17 Juni 2016

17. Juni, 2016


Die alte Rookie-Garde eben erst ausgezeichnet, steht eine brandneue bereits in den Startlöchern. Am 23. Juni geht für weitere 60 Youngster ein Lebenstraum in Erfüllung, wenn sie Commissioner Adam Silver in der NBA willkommen heißt. Wir behalten eine unserer liebsten Traditionen hier bei NBACHEF bei und checken im Vorfeld alle Talente dieses Jahrgangs... in unseren patentierten Draft Spotlights.

von AXEL BABST @CoachBabst

Es gibt viele gute Gründe College Basketball zu gucken: Die Atmosphäre, die Intensität, die Spannung, die Leidenschaft. Ein besonderer Genuss ist jedoch häufig zu sehen, wie Spieler, die als No-Names ihre ersten Schritte auf dem Parkett hinlegten, vier Jahre später die Bühne als gehypter Star und Aushängeschild der eigenen Schule oder sogar der gesamten NCAA verlassen. Zu solch einer Spielerkategorie gehört Chavano Hield a.k.a. Buddy Buckets.

Hield kam 2010 von den Bahamas nach Kansas an die Sunrise Christian Academy, konnte sich dort immerhin die Aufmerksamkeit von Kansas und Oklahoma erspielen, war aber bei vielen einschlägigen Scouting Portalen nicht mal unter den besten 100 Talenten seines Jahrgangs geführt. Er entschied sich für Oklahoma, das sich unter Lon Kruger gerade im Rebuild befand. Bereits in seiner ersten Saison attestierten ihm seine Coaches immer wieder eine beeindruckende Arbeitseinstellung.

Diese machte sich spätestens in seinem Sophomore Jahr bezahlt, als Hield in der Offense deutliche Steigerungen aufweisen und speziell seinen Jumper verbessern konnte. Es folgte eine noch stärkere Junior Saison, in deren Verlauf er zum Big12 Spieler des Jahres gewählt wurde und im NCAA Tournament erstmals die erste Rund überstehen und sogar bis ins Sweet Sixteen vorstoßen konnte.

Doch als ihm NBA Verantwortliche mitteilten, dass sie ihm nicht garantieren konnten, dass er in der ersten Draftrunde gezogen würde, kehrte Hield für seine Senior Saison zurück - mit dem Ziel sich und sein Team auf das nächste Level zu hieven.


Es folgte eine überragende Saison, in der Hield allgemeine Bekanntheit erlangte. Die Saison war gespickt mit Höhepunkten: 46 Punkte gegen Kansas, 147 Dreier und damit die meisten der gesamten NCAA, zwölf 30-Punkte-Spiele, die Auszeichnung zum Spieler des Jahres. Allerdings waren da auch die bittere Niederlage im Halbfinale gegen Villanova, an der Hield mit gerade mal neun Zählern eine große Mitschuld trug. Auch die Serie von Kansas als abonnierter Big12-Champ konnten die Sooners trotz starker Saison nicht reißen lassen.

In jedem Fall war Hield ein polarisierender College Spieler, der größtenteils Sympathien selbst bei den Gegnern weckte und sich unter anderem Standing Ovations von den Anhängern der Jayhawks nach der 46-Punkte-Gala abholen durfte. Ähnlich polarisierend verläuft die Evaluation bei seiner NBA Zukunft. Während das eine Lager davon ausgeht, dass Hield zu sehr von seinem Wurf abhängig ist und keine lange NBA Karriere haben wird, sehen andere sogar die Wahl an dritter Position als vertretbare Entscheidung - zumindest unter den Gegebenheiten des insgesamt schwachen Drafts.

Worüber sich definitiv nicht streiten lässt, sind Hields Wurfkünste. 147 Dreier aus teils unmöglichen Lagen versenkte Hield in der vergangenen Saison und konnte mit dem drittbesten Wert der College Historie gleichziehen. Die knapp vier Treffer pro Spiel entstanden in der Regel auf unterschiedlichste Arten und zwangen seine Gegenspieler gegen Saisonende dazu, entlang der Dreierlinie Fangen mit ihm zu spielen. Die wenigsten konnte seine hasenähnlichen Harkenschläge verteidigen und musste seine Dreier in Kauf nehmen.

