vor allem mit der erhöhten Schnelligkeiten in Sachen Entscheidungsfindung, Ballmovement und Penetration der Guards wird Jones in Schwierigkeiten geraten. Bereits jetzt sind Wege oft zu lang für Jones und er verliert die Orientierung. Dadurch kommen seine Hilfen zu spät und er kann oft nur noch foulen oder einen letzten, verzweifelten Rettungsversuch unternehmen.


Gerade in den ersten beiden Defensivsequenzen ist Jones einfach zu spät dran und nicht in der richtigen Position, um den Korb schützen zu können. Zur Rettung seiner Ehre ist zwar anzumerken, dass er nicht so oft als äußerer Verteidiger der hinteren Reihe einer 2-3-Zone eingesetzt wurde, trotzdem darf ihm der Angreifer in seinem Rücken nicht entwischen. Dass er auch noch auf den Pass spekuliert und nicht einfach ans Brett sprintet, macht die Sache nicht besser. Zudem haben beide Bigs nicht wirklich Probleme, über Jones zu finishen, obwohl die Angreifer sich kaum vom Boden bewegen.

Viel beängstigender als das mangelnde Shotblocking ist jedoch die Schwäche bei Defensivrebounds. Angesichts seiner Stärken am offensiven Brett wäre davon auszugehen, dass Jones das eigene Brett geradezu beherrscht und sich keine Möglichkeit entgehen lässt - doch weitgefehlt. Jones verschuldet seine unglücklichen Aktionen größtenteils selber. Auch hier beginnt vieles durch seine späten Rotationen als Helpverteidiger. Obwohl er deutlich zu spät dran ist, hat er dennoch die Tendenz, dem Ball hinterher zu springen und einen Blockversuch zu unternehmen.

Des Weiteren verpasst Jones öfter mal das Boxout und verlässt sich einzig und allein auf seine Größe. Da ihm jedoch oft das Timing beim Rebound fehlt und seine Größe ihm dann auch nicht weiterhilft, sieht er in vielen Situationen sehr schlecht aus und kann den Rebound nicht kontrollieren.


Gleich zwei Mal springt Jones nach dem Ball und versucht den Wurf der Gegner zu blocken im Clip aus dem Baylor-Spiel. Am Ende ist er überhaupt nicht mehr in Reichweite des Brettes und hat keine Chance, den Putback zu verhindern.

In den beiden anderen Szenen werden Jones' fehlendes Timing sowie seine Schwierigkeiten bei der Ballkontrolle ersichtlich. Wenn es darum geht, schnell die zweite Hand an den Ball zu bekommen, offenbart Jones eklatante Schwächen und lässt sich so viele Bälle entgehen.

Zu allem Überfluss handelt sich Jones auch gerne in kurzer Zeit viele Fouls ein, was ihn speziell in dieser Saison immer wieder aus dem Spiel nahm und für längere Phasen auf die Bank verfrachtete. Hier muss Jones dringend lernen, sich disziplinierter zu verhalten und sich mit seinen übermotivierten Aktionen bedeckt zu halten.

Neben diesen Schwächen beim Schutz des Korbes und der Reinigung des eigenen Brettes, kann Jones jedoch auch unerwartete Lichtblicke aufweisen. Besonders als Pick & Roll Verteidiger hat Jones bei der richtigen Art der Bekämpfung durchaus Qualitäten aufzuweisen.

Jones ist schnell genug auf den Füßen, um Guards für einige Sekunden vor sich zu halten oder wenn es sein muss, sogar ganz zu switchen. Zwar wird man hier abwarten müssen, wie gut er sich gegen NBA Guards schlagen kann, dennoch ist es grundsätzlich ein gutes Zeichen, dass Jones am College dieses Schlüsselelement einbringen konnte.

Zusätzlich zu seiner Pick & Roll Defense ist auch seine Verteidigung gegen Bigs mit Shooting Qualitäten beachtlich. Für einen so kolossalen Center bewegt sich Jones leichtfüßig und mit guter Balance. Bei Closeouts hat er stets die Arme ausgestreckt und ist in der Lage, Würfe zu erschweren. Setzt der Angreifer den Ball auf den Boden und will den Korb attackieren, wartet Jones mit überraschend guter lateraler Geschwindigkeit auf und unterbindet den Drive.


Nach dem Switch im Pick & Roll nimmt der Commodore eine tiefe und somit gute Grundhaltung ein, um den Guard der Baylor Bears am Drive zu hindern. Seine anschließenden Slides unterstreichen die laterale Geschwindigkeit, die Jones aufweisen kann. Zudem ist hervorzuheben, dass Jones bei diesen Bewegungen nicht ein einziges Mal, seinen Körperschwerpunkt nach oben verlagert, sondern die ganze Zeit mit gebeugten Knien verteidigt.

Selbiges gilt für die Closeout-Bewegung. Gerade der Wechsel von den letzten Schritten des Closeouts hin zu den seitlichen Slides sieht sehr flüssig aus und verspricht eine gute Grundlage für die kommenden Aufgaben in der NBA. 

Zusammenfassend lässt sich also feststellen, dass Jones entgegen der Vermutungen, die man aufgrund seines äußeren Erscheinungsbildes vielleicht hegen mag, bislang vor allem am Perimeter und weniger in Korbnähe das Potential zu einem ordentlichen NBA Verteidiger aufweisen konnte. Allerdings können beide Bereiche stark vom Eindruck des Collegespielers Jones divergieren.

Einerseits besteht durchaus die Möglichkeit, dass Jones mit ein paar Jahren mehr auf dem Buckel noch zu einem passablen Rimprotector und Rebounder am eigenen Brett reift. Die körperlichen Anlagen und technischen Grundfertigkeiten dafür sind vorhanden. Andererseits wird Jones sich auf die erhöhte Schnelligkeit und Explositivität der NBA Guards einstellen müssen und könnte hier trotz vorbildlicher Fußarbeit in der Defense an seine Grenzen stoßen.

Um in der NBA eine gute Rolle spielen zu können, wäre es von Jones von Vorteil, wenn er das Maximum aus seinen physischen und technischen Attributen herausholen würde. Dazu muss Jones ein besserer Finisher und Ringbeschützer werden.

Gerade ein sicheres Händchen im Abschluss würde seine Chancen auf Spielzeit sicher erhöhen. Sowohl bei Layups als auch von der Freiwurflinie wäre eine ruhiges Handgelenk von Vorteil. Allerdings ist es fraglich, ob er sich beispielsweise als Freiwurfschütze großartig steigern kann. Seine großen Hände scheinen ihn immer wieder beim Abwurf zu behindern.

Gelingt Jones jedoch dieser spielerische Fortschritt, wäre er angesichts seines Körpers und seiner Scoring Qualitäten in Kombination mit seiner an die NBA angepassten Spielweise eine interessante Mixtur, die ihn zu einem begehrten Rollenspieler machen würden.

Angesichts seiner Spielweise und seiner wuchtigen Erscheinung sind spontan zwei Vergleiche zugänglich. Zum einen wäre da Festus Ezeli, der wie Jones von der Vanderbilt University in die NBA wechselte und damals einige Parallelen aufwies. Besonders der Einklang von Physis und spielerischem Talent ist erstaunlich ähnlich. 

Die etwas prominentere Variante wäre Emeka Okafor, der ein besserer Scorer und Brettcenter als Ezeli war und somit Jones' Fertigkeiten in dieser Hinsicht betont.