Allerdings ist Hield nicht nur ein reiner Catch-and-Shoot-Player oder auf Blöcke seiner Mitspieler angewiesen. Auch aus dem Dribbling wird Hield seinen Wurf sehr schnell und zielgerichtet los. Die Unberechenbarkeit bei Hields Aktionen stellte seine Bewacher vor unlösbare Aufgaben. Dreier aus acht Metern, aus dem Dribbling, in Transition, aus dem Pick & Roll sowie viel Laufaufwand, um überhaupt frei zu werden ließen seinen Verteidigern keine Atempause.


Hields Wurf sieht ein wenig ungewöhnlich aus, ist jedoch derart antrainiert, dass er extrem konstant fällt. Selbst unter Bedrängnis, bei wenig Zeit zur Vorbereitung oder aus großen Distanzen sieht der Wurf des Shooters fast immer gleich aus. Hield hat ein schnelles Release, das seinen niedrigen Abwurfpunkt kaschieren kann. Zudem geht er immer leicht in Rücklage, sodass er den Ball noch etwas weiter vom Verteidiger entfernt loslässt.

Im beigefügten Video ist ein breites Spektrum seiner Dreier abgedeckt. In der ersten Situation leitet er den eigenen offenen Wurf durch die Penetration ein und relokalisiert sich schnell. In der zweiten Szene verpasst er seinem Verteidiger Prince einen beinah-Anklebreaker durch seinen schnellen Richtungswechsel. Auch die üblichen Dreier in Transition, gegen den Mann oder aus siebeneinhalb Metern, mit denen niemand rechnet, gehören obligatorisch dazu.


Interessant ist auch die letzte Szene, die vielleicht eine der wichtigsten Eigenschaften Hields unterstreicht, aber nur selten genannt wird: Hield hat eine kurze Erinnerungsspanne. Egal ob der vorherige Wurf ein Airball oder Swish aus acht Metern war und egal wie lange dieser Wurf her ist, Hield ist sich beim nächsten sicher, dass er drin ist. Hier verwirft Hield zunächst einen forcierten Dreier, um wenige Sekunden später wieder einzunetzen.

Um seinen Dreier herum konnte er nicht nur sein persönliches Spiel aufziehen, sondern auch die Sooners als Team profitierten von der Assasinmentalität des Seniors. Bei den Floppy- oder Diamond-Sets für Buddy konnten sich die Sooners in der Regel eines guten Wurfes gewiss sein. Noch schwieriger wurde es für Gegner, wenn Buddy als Decoy auf der Weakside eingesetzt wurde und sich damit Räume und Aktionen für die anderen Spieler ergaben.

Ein weiteres Beispiel für Hields Einfluss auf das gesamte Spiel ist das folgende Play, bei dem Hield eigentlich zwei staggered Screens als Misdirection Aktion erhält, um einen offenen Wurf zu haben. Die teils entstehenden Überreaktionen der Defense sorgten im Saisonverlauf immer wieder für einfache Punkte von Hields Mitspielern.


In der ersten Szene kann Hield die Blöcke genauso nutzen wie geplant und dadurch einen offenen Dreier versenken. In der zweiten Szene weiß der Verteidiger, was kommen soll und versucht Hield den Weg zu versperren. Hield liest diesen Ansatz und sprintet zur anderen Seite raus, wodurch er die Hilfe eines zweiten Verteidigers erforderlich macht und somit das Vierpunktespiel kreiert. 

In der dritten Szene versucht der Verteidiger zwar nicht, Hield den Weg abzuschneiden, allerdings stürzt sich bei Ballerhalt ein zweiter Verteidiger auf den Shooter. Hield erkennt sofort die Situation und passt den Ball uneigennützig zum freien Mitspieler weiter, woraus ein weiterer guter Wurf entsteht.

Durch die Gefahr, die von Hields Distanzwürfen ausgeht und dem gleichzeitigen Risiko zu überhelfen, versuchten viele Teams Hield durch aggressive Deny-Defense am Ballerhalt zu hindern. Einige Gegner stellten extra einen Bewacher gegen Hield ab, um ihn zu kontrollieren und auch wenn einige Spieler ihn dadurch durchaus mal eine Halbzeit lang außer Gefecht setzen konnten, schaffte es Hield es dennoch irgendwie seine Punkte zu erzielen.

Ein Weg waren beispielsweise harte Backdoorcuts. Dazu hatten die Sooners speziell zwei Plays, um Hield den nötigen Raum zum Cut und Finish zu geben. Das folgende Horns Play ist ein gutes Beispiel. Hield wird in einer Ecke geparkt. Ein Ballhandler erhält zunächst zwei Screens an der Birne, ehe er auf Hield zudribbelt.

Hield täuscht die Bewegung zum Handoff an, um anschließend sofort die Baseline im Rücken des Verteidigers entlang zu cutten. Die wenigsten Teams hatten auf dieses Play eine Antwort, selbst wenn sie darauf vorbereitet waren, weil Hield Gefahr von außen zu groß und seine Tempowechsel beim Cutten zu extrem waren.


In solchen Aktionen wird neben Hields Vermögen, aus seinen Vorteilen das Maximum herauszufiltern, zudem ersichtlich, dass Hield durchaus in der Lage ist, über Ringniveau abzuschließen. Zwar fehlt ihm diese Sprunggewalt noch, wenn er selbst zum Korb zieht, doch das Potential zu ordentlichen Finishes am Ring ist durchaus vorhanden.

Hield ist aber nicht nur ein Spieler, der davon lebt, dass sein Team Plays für ihn herunterspult. Er kann selbstständig Variation in seine Aktionen und Abschlüsse bringen. Gerade wenn er mal wieder eine seiner guten Phasen erwischt hat, kann Hield auf verschiedene Weisen seine Punkte sammeln.

Exemplarisch dafür können die folgenden Angriffe aus dem Spiel gegen Oklahoma State herhalten. Das besondere an diesen drei Offensivaktionen ist, dass sie direkt aufeinanderfolgen und insgesamt in einer Zeitspanne von nicht mal einer Minute zeitlich sehr eng beieinander liegen.


Zunächst verwandelt Hield einen Dreier von seiner Lieblingsposition, dem linken Flügel. Anschließend übernimmt er als Ballhandler selber die Verantwortung, sich einen guten Wurf zu erarbeiten. Sein Jumper im Stile eines Dirk Nowitzki ist etwas unkonventionell und auch eine Waffe, die er noch schleifen muss, doch Kreativität beim Abschluss besitzt der Guard. Abgerundet wird das Paket von einem weiteren Backdoorcut, den Hield sehr gut vorbereitet und mit einem Reverse-Layup krönt.

Den größten Schritt hat Hield jedoch definitiv bei seinem Ballhandling hingelegt. Selbst als Junior hatte Hield noch Probleme, konstant die Zone zu erreichen oder seinen Verteidiger auch nur halb zu schlagen. Daraus resultierten viele Spiele, in denen Hield zu sehr vom Sprungwurf abhängig war und viel zu selten an der Freiwurflinie stand.

Diese Kontaktscheue hat Hield mittlerweile abgelegt. Hield will nun in die Zone und sich nicht bloß auf den Wurf versteifen. Gerade in den Spielen, in denen es offensiv nicht so rund wie normal lief, konnte Hield sich oft den Einstieg in die Partie durch Freiwurfpunkte erleichtern. Die Freiwurfrate (0.33) ist zwar immer noch nicht überragend, allerdings deutlich besser als in den vorherigen Jahren und besonders das Timing der Freiwurfversuche liegt günstiger.

Das Ballhandling des Bahamaers ist zwar immer noch weit von Perfektion entfernt, allerdings reicht es mittlerweile aus, um zumindest die Verteidigung für nachlässige Arbeit zu bestrafen und somit Räume für Mitspieler zu schaffen. Obwohl Hield noch kein sonderlich sicherer Playmaker ist, zeigt er dennoch den Willen zum Extrapass und muss vor allem an Erfahrungswerten gewinnen, um solche Situationen noch besser zu lösen.


Hield hat eine gute Vision und kann selber gut einschätzen, welche Aktionen gelingen werden und welche Pässe ankommen. Oft reicht schon der einfache Pass aus, um für einen guten Wurf zu sorgen, wie es in den ersten beiden Szenen der Fall ist. Bei beiden bindet Hield einen zweiten Verteidiger und spielt den einfach Pass, wodurch sich gute Möglichkeiten zu einfachen Punkten für die Sooners ergeben.

Auch als Ballhandler im Pick & Roll hat sich Hield sichtlich verbessert. Er kann den Block zu beiden Seiten nutzen und entweder selber abschließen oder seinen Mitspieler finden. Hat er ein wenig Anlauf, rennt er einfach am Verteidiger des Blockstellers oder sogar an seinem eigenen Verteidiger vorbei und sorgt für Punkte in der Zone.

Allerdings tendiert Hield aufgrund seiner Unerfahrenheit in solchen Situationen, der fehlenden Sicherheit beim Ballhandling und aufkommenden Unkonzentriertheiten dazu, sich in missliche Lagen zu verfrachten. Hield dribbelt noch zu viel. Er muss lernen, sich schneller vom Ball zu trennen, wenn er von zwei Verteidigern unter Druck gesetzt wird. Außerdem schafft er mit seinen Dribblings wenig Raumgewinn und verliert dadurch oft Zeit für den Drive.

Teilweise gerät Buddy auch in Panik, was sich in schlechten Würfen, Schrittfehlern oder Offensivfouls widerspiegelt. Solche kopflosen Aktionen werden gerade in der NBA sehr viel schneller und härter bestraft, weshalb davon auszugehen ist, dass wir Hield als Pick & Roll Ballhandler zumindest in näherer Zukunft nicht so oft sehen sollten. Über drei Ballverluste leistete sich Hield in der vergangenen Saison pro Spiel, ohne jedoch seine Anzahl an Vorlagen im Vergleich zum Vorjahr signifikant steigern zu können.


Ein Problem, das Hield noch aufweist, ist seine fehlende Konzentration. Viel zu oft scheint Hield sich gar nicht des eng vor ihm stehenden Verteidigers, der auch mal nach dem Ball schlagen könnte, bewusst zu sein. So wird ihm relativ regelmäßig das Leder aus den Händen geschlagen. Auch bei seinen Drives haben Verteidiger mit flinken Fingern leichtes Spiel, dem Bahamaer den Spalding aus den Händen zu schlagen und zumindest den Drive zu stoppen.

Im Pick & Roll tendiert Hield wie bereits angedeutet zu panischen Aktionen. Besonders die letzten drei Aktionen stehen symbolisch dafür. Zwei Schrittfehlern und ein Offensivfoul resultieren aus demselben Fehler. Hield will die Verteidiger splitten, was er durchaus häufig versucht. Allerdings fehlt ihm dazu das Ballhandling und auch das Timing für den richtigen Moment, weswegen er in stehende Verteidiger rennt.

Ein weiteres Problem ist Hields Wurfauswahl. Auch wenn man geneigt ist, ihm viele seiner wilden Würfe angesichts seiner überraschend hohen Erfolgsquote zuzugestehen, kann Hield mit seinen leichtsinigen und überhasteten Würfen schnell dafür sorgen, dass nicht nur er selber, sondern das ganze Team den Rhythmus verliert und dadurch sogar das Spiel auf Messers Schneide steht.

Speziell früh in der Shotclock gibt es oft bessere Optionen als den Pullup Jumper oder einen Abschluss gegen zwei Verteidiger. Hier muss Hield noch lernen, geduldiger zu spielen. Zwar sind seine Spurts entlang der Außenlinie immer wieder eine Augenweide, allerdings sollten sie ihm keine Wurfgarantie gestatten.


Durch viele Würfe, die von einem verunglückten Pass eingeleitet werden und dadurch nur sehr geringe Erfolgsaussichten haben, ruiniert sich Hield selber die Quote. Ein weiteres Problem bei solch unkontrollierten Würfen ist, dass die Streuung der Fehlversuche groß ist und schnell zu Unterzahlsituationen in der Transition führen kann.

In vielen Spielen hatte Hield Halbzeiten, in denen scheinbar nichts fallen wollte. Meist war das die erste Halbzeit und es folgte eine Leistungsexplosion in der zweiten. Allerdings lässt sich Hield auch von solchen Schwächephasen nicht beirren, was ihm durchaus als Vorteil ausgelegt werden kann (wie weiter oben geschehen). Dennoch stört es den Offensivfluss des gesamten Teams und eine solche Narrenfreiheit wie unter Lon Kruger wird Hield in der NBA gleichwo nicht mehr erhalten.

Insgesamt ist Hield der beste Schütze des Jahrgangs und verfügt über riesige Instinkte als Scorer. Er weiß genau, wie er seinen Verteidiger austricksen kann und sich Würfe verschafft, die er treffen kann. Gelingt es ihm in Zukunft, sein Repertoire an Crossovern und Pässen zu erweitern und somit noch leichter an seine Dreier zu kommen, ist Hield selbst auf NBA ein schwieriges Matchup. Seine nicht endenwollende Energie wird vielen Verteidigern den letzten Nerv rauben. 

Ob er jedoch jemals ein Spieler sein wird, dem man guten Gewissens den Ball in die Hand drücken und kreieren lassen kann, wird sich zeigen müssen. Es ist nicht ausgeschlossen aufgrund der bereits erreichten Fortschritte in relativ kurzer Zeit, allerdings muss Hield dafür perfekte Bedingungen vorfinden und sich optimal entwickeln.


In der Verteidigung ist Hield nicht sehr leicht auf seine NBA Tauglichkeit einzuschätzen. Das hängt vor allem mit der Defense der Sooners zusammen. Denn Coach Kruger ließ alle Cuts, Handoffs und Pick & Rolls zwischen den Positionen Eins bis Vier bedingunglos switchen, was für Hields NBA Karriere gleichermaßen von Vorteil und von Nachteil sein kann.

Ein solches permanentes Switchen erfordert ein hohes Maß an Kommunikation, Spielverständnis und Bereitschaft. Denn bereits ein einzelner Fehler kann fatale Folge haben. Gerade als Teamverteidiger sollte Hield daher glänzen können. Er rotiert meist richtig, wenn es gefordert ist und ist clever genug, die folgenden Rotationen zu erkennen. Viele Collegespieler genießen einen solchen Luxus nicht und müssen sich ein solches Selbstverständnis erst aneignen.

Allerdings führt vermehrtes Switchen auch zu organisierter Unverantwortlichkeit, da jeder sich auf die Hilfe und Rotation des jeweils anderen verlässt, was zu Missverständnissen und kompletten Breakdowns führen kann. Hield selber ließ sich oft dabei erwischen, wie er sich nur auf den Ball konzentrierte und seinen eigenen Gegenspieler komplett aus den Augen verlor. Außerdem hat er eine Vorliebe für riskante Stealversuche, die zu oft in die Hose gehen.


In den ersten beiden Situationen rotiert Hield nach Vorgabe, weswegen man ihm angesichts der großen Freiheiten seines Gegenspielers keinen Vorwurf machen kann. Allerdings sieht er beide Male beim Closeout schlecht aus. Zuerst springt er ab und wird damit geschlagen. Im Anschluss ist sein Closeout viel zu langsam und beim Wurf seines Gegenspielers hebt er nicht mal den Arm. Angesichts seiner geringen Größe muss er jedoch wenigstens seine Spannweite ausnutzen.

Bei vielen Drives lässt Hield zudem seinen Gegenspieler zu schnell an sich vorbeiziehen. Schon beim ersten Kontakt praktiziert Hield keine klassischen Defense Slides mehr, sondern will nur den Kontakt matchen, wodurch er seine tiefe Grundhaltung verliert und sofort geschlagen wird.

Die Transition Situation ist ein Musterbeispiel der angesprochenen Verantwortungslosigkeit. Hield hat einen Vorsprung gegenüber Kansas Big Landen Lucas und sollte diesen dazu nutzen, Lucas am Rimrun zu hindern. Allerdings lässt Hield Lucas einfach an sich vorbeispazieren und verlässt sich darauf, dass Lucas noch früh genug gestoppt wird. Das ist nicht der Fall und Lucas ist frei unter dem Korb.

Auch bei der zweiten hervorgehobenen Szene wird eine schlechte Angewohnheit Hields deutlich. Nachdem sein Gegenspieler auf die Weakside cuttet, bleibt Hield unvermittelt stehen, deutet seinem Mitspieler noch den vermeintlichen Switch an und konzentriert sich fortan nur noch auf den Ball. Doch als dann Drive kommt, schlägt Hield nur ein mal nach dem Ball und belässt es dabei. Eine klare Hilfe ist nicht zu erkennen, weswegen er eine Mitschuld an den zwei Punkten trägt.

Auf der anderen Seite ist Hield aber durchaus ein brauchbarer Verteidiger. Er kann grundsätzlich seinen Gegenspieler vor sich halten und sogar unter Druck setzen. Auch als Teamverteidiger sind auf seine Rotationen größtenteils Verlass. Wie seine Defense optimalerweise aussehen kann, zeigen die folgenden Szenen:


Während die erste Szene für sich selbst spricht und den Unterschied Freshman-Senior verdeutlicht, sind vor allem die letzten beiden Situationen interessant. Zunächst übernimmt Hield für den geschlagenen Mitspieler und stoppt den Drive exzellent. Anschließend beweist er seinen guten Riecher für Steals und schleicht sich unter den Korb, nachdem der Big ihm den Rücken zuwendet, wodurch Hield den Ball klauen kann.

In der letzten Defensivsequenz rotiert Hield zum Innenspieler am Zonenrand und verhindert den Durchstecker, ist aber dennoch rechtzeitig an der Dreierlinie, um den Wurf seines Gegenspielers zu verteidigen. Solche Konstellationen aus dem High Pick & Roll wird Hield häufiger vorfinden. Umso wichtiger es also, dass er diese Rotationen schaffen kann.

Hield besitzt also durchaus die Anlagen, zu einem soliden Verteidiger zu reifen, muss sich dafür jedoch viele Angewohnheiten der vergangenen Jahre wieder abtrainieren und weniger auf Steals spekulieren. Gelingt ihm das, sollte er zumindest im Teamverbund ein ordentlicher Verteidiger sein. Dass Hield ein engagierter Rebounder ist und sich hier voll einbringen sollte, ist ein weiterer Pluspunkt des Scorers.

Zwei Faktoren, die ebenfalls einen großen Einfluss auf Hiels bisherige Entwicklung hatten und den Grundstein weiterer Leistungssprünge bedeuten sollten, insgesamt aber nur wenig Beachtung finden, sind sein Charakter und Lon Kruger.

Zum einen ist Hield ein ausgesprochen positiver Mensch, der als harter Arbeiter gilt und seine Mitspieler jederzeit emotional pusht. Zum anderen hatte er mit Kruger einen Lehrmeister, der selber schon in der NBA gecoacht hat und eine Menge Erfahrung aufweisen kann. Er wird Hield sehr genau auf die anstehenden Aufgaben vorbereitet haben und ihm wichtige Lektionen für das Überleben in der Profiwelt an die Hand gegeben haben.